Superlehrer – was soll man dazu noch sagen?

Die Superlehrer…irgendwie nicht mehr so super. Harun ist endlich weg, aber eigentlich ist die ganze Sendung  etwas langweilig. Hätte ich auch Fußball gucken können. Oder Breakdance üben.

Diese Lehrer…mir fällt dazu kaum noch was ein. Dieser Englischlehrer…geht einfach raus und sagt nachher der Polizei, die beiden hätten sich gegenseitig provoziert. Ach ich kann gar nicht darüber schreiben. Wir haben bald Notenkonferenz und ich muss ins Bett.

Eben hat mir Frl. Krise von ihrem Sexualkundeunterricht erzählt. War tausendmal spannender als die Superlehrer. Warum gibt es darüber keine Doku-Sendung.

Frl.Krise: „Erstmal möchte ich, dass ihr die Fachbegriffe verwendet.“

„Was meint sie?“

„Sie meint Glied, sie meint Glied. Glied!“

„Glied? Was ist das?“

„Na Glied. Penis.“

„Ich hab vier Glieder.“

Frl. Krise: “Vier? Na Hakan, dann solltest du mal zum Arzt gehen.“

„Arzt wieso?“

„Na wenn du vier Penise (Penen?) hast…“

„Nee, ich hab nur einen.“

Ach herrlich, ich will auch Biologie unterrichten dürfen. Warum erscheinen die anderen Fächer immer so viel netter als die eigenen? Und was ist, wenn man nicht mal die Fächer unterrichten kann, die  man studiert hat? Wie soll man dann irgendetwas fachfremd unterrichten?

Ich gehe jetzt schlafen. Gute Nacht.

Wie wird man Lieblingslehrer?

Und wie wird man Lieblingslehrer? Klar, gute Zensuren geben, kurzweiligen Unterricht machen, humorvoll, konsequent und gerecht sein…aber sind wir mal ehrlich, wenn wir einen Lehrer gut aussehend fanden, na das hat doch schon geholfen…war jedenfalls bei mir so. Knuffig reichte ja auch schon, bei den Naturwissenschaftslehrern. Mit dem Unterricht hatte die Wahl des Lieblingslehrers, meiner Meinung nach aber gar nicht soviel zu tun.

Mein Freund mochte seine Französischlehrerin, weil sie zu ihr nach Hause durften und dort für alle Crepes gemacht hat. Ich mochte meine Lehrerin, weil sie Karate konnte und nett war. Eine andere mochte ich, weil sie mit einem fetten Motorrad zur Schule kam. Und den Englischlehrer fand ich gut, weil der immer pfeifend und stets gut gelaunt durch das Schulgebäude tänzelte. Mein Kunstlehrer war irgendwie cool, weil er Ohrringe hatte und seiner Tochter einen wirklich bekloppten Namen verpasst hat.

Wenn ich ehrlich bin waren meine Lieblingslehrer wahrscheinlich einfach nur die Personen, die ich als Mensch nett fand und mit denen ich mich auch als Erwachsene gerne umgeben würde. Und wenn das nette Menschen waren, dann ging das auch irgendwie mit dem Unterricht und dann habe ich bei denen auch was gelernt. Ich war sowieso eine Schülerin, die nur für den Lehrer und höchst selten für irgendetwas anderes gelernt hat. „Ist der Lehrer zufrieden, freut sich der Schüler.“ Und die Kriterien für einen Lieblingsschüler habe ich zudem auch erfüllt. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, hatte ich mit vielen Lehrern in meiner eigenen Schulzeit mächtig viel Ärger.

Liebes Schulamt, stellt doch einfach mal nur noch nette Leute ein, dann habt ihr auch keine Bildungsmisere mehr. Oder mache ich es mir hier etwas zu einfach? Es liegt doch alles immer nur am Lehrer, oder?

Wie wird man Lieblingsschüler?

