36 Shades of Bunt

“Frau Schwalle, entschuldige die Störung, ich wollte fragen, ob ich den Tarik kurz mitnehmen könnte.”
“Du kannst sie alle mitnehmen, wenn du willst.”
“Nein Danke, ich brauche nur den Tarik.”
Tarik guckt sich verwirrt um. Ich grinse ihn an. Das verwirrt ihn noch mehr. In Zeitlupentempo packt er seine Sachen zusammen. Er fragt sich, ob er vorhin in der Kunststunde irgendetwas falsch gemacht hat. Hat er nicht.
Okay, er ist nicht gerade mit Inbrunst an die Kolorierung seines Bildes gegangen. Erst, als ich einen nigel-nagel-neuen 36 Farben Buntstiftkasten aus meinem Schrank holte, der noch zu war überfiel in ein Funken Interesse.
“Guck mal Tarik, hier. Den kannst du benutzen”, flüstere ich ihm zu. Ungläubig guckt er mich an: “Warum ich?”
“Na, du bist doch mein bester Mann. Guck mal, wieviele Farben da drin sind.” Er betrachtet die Zahl auf dem Kasten: “Sechsundzwanzig.”
“Ja, genau, sechunddreißig Farben.” Vorsichtig gnibbeln wir gemeinsam den Tesafilm weg. Jeder einen Streifen. Dann öffe ich den Kasten direkt unter seiner Nase. Wie eine Schatztruhe öffne ich den. Und da liegen sie, die noch super angespitzten Buntstifte in tausend Schattierungen. Okay, in 36 verschiednen Farbtönen. 36 Shades of Bunt.

“Tarik, meinst du, du schaffst das, die nachher wieder in die gleiche Reihenfolge zu bringen? Also hier die warmen Farben und da hinten blau, grün und braun und so.?” Tarik nickt, nimmt sich einen gelben Buntstift und koloriert hingebungsvoll seine Zeichnung, bis es klingelt.

Und zwei Stunden später latscht er nun also hinter mir her zu meinem Klassenraum.
“Soll ich Ihnen was helfen?”, fragt er etwas verunsichert, weil er immer noch nicht weiß, warum ich ihn abgeholt habe.
“Nicht direkt”, sage ich.
In meinem Raum ist es sonnig. Ein Hauch von Frühling. Tarik setzt sich neben meinen Schreibtisch. Ich ziehe ein paar Schnürsenkel aus meiner Hosentasche.
“Ach, aber nicht wieder die Schleife”, sagt er.
Ich: “Doch natürlich. Du musst das doch lernen. Ein so großer Kerl wie du, muss doch eine Schleife binden können.”
Zieh mal deinen Schuh aus. Dann üben wir.
“Aber er stinkt.”
“Kein Problem.”
Ich zwirbel den alten Schnürsenkel aus seinem Schuh, um meine neuen reinzufädeln. “Weißt du, deine Schnürsenkel sind so kurz. Ich hab dir hier neue gekauft.”
“Die haben Sie gekauft?”
“Ja.”
“Für mich?”
“Ja.”
“Und wie teuer waren die?”
“Zwei Euro siebzig.”
Und dann stelle ich fest, dass die blöden Teile, die ich gekauft habe genauso lang sind wie Tariks alte Schnürsenkel.
Also üben wir wieder unter erschwerten Bedingungen.
Noch nie habe ich das Binden einer Schleife didaktisch so dermaßen reduziert.
“…jetzt den Zeigefinger ein bisschen rausgucken lassen, dann um den Daumen und den Zeigefinger rumm und dann da durch, wo der Daumen ist. Den Daumen rausziehen und dann….”
Tarik übt. Tarik gibt nicht auf. Er schwitzt. Aber er gibt nicht auf und nach 20 Minuten bindet er seine erste kreplige Schleife. Dann sogar Schleife mit Schuh am Fuß. Am linken Fuß und am rechten Fuß. Jeweils zwei Mal. Dann gratuliere ich ihm.
“… und das übst du jetzt aber am Wochenende und Montag zeigst du mir das dann nochmal.”

Ich bringe Tarik zurück zum Unterricht von Frau Schwalle, verabschiede mich von ihm und gehe zufrieden in die Sonne eine Zigarette rauchen.

Heimliche Pralinen

“So Kinder, jetzt beeilt euch mal, klingelt gleich.” Plötzlich leises Murren, dann lauter Protest: “Wir sind keine Kinder! Wir sind Erwachsene.”

