Künstlerleben

Schüler kennen nur Picasso. Und wenn sie nicht Picasso werden können, dann lohnt sich das mit dem Künsterleben auch nicht.

„Man kriegt doch kein Geld von Luft.“ sagt Carlo.

Wir reden wieder über Jobs und ihre Zukunft. Mir persönlich ist ja ihr beruflicher Werdegang schnuppe (ist ja nicht meine Klasse), aber sie bringen das Thema immer wieder an.

„Künstler sein ist doch auch scheiße, oder Frau Freitag?“

„Keine Ahnung, ich bin ja nicht Künstler, ich bin ja Kunstlehrerin. Aber wieso soll das scheiße sein?“

„Weil irgendwann hat man keine Ideen mehr.“

„Wieso sollte man denn keine Ideen mehr haben?“

„Na, wenn man alles schon gemacht hat.“ Für meine Schüler würde dieser Zustand ziemlich schnell kommen, sitzen sie doch täglich ideenlos in meinem Unterricht und wenn sie mal eine Idee hatten, dann kann es Jahre dauern, bis da wieder eine Idee nachwächst.“

Carlo läßt das Thema keine Ruhe: „Oder man hat miese Absturz.“

Komische Idee haben die vom Künstlerleben.

Ömer sagt: „Ich muss mich nicht bewerben, ich kann bei mein Onkel oder mein Vater arbeiten.“ Wir diskutieren, die Vor-und Nachteile von DeinVater ist nicht nur dein Vater, sondern auch dein Chef. Ich ziehe die Ehrenkarte: „Also ich fände das furchtbar, wenn der Schulleiter mein Vater wäre.“ Ömer: „Wieso, dann haben Sie immer viele Freistunden.“

„Aber das ist doch total peinlich, wenn mein Vater auch mein Chef ist…“ gebe ich zu bedenken „dann hätte ich doch immer das Gefühl, dass ich gar nichts alleine auf die Reihe gekriegt habe.“ Ömer denkt kurz nach und kontert dann unvermittelt mit: „Ich verdiene mehr als sie.“

„Wieso, wieviel verdienst du denn?

„Na, alles was mein Vater verdient.“

„Wieso Ömer, bist du denn dein eigener Vater?“ ich verstehe schon, was er meint, aber langsam wird mir diese Angeberei zu blöde: „Ist doch voll peinlich, wenn du dein Leben lang deinen Vater nach Geld fragen musst.“

Ömer schmollt ein wenig: „Nö. Wieso?“

„Ach Ömer, mal mal dein Bild zuende und werde mal erwachsen.“

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Allgemein

3 Gedanken zu “Künstlerleben

  1. Ich wollte diesen Blog mal loben.
    Jeden Abend setze ich mich vor meinen Laptop in der Hoffnung das hier was Neues steht und werde meist ja auch nicht enttäuscht 🙂
    Habe mit doch wirklich zuletzt bis Mai 2009 alle Einträge durchgelesen 🙂

    Also, weiter so 😀

  2. Hallo werte Frau Freitag,

    mit Genuss habe ich Ihr Blog von vorne bis hinten durchgelesen und ziehe den Hut vor Hochachtung. Den Muskelkater in Zwerchfell verdanke ich Ihnen übrigens auch.

    Ich bin nur mit drei Azubis beschlagen, die alle mehr oder minder lernen wollen. Und die treiben mich schon zuweilen an den Rand des Wahnsinn. Insofern glaube ich den Hauch einer Ahnung zu haben, was sie täglich durchmachen. Dass sie das weiterhin so frohgesinnt durchhalten, spricht eindeutig für ihre Nervenstärke.

    Beste Grüße
    Der Maskierte

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