Ich rieche, also bin ich

Wenn man an einer Schule arbeitet hat man mit Menschen zu tun. Jede Stunde halten sich übermäßig viele Schüler in relativ kleinen zum Teil überhitzten/überheitzten Räumen auf. Wenn man die Schüler dann auch noch mit schwierigen Arbeitaufträgen oder sogar mit einer Klassenarbeit schockt, dann kommen sie ins Schwitzen. Und manche schwitzen echt doll und fangen dann an zu stinken.

Wachsam gehe ich dann durch die Klasse und kontrolliere stichpunktartik die Federtaschen. Einen anderen Platz für Spickzettel findent die heutige Generation wohl nicht mehr. Jedenfalls stinkt der eine oder die andere echt heftig nach Schweiß. Und das nicht nur manchmal. Ein Stinker stinkt eigentlich immer. Ganz schlimm ist der Unterricht, wenn die Schüler davor Sport hatten. Ich war noch nie dabei, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass auch nur ein Schüler unserer Schule nach der Sportstunde duscht. Man wäre unter Unmständen nackt. Die meisten haben ja noch nicht mal Sportzeug, sondern machen in ihren normalen Sachen mit und kommen dann mit hochrotem Gesicht und völlig verschwitzt zu mir in den Raum. Da hilft auch kein Lüften mehr.

Schön ist auch, wenn sie dann anfangen dem beißenden Schweißgestank die Duftnote eines billigen Männerspühdeos beizumischen. Das benutzen von Deo und Parfum steht in meinem Unterricht unter Höchststrafe. Ich kann mit Kaugummis, Zuspätkommen, Renitenz und sogar mit leichter Gewalt leben, wenn aber irgendwas gesprüht wird, dann flippe ich aus. Ich schreie sofort was von Allergien und Kopfschmerzen, Körperverletzung und drohe mit Anzeigen.  Deshalb hält sich der Gebrauch von dieser Art Körperpflegeprodukt in meinem Unterricht in Grenzen.

Wer kann den jungen Herren mal erklären, dass der Ax-Effekt nur funktionieren kann, wenn man sich vorher wäscht? Waschen scheint sich bei einigen der Schüler sowieso auf ein mittelalterliches „Wir baden immer am Samstag“ Ritual zu beschränken. Vielleicht tragen die auch ihre Klamotten zu lange. In der Pubertät und auch in den Wechseljahren sollte man wahrscheinlich jeden Tag ein neues T-Shirt anziehen. Aber wo lernen die Schüler das? Riechen ihre Eltern nicht, dass ihre Kinder stinken? In den kleinen, völlig überfüllten Wohnungen muss das doch auffallen, oder finden die das gut. Die Ankunft des Sohnes wird zuerst olfaktorisch wahrgenommen, oder was? Sollte und kann ich denn die Schüler darauf ansprechen? „Herbert, hör‘ mal, so unter uns…du riechst streng.“ Oder: „Herbert, du magst doch Mädchen, oder? Du willst doch, dass die dich gutfinden, oder? Denkst du im Ernst irgendeine steht auf deine herben Körperausdünstungen?“ Vielleicht auch mal so im Vorbeigehen: „Uhhhh, mein Lieber, du riechst heftig. Wann hast du dich das letze Mal gewaschen?“ Möglich wäre auch ein protokolliertes Elterngespräch: „Wie steht es zu Hause bei Ihnen und ihrer Familie mit der Körperpflege?“

Nur einmal wurde ich Zeuge eines, wahrscheinlich wirkungsvollen Statements: Ein Lehrer zum Schüler im Vorbeigehen: „Alter, wer sich dreimal am Tag einen kurbelt muss sich auch waschen.“

Advertisements

7 Gedanken zu “Ich rieche, also bin ich

  1. Spontan fällt mir dazu nur eines ein: Pubertät. Da riecht man halt mal schneller und mal schneller „streng“. (Und regelmäßiges Duschen scheint auch nur bedingt zu helfen).

    So long,
    Corinna

  2. Was denkste, wie’s bei uns in der Notaufnahme ab und zu riecht. Der Duft der alten Damen – und damit meine ich nicht Siebenundvierzigelf, wobei das auch wieder so ein Fall für sich ist. Die alten Herren riechen übrigens noch strenger…

  3. Frau Freitag, sie scheuen mal wieder vor nichts zurück…..!
    Hier noch eine kleine zugabe: Biologieunterricht, 7. klasse, thema hygiene (pubertät ). Ich frage, wie oft man denn so seine unterwäsche wechseln müsse. Die mädchen antworten einmütig im chor: „Na, täglich natürlich!!“ Die jungen fallen vor schreck fast vom stängel und einer ruft: “ Was täglich????!! Da tät mir meine mutter was erzählen!“

  4. Das erklärt bei uns an der Schule der Biolehrer , also ich.
    Es muss nicht nur geklärt werden, wann man wäscht, sondern auch was und wie.
    Und dass der Babygeruch in der Pubertät schwindet und zum Muff wird.
    Und ich bespreche das mit den Sportlehrern, dass sie auf die Reinigung einwirken. Tja, croco, sagen sie. Wir machen das ja. Aber die Eltern machen Aufstand. Sie wollen nicht, dass ihr Kind in der Schule duscht.
    Ist ja egal, wo er dann nicht duscht.

  5. Pingback: Der Duft der alten Menschen « Medizynicus

  6. Schön, diese berufsübergreifenden Themen. Wie geht es wohl Masseurinnen oder Fußreflexzonentherapeuten? Auch Taxifahrer und Callgirls können sicherlich Interessantes berichten. Als Erzieher hab ich ja wirklich fast nur wohlriechende Grundschüler um mich herum. Außer da geht mal was in die Hose, dann werden die Geruchsnerven gleich richtig strapaziert. Dieser Geruch scheint dann auch an einem kleben zu bleiben.

    Stinkestinke

    Frank

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s