Revolution bitte erst nach dem Referendariat

Das Gute am Winterferien-haben ist ja vor allem, dass man Sonntagabend Tatort und am nächsten Morgen die Wiederholung vom letzten Tag Dschungelcamp gucken kann. Schlecht ist, dass dieses große Wiedersehen beim Dschungelcamp so langweilig ist, dass man eigentlich auch in die Schule gehen könnte. Tja. Geht ja nicht – Schule ist wahrscheinlich zu und selbst, wenn sie offen wäre – Schüler wären nicht da – wen also sollte ich dort unterrichten.

Ich gucke also rum, was bei Facebook so los ist und da schreibt mir ein Freund, dass er gleich los müsse – zur Vereidigung. Er beginnt nächste Woche sein Referendariat und der einzige Tipp von mir ist, dass er gleich in die private Krankenversicherung eintreten soll, damit er sich seine Zähne sanieren lassen kann. Habe ich damals jedenfalls gemacht und meine Zähne sind jetzt top.

Aber ist das der einzige Tipp für Referendare? Uns sagte man damals bei der Vereidigung – „Jeder wird Sie um Ihre Ferien beneiden – keiner um Ihren Job“ Und ja – das stimmte – aber was nütze mir das denn in den folgenden 24 Monaten?

Ich hab‘ im Referendariat so einiges falsch gemacht. Ich habe das ganze Referendariat irgendwie gar nicht richtig verstanden. Ich fand zunächst alles super. Frau Dienstag und ich waren bestimmt die einzigen in unseren Seminaren, die sich über die Sommerferien geärgert haben.
„Waaas, jetzt schon keine Schule mehr? Wenigstens die Seminare könnten doch in den Ferien stattfinden.“
Wir dachten beide, dass wir DIE geborenen Lehrerinnen seien. Dieser Zahn wurde uns schnell gezogen. Frau Dienstag erlag anfangs der Vorstellung, dass sie so ein Naturtalent sei, dass man ihr sagen würde, dass sie das Referendariat gar nicht machen müsse und man sie sofort in den Schuldienst schicken würde. Dem war nicht so.

Ich dachte – ich werde alles ganz anders machen, als die anderen und das wird den Seminarleitern voll den Kopf wegblasen.
Vor meiner ersten Vorführstunde dachte ich – so, der Seminarleiter soll jetzt mal eine ganz authentische Stunde sehen, darum werde ich den Schülern mal nicht sagen, dass da jemand kommt, der uns beobachtet. Dann habe ich extra für diese Stunde noch einen neuen Sitzplan erstellt. Was ich mir dabei gedacht habe kann ich gar nicht mehr nachvollziehen. Aber das Ergebnis war wirklich einmalig. Mein Seminarleiter sagte: „Frau Freitag, ich bin jetzt seit 10 Jahren in diesem Job. Aber so was habe ich NOCH NIE gesehen.“ Und damit meinte er nicht, dass er mir sofort einen unbefristeten Vertrag anbieten will.

Bei mir hat es sehr lange gedauert, bis ich gecheckt habe, worum es im Referendariat geht. Hätte ich es früher kapier, hätte ich mir viel Ärger und Stress erspart.

Aber ihr frischen Lehramtsanwärter könnt es auf jeden Fall besser machen, als Frau Dienstag und ich.

Hier meine Tipps:
Hört genau hin, was die drei Seminarleiter wollen. Und da will jeder was anderes. Findet möglichst schnell heraus, worauf die stehen. Wollen die den Lehrer, der sich voll zurücknimmt? Wollen die das mega Methodenfeuerwerk, wie sollen die Phasenwechsel sein, sollen eher die Schüler alleine arbeiten oder sollst du dich da vorne produzieren?
Fragt am besten die Referendare, die schon eine Weile dabei sind. Fragt, worauf die Seminarleiter besonders achten, was sie überhaupt nicht mögen, welche Bücher sie empfehlen und vor allem welche Kekse sie gerne essen. Ich habe für die Nachbesprechungen immer Kekse mitgebracht. Solche, die selbst gebacken aussahen. Und der eine Seminarleiter fragte doch wirklich, ob ich die selbst gebacken hätte.

