Tiramisu und Heumilch

An der Kasse ist es dann doch voller, als ich dachte. Ich war einkaufen. Ich gehe nie einkaufen. Bei uns füllt der Freund den Kühlschrank und ich esse alles, was er anschleppt. Aber jetzt ist der Freund verreist und ich habe schon alles vertilgt, was in der Küche war. Kann man eigentlich sterben, wenn man nur Brot mit Frischkäse isst?
Ich war überrascht, was es bei Edeka alles gibt. Der Freund kauft ja eigentlich immer das Gleiche. Überrascht und überfordert war ich. Hunger hatte ich auch. Dabei soll man doch nicht einkaufen gehen, wenn man Hunger hat. Aber wenn man satt ist, dann geht man doch nicht einkaufen? Dann denkt man doch nicht ans Essen.
Jetzt stehe ich an der Kasse und lege meine Lebensmittel aufs Band. Drei Packungen Mascarpone, Eier, und Kakaopulver. Ich will mir Tiramisu machen. Vor mir steht eine Frau mit ihrer Tochter. Die Tochter ist wahrscheinlich 4 oder 5 oder 3? Die Frau hat sechs Kratons Milch aufs Band gelegt. Ich hasse Milch. Auf den grünen Packungen steht Bio. Und dadrunter: Heumilch. Heumilch? Was soll das sein? Milch aus Heu? Ist das überhaupt Milch? Dann liegen da noch Bio-Papikaschoten und Bio- Möhren und ein Gurke. Mein Löffelbiskuit platziere nur Millimeter hinter ihre von ihre Gurke. Soll ich da jetzt diesen Warenstopper zwischen uns stellen? Oder muss sie das machen? Sozusagen als Abschluss ihres Aufs-Band-lege-Vorgangs? Ich mache mal nichts. Vielleicht zahlt sie meine Sachen mit. Ich gucke mir ihren Bioeinkauf an und dann zu meinen Sachen. Jeder kann sehen, dass ich Tiramisu machen will. Die zwei tiefgefrorenen Salamipizzen und die Fünfminutenterrinen sprechen auch eine deutlich Sprache.
„Mama, kann ich zuckerfreie Kaugummi haben?“, fragt die Tochter. Sie hat sehr kurze Haare für ein Mädchen, aber einen Rock an. Vielleicht ist der Haarschnitt so ein Genderding. Aber die Kombination Megakurzhaarschnitt und Rock ist irgendwie seltsam. Ich denke: Minicrossdresser. Und überhaupt… Rock! Die Mutter trägt eine Wollmütze und ihre Tochter hat nackte Beine. Wenn ich eine Tochter hätte, die wäre jetzt schon im Wintermantel und kratzigen Strumpfhosen.
„Guck, die sind ohne Zucker!“, sagt die Tochter und hält ihrer Mutter die rosa Packung vor die Nase. Die Mutter liest sich die Zutaten durch. Das Mädchen wartet geduldig. Heißt das hier nicht die Quengelzone? Die Mutter liest noch, während die Tochter eine Packung bunte Bonbons entdeckt.
„Die sind mit Zucker, oder?“ fragt sie und weiss schon, dass sie die nicht mal nach oben reichen muss. Dann entdeckt sie die Kinderüberraschungsspardose. Liebevoll streicht sie über das Plastikei mit Basballmütze, dass ihr die Arme entgegenstreckt. Natürlich will sie am liebesten die Spardose. Hallo?! Ein Riesenei mit lauter Überraschungseiern im Bauch und dadrin noch mal lauter Überraschungen und dann noch die Spardose. Plastik und Zucker! Welches Kind würde dazu nein sagen?
Die Mutter hat mittlerweile die zuckerfreien Kaugummi für gut erklärt und die Packung hinter die Heumilch gelegt.
„Du Lilo, wir haben jetzt noch eine Stunde Zeit.“ Lilo? Das Mädchen heißt Lilo? Wie Lilo Pulver? Ist das die Kurzform von Liese-Lotte? Hat die Frau ihre Tocher Lieselotte genannt oder gleich Lilo?
Lilo! Lilo… und dann diese kurze Haare? „Wir haben noch eine Stunde. Sag mal, wollen wir nach Hause gehen oder noch auf den Spielplatz?“ Lilo antwortet nicht. Sie starrt immernoch auf die Kinderüberraschungsspardose.
Nach Hause oder auf den Spielplatz? Würde ich meine Tochter sowas fragen? Wenn ich keine Lust auf Spielplatz hätte, dann bestimmt nicht. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich jemals Lust auf Spielplatz hätte. Aber irgendwie schon schön, dass die Mutter ihrer Tochter die Entscheidung überläßt. „Willst du das oder lieber das?“
Wenn ich die Kinder in der Schule etwas frage dann sind das so Sachen wie: Wo warst du in Mathe? Wie sind die drei Formen von go? Warum hast du keinen Bleistift dabei.
Dabei ist es doch wichtig, die Kinder Entscheidungen treffen zu lassen. Obwohl…, ich frage auch: Kannst du jetzt ruhig sein oder musst du kurz den Raum verlassen? Und gerade letzte Woche habe ich meine Klasse vor die Wahl gestellt beim Wandertag am Staffellauf teilzunehmen oder einmal um den Wannsee zu laufen. Jetzt nehmen wir am Staffellauf teil. Genau das wollte ich. In der Schule entscheiden sich die Schüler eigentlich immer für das was ich will. „Wollt ihr die drei Sätze jetzt von der Tafel abschreiben oder zu Hause drei Seiten über das Leben von Picasso anfertigen?“
Wenn die Mutter nicht auf den Spielplatz will, dann müsste sie eigentlich nur fragen: „Lilo, willst du nach Hause oder auf den doofen Spielplatz mit dem nassen Sand und dem Hundekot, wo immer die drei Brüder spielen, die dich das letzte Mal gehauen haben. Du Lilo, sag mal! Deine Entscheidung.“
„Achtundzwanzig, dreißig!“, sagt der Kassierer und die Frau gibt ihm einen Fünfzig Euroschein. Mein zuckerhaltiger Kram kostet nur 13 Euro. Lilos Mutter packt ihre Milch und ihr Gemüse in einen Rucksack. Ich hab nicht an eine Tasche gedacht und beuge mich zu den Tüten runter.
Lilo, Heumilchfrau, guckt, ich nehme die Papiertüte! Nur weil ich mich von Pizza und Tiramisu ernähre heißt das noch lange nicht, dass mir die Umwelt egal ist! Das hättet ihr nicht gedacht. Oder? Aber die drehen sich gar nicht um.