Ja, der Lieblingsschüler wird einen Punkt mehr auf seinem Zeugnis haben. Ich gebe es an dieser Stelle offiziell zu. Wenn er das bei allen Kollegen schafft, dann hat er ein ziemlich gutes Zeugnis. Was macht einen Schüler eigentlich zum Lieblingsschüler? Und warum ist meine Lieblingsschüler nicht jedermanns Lieblingsschüler?

Das Phänomen einen Schüler besonders zu mögen kennt wohl jeder. Aber es sind nicht immer die leistungsstarken, gut angepassten Alles-richtig-Macher.  Und es sind auch nicht immer nur Jungs!!!!! Wie wird man also Frau Freitags Lieblingsschüler?

1. Öfter mal vorbeikommen in ihrem Unterricht

Regelmäßige Anwesenheit hilft. Allerdings war mein erster richtiger Lieblingsschüler an meiner jetzigen Schule ein Schuldistanzierter aller erster Güte. Aber es freut Frau Freitag schon, wenn er oder sie sich oft blicken lässt.

2. So tun, als interessiere man sich für ihren Unterricht

Das ist natürlich toll, wenn jemand sich für meinen Unterricht interessiert, kommt aber so selten vor, dass ich eigentlich auch schon gar nicht mehr damit rechne. Was ich allerdings gar nicht mag, ist, wenn ein Schüler, in einer offensichtlich langweile Stunde übermäßiges Interesse heuchelt. Verarschen kann ich mich alleine und durch Schleimerei wird man bei Frau Freitag gar nichts, sondern läuft noch Gefahr am Ende weniger Punkte zu bekommen, als man eigentlich verdient hätte. Es in schlecht vorbereiteten Stunden mit der Mitarbeit übertreiben und zu denken ich freue mich darüber, beleidigt mich sehr. „Meint ihr vielleicht mich interessiert das, was britische Schüler zum Frühstück essen? Was werden die schon essen? Ungesunden Scheiß oder gar nichts… hallo – England …Schulkinder…Frühstück…“

Aber auf meine Begeisterungswelle aufzuspringen und völlig aus dem Häuschen zu sein für Randphänomene der englischen Sprache oder Absonderheiten in der Kunst, das kommt bei Frau Freitag immer gut an. „Ist doch voll geil, dass man die Adverbien meistens an dem –ly erkennt, ist ja im Deutschen nicht so.Great!“

3. Auch mal was Lustiges sagen

Humor – gaaanz wichtig. Alle meine Lieblingsschüler machen ausgezeichnete Witze. Gerne auch über mich, hab’ ich auch kein Problem mit – aber nur wenn die gut sind. Auf keinen Fall nur über Slapstick lachen. Irgendwann ist es ja auch nicht mehr komisch, dass Frau Freitag immer wieder über das Polyluxkabel stolpert. (huch Verwirrung – Polylux?… ich könnte auch  Overheadprojektor sagen, bin halt polyglott) Lieblingsschüler haben also guten Humor und schaffen es, eine gute Stimmung in der Gruppe zu erzeugen.

4. Bitte nicht völlig überangepasst

Das Schulsystem in seiner jetzigen Form ist scheiße. Deshalb kann selbst Frl. Krise, die für mich die beste Lehrerin der Welt ist, nicht immer optimal tollen Unterricht machen. Jeder halbwegs engagierte und intelligente Lehrer hadert täglich mit dem Umständen: Räume, Ausstattung, Gruppengröße, Zeit, Rahmenpläne usw. Da wäre es doch schon komisch, wenn man den Schüler toll fände, der so sehr mit allem im Reinen ist, dass er nirgendwo mehr aneckt. Also, eine Portion gesunder Skepsis und Ablehnung der Schule gegenüber gehört unbedingt zu einem Lieblingsschüler.

