Dahin wo`s nicht immer regnet

In Hamburg am Bahnhof war ein Reisebuero und die hatten da noch Restfluege und da sind wir rein und haben so rumgesponnen, wo man hinfliegen koennte, wo es nicht regnet und so. Und es gabe einen total billigen Flug nach Washington DC. Ich weiss auch nicht was in dem Moment mit mir los war, aber ich habe die Kreditkarte gezueckt und jetzt sitze ich hier in einer Buecherei in der Naehe vom Weissen Haus, Oliver raucht draussen und dann wollte er noch in diesen Turnschuhshop.

Die Anreise hierher war allerdings die Hoelle. Wir mussten ja erstmal zu den Kruegers nach Hause, um Olivers Pass zu holen. Ich habe meinen ja immer dabei. Glueck gehabt. Der Flug ging naemlich ziemlich frueh, wir haben die eine Haelfte der Nacht bei Burger King und die andere auf dem Flughafen verbracht. Oliver hat im Flugzeug die ganze Zeit geschlafen, ich habe vier Filme geguckt und alles gegessen und getrunken, was man uns gebracht hat.

Oliver hatte seinen Eltern eine SMS geschickt. Ich hatte eigentlich darauf bestanden, dass er sie anruft, aber er schwoerte, dass sie ihr Handy nicht anhatten. Komisch hier, so ganz ohne meine geliebten Umlaute… Und dann nach dem Flug stehen wir bei der Immigration. Die Leute da – voll unfreundlich: “ What`s the porpuse of your visit?“ was sollte ich denn dadrauf antworten? Ich will Urlaub machen wo es nicht immer regnet? Pleasure? Shopping? Ich will endlich einen Ipod…? „What`s  your occupation, Ma`m?“ Stolz teile ich ihm mit „I`m a teacher!!! A highschool teacher. We have holidays now. Summerholidays.“ Soviel wollte der Officer dann doch nicht hoeren und stempelte gealngweilt alle Papiere ab. Und wir musste unsere Finger scannen lassen. Immer vier Finger und dann den Daumen. Beide Haende.

Jedenfalls sind wir erstmal in Washington. Es ist so heiss hier, dass wir versuchen moeglichst nur in Supermaerkten, oder anderen Geschaeften zu sein – Hauptsache Aircondition. Oliver findet Amerika gut. Es sei so amerikanisch. Amerikanisch findet er gut. Aber irgendwie auch nicht alles. Muss ich noch mal rausfinden, was er genau meint. Morgen wollen wir nach New York City. Ich muss aber erstmal rausfinden, wie wir da hinkommen.

Binz – erster Tag

Jetzt sind wir angekommen. Den Eintrag gestern hatte ich vorgeschrieben. Die Zugfahrt verlief unspektakulär. Hier regnet es. Überhaupt hat es die ganze Zeit im Zug auch geregnet. Also draußen. Der erste Tag ist ja immer noch recht interessant, auch wenn wir jedes Jahr im gleichen Hotel sind. Gefällt uns halt hier. Zimmer beziehen – wir haben immer das gleiche Zimmer, seit 10 Jahren – Nummer 14. Alles in die Schränke verstauen, Badezimmersachen auspacken und dann raus. Ans Meer. Schön ist das Meer. Schön, aber da es regnet will man da nicht rein. Wir haben praktische Jacken und einen Schirm, deshalb macht uns der Strandspatziergang im Regen nichts aus.

Wir haben zum Glück einen Fernseher. Urlaub da wo du schon mal warst, ohne Fernsehen – grenzwertig. SAT 1 flimmert irgendwie, aber wird schon gehen. Ich freue mich jetzt schon auf Montag – Superlehrerzeit. Nach dem Meerbegrüßungsspatziergang noch einen Kaffee in Hildes kleinem Cafe und Kuchen. Dann zurück ins Hotel und chillen. 10 Tage hier – bei dem Wetter, na Prost Mahlzeit. Der Freund hat sich nachmittags hingelegt ich auch, aber im Gegensatz zu ihm, habe ich nur an die Decke gestarrt. Wann gibt es Abendbrot? Wo gehen wir Essen? Soll ich mich noch mal umziehen, vorher duschen? Werden meine Schuhe trocknen?

Falls jemand überlegt, bald nach Binz zu fahren – macht das nicht, ist nicht so toll im Moment. Fahrt lieber in den Süden. Hat mir der Doktor nicht die Türkei verordnet? Leider haben wir schon vor einem halben Jahr gebucht. Kriegst du ja sonst auch kein Zimmer mehr hier. Bei meinem aufregenden Alltagsleben an der Atta besteht doch ein gravierender Unterschied zu meinem eher langweiligen Urlaubsleben. Ist das Entspannung? Ist Langeweile Erholung?

Wäre es interessanter, wenn ich meine Klasse hier hätte? Wichtig könnte ich hier durch die Hotelgänge rennen und ihnen sagen, dass sie leiser sein müssen. Drohen, dass ich sie nach hause schicke, sollten sie noch mal im Zimmer rauchen. Gluckenmäßig könnte ich sie vor der Hotelleitung verteidigen: „Und Sie meinen wirklich, dass das nur daran liegt, dass sie keine Christen sind…“ Ach, ich könnte mich hier so aufspielen und würde abends völlig erschöpft einschlafen. Herrlich. Der Freund schläft auch so. Immer noch. Ich werde mal gucken, was heute Abend im Fernsehen läuft. Hoffentlich hört der Regen morgen auf.

Reiseplanung

Frl. Krise hat’s gut, die fährt jedes Jahr nach Kenia. In so ein Luxusresort. Ist direkt in der Serengeti. Muss schweineteuer sein, ich frage ja immer wie viel das kostet, aber da schweigt sie sich aus: „Über Geld spricht man nicht“ bekomme ich dann nur zu hören. Muss aber ganz toll dort sein, sie schwärmt immer davon. Da gibt es wohl ganz tolles Essen und die Sonnenuntergänge seien traumhaft.

Ich würde das auch gerne mal sehen. Aber ich habe ja keinen Freund, der Chefarzt ist und der mich dahin einlädt. Im Herbst hat sie eine Karibikkreuzfahrt gemacht. Leider war sie die meiste Zeit der Fahrt in ihrer Kabine, weil sie sehr seekrank war. Als es ihr besser ging war die Fahrt auch schon fast vorbei. Diese Reise konnte sie nicht empfehlen.

Und sie schwärmt von der Neuseelanddurchquerung, da hatten sie eine Tour gebucht, und haben im Beduinenstil Neuseeland durchquert. War wohl sehr abenteuerlich, aber die Landschaft muss dort ganz großartig sein. Ach, Frl. Krise die hat es gut, die fliegt ja auch über die Brückentage nach Salzburg in ein Wellnesshotel und Ostern hat sie Aryuveda in Nepal gemacht, die sah so top aus als sie wiederkam.

Wir fahren morgen nach Binz. Auf Rügen. Mit dem Zug. Für zehn Tage. Wie jedes Jahr. Immer Binz, Binz, Binz. Langsam kann ich Binz nicht mehr sehen. Aber was soll’s Urlaub ist Urlaub, auch in Binz.