Okay, wenn ihr wisst, was die Seminarleiter gut finden – dann MACHT IHR GENAU DAS!!!!!! IMMER WIEDER!!!! Auch, wenn ihr das gar nicht gut findet. Sorry, aber die große Selbstverwirklichung muss warten. Ihr könnt später so strange und extravagant unterrichten wie ihr wollt. Aber um Individualität geht es im Referendariat nicht. Es geht nur um die Eitelkeiten der Seminarleiter und dass sie sich in eurem Unterricht wieder erkennen. Und besonders gute Noten bekommt man, wenn man besonders schöne Arbeitsblätter macht. Denn jeder Seminarleiter geiert auf die aufwendig erstellten Unterrichtseinheiten von euch. Die setzen sie dann in ihrem Unterricht ein und da klappen die dann auch sehr gut, denn der Seminarleiter hat wahrscheinlich weniger Disziplinprobleme als ihr. Und schreibt bloss nicht so ein albernes c-mit eurem Namen auf die Materialien. Voll albern und der Seminarleiter muss das dann erst mühsam wegtippexen.

Und wenn ihr schon Unterrichtserfahrungen habt, dann schreit das nicht zu laut raus. Seminarleiter mögen keine Leute, die meinen sie wüssten schon alles. Sie werden euch sofort klarmachen, dass ihr doch nicht alles wisst. Referendariat funktioniert wie die Grundausbildung beim Militär. Erstmal werdet ihr auseinandergenommen und dann von den Seminarleitern neu zusammengesetzt. Aber dann lasst euch auch auseinandernehmen und neu zusammensetzen. Verärgert die Seminarleiter nicht. Das sind teilweise ganz seltsame Leute, die diesen Job vor allem machen, um sich ihr eigenes Ego aufpolieren zu lassen.

Ich hätte mir damals mit diesen Tipps wirklich viel Ärger ersparen können. Und Frau Dienstag bestimmt auch. Jetzt würde mich noch interessieren, ob die erfahrenen Lehrerleser mir zustimmen oder nicht.

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Allgemein

46 Gedanken zu “Revolution bitte erst nach dem Referendariat

  1. Genau so isses! Je tiefer man im Popo des Seminarleiters steckt, desto besser. Ich fands ganz furchtbar und konnte mich nur bis zu einem bestimmten Grad verstellen und hab daher auch nur mit 2 abgeschlossen. Nach dem Referendariat beginnt das Leben und die Freiheit. Nicht, dass es dann nicht mehr anstrengend ist, aber man macht sich wenigstens für sich selbst und die Mausis platt…
    Frau Freitag, du weißt was läuft!

  2. Recht haste! Unsere Seminarleiter sind GENAU SO!
    Hauptseminarleiter: Schüleraktivität, Sie müssen die Schüler motivieren und aktivieren, das ist Ihr Job, dass die Schüler die Stunde voll nutzen um tätig zu sein. Und machen Sie nichts Organisatorisches in der Stunde!
    Geschichte: Ich will dass Sie schöne Einstiege machen, mit einem guten Einstieg läuft die halbe Stunde!
    Deutsch: Organisieren Sie sich Aufgaben weg, dafür haben sie Schüler; Tafelwischer, Polyluxaufbauer, Lichtausschalter und wenn Sie Arbeitsblätter machen, machen Sie die auf buntem Papier. Und fragen Sie sich immer: Ist es funktional!

  3. Müsste jetzt aber nicht eigentlich zur großen Revolte der gesamten deutschen Lehrerschaft aufgerufen werden?

    Das erste was man als Lehramtstudent auf dem Erstiabend über das Referat gesagt bekommt klingt genau wie Ihr Post.

    Während Ihr Blog im Sabbatjahr war hat irgendeine grosse Wochenzeitung „die Wahrheit“ herausposaunt

  4. Ach, da hatten wir österr. Haupt-, ähhh inzwischen Mittelschullehrer es viel einfacher: Praxis während der Ausbildung, und dann gleich ab in die Vollen. Man lernt mit dem Tun (und keiner hats beobachtet 😀 ). Lebensschule. Ich hatte super Kollegen und inzwischen gibt es für Berufsanfänger offizielle Mentoren. glg Petra

  5. Hui, ich hab mein Refendariat ja noch vor mir, aber das werde ich mir dann wohl merken. Vor allem die Sache mit den Keksen. 😉 Aber das fängt ja zum Teil auch schon im Studium an. Man macht doch unterbewusst sehr oft genau das was der Dozent zum Thema hören möchte.

