Bei Lehrer du musst richtig schleimen!


Feeeeerieiiiennnnn!!!!! Endlich!!!! Was kann ich anderes tun als singen und tanzen? Singen und Tanzen!!!!

Eben war der Deutschlehrerfreund hier zum anstoßen mit Kaffee. Der Ferienbeginn will ja befeiert werden. Und dann haben wir uns das Video vom Julklapp noch mal angesehen.
Abdul hat echt Talent. Er sollte Weihnachtsmann werden. Michael hat gefragt, was Abdul sagte, als er mir das Geschenk überreichte. Ich zitiere wörtlich:

“Hier ein Geschenk für Frau Freitag. Ich kenn’ sie sehr lange. Ab und zu seh’ ich sie auch bei Lehrerzimmer und bei Elternabend. Sie ist immer sehr nett. Erstmal, sie weiss ich bin schlecht in der Schule, aber sie erzählt, also sie bringt rüber immer erst die die schlechte Nachricht, dann die gute, aber die gute überdeckt die schlechte.”

Dann komme ich nach vorne und wir umarmen uns. Abdul hält eine Tüte hoch mit einer libanesischen Tanne: “Hier sind die Geschenke, zwei Geschenke, weil bei mir ist immer so: Wenn ich ein Jungen ziehen würde – ich hol ihm Parfüm oder was Billiges, bei Mädchen musst du schon ein bisschen mehr achten, so, damit sie dich mag, aber bei Lehrerin – du musst richtig schleimen!!!! ”

Ich finde dem ist heute gar nichts hinzuzufügen!
SCHÖNE WEIHNACHTSFERIEN EUCH ALLEN!!!!!!!

Vertretung

Frau Freitag ist virös belastet….! Oder war es nervös? Oder beides?

Jedenfalls soll ich kurz Bescheid sagen, dass sie heute hier nicht mehr vorbeikommt, sondern sich mit einigen Drogen (nein, natürlich nicht halluzinogener Art, sondern mehr Richtung Hustensaft und Aspirin) auf ihr Lager zurückgezogen hat.
Eine gute Lehrerin (und das ist Frau Freitag) wird ja grundsätzlich in den Ferien krank…..oder ganz kurz vorher.
Ist nicht morgen überhaupt ihr Julklapp? Na, dann muss sie ja auf jeden Fall in die Schule…Herzlichen Glückwunsch..

So. Psssst! Und jetzt schreit hier bitte nicht weiter rum, verzieht euch mal lieber, sonst wird sie wach!!!

Viele Grüße und tschüss !
(Ihr könnt ja ruhig zu mir aufn blog kommen, falls ihr euch langweilt!)

Frl. Krise

Saturday night life

Hannah bekommt eine Geschenkpackung “Vanille-Jasmin Dream-irgendwas” – Duschgel, Bodylotion noch so was und ein rosa Schwamm. Alles in einer schönen Packung. Für 5.45 Euro. Sieht super aus, lässt sich gut einpacken und überhaupt.

Obwohl ich ja dieses Jahr gar nichts mit Weihnachten zu tun haben wollte und deshalb extra seit September nicht mehr in einem Supermarkt war, hat mich dieser ganze Christmaskram doch fest am Wickel. Bin gerade vom Wichteln gekommen. Gibt es ein furchtbareres Wort als Wichteln?
Wichteln sagt man, wenn man eigentlich Julklapp meint. Nur man will irgendwie cooler sein und man verschenkt nichts Schönes, sondern Schrott. Wir sollten ein gutes und ein blödes Geschenk mitbringen. Der Freund hat mit diese Wichteleinladung eingebrockt und deshalb muss er sich auch um die Geschenke kümmern. Kinderfeuerwerk, eine Fantastische Vier Figur aus einem Happy Meal von McD, Smarties und Comics. Und – und hier hört der Spaß eigentlich auf – eine meiner geliebten 100 Watt Glühbirnen, die ich mir aus dem Urlaub in einem unökologischen Schwellenland mitgebracht habe. Schwer ranzukommen an die Dinger – hierzulande.
Jedenfalls wird gewichtelt und am Ende habe ich eigentlich doch ganz gute Sachen: Papst J.P.II – sein Leben, seine Zeit, sein Wirken – auf DVD, die super Kriegsfilm Collection – drei Filme auf einer DVD: High Sky Mission, Going back und Jäger der Apokalypse und was ganz Feines: das Rauschgift Quartett. Da erfährt selbst der größte Junky noch Wissenswertes. Also ich bin ganz zufrieden mit meinen Geschenken. Mein Freund hat nur eine Bernhard Brink Single bekommen.