5. Und last but not least…

Schön, wenn der Schüler auch noch gut aussieht. „Oh no Frau Freitag…jetzt geht das wieder los…jetzt fangen Sie bloß nicht damit an…!“ Ja was denn? Ist doch normal. Ich bin doch auch nur ein Mensch, auch wenn ich Lehrerin bin. Und ich mach doch gar nichts. Wenn ich hier allerdings den Satz „Lehrerin hatte Sex mit Schüler“ hinschreibe, dann schnellen meine Linien in der Blogstatistik wieder hoch. Aber leider kann ich mit solchen Schmackerln nicht dienen. Noch nicht! Vielleicht für die Blogstats…

Also, wie man sieht ist es doch gar nicht so schwer Frau Freitags Lieblingsschüler zu werden. Man hat auch gewisse Vorteile. Man darf öfter aufs Klo, Verspätungen werden nicht so streng geahndet, vergessene Hausaufgaben, ach na ja…und am Ende gibt es dann die gewünschte Punktzahl. Ist doch eigentlich gar nicht schlecht. Ich frage mich nur immer wieder, warum sind es trotzdem nur so wenig?

Hart bleiben, hart bleiben, hart bleiben!

Jedes Jahr mache ich den gleichen Fehler – ich lasse mich vor der Zensurenkonferenz, dazu hinreißen den Schülern ihre Noten zu sagen. Und dann startet der Basar: „Üff, mach’ nicht so Frau Freitag! Warum nur  sechs Punkte. Geben Sie eine Punkt mehr, dann hab’ ich ein Drei auf Zeugnis.“ „Ja, ich weiß. Leider waren deine Leistungen aber nur ausreichend. Und nicht befriedigend.“ („befriedigend“…könnten wir die Definition der Note Drei bitte ändern? Wie wäre es mit „okay“ oder „geht so“ oder „na ja“ oder „ach Gottchen, kein gut mehr“?)

„Wenn ich Ihnen noch ein Bild male, kann ich dann nicht in Kunst 12 Punkte haben?“

„Die Notenabgabe war vorgestern. Du hast so oft unentschuldigt gefehlt…“

Wer als Lehrer Nähe zur Schülerschaft sucht, der sollte am Ende der Stunde die Zeugnisnoten vorlesen. Die Pause kann man dann getrost vergessen. „Wieso Ausfall? Ich brauch doch eine Vier!“ „Der Soundso war aber nicht besser als ich. Ich hab’ doch immer Zweien geschrieben…“

Auf dem Hof erfreut man sich allgemeiner Aufmerksamkeit: „Frau Freitag, geben sie mir acht Punkte, biiiiittttteeee“ schreit man dir entgegen. Besonders schön auch „Sie versauen meine gesamte Zukunft.“ – kombiniert mit einem Gesicht, als säße man in der Todeszelle. „Frau Freitag, Sie haben mein Leben gefickt.“

Und was macht der Lehrer? Der bleibt hart. „Ich muss jetzt zur Aufsicht.“ „Ich gebe dir doch nur die Note für deine Leistungen.“ „Seit Monaten sage ich dir, du sollt dich anstrengen.“

Aber dann kommt der Lieblingsschüler. Du willst nicht, dass er dich vor den anderen nach seiner Note fragt. Du hast ihm dann doch nur 11 Punkte gegeben, weil du sauer warst, dass er die letzte Hausaufgabe einfach nicht nachgereicht hat, aber du wolltest auch mal konsequent sein.

„Und ich?“ „Ja…Ulrich…“ jetzt bloß nicht weich werden. Nicht vor den anderen Schülern! „Was kriege ich in Englisch?“  „Also Ulrich…du bekommst…also, warte mal….“ im Notenheft blättern, Zeit schinden… “…also bei dir, leider nur 11 Punkte.“ „EEEEELLLLLFFFF Punkte????!!!???“

Der Lieblingsschüler ist ehrgeizig. Erst guckt er mich grimmig an, dann hellen sich seine Gesichtszüge sofort wieder auf: „Frau Freitag, 11 Punkte…11 Punkte, hab ich in Musik. Und ich hasse Musik. Geben Sie mir 12!“ Hart bleiben, hart bleiben, nicht hingucken, hart bleiben…“Aber du hast die eine Hausaufgabe…“ Lieblingsschüler lässt nicht locker: „Frau Freitag…is’ doch nur ein Punkt. Kommse! Seien Sie nicht so! Wir gehen, mal schick Essen.“