    Übrigens find ich Ihren Blog sehr super, liebe Frau Freitag. Auch wenn ich eher die stille Leserin bin.

  6. Frau Freitag hat so Recht!!!
    Ich habe 1/2 Jahre lang Arbeitsaufträge auf Pappstreifen geschrieben! Schrecklich.
    Aber man tut es für eine gute Note. .. Danach wird es dann endlich lustig. Heute stehe ich sooft in der Klasse und denke „boa, ist das super“ . Wenn man unterrichten kann, wie es einem echt Spaß macht, fängt das Lehrerleben an 🙂 Vorher, liebe Kollegen im Ref. hört auf Frau Freitag! !

  7. Ist so. Leider. Und bei jeder Revision holt einen das wieder ein. Und noch viel mehr, wenn die betreuten Referendare besucht werden.
    Das Referendariat würde ich auch nicht nochmal machen wollen – bei mir war für den einen Fachleiter das Bild, das er sich im ersten Besuch gemacht hat, wohl entscheidend; der andere meinte erst „was soll ich ihnen noch beibringen“ um dann im Examen zu sagen „ne, so geht das nicht“. Für mich habe ich in Besprechungen häufig festgestellt, dass ich Kritikpunkten durchaus zustimmen konnte, meinen Schwerpunkt in der gezeigten Stunde aber in der Regel woanders gesehen habe als der Beobachter.

  8. Leider kann auch ich Deine Worte nur bestätigen.

    Noch nie in meinem Leben habe ich so sehr an mir und mich als Person gezweifelt, wie im Referendariat.
    Und heute? Heute weiß ich wo ich stehe, mache mein eigenes Ding und es läuft!
    Mittlerweile denke ich, das Referendariat ist nur dafür da, um Dich abzuhärten. Wer mit den Kollegen (Seminarleitern und Mitreferendaren!) nicht klar kommt und deren Marotten und Stolpersteine nicht überlebt, wird wohl auch den Schulalltag nicht überstehen.

    Vll ist das Referendariat unser persönliches Bootcamp?!
    Heil kommt nur heraus, wer sich anpasst und sich eine dicke Haut zulegt….
    …schade eigentlich, denn kann man mit Stress, Unsicherheit und vll sogar Angst wirklich langfristig etwas lernen?

    Da machen am Ende die Seminarleiter genau die Fehler, die sie bei anderen im UB bemängeln….

    Schüler: „Frau Lehrerin, was haben Sie mir unter meine Arbeit geschrieben? Ich kann das leider nicht lesen.“
    Lehrerin: „Du musst sauberer schreiben!“

  9. no chance. mir wurde auch gesagt, das sei schlimmer als militär. okay, ich bin sonderschullehrerin, die seminarleiter waren die deppen vor dem herrn. war mir relativ wumpe. ich habe sogar mal eine frontalstunde bei einer hospitation gezeigt O_o in meine abschlussprüfung habe ich dann den seminarleiter mit am wenigsten wissen in der birne und am wenigsten arsch in der hose gewählt, in der hoffnung, dass die fremdprüfer den platt machen. ging voll auf. ich glaube zwar bis heute, dass ich eine schlechte lehrerin, aber eine ute pädagogin bin, aber die eins steht vor dem komma *proll* refrendariat war super. wenig unterricht, viel freizeit- haha! allerdings kann ich leidende refrendare gut verstehen. auf die dicke des fells kommt es an.
    liebe grüße,
    jule*

  10. Ganz genau so ist es. Ich habe gehofft, im Ref zu lernen, wie man unterrichtet. Habe ich auch – durch Unterrichten. Nicht durch die Seminare, sondern durch den Einsatz vor den Klassen. Mein Studienseminar war zwar nicht so fies wie manche andere, aber es war schlimm genug, mit den Eigenheiten und Vorurteilen der objektiven und vorurteilsfreien Fachleiter klar zu kommen. Mein Hauptseminarleiter hat mir dafür am Examenstag den Hintern gerettet…

  11. Habe neulich eine Referndarin bei einer Zugfahrt kennengelernt. Hier in Sachsen wird das Ref auf ein Jahr gekürzt und ich wollte wissen, wie sie das findet. Antwort: „Sei um jeden Tag den das Referendarit gekürzt wurde dankbar!“ Das sagt doch alles und ist eigentlich ziemlich schade.