Ab heute spreche ich also meine Klasse so an: “He, ihr Erwachsene… macht mal so und macht mal so nicht.”
Unterricht müssen sie aber erst wieder lernen. So eine Woche Ferien haut ja echt rein. Irgendwie haben die heute die ganze Englischstunde meinen Unterricht regelrecht ausgebremst. Wir lesen einen langweiligen Text. Sie hören nicht zu. Unterhalten sich, und wie so Kleinkinder, plappern diese Erwachsenen alles raus, was ihnen gerade in den Sinn kommt. Anstrengend.

Ich unterrichte die schon auf so einem niedrigen Niveau, dass ich die ganze Stunde flach auf dem Boden liege. Ach, aber ich muss hier auch nicht meckern – ich war ja auch nicht gerade bombenmäßig vorbereitet und kam mit dem Klingeln im Schulgebäude an. Nun ja.

Unspektakulärer Unterricht war das heute. Brauche ich also auch nicht drüber zu schreiben.
Aber dann gehe ich ins Lehrerzimmer und da finde ich in meinem Fach eine Schachtel Pralinen. Einfach so. Ohne Zettel. Ich schreie laut: “Ohhhh, eine Schachtel Pralinen.” Niemand beachtet mich. Habe ich einen heimlichen Verehrer? Oder ist die von den Neuen, dafür, dass ich sie gestern durch die Schule gescheucht habe? Eigentlich hätte ich lieber einen heimlichen Verehrer. Aber wer sollte das sein? Ich mag meine Kollegen. Aber gibt es da einen von den Herren, den ich besonders gut finde? Nein. Definitiv nicht.

Au Backe, wenn die Pralinen nun von einem Kollegen sind, der heimlich in mich verliebt ist… und der offenbart sich mir irgendwann und ich will das gar nicht…. oh Gott, dann muss ich dem einen Korb geben. Und das wäre ja auch nicht leicht, weil der Kollege dann ganz traurig wäre. Und unser Verhältnis wäre definitiv gestört. Oh nein! Ich will das nicht! Weg mit dem heimlichen Verehrer! Behalte deine Liebe für dich!

Allerdings… wer sollte mich schon gut finden? Wie ich schon mal erwähnte – ich sehe aus wie Freddy Mercury und auf dem Kopf wie Homer Simpson. Wer steht denn auf sowas? Nur Perverse. Oh nein, mein heimlicher Verehrer ist pervers. Oder das ist nur so ein Spaß von meinen Kolleginnen, die sich denken, der Frau Freitag, der tun wir mal Pralinen ins Fach und dann glaubt sie bestimmt einer hier findet sie gut.

Oh ich Arme… keiner findet mich gut im Lehrerzimmer! Nur weil ich so wenig Haare habe – voll gemein. Warum liebt mich keiner? Warum verehrt mich keiner heimlich.

Ich werde die Pralinen essen. Einsam und allein auf der Couch – davon sehr dick werden und weinen.

Neustart bewirkt Wunder

Sie sind da!!! Sie sind da!!! Die Neuen!!! Sie stehen im Weg rum!!! Ich muss im Slalom durchs Lehrerzimmer!!! Herrlich!!!
Heute fahre ich extra besonders früh in die Schule – mal sehen, ob ich ein paar verwirrte Neue abgreifen kann.
Ahhh, da sitzen sie. Im Schulleiterbüro. Die Tür ist offen. Ich erkenne deutlich, dass ich sie nicht kenne. Fazit: Das sind Neue. Ich begrüße den Schulleiter. Lungere noch ein bisschen vor der offenen Tür rum. Der Schulleiter sagt “Frau Freitag, kommen Sie doch rein. Hier, dass sind zwei neue Kollegen”. Wir geben uns die Hand. Sie sagen ihre Namen. Die habe ich sofort wieder vergessen. Egal.
Schulleiter: “Frau Freitag, vielleicht wollen Sie die beiden neuen Kollegen…”
“Mit ins Lehrerzimmer nehmen? Klar!”
Schulleiter: “Ich dachte eher, dass Sie Ihnen die Schule zeigen können.”
“Oh. Echt? Reicht nicht im Lehrerzimmer einen Kaffee trinken und alles erklären?”
Schulleiter: “Nee.”

Jetzt muss ich dazusagen, dass unsere Schule sehr, sehr groß ist. Man vermeidet eigentlich, durch die ganze Schule zu laufen. Man hat so seine Wege und die geht man. Soll man mal in einen entlegenen Trakt – dann stöhnt man und nimmt sich Verpflegung mit. Unsere Schule ist so groß, die würde – würde sie dort sein, mit einem Teil in Köln und mit der anderen Arschbacke in Düsseldorf liegen.
Das hat man nun von übertriebener Neugier. Ich nehme die beiden mit uns wir latschen und latschen und ich laber und laber und sie verstehen wahrscheinlich nur Bahnhof, denn sie fragen immer wieder Sachen, die ich ihnen schon erklärt habe. Und sie haben noch gaaar nichts. Keine Schlüssel, keinen Stundenplan, keine Schülerlisten und vor allem keine Ahnung.

