Was hallo???

Viele Lehrer auf einem Haufen bedeuten selten etwas Gutes. Erster Gedanke: Lehrerzimmer. Aber Lehrer treffen sich auch privat. Gestern wimmelte es nur so vor Lehrern in meiner Wohnung. Alle haben schlechte Augen. Niemand hört dem anderen zu. Jeder ist es gewöhnt Chef zu sein. Alle wissen immer alles besser und alle sind viel zu laut. Ich liebe es. Ich finde die Welt könnte nur aus Lehrern bestehen.

Wir sitzen und reden und reden und essen und reden und reden und reden. Ich erzähle, dass ich mir die Telefonnummer von Frl. Krise nicht merken kann. Ich denke immer die ist 809905444, aber eigentlich ist die 80905444. Ich kann mir das einfach nicht merken, aber ich habe die richtige Nummer irgendwo aufgeschrieben.

„Jedenfalls immer wenn ich sie anrufen, mit der falschen Nummer, dann ist am anderen Ende erstmal Stille und ich sage dann vorsichtig Hallo und dann schreit so ein total unfreundlicher Typ WAS HAAALOOO??? In den Hörer.“ Frl. Krise kichert. Sie kennt dieses Phänomen schon.

„Der ist so krass. So gemein und ich hab’ voll Angst vor dem. Wenn ich dann frage: Ist da bei Krise? Dann sagt er nichts, wartet einfach nur ab und brüllt irgendwann: WAS JETZT???“ Frl. Krise grinst über das ganze Gesicht. Ich erzähle, dass ich mir auch schon vorgestellt habe, dass sie dort in ihrer Wohnung einen völlig gemeinen Typen hält, den sie ab und zu ans Telefon gehen lässt.

„Ich bin immer völlig geschockt, wenn ich mit dem Typen gesprochen habe und wenn ich dann die richtige Nummer raussuche, dann ertönt dieses typisch süße, niedliche „Kriiise“, aber dann hat sie so einen ominösen Unterton in der Stimme und ich bin mir gar nicht sicher, dass dieser Typ nicht direkt neben ihr steht.

Der Physiklehrer holt sofort sein Handy: „Also, wie ist die Nummer? Komm wir rufen da mal an.“ „Nein, lass mal.“ Leichte Panik steigt in mir auf „Wenn der jetzt raus findet welche Nummer…“ „Unterdrücke ich. Also, sag mal die Nummer.“ Er wählt und stellt auf Lautstärke. Wir beugen uns alle über sein Telefon und warten gebannt. Ich habe Angst und flüstere: „Aber sag nicht, dass ich auch hier bin.“

Tut, tut, tut…niemand nimmt ab. Ich bin erleichtert. „Schaaaade.“ sagt Frau Dienstag. Aber ich bin mir sicher, sie würde sich alleine nie trauen die Nummer anzurufen. Leicht ratlos sitzen wir in der Küche. Der Pysiklehrer hält immer noch sein Handy in der Hand. Plötzlich habe ich eine super Idee: „Lass mal Schüler anrufen. „Jaaaaa!!!“ Alle sind total begeistert. Es ist zwei Uhr nachts. Der Deutschlehrer fragt:“ Aber wen? Wessen Schüler.“

Außer mir hat ja niemand die Nummern seiner Schüler dabei (ich trage die nicht dauernd mit mir rum, aber wir sind ja in meiner Wohnung.)

Plötzlich triumphiert Frl. Krise: „Wir rufen Serkan an. Die Nummer kenne ich auswendig!!! Ich telefoniere täglich mit seiner Mutter. Gesagt getan. 10 Lehrerköpfe beugen sich über das Handy. Es tutet. Nach 20 Sekunden nimmt jemand ab. Eine müde Stimme sagt „Ja?“ Und plötzlich schreit Frl. Krise los: „Arschlochkind!!! Arschlochkind!!! Arschlochkind!!!“

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11 Gedanken zu “Was hallo???

  1. Am Sonntag, den 16.5.2010 veröffentlichte Frau Freitag in ihrem Blog “ Na, wie wars in der Schule?“ einen Beitrag unter der Überschrift
    „Was hallo?“

    Dieser Beitrag geriet, so Frau Freitag, versehentlich auf diese Seite, er war das Produkt einer stilistischen Übung und ist ab Zeile 44 rein fiktiv.

    Soweit hierdurch der Eindruck entstanden sein sollte, dass das ehrenwerte Frl. Krise nachts Telefonstreiche verübt, so ist dies falsch!

    Frau Freitag entschuldigt sich hiermit in aller Form bei Frl. Krise.

    16.5.2010

    J. Martens

  2. Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Dr. Martens:

    das muß „…stilistischen“ Übung heißen.

    Ansonsten: bitte mehr dieser Übungen… *rhythmisches Klatschen*

  3. Cool – vor allem, wenn die Superduperaktion Serkans Mutter getroffen hat, die 4 Stunden später aufstehen musste wg. Putzen im Altenheim, oder den Vater vor der Frühschicht.

    Ich LIEBE Lehrer, die glauben, alle Welt sei Lehrer und könne ausschlafen, wenn sie ausschlafen.

    • wir wissen doch, dass sekans eltern gar nicht arbeiten! sonst hätten wir doch woanders angerufen! übriegens stehe ich immer um 5 uhr auf!

      By the way, sekans eltern besitzen eine fabrik, die lassen putzen und frühschichten.

  4. na gut ich denke das Arschlochkind war ein abgucker wie die schüler untereinander reden..
    ansonsten fand ich die geschichte sehr komisch – vor allem aber der Anfang – so stell ich mir eine Party mit lauter Lehrern vor..

    gruss
    uschi

  5. Pingback: Arschlochkind - ein Jahr Frau Freitag » ronniegrob.com

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