  12. Ich bin gerade selbst im Ref. Stehe sogar kurz vor der ersten Lehrprobe… Kann hier nur zustimmen. Manche Sachen, die Fachleiter sehen möchten, kann man fast als lächerlich bezeichnen…
    Aber wie immer: Frau Freitag, you made my day 🙂

  13. Also meine (völlig unqualifizierte) Meinung dazu ist, dass es stimmt, dass viele Seminarleiter den Schuss nicht gehört haben. Aber dass man auch durchaus Glück haben kann, wie ich in meinem letzten Praktikum (jaja Ref ist was anderes, schon klar 🙂 ) erfahren durfte. Der Punkt ist glaube ich, auch wenn man bei den verrückten Leitern schön den Mund halten und in den Arsch kriechen sollte, sich immer zu behalten, warum man den Job macht und was einem dabei wichtig ist. Denn das Ref geht vorbei und dann muss man wissen, was man den Kleenen erzählen will.

  14. Kann ich so nicht nachvollziehen. Ref war echt mörderisch – wegen dem Zeitaufwand. Aber nicht wegen der Seminarlehrer (wir hatten mehr: Je Fach einen, außerdem Pädagogik, Psychologie und Schulrecht). Unser Physik-Seminarlehrer was echt cool – der hat uns ausprobieren lassen. Beispiel: Nächsten Donnerstag haben wir die 9b,c und f mit demselben Thema. Wer will Frontalunterricht, wer Gruppenarbeit und wer will Freiarbeit/Schülerversuche durchführen? Hinterher haben wir die Stunden gegeneinander verglichen und ’ne Menge dabei gelernt. Das Einzige, wobei er richtig garstig wurde, waren fachliche Fehler. Arbeitsblätter waren kein Muss – Aufgaben gibt’s schließlich auch im Buch.

  15. Ja, ja, ja. Wie gut, dass ich das nur ein Jahr mitgemacht habe (und die wenigen, aber sehr horrormäßigen Seminartage an der Seminarschule, als man vom Paradies der Selbstständigkeit wieder ins Pokriechen wechseln musste – urgs). Obwohl, mein einer Seminarlehrer (nämlich der, der das nur aus purer Notlage übernommen hatte, nachdem Madame Nummer 1 schwanger und unpässlich wurde) war echt spitze. Auf den lass ich nichts kommen (;

  16. Einerseits alles richtig, aber ich glaube nicht dass ein Seminarlehrer auf die Einheiten und ABs geiert. Die bekommen das ja im Vierteljahrestakt und müssen eh nicht mehr viel Unterrichten.
    Im Ref gilt: Lächeln, Schlucken, Durchatmen, Nicken, wieder Lächeln. Wer sich dafür zu stolz ist, wird es schwer haben…
    Querulant und Querdenker kann man danach immer noch sein…

  17. Liebe Frau Freitag, danke für deine Tipps bzgl. der Seminarleiter und natürlich der Zahnsanierung. Morgen wird die KV gewechselt, denn Seminar geht nicht so lange am zweiten Tag und dann bleibt ja Zeit dafür.

    Habe ansonsten heute bei der Vereidigung erstmal heimlich die Finger hinterm Rücken gekreuzt… Man weiß ja nie! 😉

  18. Ich musste bei der Zeile „Erstmal werdet ihr auseinandergenommen und dann von den Seminarleitern neu zusammengesetzt.“ schlucken – genauso war es bei mir auch, daher habe ich mein Referendariat auch abgebrochen, weil ich zum Teil Sachen machen musste, hinter denen ich nicht stand und mich unglaublich verbogen hab, bis es mir echt an die Nerven ging. Ich hatte wenigstens noch eine „richtige“ Karriere hinter mir, fand nach ca. 6 Wochen einen neuen Job außerhalb der Schule und wurde von meinen ehemaligen Kolleginnen auch ein wenig beneidet… Auf jeden Fall war ich damals wieder glücklich. Es gibt auch ein Leben nach dem Referendariat!!!
    Heutzutage unterrichte ich wieder, aber nicht an einer Schule. Mir macht das wirklich Spaß – aber nicht 27 Stunden in der Woche… sondern nur ab und zu!
    PS: Ach ja, privat versichert war ich in der Zeit auch – meine Zähne sind/waren Gottseidank OK und die Versicherung hat mir mein Geld wieder zurückgezahlt.