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Lang, platt und niveaulos

Morgen fängt die Schule an. Also wir waren schon drei Tage in der Schule, aber morgen kommen die Schüler.
Ich stehe vorm Spiegel. Mist, ich wollte doch noch zum Friseur. Sechs Wochen Zeit und dann am letzten Ferientag: Huch, keine neue Brille, keine Zahnprofilaxe und nicht beim Friseur gewesen.

Frustriert von meinen kaputten Haarspitzen wende ich mich Facebook zu und denke: Was ist denn jetzt los? Kann Facebook meine Gedanken lesen oder beobachtet mich Mark Zuckerberg heimlich durch die Kamera meines iPads und sieht meine verwurschtelten Haare? Hinter den Urlaubsfotos meiner Freunde taucht plötzlich dieser Artikel auf. Überschrift: Das sind die 10 besten Haarstyles für Frauen ab 50. Häh? Woher weiß Facebook, dass ich fast 50 bin? Okay, irgendso ein Algodings kann das aus meinem angegebenen Geburtstag errechnen. Aber woher weiß Facebook, dass ich zum Friseur wollte? Egal. Und ist doch eigentlich super, dass ich jetzt erfahren kann was das Beste für mich und meine Haare ist.
Vor den Bildern gibt es erstmal einen kurzen Einführungstext:

Frauen mit fünfzig können sich nur einen einzigen Haarstyle leisten? Kurz und praktisch? Von wegen! Wir sagen: 50 ist das neue 40. Und wir wissen: 40 ist das neue 30. Und mit diesem neuen 30 kann man sich einige Frisuren mit langen, mittellangen und kurzen Haaren leisten.

Ich lese diese Zeilen drei Mal und bin immernoch verwirrt: 50 ist also das neue 40 und 40 ist das neue 30. Das wußte ich gar nicht. Ist dann 30 das neue 20 und 20 das neue 10? Aber gut. Bin ich also nicht 50 sondern 30. Schlagen die mir jetzt einen Iro vor? Ich bin gespannt.

Der erste Frisurenvorschlag heißt: Super kurz und super vielseitig. Unter der Überschrift ist ein Bild einer sehr, sehr jungen Frau, die auf keinen Fall 50 ist, sie sieht nicht mal wie eine genuine 30 Jährige aus. Sie ist höchstens Mitte 20 und die Haare sind grau gefärbt, man sieht ihre sehr, sehr dunklen Ansätze. Bei einer richtigen 50 Jährigen wäre das ja umgekehrt: Die dunkelgefärbten Haare würden grau nachwachsen, wenn man, wie ich zu faul zum regelmäßigen Färben ist. Ich fühle mich also schonmal ein bisschen betrogen. Mal sehen, was unter dem Bild steht:

Einige super kurze Haarschnitte wirken schwer und streng. Das sind nicht gerade zwei Begriffe, die man mit einem Jungbrunnen verbindet. Deshalb ist eine Kurzhaarfrisur mit einem weichen Schnitt besonders attraktiv und für Frauen in den 50ern geeignet. Leicht chaotisch und etwas fransig – das macht jung und ist besonders vielseitig.

So so, leicht chaotisch und etwas fransig macht uns also jung und vielseitig. Was soll das eigentlich heißen: jung und vielseitig? Und diese Kurzhaarfrisur kommt bei mir sowieso nicht in Frage. Meine Haare sind viel zu dünn. Und so ein superkurzer Pony, der nur bis zur Mitte der Stirn geht, das habe ich in den Neunzigern schon probiert. Ich sah aus wie jemand, der sich die Haare mit einer stumpfen Schere selbst geschnitten hat und dann aus der Nervenheilanstalt getürmt ist. Aber mal sehen, was sie mir noch vorschlagen.

Die nächste Frisur heißt: Der Anit-Kurzhaarschnitt.
Auf dem Bild ist Annett Bening mit einem Haarschnitt, der sehr nach missglücktem Eigenversuch aussieht. Die Haare sind mal kurz mal lang, stehen hoch aber irgendwie auch nicht. Und überhaupt Annett Bening? Die ist doch 59. Okay, nach deren Logik ist wahrscheinlich 60 das neue 50. Demnach ist sie mit ihren 49 doch nicht fehl am Platz. Unter dem Bild steht:

Ein Kurzhaarschnitt, der eher ein Anti-Kurzhaarschnitt ist, weil er überhaupt nicht vorhersehbar ist: Er funktioniert für alle Haartypen, betont Ohren, Nase und Kinn. Der Pony ist seitlich, fransig geschnitten – ein Style, der zu jedem Anlass passt und absolut im Trend ist! Allerdings ist dieser Haarschnitt auch sehr gewagt und passt nicht zu jeder Kopfform. Gerade wenn man vorher recht lange Haare hatte, dann ist diese Frisur schon ein mutiger Schritt.

Die nennen diese Frisur also Anti-Kurzhaarschnitt, weil sie überhaupt nicht vorhersehbar ist? Häh? Ist Frau Benning zum Friseur gegangen und wollte eine Dauerwelle und dann: Viola! Der Anti-Kurzhaarschnitt. Na, damit hätten Sie nicht gerechnet, Frau Benning, oder?

Dieser Antikurzhaarschnitt sei für alle Haartypen geeignet. Das klingt gut. Aber er betone auch noch Ohren, Nase und Kinn. Na, ich weiß nicht. Ob das immer nötig ist? Diese drei Körperteile hören doch gar nicht mehr auf zu wachsen. Die vergrößern sich mittlerweile seit 30 Jahren und ich glaube es ist gar nicht so eine gute Idee die zu betonen. Oder was meinst du, Frau Dienstag? Nee, nee, ich guck mal was sie noch vorschlagen:

Frisur Nummer 3: Stillvoll und klassisch: Der Bob

Na, der ist jetzt keine Überraschung. Okay, die schreiben ja selbst klaschisch. Heißt klassisch in diesem Zusammenhang nicht vielleicht einfach alt? Auf dem Bild ist wieder eine ältere Frau, also definitiv älter als ich, aber sie ist auf jeden Fall viel selbstbewußter als ich, denn sie trägt ein ärmelloses Kleid und sehr häßliche große Ohrringe. Der Bob steht ihr. Kann man nicht meckern. Sie sieht gut aus. Aber Achtung, da kann wohl so einiges schiefgehen, wenn man beim Friseur nach einem Bob fragt:

Die A-Linienform und die Länge machen den Bob schon stilvoll und zu einem wahren Klassiker. Gerade für dünner werdendes und feines Haar macht er sich wahnsinnig gut! Es empfiehlt sich, die Spitzen mit der Rasierklinge zu schneiden. Fragen Sie Ihren Friseur, ob er das kann! Schneidet man die Spitzen mit der Schere, sehen sie schnell aus wie die Borsten eines Besens. Ein Geheimtipp für den perfekten Bob: Er endet am Kinn und muss daher regelmäßig geschnitten werden.

