Schläfer töten mit Schlaftabletten

HAAAAAALLLLLOOOOOO!!!!! HAAAAALLOOOOOO, ist da jemand????? Ah, gut, keiner hier. Oh Mann, was sind das hier für Spinnweben überall und wie staubig das hier ist. Erstmal sauber machen… hier war ja wohl schon seit Monaten niemand mehr. Umso besser. Kann man sich ja mal ganz entspannt ausbreiten und muss sich keine Sorgen machen, jemanden auf den Schlips zu treten.

Aaaaalso. Die Sonne scheint wieder, die Schüler haben nun doch noch was bei mir gelernt – zwar erst heute, aber besser spät als nie. Jedenfalls wissen die, die heute da waren genaustens Bescheid über den 11. September 2001. Dank dem super Film von Planet Schule. Wirklich ein toll gemachter Film für den Unterricht. Voll schülernah und unkompliziert aufbereitet, so unkomliziert, dass ich die Zusammenhänge auch endlich verstanden habe. Aber unseren Klassen kann man selbst einen KIKA Beitrag nicht einfach vorsetzen – nein, bei uns musst du alle 4 Minuten die Pausetaste drücken und erklären. Gerhart Schröder kommt ins Bild und erzählt was. Pause. Erstmal den Schülern Zeit lassen, sich über den Namen zu bepfeifen. Alle deutschen Namen lösen bei meinen Schülern unheimliche Heiterkeit aus. Dann ich: „Kennt ihr den?“ Schweigen – wieso sollten sie den auch kennen, der war ja vor ihrer Zeit. „Der war damals Kanzler. Also, als das mit den Türmen passierte, da war der Frau Merkel.“ Film läuft weiter. Es wird über Schläfer und Antiterrorgesetze gesprochen. Pause.
„Schläfer. Wißt ihr was das ist?“
„Die schlafen immer.“
„Nein, das sind Terroristen, die aber noch nichts gemacht haben.“
„Weil sie schlafen.“
„Nein.“
Ich erkläre und erkläre. Selbstmordattentäter kennen meine Schüler komischerweise gar nicht.

„Ähhhh? Aber wieso sollten die sich denn umbringen? Dann sind sie doch tot.“

Schnell schiebe ich noch Fanatismus und so was, als Ergänzung hinterher. Dann kommt Osama Bin Laden. Den kennen meine Schüler.
„Ahhh, mein Onkel“, sagt Taifun und grinst. Darauf muss ich nicht weiter eingehen. Osamas Gottesstaat wird von mir dagegen in blumigsten Farben beschrieben.
„Die Frauen dürfen nicht mehr alleine rausgehen, nicht zur Schule und arbeiten dürfen sie natürlich auch nicht. Und sie müssen Burkas tragen. Kennt ihr die?“
„Diese schwarzen Dinger mit den Schlitzen?“, fragt Fatima. Dann lacht sie.
„Wissen Sie, wie meine Mutter die immer nennt?“
Nein, das weiss ich nicht.
„Ninja, nennt sie die.“

Aber tragen möchte keine meiner Schülerinnen sowas. Nie mehr Musik hören, am Handy rumfummeln oder Computerspiele spielen, dafür diese langen Bärte und die Kutten tragen, wäre auch nichts für die Jungs. Ihre Begeisterung für Bin Laden ist nun sichtlich erschüttert. Dann sehen und sprechen wir über die NATO, den Afghanistan- und den Irakkrieg, Joschka Fischer, Bush und Guantanamo. Viel muss ich zu den Fotos von Lynndie England (Abu-Ghuraib) sagen und erklären, was die Welt davon hielt. Am Ende reden wir über Obama. „Der ist Moslem, stimmt’s Frau Freitag?“

Ja, in dieser Stunde haben sie endlich mal was gelernt. Wurde ja auch mal Zeit. Das Schuljahr ist ja fast vorbei.

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