  19. Wir hatten in unserem System in SH gar keine Unterrichtsbesuche von Seminarleitern. Die kamen erst zur Prüfung und davor einmal pro Halbjahr der Schulleiter. Ich hatte also anscheinende ein etwas leichteres Leben…

  20. Exactamente. Zieh die Schuhe aus und komm ganz rein.
    Das mit der Privaten würde ich mir allerdings überlegen wenn man ein schon etwas höheres Eintrittsalter hat. Ich war auf keiner Tabelle mit dem Alter mehr aufgelistet. Aber in der Gesetzlichen is auch schön.

  21. Liebste Frau Freitag!

    A M E N !

    Wichtigste Erkenntnis der Frau M.:
    Sage nur niemals, niemals, NIEMALS Vorführstunde!!!!
    Zitat Seminarguru: (hochgezogene Augenbrauen=stummer Impuls) “ Frau M – (bedeutungsschwere Pause) – ich komme zum UNTERRICHTSBESUCH. Sie führen hier nichts vor, Sie bekommen nur Besuch in Ihrem Unterricht.“

    Har, har, har.

    Beste Grüße
    Ihre Frau M.

    • das sagt er nur, weil er auf die kekse lauert. beim besuch werden kekse gereicht. bei der vorführung – da hat er vielleicht angst, dass er was dafür bezahlen muss.
      ich finde besuch trifft es nicht, denn schließlich freut man sich doch auf besuch…aber auf die vorführst…

  22. Danke für diesen ehrlichen Bericht wie das im Referendariat wirklich abgeht! Das ist die Bankrotterklärung für unser Schulsystem!!!! Wie sollen so eigenständig denkende Lehrer angelernt werden, wenn ihre „Lehrmeister“ aus eitlen, unfähigen Selbstdarstellern bestehen, die selber in der Praxis nix gerissen haben!!?

  23. Beim Staatsexamen gabs dann ein BÜFFET (echt jetzt) für die Prüfungs…äh…. Besuchskommission. Die anderen Refendare der Schule mussten um 7.00 Uhr in der Schule sein, um es vorzubereiten und einzudecken. Zitat: „Das wird immer so gemacht. Schließlich ist der Tag für die Kollegen (also die, die zu BESUCH kommen) sehr lang.“ Damals dachte ich, ich werde unbedingt mal Seminarleiterin oder Schulrätin oder Schulsenatorin oder sowas; musste ich dann aber doch nicht: gibt jetzt ein tolles Cafe neben der Schule. Da krieg ich was, wenn der Tag lang ist.
    Glück gehabt!

    Beste Grüße
    Ihre Fr. M

  24. Ja, das unpassende Wort Unterrichtsbesuch. Als Besucherin werde ich auf freiwilliger Basis eingeladen, aber wenn ich meine Lehramtsanwärter besuche, komme ich auf Zwangswunsch. Ich bin nämlich eine von diesen Fachleiterinnen, über die hier zuvor schon so viel geschrieben wurde. So, jetzt ist’s raus! Ich kann ja mal von der anderen Seite erzählen. Ich erlebe zu Unterrichtsbesuchen oft Materialschlachten, die gar nicht sein müssen (Umgang mit den eigenen Ressourcen ist dann mein Nachbesprechungsthema) oder Gruppenarbeiten in Klassen, die noch nicht mal in Partnerarbeit agieren können. “ Ich dachte, sie wollen auch Gruppenarbeiten sehen“, heißt es dann von Seiten der LAA. Nein, ich will nicht bestimmte Sozialformen oder Methoden in bestimmter Anzahl sehen, sondern ich will einen Unterricht sehen, der zu der/dem LAA passt und der zu der Lerngruppe passt. Die LAA sollen im nun leider verkürzten Ref. herausfinden, welche Methoden und Unterrichtsformen zu ihrem individuellen Lehrertyp passen und wenn das gelingt, bin ich glücklich. Ich mag auch nicht besonders gerne Noten für einzelne Unterrichtsbesuche geben. Ich frage mich gerade, ob ich schon mal jemandem, der mich zum Kaffeetrinken eingeladen hat, beim Verlassen der Wohnung eine Note gegeben habe? Ja, Kuchenmaterial sehr gut, auch schön differenziert in Kuchenmaterial für Nussallergiker, für Diabetiker und für Veganer! Zurück zum UB. Notengebung muss ja sein, aber dann bitte als Prozessbewertung. Die Entwicklung der verschieden Kompetenzen vom Beginn des Refs bis zur Prüfung. Zum Schluss möchte ich noch sagen: Es tut mir leid, dass so viele, die hier schreiben, so in ihrem Ref. gelitten haben. Meins war zwar anstrengend, aber ich hatte tolle Ausbilderinnen, die mich immer als Person in den Mittelpunkt gerückt haben und von denen habe ich viel gelernt. Mein Wunsch an alle LAA: Verbiegt euch nicht für Fachleiter, Schulleiter oder Mentoren, sondern macht das, was ihr für richtig haltet. Ihr müsst es nur gut begründen können. In diesem Sinne: Viel Spaß in der Schule!