Tja. Was sagt man dazu? Ich frage mich selbst, was der Lieblingsschüler letztendlich auf dem Zeugnis stehen haben wird. Eigentlich hat der die 12 Punkte nicht verdient. Aber wenn er sie doch so gerne hätte? Und wenn ich dafür bei allen anderen hart bleibe?

Integration – wo ist das Problem?

Noch mal zur Integration. Also an meiner Schule haben wir überhaupt keine Probleme damit. Fröhlich integrieren wir seit Jahren und sind damit sehr erfolgreich. Beim letzten Ramadan übergab sich Sabine in der Mathestunde, weil ihr vom Fasten schlecht wurde und Rainer kam im März vor dem Unterricht auf mich zu: „Ich heiße ab jetzt Mohamed.“ Stoisch reagierte er nicht mehr auf seinen Kartoffelnamen, spielte unentwegt mit seinem Gebetskettchen und las ständig in einer deutschen Übersetzung des Korans. Also ich weiß gar nicht, was alle haben. Integrieren ist doch easy. Der Trick ist einfach, eine moslemische Mehrheitsgesellschaft zu schaffen.

Siebte Klasse – Vertretungsunterricht. Ich lasse die Schüler was zeichnen. Ein Gruppentisch ist ziemlich laut. Ich höre mehrfach „Charra und scharmuta“ (Scheiße und Hure) Irgendwann reicht es mir. Ich stürze mich an den Tisch und schreie „Challas!“ (lass das!). Die Jungen gucken mich verwirrt an.  Ich sage: „Istrele!“ (arbeitet)

Keiner reagiert. „Was ist, verstehst du das nicht?“ frage ich den einen und gucke dabei sehr böse. „Ich kann kein Arabisch, ich bin Kurde.“

„Aber du…“ wende ich mich an den nächsten „Du verstehst das doch..“ „Nee, ich bin aus Polen. Der dritte was Türke und dann saß da noch einer mit einer thailändischen Mutter, der aber nur deutsch sprach. Aber fluchen auf arabisch, das geht. Wenn wir die Schüler nicht da abholen wo sie sind, dann machen das eben die Mitschüler. Und irgendwie ist es doch auch schön, wenn sie was lernen. Wie könnte ich als Fremdsprachenlehrerin nicht begeistert sein, dass sie sich freiwillig mit anderen Kulturen auseinandersetzen?

Mein Kollege sagte neulich „Ich bin der einzige Deutsche in meiner Klasse“. „Na hoffentlich wirst du auch gut integriert.“ Da meine Definition von deutsch sowieso eine andere, als die der meisten meiner Kollegen ist (für mich sind meine Schüler alle Deutsche),  sehe ich die Integrationsdebatte ja auch gelassen.

Mein Türkisch wird von Tag zu Tag besser und mit dem Arabisch – na ja, ich arbeite dran. Is’ auch schwer, vallah! Diese ch-Laute sind eher was für Schweizer.

Elterngespräche auf Türkisch klappen aber schon ganz gut. Übersetzt gehen die ungefähr so:

„Ich Lehrerin Erhan.“ (Öretmen Erhan)

„Ahh.“

„Erhan nein sehr schön Englisch. (Erhan hayir cok güzel English) Erhan immer Handy“ (Handy ist universal verständlich)

„Erhan Kunst sehr schön.“ (Erhan Kunst cok güzel)

„Erhan Englisch nein, nein“  (Erhan Englisch hayir, hayir)- ‚schlecht’ kenne ich noch nicht.

Ich mach ein trauriges Gesicht. Mutter Erhan auch.