Also dünner werdendes Haar habe ich ja schon mal. Lucky me! Aber jetzt soll ich meinen Friseur fragen, ob er das mit der Rasierklinge kann? Auweia. Also erstmal frage ich mich, können das nur Friseure oder auch Friseurinnen und was ist, wenn er sagt: Nö, kann ich nicht und dann mit der Schere schneidet. Ich will doch nicht wie ein Besen aussehen. Also der ist mir definitv zu riskannt dieser Bob. Und man darf doch keinen Friseur fragen, ob er irgendetwas kann. Wo kämen wir denn dahin? Die Eltern fragen mich doch auch nicht, ob ich Unterrichen kann. Das wäre ja noch schöner. Nee, nee, also kein Bob für mich.

Der nächste Frisurenvorschlag ist der Long-Bob. Der sei progressive und modern. Den hätte ich sowieso in ein paar Monaten, nachdem ich mir den kurzen Bob hätte rasieren lassen. Der sieht auch langweilig aus. Die Frau auf dem Bild mag ihn aber. Im Text steht, dass der für Frauen ist, die mehr vom Leben erwarten. Tu ich ja nicht. Also auf zum nächsten Haarschnitt.

Nummer 5: Mittellange lockere Wellen

Frau in Orange mit komischer Bernsteinkette. Auch eine Schauspielerin, die man uns hier als 50Jährige verkaufen will. Diese Hollywoodfrauen, die noch so gut aussehen sind immer mindestens schon 70. Aber sehen eben noch super gut aus. Schade, dass ich nicht weiß, wer sie ist. Sie ist auf keinen Fall meine Generation. Schon weil wir ja keine dicken Bernsteinketten tragen würden. Unter dem Bild steht:

Sie denken mittellange Haare bis zum Schlüsselbein sind out?

Nö, dachte ich eigentlich nicht. Sagen wir, hab ich mir eigentlich noch nie Gedanken drüber gemacht. Und jetzt sehe ich, dass sie schreiben, dass die Frau auf dem Bild Madonna sein soll.

Der Gegenbeweis ist Madonna! Ihre lockeren Wellen wirken kühler und erwachsener als glatte, voluminöse Haare – das ist modern und macht äußerst jung.

Niemals ist das Madonna! Und Madonna ist doch auch schon 59.

Frisurvorschlag Nummer 6: Unsichtbare Lagen für einen weichen Schnitt. Die Frau auf dem Bild (keinen Tag älter als 27) sieht aus wie Lady Di in ihrer übelsten Zeit, da muss ich nicht mal den Begleittext zur Frisur lesen. Dieser Haarschnitt kommt mir nicht in die Tüte.

Frisur Nummer 7 heißt nur profan: Mittellange Haare. Auf dem Bild: Liz Hurley mit mittellangen Haaren. Normal halt. Genauso ist dann auch der Text zur Frisur: Steht eigentlich jedem und man kann auch mal einen Friseurbesuch ausfallen lassen. Einen? Ich lasse oft im zweistelligen Bereich ausfallen. Ich lasse die Friseurbesuche so oft ausfallen, dass ich, wenn ich dann endlich gehe, so dermaßen von den Friseuren angemeckert werde, dass ich immer erwarte, dass sie sagen: Tja, da hilft jetzt nur noch Glatze!

Die Frau auf dem Bild bei Frisur Nr 8 (Lang, glatt und definiert) sieht aus wie so eine Frau aus der nachmittags Werbung im ZDF. Reumamittel oder Treppenlifter. Sie ist so um die 40 und hat grau gefärbte lange Haare und man denkt zwangsläufig: Die armen Fotomodels, was die immer mitmachen müssen. Unter dem Bild steht, dass auch Frauen über 50 ruhig lange Haare tragen dürfen, allerdings nur mit sauberem und definiertem Schnitt. Au Backe, wie würden die denn meine Frisur nennen? Lang, platt und undefinierbar. Eigentlich darf ich diese Frisur auch nicht haben, denn man darf gar keinen Friseurbesuch ausfallen lassen und die Haare müssen sehr gepfegt sein, damit sie nicht an Niveau verlieren. Also auf meinem Kopf: Lang, platt und niveaulos.

Vorschlag Nummer 9 (Frau Dienstag aufgepaßt!): Volumen und Locken – nicht nur für die Jugend. Michelle Pfeiffer (59) zeigt uns wie’s geht. Aber Achtung was das Volumen betrift. Das wandert anscheinend mit dem Alter in die Haarlängen!
Voluminöse Locken sehen zu jugendlich aus, denken Sie? Da sind Sie auf der falschen Spur! Auch Frauen mit 50 können sich eine lange, wallende Mähne leisten. Der Unterschied: Das Volumen beginnt nicht, wie bei jungen Frauen, am Ansatz, sondern in den Längen. Das ist der Schlüssel für eine altersgerechte Mähne!

Altersgerechte Mähne, naja…

Den wirklichen Frisurenhammer haben die Macher dieses Artikels für die Nummer 10 aufgehoben. Hüftlange Haare – auch für Frauen 50+
Und 50+ ist der Frau auf dem Bild wirklich sehr geschmeichelt. Die ist mindestens 80 und sieht aus wie… tja, wie sieht sie eigentlich aus? Ich hab noch nie eine so alte Frau mit so langen grauen Haaren gesehen. Vielleicht in irgendeinem Märchenfilm oder in der ZDF Werbung, aber nicht in Natura. Und unter dem Bild steht:

Hüftlange Haare können auch mit 50+ wirklich zauberhaft und jugendlich aussehen. Voraussetzung ist, dass das Haar gepflegt, gesund und dick genug ist. Für Frauen mit dünner werdendem Haare eignen sich Extensions. Sie verleihen der Frisur ein gesundes Aussehen und genug Fülle.

Abgesehen davon, dass ich gar nicht zauberhaft aussehen möchte, erfüllen meine Haare keine der Voraussetzungen…gepfegt, gesund und dick. Und was soll eigentlich immer dieses „Frauen mit dünner werdendem Haar“? (Ha, die schreiben „mit dünner werdendem Haare“ – voll fasch, oder?)
Meine Haare werden nicht dünner. Die sind dünn. Ich glaube die verändern sich gar nicht, die fallen einfach aus. Aber Extensions? Ich weiß nicht.

So. Jetzt bin ich ja genauso schlau wie vorher. Danke Facebook! Vielleicht wasche ich meine Haare einfach mal wieder. Bürsten kann auch nicht schaden und den Artikel 10 Styling Fehler, die dich alt machen lese ich einfach gar nicht.