Nach und nach genieße ich meine kleine Schulführung aber doch. Könnte ich das nicht hauptberuflich machen? Also statt unterrichten, nur Neue durch die Schule führen und schlaue Tipps geben? Ich fänd’s super.

“Was macht man denn mit Schülern die so richtig doll stören?”, fragt einer von den Neuen, als wir in der Raucherecke vor der Schule stehen.
“Eine schallern!”
“Nee, jetzt mal wirklich. Kann man die nachsitzen lassen?”
“Wenn du die findest und dich dann dazusetzt… sicher. Ich würde sagen, Eltern anrufen. Sofort die Eltern anrufen.”

Und promt stört Yunis so dermaßen den Unterricht, dass ich ihm nach etlichen Verwarnungen sage: “Okay, ich rufe deinen Vater heute an.”
“Ja, machen Sie.”
“Mach ich auch.”
“Hahaha, mein Vater hat neue Handynummer.”

Er macht weiter Unfug. Simuliert einen Geschlechtsakt mit seinem Stuhl. Ich gucke mir das genau an. “Das ist schön Yunis, das werde ich deinem Vater auch erzählen. Darüber wird er sich besonders freuen.”

Nach der Stunde spreche ich mit seinem Klassenlehrer, erhalte die neue Handynummer von Papa und rufe zwei Stunden später an.

Papa Yunis ist nett. Aber irgendwie auch frustriert: “Wissen Sie, immer wenn Yunis was macht, die Lehrer rufen an. Aber wenn ihm was gemacht wird, dann rufen Lehrer nicht an.”
“Was meinen Sie?”
“Vor den Ferien, Yunis Handy wurde geklaut. Und hat kein Lehrer angerufen.” Ich denke: Nee, warum auch? Den Verlust des Handys, wird Yunis zu Hause schon selbst mitgeteilt haben. Und warum sollen wir denn dann die Eltern in so einem Fall anrufen?”
“Wissen Sie Frau Freitag, ich will neue Schule für Yunis!”
Ich denke SUUUUPER!!! So eine Wirkung hatte ich meinem kleinen Anruf gar nicht zugetraut.
“Ja, das kann ich verstehen und oft kann ja so ein Neustart wahre Wunder bewirken. Ich wünsche Ihnen viel Glück damit.”
Er bedankt sich, ich lege auf und denke: Lehrerin ist doch echt ein geiler Job.

Neu im Kollegium?

Noch 38 Stunden, dann hat mich der Alltag zurück und ich ihn. Gut so! 38 Stunden, das ist machbar. Das ist überlebbar. Ferien waren/sind gut, aber ich muss immer wieder feststellen, dass ich ein Fan vom stinknormalen Alltag bin. Und diesmal freue ich mich auf die Schule. Wirklich. Ich freue mich auf meine Klasse. Die Zeugnisübergabe war richtig schön. Die beste eigentlich seit langem, ach was sage ich – die beste, ever.

“Aber bitte Frau Freitag, labern Sie nicht sooo viel.”
Aber das lass ich mir nicht nehmen. Jeder musste einzeln nach vorne kommen und jeder erhielt einen persönlichen Spruch von mir. Bei den meisten “Die fünf muss aber weg” oder “Wenn die vieren noch dreien werden könnten…” und bei den ganz Desaströsen: “Naja, in Kunst hast du ja noch eine vier.”
Irgendwie war es diesmal fast ein wenig sentimental: “Das ist die letzte Zeugnisübergabe, die wir hier so zusammen haben. Die nächste ist dann euer Abschluss in der Aula.” Daraufhin haben mich dann auch gleich alle Mädchen zum Abschied in den Arm genommen.

Und ich freue mich auf meine Kollegen. Ich liebe mein Kollegium. Ich finde wir sind das beste Kollegium, ever. Und das Beste – wir kriegen am Montag voll viele Neue! Auf die freue ich mich schon sehr.

Herrlich – ich freue mich jetzt schon auf ihre dankbaren Blicke, wenn ich sie im Leherzimmer anspreche. “Klar kannste dir da Kaffee nehmen.” Und wenn sie den dann trinken “Obwohl,… ist das nicht der Kaffee von Frau Schwalle? Frau Schwalle guck’ mal, die Neue trinkt einfach Deinen Kaffee!!!” Naja, Spaß muss sein.

