Wie privat darf’s denn sein?

Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps, sagt man doch so schön. Aber was ist mit Schnaps im Dienst?

In der Vorweihnachts- sowie in der Schuljahresendzeit häufen sich ja die Feierlichkeiten in Schule. Da wird geplant, gesammelt, mitgebracht, aufgebaut, gegrillt, gegessen, gequatscht und gesoffen.

Den Aufbau übernimmt immer die gleiche Person: Die Seele des Lehrerzimmers. Man soll ihr schon irgendwie helfen, aber nicht zu viel, denn die Verantwortung will die Person auf keinen Fall abgeben. Passt man nicht auf, wird man dann mit niederen Arbeiten überschüttet: Tische schleppen, Gläser spülen, Gabeln aus dem anderen Gebäude holen usw. Wie das Kind wirst du von der Ober-Mutti oder dem Ober-Vati (es sind meiner Meinung nach öfter Frauen) herumgeschickt „Deck’ doch schon mal die Tische ein, Frau Freitag! Kannst du noch mal zum Hausmeister, wir brauchen noch einen Dreifachstecker. Geh doch schnell mal einen Korkenzieher suchen!“ Wenn die Verantwortliche dann von der Schulleitung vor dem versammelten Kollegium gelobt wird, dann tut diese Person ganz bescheiden „…ach, lasst doch, das ist mir jetzt aber peinlich…“

Es sind immer die gleichen Leute die helfen und es gehen immer die gleichen zuerst nach Hause. Ich habe die Schonlehrer oft essen, aber nie aufräumen sehen. Ich mache immer irgendwie mit aber gelobt wurde ich noch nie.

Nach dem Essen geht dann die Sauferei los. „Komm’ nimm noch mal ein Schluck. Wir haben noch gar nicht angestoßen. Dein Glas ist ja leer! Auf einem Bein kann man nicht stehen. Los, noch einen Absacker…“ Und dann wird völlig losgelöst abgesackt. Und hier nun meine Fragen: Wie tief darf denn gesackt werden? Und wer bunkert diesen unerschöpfliche Schnapsvorrat, in den verschiedenen Fachbereichen? „Hier ist noch ein Fläschchen!“ „Ich hab’ hier noch was ganz Feines!“ „Komm’, die Buttel hauen wir noch weg. Was weg muss, muss weg.“

Je später der Abend, umso schwieriger wird es für mich, mich dem Mitmachzwang der harten Hunde zu entziehen und mir irgendwann gehen mir die Abstinenz Gründe aus. „Frau Freitag, bist du schwanger? Oder warum trinkst du Cola?“ Sie werden dann ganz kuschelig und wollen dich unbedingt auf ihren Ausgelassenheitspegel bringen. Ich fülle mich stets mit Cola, Sprite und Apfelschorle ab. Unter ihrem Alkohol-Einfluss werde ich zu „unsere Kleine“, „…ach, die Frau Freitag, die hat’s auch nicht leicht, die nimmt sich alles immer so zu Herzen…“

Ich mache bei diesen Gelangen nie mit. Keine Lust auf Verbrüderung, Privatheit und die späteren „Weißt du noch, bei der Weihnachtsfeier- Storys? Na, Frau Soundso war ja ganz schön dicht. Wie ist denn Herr Blahblahblah nach Hause gekommen?“ Wie kommen manche Kollegen dazu sich bei Betriebsfeiern so dermaßen gehen zu lassen? Haben die keine Freunde, mit denen sie es sich mal so richtig geben können?

Allerdings muss ich zugeben, dass die Feiern ohne die besoffenen Hunde ganz schön langweilig wären, denn es ist herrlich, den Niveauverfall zu beobachten. Man muss aber unbedingt den perfekten „Ich geh’ jetzt.“ Moment finden. Der liegt kurz vor dem Aufräumen. Und kurz nachdem sich der harte Hund dazu hinreißen ließ, mal so richtig über die Kollegen abzulästern. Mit glasigem Blick sitzt er oder sie dann in sich zusammengesunken am Tisch: „Allllso, die Frau Soundso…na die isss’ doch auch ein wenig…“ Wenn du Pech hast, erwischen sie dich, legen ihren schweren Arm um dich und lallen dir ins Ohr „Suers als ich dich sah dachtisch du biss aber auch dooof…aba jesss bisss du doch eine ganzzzz lieebe Pessssonn…“ Nicken, nett grinsen und dann nichts wie weg.

Das sind mir die Richtigen, den ganzen Abend laut grölend Scheiße labern und eine Woche später eine Klassenkonferenz ansetzen, weil ein Schüler hinterm Haus geraucht hat.

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5 Gedanken zu “Wie privat darf’s denn sein?

  1. Hmmm. Die Betriebsfeiern unter Kollegen sind eine Sache. Aber wie ist das bei Schulfeiern / Abschlussfeiern / Klassenfeten / Klassenfahrten – also Sachen, bei denen Schüler anwesend sind? Ich muss sagen, damals (lang, lang ists her…) fand ich es ja immer ziemlich cool, mit den Paukern zusammen einen zu heben… aber aus Paukersicht ist es sicher eine Gratwanderung!

    • alkohol mit den schülern – ein absolutes no-go! mal eine rauchen oder einen durchziehen…das sieht schon anders aus…neeneee

  2. Grusel…versoffene harte Hunde sind soooo eklig!!! Grusel, Grusel….und am nächsten Tag haben diese Leute Unterricht – ich habe mal einen erlebt, der wusste nicht mehr wie er nach Hause gekommen ist, trotzdem hat er es geschafft zur ersten Stunde in der Schule zu sein!!! Eben ein harter Hund.

  3. Wahrscheinlich hat sie ihn morgens auch mit zur Schule genommen und eine Ecke vorher aus dem Auto gelassen…
    Bei der Bewunderung, die Frau Dienstag für harte Hunde hat, würde es mich nicht Wunder nehmen.

    Gruß

    Herr sowas von dicht und total zu ….

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