Ich: „Aber Erhan guter Junge (Bushidos Plattenlabel) memnum oldum Erhan (sagt man eigentlich zur Begrüßung und heißt soviel wie „ebenfalls angenehm“)

Mutter wieder happy. Frau Freitag auch happy. Erhan auch happy. Fertig.

Heute hat mir jemand „inshallah tmout“ beigebracht. Das heißt „hoffentlich stirbst du“. Mal sehen, wie ich das in das nächste Elterngespräch einbauen kann.

Immer muss ich alles alleine machen…

Gestern war auf ARTE (so ein Trashsender, nicht zu verwechseln mit dem Bildungssender SAT1) ein Themenabend über Integration von Migranten. Schule und so, weisssu. Die waren in ganz Europa und so richtig Top läuft das mit dem Integrieren eigentlich nirgends. Nur 3 von 100 Migris machen das Abitur. Aber warum tun sich die Länder so schwer damit ihre Zuwanderer und deren Sippschaft hier in unsere Gesellschaft  rein zu integrieren (mein neues Lieblingswort – reinintegrieren)? Das kann doch nicht so schwer sein. Also ich hätte da ein paar dufte Vorschläge.

  1. Das Schulsystem ändern!

Erstmal muss natürlich sofort die Dreigliedrigkeit abgeschafft werden. Die gibt es auch nicht im Tierreich und wer braucht schon das Gymnasium. Ein Haufen reicher Streber, die behütet ohne Kevins, Justins  und Alis ihre Allgemeinbildung pimpen, ohne, dass sie lernen, wie sie von Jungs zu richtigen Männern werden. Von denen hat sich bestimmt noch keiner mit 30 Kusengs vorm Schultor geprügelt. Die Mädchen verlassen die Schule und wissen nachher gar nicht, wie man French Nails macht, sich richtig schminkt und was zu Pink passt. Also her mit den Gemeinsamschulen. Gymnasiasten, nichts für ungut, aber essentielle Bereiche des Lebens lernt ihr wirklich nicht auf euren Gymnasien. Und den Gymnasiallehrern fehlt doch auch die schöne Erfahrung, wie es ist einem Haufen 18 jähriger Intensivtäter in der achten Klasse das große Einmaleins beizubringen.

2. Elternarbeit

Ganz wichtig ist natürlich, die Eltern in den Bildungsprozess mit einzubeziehen. Wir fangen mal mit den Müttern an. In meiner perfekten Brennpunktschule gäbe es für die Mütter jeder einzelnen Klasse vormittags Deutschunterricht. Die Schüler kämen morgens, mit ihren Müttern gemeinsam, zur Schule und ganz nebenbei hätte man das Problem des Zuspätkommens gelöst. Kommen Mutter und Kind zu spät, verpetzt man sie sofort beim Vater. Die Mütter lernen, nachdem sie genug Deutsch gelernt haben, parallel zu ihren Kindern den jeweiligen Unterrichtstoff. Das erweitert die Gesprächsthemen am Abendbrottisch. Endlich können sich die Familien über Integralrechnung und unregelmäßige Verbformen unterhalten. „Sohn, was hältst du eigentlich vom Natodoppelbeschluss? War das damals korrekte Entscheidung?“

Die Aufsichten in den Pausen übernehmen selbstverständlich die Mütter. Ich garantiere, dass die das viel besser machen als die Lehrer und die wiederum legen sich in der Zeit ein bisschen hin, damit sie nicht immer so fertig aussehen.

Und die Väter? Die machen derweil den Haushalt. Räumen auf, waschen und wenn Mama und Kind nach Hause kommen, dann gibt es ein warmes Mittagessen..

In jedem Klassenzimmer sind Kameras und von dort wird 24 Stunden (halt, 8 oder 9 reichen) live gesendet. Jeder Vater kann dann auf Premiere die Schulzeit seines Kindes abonnieren. Abends können die beiden dann den Tag gemeinsam auswerten – auch hier liefert die Schule wieder Anlässe zur intensiven Kontaktaufnahme zwischen den Familienmitgliedern. Entstehen Konflikte während des Unterrichts gibt es eine Live-Schalte nach Hause und man klärt das Problem gleich mit dem Vater.