Wer die Hosen an hat

Draußen ist voll kalt. Ich war extra heute Vormittag draußen, damit ich jetzt drinnen bleiben kann. Ganz ohne raus am Wochenende geht ja auch nicht. Also geht schon – macht man aber nicht.
Am Wochenende muss man also raus. Stellt sich die Frage – wohin. Am besten irgendwas erledigen. Das erhöht dann noch das gute Gefühl, wenn man wieder zu Hause ist: Ahh, gut! Habe ich das auch erledigt!
Allerdings – was hat man am Samstag zu erledigen? Lebensmittel einkaufen mache ich ja nicht. Aber kaufen klingt gut.

Ich habe momentan zwei identische Jeans, die ich im Wechsel anziehe. Jeden Morgen denke ich: Na toll, die Schüler denken bestimmt, dass ich nur eine einzige Hose habe. Dabei sind das zwei. Aber ich kann ihnen ja schlecht sagen, dass ich gestern eine andere Hose anhatte, als heute. Ich besitze natürlich wesentlich mehr Hosen, aber die traue ich mich momentan gar nicht anzuziehen. Neulich sagte ich zu einer Freundin: Wenn du kein Nein als Antwort akzeptieren kannst, dann frag lieber erst gar nicht. Und so ist das mit meinen Hosen auch. Ich könnte es nicht ertragen, zu merken, dass die mir jetzt im Winter alle nicht mehr passen, also bleiben sie schön auf dem Hosenstapel liegen. Die zwei Jeans, die ich immer anziehe wachsen irgendwie mit mir mit. Ich werde dicker, sie werden weiter. Klassiche Win-win-Situation.
Gehe ich mir doch Hosen kaufen, dachte ich mir heute morgen. Gesagt getan. Danach mit Frl. Krise und Frau Dienstag zur Aquagymnastik und dann auf die Couch. Eine perfekte Planung.

„Ich gucke erstmal.“ Oh Mann, dass man das immer wieder sagen muss. Jeder guckt erstmal. Warum lassen die Verkäuferinnen einen also nicht einfach in Ruhe. Wenn ich dann später in Unterhose in der Umkleidekabine bin und die dann doch zu kleine Hose nur halb über die Oberschenkel bekomme, dann sollen sie kommen, diese engagierten Verkäuferinnen. Dann sollen sie sagen: „Ich bringe ihnen gerne das gleiche Modell in Größe 30.“ Wenn ich zehn Hosen anprobiert habe und keine gefällt mir, dann sollen sie mich anlächeln und sagen: „Kein Problem, ich hänge die wieder auf.“ Aber wenn ich in den Laden komme und die Tür ist noch nicht mal wieder zu, dann sollen sie schweigen und mich erstmal gucken lassen.
Mein erstmal Gucken bringt mich gleich zu den Sonderangeboten. Super. Alles 50% billiger. Da ist ja dann eigentlich egal wie die aussehen. Denkt man immer so. Aber wenn man dann eine Hose kauft – auch wenn die sehr reduziert ist und man trägt die, dann kann man ja den Leuten schlecht sagen: „Ich weiß, die sitzt am Arsch irgendwie komisch aber die war von 120Euro auf 60 runtergesetzt.

Ich scanne durch die Sonderangebote, da steht die junge Verkäuferin schon wieder hinter mir. Die langweilt sich wahrscheinlich auch. Ich bin ja die einzige Kundin hier. Also erbarme ich mich: „Haben Sie die auch in M? Gibt es die auch in schwarz? Sind die alle eng?“ Ein paar Minuten später stehe ich mit 10 Hosen in der Umkleidekabine. Schuhe aus. Mist, Loch im Strumpf. Meinen Schal und meine Mütze lasse ich an. Haare sind nicht gewaschen. Ich will ja später sowieso noch zur Auqagymnastik. Aber wenn die nette Verkäuferin jetzt meine fettigen Haare sieht, dann denkt die bestimmt, dass ich alle ihre Hosen schmutzig mache, weil ich aussehe, als hätte ich einen Woche nicht geduscht. Geduscht hatte ich ja… aber eben ohne Haare waschen.

Ich ziehe eine graue Wollhose an. Passt. Fühlt sich gut an. Ich verlasse die Kabine und draußen wartet das Verkäufermädchen schon auf mich. Sie ist sehr jung. Sie könnte nicht mal meine Tochter sein. Sie könnte in meiner Klasse sitzen. Trotzdem nimmt sie ihren Job sehr ernst und mustert mich in der grauen Wollhose von allen Seiten. „Sitzt gut“ stellt sie fest. Mit einem: „Ich probiere mal die Schwarze“ verschwinde ich wieder in meiner Umkleidekabine. Die Schwarze passt auch super. Ist auch nicht weiter verwunderlich. Gleiche Hose – nur andere Farbe.

„Die sieht besser aus!“ sagt die Verkäuferin, ohne, dass ich sie gefragt hätte. Ich finde auch, dass die schwarze besser ausssieht. Allerdings sah sie in grau auch gut aus. Super denke ich: Nehme ich beide. Dann habe ich gleich zwei neue Hosen und da wird dann auch niemand denken, dass das die gleiche Hose ist. Optisch habe ich dann für die Schüler schonmal drei unterschiedliche Hosen.

Ich probiere noch die ganzen anderen Sonderangebote an und die Verkäuferin und ich werden langsam zu einem eigespieltem Team. Ich verlange nach anderen Farben und größeren Größen und sie rennt rum und reicht mir alles in die Kabine. Zur Belohnung komme ich zwischendrin immer wieder raus und drehe mich vor ihr und dem Spiegel.
„Habt ihr eigentlich nur enge Jeans?“ In der Hoffnung, dass das mit diesen hautengen Jeans ja irgendwann auch mal wieder vorbei sein muss. Ich folge ihr in den vorderen Bereich des Ladens und sie hält mir eine Hose entgegen, auf die ich schon beim Reinkommen geguckt habe. Da dachte ich: Schöne Farbe. Aber leider offensichtlich für Kinder. Und jetzt hält mir die Verkäuferin dieses Miniteil vor die Nase. „Nicht wundern. Die ist zeimlich kurz. Ankel Jeans.“ Ankel kenne ich aber von Ankel Jeans hatte ich noch nie gehört. Das heißt aber nichts. Der Boyfriendstyle ist auch sang und klanglos an mir vorüber gegangen. „Kann ich ja mal anziehen“ sage ich und denke. Hmm – so kurz… was soll das? Da friert man doch am Bein. Vielleicht für den Sommer. Ich ziehe sie an und stelle schnell fest, dass das nichts für mich ist. Ich will auch im Sommer keine Hose tragen, die wie eingelaufen aufsieht.

