Der eine vom Hof

(Achtung: Das Video ist echt grenzwertig. Nichts für schwache Gemüter.)

Es gibt doch einen Gerechtigkeitsgott. Nachdem ich mich gestern nun so ausgiebig über die Gerüche mancher Schüler ereifert habe, merke ich heute schon in der zweiten Stunde, dass ich wohl das falsche T-Shirt angezogen habe und dann auch noch eine Wolljacke. Leider konnte ich dem Gestank nicht aus dem Weg gehen und müffelte so den ganzen Tag vor mich hin. Zu Hause sprang ich sofort in die Badewanne.

Und ich will an dieser Stelle noch betonen, dass die meisten meiner Schüler üüüüüberhaupt nicht schlecht riechen. Und ich rechne es ihnen hoch an, dass sie mir heute nicht gesagt haben, dass ich stinke. Sie können ja mitunter recht direkt sein, die lieben Kleinen. Da kannst du dir hygieni-, kosmeti- oder modische Fauxpas eigentlich nie leisten. „Was ist denn mit Ihren Haaren?“ oder ein nett ausgedrücktes: „Frau Freitag, warum schmicken Sie sich eigentlich nicht.“ Und zu dem Stinken kamen heute auch noch ein Bad-Hair-Day und ein fetter weißer Pickel auf der Stirn dazu. An dem habe ich morgens noch schön rumgedrückt, da sah der um 13.30 Uhr natürlich hervorragend aus.

So ganz verstehe ich das mit den Pickeln immer noch nicht. Manche kann man ausdrücken und dann sind sie weg. Andere verschaffen dir nach dem Ausdrücken eitrig suppende Abzesse, die sich sogar bläulich färben können. Ein tolles Altersphänomen: Pickel am Hals.

Wir weiblichen Mitmenschen mögen ja Pickel ganz gerne. Also nicht am eigenen Körper, aber ich kann schon zugeben, dass ich gerne Pickel an anderen ausdrücke. Ich bin mir fast sicher, dass ich diese abartige Leidenschaft mit anderen Frauen teile. Mein Favourit: Der gemeine Mitesser. Bevorzugt der, der einen gruseligen Krater bzw. ein sauberer ausgestanztes Loch in der Haut hinterläßt. Womit ich wieder bei der Schule angelagt wäre.

Man hat als Lehrerin ja nicht nur mit Schülern zu tun, die man selbst unterrichtet, sondern auch mit denen, die man täglich auf dem Hof beaufsichtigt. Das sind so die Hofbekanntschaften. Die kennen meinen Namen, ich ihren nicht. Aber man quatscht halt ab und zu so rum. Eine meiner Hofbekanntschaften war ein Schüler, der wahrscheinlich schon mehrfach sitzengeblieben ist und auch nicht viel vom regelmäßigem Unterrichtsbesuch hält. Er war eigentlich immer auf dem Hof, wenn ich in meinen Freistunden das Freigehege durchquerte.  Ich schmetterte ihm immer die gleiche Begrüßung entgegen: „Na, hast du wieder Hof?“ Du musst ja echt Klassenbester in Hof sein.“ Und wenn er mir dann so gegenüber stand, sah ich immer, dass er das ganze Gesicht voller Mitesser hatte. Keine anderen Pickel. Nur Mitesser. in allen Größen. Und die hatte der exakt das ganze Schuljahr. Oft juckte mich das schon sehr in den Finger: „Darf ich mal.“ Und dann einfach ran, die Zeigefinger anlegen und sehen, was sich da rausholen lässt.

Keine Angst…. ich ließ ihm seinen eigenartigen Gesichtsschmuck. Nur habe ich mich immer wieder gefragt, warum der die nicht selbst mal wegmacht. Guckt der denn gar nicht in den Spiegel? Denkt der denn, die darf man nicht ausdrücken? Oder hat er ein so enormes Selbstbewußtsein, dass er alles an sich sooooo geil findet, dass er auf nichts, nicht mal auf den Inhalt seiner Mitesser verzichten möchte. Wenn das der Fall wäre: Herzlichen Glückwunsch!

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7 Gedanken zu “Der eine vom Hof

  1. Uhhärchhhs!

    Der erste Beitrag, der in seiner ganzen Ausführlichkeit und Detailschilderung nicht so wirklich meinem Informationsbedürfnis entspricht. Wobei ich gestehen muß: eine Freundin hat (sehr zu meinem Erstaunen) auch das Bedürfnis, an anderen Leuten herum- und auszudrücken…

    Ich glaub, ich bin mal kurz weg (speien…)

    Sachen gibts, die sind mir schon sehr fremd. Wobei ich im www schon so manche beeindruckende Offenbarung an menschlichen Wünschen und Schöpfungen gesehen habe (z.B. hier: http://ugliesttattoos.com/ ).

  2. Boah, diesen Eintrag hätte ich besser nicht gelesen, während drüben mein Süppchen kocht.
    Gerade nach dieser „Geschichte“ und dem Einspieler, von denen ich immer denke Frau Freitag hat die besten, denke ich wieder über ihr Alter nach, liebe Frau Freitag.
    Lange Zeit dachte ich Sie seien ganz jung, aber dann doch wieder nicht.
    Und gerade jetzt würde ich es gerne wissen.
    Aber sowas fragt man ja nicht.
    Dennoch habe ich es nach meiner Jugend nicht wieder erlebt, dass man vor Freundinnen flüchten musste, die einem die Pickel ausdrücken wollten.
    Also vielleicht doch Ü40?

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