Ich hätte noch sehr viele Ideen, vom Bussing, über das Motiviering, das Einbeziehing von erfolgreichen Migris, bis hin zu einem gesetzlichen Zwang Bushido nicht solche Scheißtexte singen zu lassen.

Aber fangen wir doch erstmal an, die oben genannten Sachen umzusetzen. Ich bin sicher, die Welt wird sich schlagartig verbessern. Bild titelt: „Integration endlich geglückt! Ausländer rein! Danke Frau Freitag!“

Auf die Plätze, fertig – los!

Wer hat eigentlich Sportfeste erfunden? Bestimmt die Griechen…schönen Dank auch!

Und wer kam eigentlich auf die Idee auch in Schulen ständig Sportveranstaltungen zu veranstalten? Da jagt ein Leichtathletikfest das nächste Fußballturnier und wir armen Klassenlehrer werden dauernd zur Aufsicht eingesetzt. Gerade jetzt in der Schuljahresendzeit häufen sich diese Events, dabei könnte ich so schönen halbgaren, schlecht vorbereiteten Unterricht machen, anstatt hinter einer Meute von lustlosen Schülern her zu rennen.

Wir hatten neulich gerade wieder so ein – die Schüler müssen mehrere Disziplinen durchlaufen und das schlägt sich dann noch ganz wichtig auf die Sportnote aus – Ding.

Ich sammel also meine Klasse am Eingang ein. Werde natürlich gleich mit „Ich hab’ mein Asthmaspray zu hause vergessen, ich bin umgeknickt und ich habe Halsschmerzen“ begrüßt.

Einige Mädchen sagen nicht mal Hallo, sitzen schon auf der Wiese, wo sie sich nicht mehr wegbewegen werden, bis mittags alles vorbei ist. Wie könnte ich auch annehmen, dass sie an diesem Scheiß teilnehmen würden. Und weiß denn keiner der Verantwortlichen, dass es das Phänomen der Blitzperiode gibt? Schlagartig haben alle anwesenden Mädchen ihre Tage. Eine bekommt sie zwischen zwei Sprungversuchen. Diese Information wird der Klassenlehrerin immer ganz konspirativ ins Ohr geflüstert. „Ich hab’, na Sie wissen schon…“ Ich: „Na und?“ Weit aufgerissene Mädchenaugen durchbohren mich: „Aber, aber…das ist schon durchgekommen und ich hab weiße Hose an.“

Hier mal eine Frage an alle JugendlichenInnen: Warum muss das eigentlich IMMER durchkommen?  Bei jeder Sportstunde, vor jeder Mathearbeit und auch gerne in der achten Stunde. Und was kann die beste Freundin da tun? Warum muss die immer unbedingt mit aufs Klo und dann mit nach Hause. Reicht denn nicht der Pulli um die Hüften (übriegens weiß bei dem Look sowieso jeder was los ist.)?

Meine menstruierenden Mädchen dezimierten sich jedenfalls zusehends. Zuerst probierten sich noch alle beim Weitsprung, dann gingen schon deutlich weniger an den Start für den 100-Meter-Lauf, eine noch kleinere Gruppe krepelte sich mit den Bällen ab (sollte man abschaffen, dieses Werfen) und beim 800-Meter-Lauf verblutete mir der klägliche Rest. Die drei Mädchen, die sich an den Start wagten und von mir vor lauter Dankbarkeit abgeknutscht wurden, brachen dann im Ziel völlig entkräftet zusammen und eine kotzte sogar.

Schnell habe ich mich von meiner Klasse verabschiedet und mich unauffällig aus dem Staub gemacht. Bei der nächsten Veranstaltung dieser Art melde ich mich krank. „Frau Freitag kann wegen starker Unterleibsschmerzen leider nicht am Sportfest teilnehmen.“