„Sorry… ich glaube der Ankel Look ist nichts für mich.“ Entschuldige ich mich bei dem Mädchen und fühle mich ein bisschen schlecht. Ich kann mich gerade noch beherrschen „dafür bin ich schon zu alt“ zu sagen. Eigentlich bin ich für den ganzen Laden zu alt. Aber das muss ich ja hier nicht extra betonen. Bei Modeschauen tragen ja auch immer diese blutjungen Teenagermodels die Designerklamotten und dann werden die Klamotten später von den alten Frauen gekauft. Von den alten Frauen, die sich diese Sachen auch leisten können. Kann man denn eigentlich zu alt für einen Laden sein? Ja. Ich bin z.B. zu alt für H&M. Einfach, weil ich zu viel Geld habe. Ich finde ich darf nicht bei H&M einkaufen, weil ich nicht auf diese total billigen Klamotten angewiesen bin. Ich bin irgendwie zwischen Boss und Zara. Aber definitiv bin ich jenseits von Ankel Jeans.

Ich verziehe mich wieder in meine Umkleidekabine und den 15 Hosen, die ich anprobiert habe.
„Ich glaube ich habe jetzt genug gesehen.“ Rufe ich. „Ich werde jetzt meine Kaufentscheidung treffen.“ Ich bin mir nicht sicher, ob ich das nur gedacht oder tatsächlich gesagt habe. Gewissenhaft sortiere ich die Hosen: Die nehm ich, die nicht, aber die und die, die nicht, aber die.
Plötzlich ruft die Verkäuferin: „Ja. Jetzt muss man sich entscheiden. Wer die Wahl hat, hat die Qual.“ Und ich denke: Nee! Die Qual der Wahl haben junge Frauen. Mit vier neuen Hosen in unterschiedlichsten Farben verlasse ich stolz den Laden.

Opelhaus

„Jetzt gehen wir aber gleich rein und gucken uns die Neuwagen an!“, sagt Frau Dienstag und zieht mich am Arm in das große Opelhaus. Eine riesige Halle. Ein paar Verkäufer stehen im Anzug um einen Schreibtisch und quatschen. Überall stehen glänzende Autos. Die drei Opel Adams fallen uns sofort ins Auge. Einer ist rot, einer blau und einer silber.

„Sind die süß“, sagt Frau Dienstag und steuert auf den roten zu.
„Kann man sich da einfach reinsetzen?“, frage ich und gucke zu den Männern am Schreibtisch. Die beachten uns gar nicht. Müsste da nicht einer rüberkommen und uns sagen, dass wir uns ruhig mal reinsetzen können? Frau Dienstag ist schon an der Beifahrertür. Na, wenn die uns nicht bedienen wollen, dann bedienen wir uns halt selber. Ich setze mich auf den Fahrersitz. Ist doch eigentlich auch schöner erstmal ohne Verkäufer in dem Auto zu sitzen. Unser blödes Gequatsche wäre mir ja vielleicht peinlich. Statt sich über die unterschiedlichen PS Zahlen und den Verbrauch zu unterhalten gucken Frau Dienstag und ich doch nur, ob es Spiegel in den Sonnenblenden, einen USB Stecker und einen Getränkehalter gibt.

„Cool, Bordcomputer! Da kann der Freund dann Videos gucken.“ Frau Dienstag streichelt wieder die Amaturen. Sie ist sehr haptisch. Und diesmal strahlt sie: „Sooo schön!“ Und wirklich, das Innenleben dieses Autos gefällt mir auch. Alles sieht gut aus. Nicht so nach Auto. Mehr nach Spiel und Spaß. „Und die Sitze sind total bequem.“ sage ich „Und man hat voll viel Platz, dabei ist das Auto richtig klein“, sagt Frau Dienstag. Das mit dem Platz relativiert sich, als wir beide auf die Rückbank klettern. Auf die Rückbank zu kommen gestaltet sich schon mal schwierig, dort zu sitzen grenzt an Folter. In diesem Auto darf man nur Feinde transportieren. „Ist schon sehr eng hier hinten“, sage ich. „Aber das kann dir ja egal sein.“, sagt Frau Dienstag. „Du wirst ja jetzt nie mehr hinten sitzen. Ich sitze überhaupt nicht mehr hinten.“ Nie mehr hinten sitzen. Crazy, das kann ich mir gar nicht vorstellen. Aber wahrscheinlich hat sie recht. Zumindest wenn ich mit dem führerscheinlosen Freund unterwegs bin, werde ich wohl immer vorne hocken und fahren. Und vorne ist geil. Ich setze mich wieder auf den Fahrersitz. Man möchte sofort losfahren. Ich finde nicht mal, dass das Auto unangenehm riecht. Opel Adam – präsentiert von Germanys Next Top Model – wenn das nicht genau der richtige Wagen für mich ist.
Wir setzen uns auch noch in den Silbernen und in den Blauen. Mir gefällt der rote am besten. Weil die Handbremse auch rot ist und Teile der Amaturverkleidung auch. Ich bin so ein Mädchen.

Dann versuchen wir in den Kofferraum zu gucken. Aber wir kriegen die Klappe nicht auf. Jetzt könnte aber mal so ein Fachverkäufer kommen und uns helfen. Aber die Herren denken gar nicht daran. Stehen da und quatschen. Sie sehen jetzt nicht gerade besonders gestresst oder beschäftigt aus. Es sind außer uns auch gar keine anderen Kunden hier. Einer von ihnen könnte doch mal kommen. Die bearbeiten doch da keinen Notfall.
Frau Dienstag guckt zu ihnen, während sie immer noch an der Heckklappe rüttelt. „Entschuldigung, wie geht die denn auf?“
Widerwillig schleicht ein Jackettyp zu uns: „Da muss man erst die Batterie anstecken.“, sagt er. Ja, dann soll er das doch machen. Müssen wir ihm jetzt auch noch sagen, dass wir gerne hätten, dass er die Batterie…damit wir…ah, jetzt bewegt er sich. Ist das hier eine Behörde, oder was?

Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn uns der Kofferraum ein ewiges Rätsel geblieben wäre. „Ich nehme den roten, packen Sie mir den bitte schön ein. Wo kann ich den bezahlen?“ Und dann zu Hause – huch, da passt ja gar kein Wasserkasten rein.

„Okay, ist sehr klein hinten. Und die Rückbank ist auch nicht der Hammer, aber dafür kann man den gut parken und er ist doch auch sooo süß.“ Ich fange schon an zu relativieren. Ich bin diesem Opel Adam schon voll auf den Leim gegangen. Wahrscheinlich, weil er nicht so nach Auto aussieht.