Ich überlege ja, ob ich dem Ronnie nicht noch das Quartett zum Julklapp schenke. Der kennt sich zwar schon gut aus mit Tilidin, aber von den ganzen anderen Opiaten, Sedativa und Amphetaminen hat der doch noch gar keine Ahnung…

Nie endet der Julklapp


Nun dachte ich, ich hätte diesen Julklapp erledigt – also die Vorbereitung dafür und dann kommt Frau Hinrich in meinen Raum. Letzte Stunde, Dschinges und die anderen basteln gerade an ihren Pinguinen und labern unheimlich unerträglichen Schwachsinn, als die Tür aufgeht. Frau Hinrich fröhlich, mit Jacke und Tasche. Sie hat früher Schluss weil sie mit ihrer Klasse ein Projekt gemacht hat. “Soll ich dir einen Kaffee holen?” “Ja, gerne. Schwarz bitte.” Und weg ist sie. Und die kommt gar nicht wieder. Irgendwann bemerkt Dschinges: “Diese Frau Hinrich wollte Ihnen doch einen Kaffee holen. Wo bleibt die denn?”
“Dschinges, kannst du Gedanken lesen? das Gleiche wollte ich auch gerade sagen.” Ach schön, dieser regelmäßige Unterricht scheint uns geistig in die gleichen Bahnen zu tunen. Zu Hause rede ich wie die Schüler: “Was geht, Frl. Krise? Gehst du Karstadt?”

Aber irgendwann kommt Frau Hinrich mit dem Kaffee. Sie läßt sich erschöpft neben mich auf den Stuhl plumpsen. “Ach Frau Hinrich, ist gut, dass du kommst. Beim Julklapp hat sich was geändert.” Ayla und Elif kamen heute ganz aufgeregt zu mir. Es gäbe Probleme, da Mariella irgendwie zweimal gezogen hätte und da sei dann einiges durcheinander gekommen. Jedenfalls hat Hannah niemanden. Und sie müssten jetzt unbedingt wissen, wen Frau Hinrich und ich gezogen haben. “Also ich habe Bilal und Ronnie und Frau Hinrich hat Christine.”
“Christine wurde aber schon von Peter gezogen.”
Dann kann doch Frau Hinrich Bilal nehmen, denn ich habe doch zwei.” “Aber Hannah kann sich doch nicht selbst beschenken.” gibt Ayla zu bedenken. Elif sagt uns, wie wir das machen sollen: “Frau Hinrich beschenkt Hannah und Hannah nimmt Bilal und Sie behalten Ronnie.” Ich denke an die Federtaschen, die ich doch schon gepackt zu Hause rumstehen habe. “Okay, das können wir so machen.”

“Frau Hinrich, du beschenkst jetzt doch nicht Christine, sondern Hannah.”
“Du genau darüber wollte ich mit dir sprechen. Ich schaff das gar nicht, ein Geschenk zu kaufen. mach du das mal für mich, ja? ich geb’ dir das Geld.”
Na toll, bin ich also immer noch nicht fertig mit diesem blöden Julklapp. Die Federtasche mit dem Gelben Stern ist ja nun gar nichts für Hannah…. muss ich morgen noch mal los. Schönen Dank
auch Frau Hinrich.

Julklapp, entpuppt sich mal wieder zu einem endlos Thema.

Und kann mir mal jemand mal sagen, was in diesem Bildungspaket sein soll, dass im Januar für die Hartz4 Kinder kommen soll? Ich hoffe Stifte, Federtaschen, ausreichend Papier und ein Schulabschluss.

