Werd‘ doch Lehrerin!

„Mann Sila, du musst doch nur das Arbeitsblatt machen. Alles was da drauf ist kommt auch in dem Test vor.“ sagt Gülistan in der Hausaufgabenstunde.

„Aber…“
„Nichts ABER! Mach einfach die Aufgaben auf dem Blatt!“

Gülistan dreht sich wieder nach vorne und schüttelt den Kopf.
„Dieses Mädchen… unglaublich.“

Sila beugt sich unwillig über das Arbeitsblatt und fängt an zu rechnen.
Ich bin von Gülistans Auftritt immer noch beeindruckt.
„Gülistan, du sollltest wirklich Lehrerin werden. Vor dir hätten die Schüler voll Angst. ‚Auweia, los, schnell, Frau Kirian kommt‘!“

Gülistan grinst. „Ja, Kunst und Sportlehrerin wäre gut.“
Ich: „Kunst und Sport – perfekt!“

„Bekommen alle Lehrer gleich viel Gled?“
Ich nicke.
„Und Gülistan, das Kunststudium macht total viel Spaß. Man malt und druckt und eigentlich geht man immer nur mit den anderen Mädchen Kaffee trinken in der Cafeteria.“

Gülistan denkt nach.
„Bekommt man als Lehrer in den Ferien auch Geld?“
„Natürlich!“

Gülistan ist schon fast überzeugt.
„Und nicht nur in den Ferien, im November bekommt man immer Weihnachtsgeld. Das sind 45% vom Bruttolohn.“ Sofort bin ich an der Tafel, um zum 1000sten Mal meinen Bruttolohn dran zu schreiben. 4700 Euro.
„… also das ist das Bruttogehalt. Da geht natürlich noch was von weg. Kommt drauf an, ob man verheiratet ist oder Kinder hat.“
„Für Kinder bekommt man auch noch Geld?“
„Ja klar!“

Gülistan dreht sich zu Sila. „Dann bekomme ich fünf Kinder. Mindestens.“

„Aber Gülistan, denk mal dran, dass Kinder auch was kosten. Rechne einfach mal zusammen, was du diesen Monat gekostet hast. Handyrechnung, Klamotten, Essen…“

Der Kinderwunsch wird nun doch noch mal überdacht.

Jetzt meldet sich Rosa. „Frau Freitag, also in Sport. Bekommt man sein Geld auch, wenn keiner mitmacht?“
„Wie meinst du das?“
„Na, wir Mädchen, wir machen doch oft bei Sport gar nicht mit. Kriegt man dann weniger Geld?“

Was für ein absurder Gedanke, denke ich. Darauf muss man erstmal kommen.

„Nee Rosa, stell dir mal vor, man würde nur Geld bekommen, wenn die Schüler mitmachen und was lernen. Wer würde euch denn dann unterrichten wollen? Oh, ich brauch noch ein bisschen Geld diesen Monat, für den Urlaub, geben sie mir bitte einen E-Kurs.“

Oh Gott, hoffentlich kommt nie ein Politiker auf diese Idee. Es liessen sich so einige Millionen damit einsparen.

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8 Gedanken zu “Werd‘ doch Lehrerin!

  1. Haha! Was für ein absurder Gedanke, dass man in seinem Beruf auch bestimmte Leistungen erbringen muss oder dass jemand, der einen besonders guten Job macht auch finanziell dafür belohnt wird …
    So scheinen Sie und viele andere Lehrer zu denken und das ist doch sehr bezeichnend.

  2. Mensch, Frau Freitag, lügste ja Deine pfiffigen Mädels voll an…gibt doch gar nicht für alle Lehrer gleich viel Geld. Na, wenn das rauskommt, dann kannste bei Gülistan aber echt einpacken, aber vorher ne superduper Infoeinheit über Beamte und Angestellte auspacken…und ne Ladung make-Up spendieren, als Wiedergutmachung für, weil Du gelogen hast, also ehrlich…! Abooooo!