„Lass mal in den Corsa setzen“, sagt Frau Dienstag und ich setze mich Widerwillig in diesen langweiligen, weißen Wagen. Ich bin schon verliebt und jetzt können die anderen Autos nicht mehr mithalten. „Der andere ist schöner. Die Sitze sind nicht so bequem. Die Farbe ist doof.“

Wir gehen in den ersten Stock zu den Gebrauchtwagen. Auch hier sind wir die einzigen Kunden. ich frage mich wie man die Autos hier hoch- bzw. wie man die wieder runter auf die Straße bekommen soll. Frau Dienstag sitzt schon im nächsten Auto. Ich sage: „Mach mal dein Fenster auf“ und sie lacht los. „Hähhh, keine elektrischen Fensterheber? Das geht ja gar nicht. Ich mache immer das Beifahrerfenster auf, um meinen Apfel rauszuwerfen.“ Ich glaube das finde ich nicht gut. Aber Kurbelfenster finde ich auch nicht gut. Dieser Wagen kommt also auch nicht in Frage. Wir steigen wieder aus und laufen weiter.

Vorbei an einem Typen an einem Schreibtisch. „Ich dachte hier wäre niemand“ flüstert Frau Dienstag. Aber der Typ hat sie bestimmt gehört. Irgendwie kann Frau Dienstag nicht flüstern. Die Leute hören immer alles, was sie nicht hören sollen. Einfach, weil Frau Dienstags Flüstern kein Flüstern ist.
„Also Autos zu verkaufen scheint hier nicht gerade die wichtigste Aufgabe zu sein.“ stelle ich fest und irgendwie gefällt mir das. Nichts ist schlimmer, als ein überbordender Fachverkäufer, der sich einem an die Fernsen heftet und einen nicht in Ruhe gucken lässt.

Wir gehen wieder runter. Zu meinem Opel Adam. Ich habe schon mütterliche Gefühle entwickelt. Meiner!
Der Verkäufer stellt sich zu uns. Zu viert starren wir auf den roten und den silbernen Wagen. Der eine kostest 16 000 Euro der andere 14 000Euro.

„Warum ist der eine teurer als der andere?“ frage ich.
„Andere Ausstattung“ sagt der Verkäufer. Als hätte ich mir das nicht denken können.
„Und was hat der rote, was der silberne nicht hat?“ Dem Typen muss man wohl alles aus der Nase ziehen.
„Sportverkleidung, Lenkrad- und Sitzheizung und noch so einiges mehr.“
Es ist offensichtlich, dass er kein Interesse hat uns weiter zu bedienen.
„Danke“, sagt Frau Dienstag und mit einem „Komm wir setzen uns nochmal rein.“ geben sie ihm zu verstehen, dass wir ihn aus seinen Diensten entlassen. Er geht wieder zum Schreibtisch.

„Nimm dir mal einen Katalog mit“, sagt Frau Dienstag und ich traue mich nicht zu fragen. Frau Dienstag fragt. Wir werden an einen anderen Schreibtisch verwiesen. Ein junger Mann begrüßt uns freundlich und gibt mir viele Heftchen, seine Karte und sagt ich soll bald mit ihm eine Probefahrt machen. Auweia. Probefahrt. „Aber, aber ich habe erst seit einer Woche meinen Führerschein, ich, äh…“
„Na, das macht doch nichts.“, sagt der junge Mann und ich liebe ihn sofort genauso wie ich den Opel Adam liebe. Glücklich verlassen wir mein Auto und meinen Fachverkäufer.

„Du musst dir aber auch noch den Audi A1 angucken“, sagt Frau Dienstag. „Der ist auch schön.“
„Okay“, sage ich. Aber eigentlich will ich den Audi A1 gar nicht mehr sehen. Aber wenn Frau Dienstag sagt ich muss, dann muss ich.

Frau Dienstag fährt mich nach Hause. es fängt an zu regnen. Ich bin müde aber glücklich. Der Freund wird staunen, was für ein schönes Auto ich mir kaufen will. Ich werde ihm sofort die Kataloge zeigen und wir gucken, was das Auto alles haben soll und dann gucken wir nach einem Jahreswagen oder meinetwegen einem noch älteren Model. Das wird super.

Aber als ich zu Hause bin empfängt mich der Freund mit: „Die Waschmaschine ist eben kaputt gegangen. Ich hab schon im Internet geguckt, was es so gibt. Also die mit einem Trockner drin die sind praktisch, sollen aber schnell kaputt gehen. Komm ich zeig dir mal was es da alles so gibt.“


Autokauf – schwerer als gedacht

„Ich wollte eigentlich dahin, wo so bunte Lammettafahnen sind.“
„Das sind Tankstellen“, sagt Frau Dienstag und geht zielstrebig auf den Hof mit den Gebrauchtwagen. Autokauf, eine ganz neue Welt. Ich hab gar keine Ahnung von Autos. Frau Dienstag kennt sich voll aus. „Ich dachte, wir gucken uns mal den Renault Clio an. Hier, wie findest du den?“
„Ihhh, braun“
Wie soll man sich denn hier ein Auto aussuchen? Hier sind doch so viele und die sind alle so groß.
„Kann ich Ihnen helfen?“ Ein Typ steht plötzlich vor uns. Gegeelte Haare, Jackett. Ein typischer Autoverkäufertyp. Dem traue ich nicht über den Weg, denke ich sofort. Der will mich doch bescheißen.
Er lächelt.“
„Ja, sie sucht ein Auto.“, sagt Frau Dienstag.
„Ah, da sind Sie ja hier genau richtig. An was dachten Sie denn?“
„Äh, ich, also ich habe erst seit einer Woche den Führerschein“, antworte ich, obwohl er mich das gar nicht gefragt hat. Na ja, jetzt ist es raus.

„Wie viel wollten Sie denn ausgeben?“
Mist, jetzt wird der schon so konkret. „Ich dachte so 6000 Euro.“ Was er jetzt wohl denkt. Denkt er ich hab nicht mehr? Dass ich keine Ahnung von Autos hab, muss ihm ja schon klar sein. Findet er das gut oder schlecht? Er lächelt immer noch sein Verkäuferlächeln.