Jedes Jahr der gleiche Stress

Julklapp. “Was ist jetzt mit Julklapp, Frau Freitag?” Ayla interessiert sich schon seit Wochen für nichts anderes mehr. Bisher konnte ich sie immer vertrösten. Irgendwann muss ich mich allerdings dem Julklapp und seiner Vorbereitung stellen.

“Okay Ayla, frag’ mal die Klasse, ob die das wollen und dann organisiere das mal.”

“Aber können wir dann auch ein Frühstück machen?”

“Ja. Machen wir dann in der dritten Stunde.”

“Aber auch in der Zweiten.”

“Nein, da habt ihr Deutsch. Wir machen das nur in der dritten Stunde.”

“Aber eine  Stunde reicht nicht!!!!!”

Langes hin und her. Jetzt macht Frau Hinrichs in ihrer Deutschstunde auch mit und zwangsläufig macht sie auch Julklapp mit.

Ist ja schon ein Jahr her mit diesem Julklapp, aber war nicht der Gag dabei, dass man nicht gleich weiß, wer wen gezogen hat? In meiner Klasse schreien sie es sofort raus. Jeder wird sofort informiert. Abdul öffnet seinen Zettel. Kurzes Entsetzen: “Ich hab’ Frau Freitag.” Dann ein Erleichtertes: “Ach, das macht meine Mutter.” Und wie sie das machen wird! Ich freue mich jetzt schon auf ein schönes Geschenk von Mama Abdul. Und ich kann jetzt schon garantieren, dass das nicht nur 5 Euro kosten wird. Ich überlege schon, was ich kaufen könnte. Hoffentlich ziehe ich eins von den Disco-Mädchen, dann bekommt die billige Wimperntusche und Lipgloss oder so was. Ronnie sitzt direkt vor mir und grinst: “Hoffentlich ziehe ich nicht Frau Freitag.” Jetzt denkt der sich wahrscheinlich wieder eine Gemeinheit aus. Scheinheilig frage ich: “Warum?”

“Frau Freitag will bestimmt eine WII.” Süß.

“Ja, hätte ich wirklich gerne.” sage ich ihm begeistert. Vor allem, wo doch der Deutschlehrer mir seit Wochen sagt: “Kauf dir mal eine Wii! Du hast doch Kohle” (Sein Lieblingssatz, weil er nie Geld hat). Und es gäbe ein Programm, mit dem man Rappen lernen könne. Ich dachte immer auf dieser Wii kann man nur so kreplige Pseudo- Turnübungen machen. Aber Rappen lernen…

Alle ziehen, alle kreischen, sie ziehen für die fehlenden Schüler, für Mariella, die ich rausgeschmissen habe, weil sie nicht aufhörte zu essen und dann noch pampig wurde. Alles läuft wunderbar bis zum Schluss. Ich bin die letzte und da sind noch zwei Zettel drin. Ayla ist überrascht:”Häääh? Wieso sind da zwei drin? Muss doch nur noch Frau Freitag ziehen.” Ich nehme die beiden Zettel. Bilal und Emre. Plötzlich nimmt mir Ayla die Zettel wieder aus der Hand, verschwindet, kommt kurze Zeit später wieder und hat immer noch die zwei Zettel.

“Na Ayla, dann gib her, dann muss ich eben zwei Geschenke besorgen.” Ich nehme die Zettel und stecke sie mir in die Hosentasche.

Im Lehrerzimmer hole ich die Zettel aus der Tasche. Und da steht Bilal und,…Ronnie!

Schon wieder eine neue Unterrichtsmethode erfunden


Müde. Sehr Müde. Aber muss ja, muss ja, schreiben, Kaffee, Zigaretten, Sport… einer muss ja.

So. Wolltet ihr nicht schon immer mal wissen, wo der Spruch: “Wer zuerst kommt malt zuerst” herkommt? Der kommt aus meinem Unterricht. Eine spontan erfundenen Unterrichtsmethode.

Heute morgen begebe ich mich widerwillig in meinen Raum. Früh genug, um noch die Zeichenvorlagen zu suchen, die ich meiner Klasse heute im Kunstunterricht vorsetzen will. Ich brauche noch ein paar kleine Noten von ihnen und für große künstlerische Würfe sind wir alle schon zu müde. Ich suche also diese Vorlagen in meinen Schränken, in den Regalen. Nichts. Ich finde viel, aber nicht das was ich suche.