  3. … sagt einer, der vom Lehren keine Ahnung hat.

    Andere Ländern tun dies übrigens (USA), was dazu führt, dass Lehrer die Kinder nur auf die Leistungstests vorbereiten (welche nur die Lehrer bewerten). Hat ein Lehrer in den Staaten Leistungsschwache Klassen, verdienen diese weniger als andere – oder werden gar entlassen. Das heißt im Umkehrschluss, dass gerade die Schüler, welche Bildung dringend nötig haben (und welchen es schon jetzt an Lehrern fehlt) künftig gar keine Lehrer mehr bekommen. Oder solche, die wirklich nur aus Überzeugung Lehrer sind und ihre teilweise (je nach Fächerkombination) 60 Wochenstunden für nen Appel und nen Ei ableisten. Nach Ihrem Kommentar dürfen diese Lehrer dann auch noch Ihre Kinder mit erziehen, weil Sie es zu Hause nicht gebacken bekommen. Und sich dann trotzdem 3x die Woche mit Ihnen rumärgern, weil Ihr Kind doch so ein Engel ist und Sie ja gar nicht glauben, dass er das wirklich getan hat.

    Sie, werter Herr, haben wirklich 0 Ahnung von der Lehre. Setzen, 6.

    PS: In den Staaten ist man übrigens dabei (bzw in einigen Staaten noch am überlegen) genau dieses von Ihnen beschriebene System / Denken abzuschaffen. Es funktioniert einfach nicht und kommt den Kindern nicht zu Gute.

  4. Also, ich musste lachen 😀

    Mario: Was Frau Freitag damit nicht meinte, ist, dass Lehrer nicht gewollt sind, gute Arbeit zu leisten. Je nach Standpunkt geht das aber besser oder schlechter. Mir bekannte Zahlen sagen, dass 60 Prozent der Schüler lernen, egal, wie der Lehrer unterrichtet, 20 Prozent könnten sich selbst zum Abitur führen und 20 lernen nicht/können nicht lernen, egal, wie gut der Lehrer ist. Häufig ballen die sich aber nun auch in Gebieten 🙂

  5. Hallo Mario
    Hab‘ ich auch mal gemacht, Lehrer meine ich (ich war auch gar nicht so schlecht, glaube ich – hab noch Jahre später von ExSchülern gehört, bei mir hätten sie wirklich was gelernt). War mir aber zu stressig, hat meine Gesundheit ruiniert und gab auch viel weniger Geld. Jetzt arbeite ich als Ingenieur und da gehts mir gut.
    Erste Frage bei der Bewertung der Leistung: Wie genau willst du die Leistung eines Lehrers, einer Lehrerin messen? An den Noten, die der Lehrer selber vergibt? An der Beurteilung des Lehrers durch die Schüler, die gerade sitzen geblieben sind? Durch regelmäßige Beurteilungen durch eine andere Lehrerin – die ihre Besuche vorher ankündigt?
    Natürlich kennen wir alle extrem faule und schlechte Lehrer (ich war an einer Berufsschule, da gab es fast nur Kollegen), wie den „Mr Video“ meiner Schule, und empfinden es als ungerecht, dass der genau so viel bekommt, wie die anderen, fleißigen. Aber ich habe noch keinen objektiven Bewertungsschlüssel gefunden, der nebenbei auch noch dafür sorgt, dass die Kinder optimal unterrichtet werden.
    Frau Freitaaag!?!
    Führst du die Kinder immer so hinters Licht, dass sie rechnen und gar nicht mitkriegen, was sie da eigentlich gerade machen? Find ich gut :-))

  6. Och Mensch nix los hier…und dann auch noch keine Kommentarfunktion unter Frau Macron…man kennt sich ja gar nicht mehr, bin ja nun schon 3 Jahre in Frankreich und 2 davon in der Grundschule. Schönes Grüßerle nach Deutschland!

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