„Dafür kriegen Sie ja nur einen Gebrauchten. Die gehen so mit 35000Km los und man sagt, dass man ab 40 000Km anfängt die Teile auszutauschen. Ich rate Ihnen da mehr zu einer Jungfrau.“

Jungfrau? Ich gucke zu Frau Dienstag. Hat der eben wirklich: Jungfrau gesagt? Zu uns? Jetzt ist der Typ noch tiefer in meiner Achtung gesunken und ich sehe an Frau Dienstags Gesicht, dass sie ihm nicht mal ein Brot abkaufen würde. Trotzdem trotten wir hinter ihm her zum Autohaus.
„Ich würde Ihnen einen Twingo empfehlen. Solides Auto und ich hab da ein besonders schönes Model direkt vor meinem Schreibtisch stehen.“ Dann fragt er mich Sachen zur Finanzierung. „Ich würde das in einem bezahlen“, sage ich schnell. Der soll bloss nicht denken ich wäre hier auf monatliche 29Euro Raten angewiesen. Aber Twingo? Das klingt nicht gut. Das klingt nach Stofftier, nicht nach Auto. „Guck mal, ich hab dir einen Twingo mitgebracht.“ „Oh, ist der süß und so flauschig.“ Oder wie etwas zu essen. Aus Schokolade. „Kann ich noch so ein Twingo?“ Ein Auto braucht doch auch einen Autonamen. Cherokee, oder Mars oder Hammer. Autos sind doch männlich. Da muss sich doch das Technische auch in dem Namen spiegeln. „Volt oder Atom oder Bizeps. Man nennt doch Damenbinden auch nicht Blade. Twingo, tzzzz.

Stolz zeigt der Typ uns dann seine Twingo Jungfrau. In hellblau. „Und die Farbe ist doch geil, oder?“ Was jetzt an diesem hellblau geil sein soll erschließt sich mir nicht. Das Auto ist hässlich. Ein hässlicher Kasten. Es sieht so aus, wie ich ein Auto zeichnen würde. Und dann noch diese auffällige Farbe. Damit auch alle sehen, guckt, was für ein hässliches Auto ich habe! So ein doofes Auto müsste durchsichtig sein oder wenigstens Silber. Damit darf man nicht protzen wollen mit einer unmöglichen Lackierung. Man versucht doch auch seine Pickel wegzuschminken.

„Setzen Sie sich doch mal rein!“
Das tue ich. Das hässliche Auto stinkt nach neuem Auto. Die Amateuren sind eingefasst wie ein Minigolfball. Wer hat sich denn sowas Beklopptes ausgedacht. Alles ist total simpel und einfach gehalten. Ich denke: Liko. Es will Addidas sein, ist aber nur Liko. Zwei Streifen, statt drei. So ein Auto will ich nicht. Frau Dienstag streicht missbilligend über die das weiße Minigolfplastik. „Doof“, sagt sie. „Lass mal den Clio angucken!“

Aber irgendwie will der Typ mir den Clio nicht verkaufen. „Der ist sehr hoch in der Versicherung, weil den soviel Jugendliche fahren“, sagt er. Aha, ich bin also zu alt für einen Clio. Abgesehen davon finde ich den Clio auch nur ein bisschen besser, als den Twingo. Die Heckscheibe ist viel zu klein und wenn man drin sitzt hat man auch gar nicht das Gefühl, dass man jetzt sofort losfahren möchte. Vielleicht brauche ich doch kein Auto. Vielleicht reicht die U-Bahn und der Bus. Ich bin jetzt so lange nicht gefahren, ich traue mich doch gar nicht mehr hinter irgendein Steuer.

„Können Sie uns zu dem Clio einen Prospekt mitgeben?“, fragt Frau Dienstag. Kann er nicht, weil er angeblich keinen hat. „Das müssten Sie sich im Internet ansehen.“ Wir sagen okay, und gehen zum Ausgang.

„Vielleicht brauche ich doch kein Auto“, sage ich zu Frau Dienstag.
„Doch brauchst du! Lass mal zu Opel fahren, die sind hier gleich um die Ecke und den Adam wollte ich mir sowieso mal angucken.“

Wat nun?

Ach ihr Lieben, vielen vielen Dank, für die Glückwünsche und das Mitfiebern. Den ersten Grundsatz: „Erzähle niemandem, dass du die Prüfung hast.“ Habe ich ja nicht gerade beherzigt, indem ich das hier geschrieben habe. Aber ich weiss, ihr hättet mich auch wieder nett bedauert, wenn ich noch ein paar Mal durch gefallen wäre.

Ich bin immer noch ganz high von dem Erfolg gestern. Was kommt jetzt? Vielleicht doch LKW-Führerschein? Jagdschein? Hochseeschiffahrts- Kapitänsschein? Ich will noch mehr Prüfungen machen. Nee, nee, ich will vielleicht noch mehr Prüfungen bestanden haben – definitiv will ich aber jetzt erstmal keine Prüfungen mehr machen.

Wie sich einige hier ja bestimmt schon gedacht haben bin ich zur Zeit gar nicht in der Schule, sondern im Sabbatjahr. Aufmerksame Leser werden das auch schon irgendwo in den Kommentaren gelesen haben. Seit September schlafe ich aus, vertrödle meine Zeit bei Netflix (bin ich aber schon wieder weg von) und döse abends auf der Couch weg, ohne mir über den nächsten Morgen Gedanken zu machen. Es ist wirklich herrlich. Nur – man gibt einfach mal mehr Geld aus, als reinkommt. Und man hat nie dieses schöne – jipppiehhh, morgen ist Wochenende Gefühl. Von der Vorfreude vor den Ferien mal ganz abgesehen.

Jetzt habe ich ja noch einige Monate Zeit. Der Ratgeber, den ich schon seit Jahren schreiben wollte, ist geschrieben, der Führerschein, den ich noch nie hatte, ist gemacht – was kommt jetzt? Keine Ahnung. In den Osterferien erstmal Autokauf mit Frau Dienstag. Das kann ja was werden. „BMW! Brauchst du! Neuwagen ist besser!“ Und dann natürlich rumdüsen mit dem neuen Flitzer. Aber damit ist meine Zeit ja auch noch nicht ausgefüllt. Die Kollegen in der Schule wundern sich, dass ich nicht immer zu verreisen möchte. Aber irgendwie habe ich dazu gar keine Lust. Ich war die gesamten 90er unterwegs. Ich weiss gar nicht wann ich da eigentlich studiert habe. Mir kommt das heute so vor, als wäre ich nur verreist gewesen.

Vielleicht fällt euch ja noch was Interessantes ein. Ich wäre durchaus auch noch bereit dazu etwas zu lernen. Bauchreden? Rappen? Beim Breakdance wäre ich doch bestimmt wieder die Älteste. Vielleicht ein bisschen Aquarellmalerei in der Toskana? Kann mir da jemand was empfehlen? In so ein Schweigekloster möchte ich nicht. Da sterbe ich.

Ich will ja auch weiter bloggen. Aber immer nur: Ausgeschlafen, ARD Mediathek, rauchen, zum Sport mit Frau Dienstag, auf die Couch, ist vielleicht ein bisschen langweilig. Also für euch – ich finde es herrlich.