Vor einigen Jahren wäre ich in dieser Situation in Panik ausgebrochen. Noch 10 Minuten bis zum Unterrichtsbeginn und noch keine Aufgabe in Sicht. Heute – abgebrüht berufserfahren – grabe ich mich durch die Berge von Material, die ich in meinem Raum angehäuft habe und werde fündig. Aquarellvorlagen. Das isses. Ein Kollege hatte mir mal lauter alte Kalender mit kitschigen Blumenmotiven geschenkt. Alles aquarelliert.

Ich finde ungefähr 20 verschiedene Motive. Die magnetisiere ich alle an der Tafel. Ich kann kaum hinsehen – sie sind so kitschig, geradezu romantisch. Dazu schreibe ich: Neues Thema: Aquarellieren. So. jetzt können sie kommen. Es kommt nur Esra. “Ohhhh, wie schöööön. Machen wir das heute?” Dann kommt Peter und dann klingelt es.

Ich fange an die Nichtanwesenden aufzuschreiben. “Peter, hier ist ein Blatt, schreibe mal jeden der Reihe nach auf, der jetzt reinkommt.” Nach zehn Minuten sind alle da. Ich erkläre die Aufgabe. Wir klären schnell, was Aquarellieren ist. Die Italienerin klärt uns auf – ach ich liebe meine kosmopolitische Klasse. “Ich will das mit den Rosen.” schreit Ayla. “Nein, das will ich schon “kreischt Christine.

Ich bleibe ganz cool. Früher wäre die Stunde jetzt ins Chaos entglitten, denn die Alphatiere hätten sich die Vorlagen genommen, die sie sich ausgewählt hatten und die Opferschüler hätten schweigend geschmollt und jegliche Mitarbeit für den Rest der Stunde boykottiert, wegen Ungerechtigkeit.

“Sorry Ayla, aber es gibt schon eine Reihenfolge. Als erstes darf Esra sich ein Bild aussuchen. Dann Peter. Wer zuerst kommt malt zuerst.”

Peter liest die Namen vor, alle kommen gesittet nach vorne, suchen sich ein Motiv aus, ich händige das Aquarellpapier aus und alle beginnen zügig mit der Arbeit. Es gibt keinen Streit und keinen Stress. Ich bin begeistert, von meinem Unterrichtseinstieg.

Nach zehn Minuten herrlichster Ruhe kommt Bilal mit einem total vollen Rucksack zu mir. “Frau Freitag, darf ich was essen?”
“Nein, wir haben doch jetzt Unterricht.”
Er öffnet seinen Rucksack und der ist voll mit kleinen Tüten vom Bäcker, trocknen Chinanudeln und Süßigkeiten. Es sieht aus, als würde er das Wochenende in der Schule verbringen wollen.
“Frau Freitag, bitte, ich hab’ so Hunger. Hier, hier, nehmen Sie auch was. Hier!”
Er zieht eine Tüte raus.
“Hier hmmmm lecker Vanillietasche, mit Schockolade, für Sie, hier, nehmen Sie.” Ich nehme die Tüte. Sieht lecker aus, diese Tasche. Ich breche ein winizig kleines Stück ab und als ich es in den Mund stecke bemerke ich, wie ich von meiner gesamten Klasse beobachtet werde.

“Abbooooo, sie isst!” Und ab da gab es kein Halten mehr. Alle holten ihr Frühstück raus, Bilal verteilte großzügig Süßigkeiten (geizig sind meine Schüler nicht) und dann wurde gegessen, bis zum Klingeln.

“Frau Freitag, wir machen einen Deal”, sagt Bilal beim Rausgehen “Ich bringe Ihnen immer Vanielletaschen mit und sie schreiben nicht mehr auf, wenn ich zu spät komme”. Ich schüttle nur den Kopf, weil ich mit der Gummischlange im Mund nicht sprechen kann. Abdul schiebt Bilal durch die Tür und sagt: “Abooo Frau Freitag wäre voll fett am Ende des Schuljahres.”