    • ich möchte hier nicht falsch verstanden werden… ich halte das ref. auch für wichtig. ich bin total dagegen, dass leute in der schule unterrichten, die das nicht gelernt haben. und ich hatte übrigens auch gaaaanz tolle seminarleiter, von denen ich sehr viel gelernt habe. ich finde auch, dass man von jedem seminarleiter was lernen kann. man muss halt gucken, was es ist und dann sagen – okay, der kann also gut frontalunterricht, dann lerne ich das von dem.

  25. „Jetzt würde mich noch interessieren, ob die erfahrenen Lehrerleser mir zustimmen oder nicht.“

    Grundsätzlich richtig. Ich habe es dennoch gewagt, in UpÜs und Lehrproben möglichst authentisch „meinen“ Unterricht zu machen und teilweise auf die Wünsche und Vorstellungen der Seminarleiter zu pfeifen. In den Nachbesprechungen kam es dann vor allem darauf an, sehr gut zu begründen und eine ordentliche Portion Selbstvertrauen intus zu haben.

    Meine Fachseminarleiterin war recht spießig und konservativ, und am Anfang dachte ich, au weia, das kann ja noch heiter werden mit uns beiden. Nach der ersten UpÜ kam sie strahlend auf mich zu: „Sie sind ja ein pädagogisches Naturtalent, Frau Kejo. Wie Sie mit den Schülern interagieren – fantastisch. Wüsste ich nicht genau, dass Sie Anfängerin sind, hätte ich schwören können, dass Sie seit zwanzig Jahren dabei sind.“

    Der Hauptseminarleiter (der mich eindeutig nicht mochte) nach derselben UpÜ: „Das macht ja richtig Spaß, Frau Kejo, bei Ihnen Schüler zu sein.“

    Oh Mann, das ging natürlich runter wie Öl. Und abgeschlossen habe ich letztendlich mit einer glatten Eins. Es *kann* also auch gutgehen …

  26. Ich sollte vielleicht noch hinzufügen, dass ich bereits 41 war, als mein Referendariat begann. Das macht natürlich manches leichter.

  27. Ich werde mir diesen Beitrag ausdrucken und für später beiseite legen. Momentan stecke ich im 1. SE und habe schon ein bisschen Angst vorm Ref.

    Während meines Schulpraktikums wurde ich von der Seminarleiterin tatsächlich für die Benutzung der falschen Folienstife gerügt (ich nutzte die mit der feinen Mine anstatt die mit der dicken Mine….). Mein Mentor an der Schule sagte mir daraufhin, dass die meisten Ausbilder „selbst zu blöd zum unterrichten“sind und deswegen „weggelobt“ würden. Daran solle ich immer denken.

    Das macht doch Mut. Nicht. :/

  28. Aha! Jetzt weiß ich´s! Mein 3. Unterrichtsbesuch lief letzte Woche nicht so wirklich toll. Nein, das muss ich anders ausdrücken. Meine Mentorin fand die Stunde gut, ich war einigermaßen zufrieden, die Kids waren nahezu begeistert. ABER mein Fachleiter meinte, das wäre ja jetzt mal in die Hose gegangen. Es muss wohl an den Keksen gelegen haben, die hatte ich nämlich vergessen mitzunehmen!

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