The Prüfung Part II

„Streck mal die Zunge raus.“, sagt meine Schwester und träufelt mir vier Tropfen Bachblütenirgendwas in den Mund. „Die helfen immer! Wirst sehen. Da kriegst du so eine gelassene Haltung.“ Die habe ich noch nicht. Wir trinken Yogitee und rauchen. „Kaffee jetzt nicht mehr! Hast du einen Glücksbringer?“ Ich schüttle den Kopf. Meine Schwester gibt mir einen verstaubten Barbapapa und ein Bild von Han Solo „Der bringt dir Glück, weil der fliegt doch den Millenium Falken so schön.“ Ich stecke alles ein und schleiche zur Fahrschule. Ich soll mit Dieter vor der Prüfung noch ein Stunde fahren. Die Fahrschule ist voll. Murat und der neue Fahrlehrer sind da. Beide motivieren mich und sagen, dass ich die Prüfung bestimmt schaffen werde. Dann kommt Dieter. Ich sage: „Dieter, heute musst du mich ein bisschen motivieren. Bitte.“ „Ich, motivieren? Warum? Nee.“ Oh Mann, wenn ich heute durchfalle, dann wechsel ich. Soviel steht ja wohl schonmal fest.

Dieter hat keinen Bock aufs Fahren. Ich will eigentlich los. Nochmal alles üben. Aber Dieter quatscht sich fest. Ich stehe auf und gehe zur Tür. Irgendwann kommt er auch. „Nun sei doch nicht so hektisch.“ „Ich bin ein bisschen aufgeregt. Wegen der Prüfung.“ „Mensch Mädel, nun bleib doch mal locker!“

Im Auto stelle ich das Radio aus.
„Warum machst du das aus?“
„Ich will mich konzentrieren.“
„Na und?“
„Ich kann mich nicht mit dem Radio konzentrieren. Bitte. Nur heute mal.“
Dieter schmollt. Ich merke, wie seine Laune, die sowieso nicht die beste ist, immer schlechter wird. Ich stelle das Radio wieder an. Hoffentlich raucht er nicht vor der Prüfung. Ich brauche den Sauerstoff.

Wir kommen nach Tempelhof. Ein paar „Da wäre ich ja… da hätte ich ja…“ später, soll ich in den verkehrsberuhigten Bereich reinfahren. Dort wieder parken. „Mensch Mädel, warum fährst du nicht näher ran?“, sagt Dieter und schüttelt den Kopf, als sei ich die dümmste Person der Welt. Und als ich dann auf der großen Straße in den vierten Gang schalten will und (zum ersten Mal!) aus Versehen in den Zweiten schalte, sagt er: „Mensch Mädel, warum machst du nicht einfach so, wie ich es dir gezeigt habe.“
„War doch nicht mit Absicht.“
„Aber ich habe dir das doch schon sooo oft gezeigt und du machst das immer wieder so, wie du denkst.“
Ich fange an zu schwitzen. Gucke auf die Uhr. Noch zwanzig Minuten bis zur Prüfung.
„Bitte Dieter, nicht streiten. Bitte. Nicht vor der Prüfung.“
„Ich streite doch gar nicht. Ich verstehe nur nicht, warum du nicht machst, was ich dir sage.“
„Das weiß ich doch auch nicht. Aber du kannst davon ausgehen, dass ich das nicht mit Absicht mache. Ich will das doch lernen!“ Ich bin kurz vorm Heulen. Vielleicht einfach aussteigen und wegrennen.
Dieter sagt: „Na, dann mach doch einfach so…“
„JAAAA! ICH HABE ES VERSTANDEN. Deine eine Lehrmethode. Vielleicht reicht das bei mir nicht. Und heute ist sowieso das letzteM, dass wir zusammen fahren.“
„Das liegt doch nicht an mir, dass du das nicht kannst!“
„Doch, es wäre hilfreicher, wenn du mich kurz vor der Prüfung ein bisschen motivieren könntest und nicht auch noch mit mir streitest.“ Ich gebe es auf. Verpasse die Einfahrt zum TÜV Gelände und fahre um den Block. Vorm TÜV rauche ich eine Zigarette und Dieter geht rein zum Prüfer.

Okay, wie war das noch: Kühlwasser, Warnblinkanlage, Motoröl, Heckscheibenheizung… Der Prüfer stellt sich vor. Er sieht nett aus. Wir steigen ins Auto, ich habe kurz einen Black-Out Moment und fange mich dann wieder. Fragen tut er nichts. „Wir wollen nur ein bisschen gemütlich rumfahren.“, sagt der Prüfer. Gemütlich rumfahren, gemütlich rumfahren, sage ich mir immer wieder. Wir fahren links, rechts, beim Linksabbiegen fahre ich auf die volle Kreuzung und merke, dass ich mich nirgendwo mehr einordnen kann und bleibe zum Glück noch rechtzeitig stehen. Dann Autobahn. Die ist voll. Das Auto macht komische Geräusche. Dieter quatscht den Fahrlehrer voll. Der antwortet höflich. Leider kommt er kaum dazu, zu sagen, wo ich langfahren soll. Ich werde nervös. Dann wenden, dann Gefahrbremsung, dann zurück zum TÜV Gelände. Heißt das jetzt, dass ich bestanden habe, oder nicht?

„So, dann steigen Sie mal aus und erholen sich und ich rede noch kurz mit ihrem Fahrlehrer.“
Oh Mist, jetzt diskutieren die über meinen Führerschein. Klar, ich bin schonmal besser gefahren, aber wer fährt schon in der Prüfung so gut wie in den Fahrstunden. Was Dieter jetzt wohl sagt? Der hat doch auch keinen Bock mehr auf mich. Dieter bitte: Set me free!

Und dann kommen sie beide aus dem Auto und: BESTANDEN!!!! Ja Mann!!!!! Ab da weiß ich nichts mehr. Ich bin kurz auf und ab gesprungen, wie ein Kind vor dem Weihnachtsbaum und habe gestrahlt. Dann hab ich dem Prüfer alles mögliche versprochen: „Ich werde kein Raset! Ich werde nie Alkohol trinken und fahren. Ich schwöre, ich übe noch ganz viel und ich kann auch in zehn Jahren nochmal kommen und dann können sie gucken, wie ich Autofahren kann.“ Ich kriege so einen vorläufigen Schein, mit dem ich sechs Wochen durch Deutschland fahren kann: „Oh, ich wollte gleich eine große Europatour machen.“, sage ich. „Nee, nee, Spaaaß!!!“

Dann fährt Dieter mich nach Hause und wir verabschieden uns. Ich sage: „Danke. Und wir sehen uns dann auf der Straße.“ Dieter verdreht die Augen und sagt: „Bloß nicht!“ Aber er lächelt.