Montag stehen sie dann ungelenk im Lehrerzimmer rum, die Neuen. Am liebsten würden sie sagen “Ich guck nur.” Aber sorry wir sind kein Klamottengeschäft, aus dem man sich schnell wieder rausschleichen kann, wenn einem die Ware nicht gefällt. Ihr habt alle einen UNBEFRISTETEN Vertrag unterschrieben! Und bitte nicht gleich dauerhaft krank werden, nur weil die Schüler ein bisschen stressen. Die müssen stressen. Die sind Schüler. Stressen steht auf deren Waschzettel. Stressen ist Teil ihres Jobs.

Hier meine Tipps für Neue:

Erstmal im Weg rumstehen im Lehrerzimmer. Irgendjemand schiebt euch ja immer ins Lehrerzimmer. Wenn ihr Glück habt, dann schubst dieser jemand euch zu jemand anderes: “Hier – Frau Schwalle – die unterrichtet auch Deutsch.” Frau Schwalle ist allerdings voll in Hektik und muss noch kopieren und will gerne mit Herrn Werner über ihre Ferien plaudern. Dann guckt mal nach Leuten wie Frau Freitag, die nie gerne über ihr Privatleben redet, sondern darauf geiert neue Leute kennenzulernen.

Diese Frau Freitag wird euch mit 1000 Sachen volllabern. Immer schön nicken. Schlüsselwörter merken. Nicht dauernd erzählen, wie geil es an eurer alten Schule war. Bloß nicht sagen: “An meiner alten Schule hatten wir da ein ganz tolles System mit den Fehlzetteln…” Der Kollege von der neuen Schule vervollständigt solche Sätze in seinem Kopf mit: “Dann geh doch wieder an deine tollen alte Schule.”
Wir meckern vielleicht über unser verkorkstes System die Fehlzeiten der Schüler zu dokumentieren, aber das heißt noch lange nicht, dass wir das ändern möchten und vor allem wollen wir uns nichts von NEUEN sagen lassen.

Nicht sofort über das niedrige Niveau der Schüler rumjammern. Da hören wir nämlich nur raus, dass WIR denen bisher nüscht beigebracht haben. Und selbst wenn das stimmt – das wollen wir nicht hören. Überhaupt – bitte äußert euch nicht negativ über die Schüler. Auch wenn ihr denkt, wir tun das auch. Wenn Frau Dienstag über ihren Mann meckert, dann möchte sie ja auch nicht, dass ich sage: “Stimmt dein Mann ist voll doof.” Und so ist das auch mit unseren Schülern.

Mehr Punkte macht ihr, wenn ihr Schüler lobt. Einfach mal die positiven Seiten von ein paar Spackos kommentieren: “Der Vincent hat aber eine tolle Handschrift.” Und schon denkt der Klassenlehrer “Ach die Neue, die ist aber nett.”

Dann bitte bloß nicht mit übertriebenem Aktionismus anfangen: “Ich räume mal das Biokabinett auf. Ach, der Kunstvorbereitungsraum sieht ja schlimm aus. Ich bring da mal schnell Ordnung rein.” Möchtet ihr, dass euer Besuch gleich bei euch aufräumt? Wenn das Biokabinett so schlimm aussieht, dann mögen wir das vielleicht, zumindest stört es uns nicht so richtig.

Kaffee könnt ihr ruhig mitbringen. Kekse auch. Nicht wundern, wenn beides gleich weg ist. Nicht stundenlang den Kopierer besetzen. Vor allem nicht vor der ersten Stunde. Und vor allem nicht in der Konferenz aufspringen und irgendwelche Aufgaben oder gar Ämter übernehmen wollen.

Hört sich jetzt an, als solltet ihr gar nichts machen. So ist es ja auch nicht. Seid ein Schwamm, saugt alles auf. Guckt erstmal, wie alles läuft. Lächelt, auch wenn sonst keiner lächelt. Seid freundlich, aber nicht schleimig. Bloß nicht gestresst sein. Eher so easy going.
Und vor allem lasst euch drauf ein. Nicht gleich nach dem Umsetzungsformular fragen oder den Schulrat anrufen. Wenn es ganz schlimm wird, dann bleibt ja immer noch die Kohle. Aber ihr macht das schon.
Ich wünsch euch Neuen jedenfalls viel Spaß! Und wie gesagt – es gibt wahrscheinlich in jedem Kollegium so jemanden wie mich, der jetzt schon an Euch denkt und sich auf Euch freut.

Eine Schule nur für Damen

Wenn man älter wird, fallen einem doch Sachen, die einem früher leicht fielen irgendwie schwerer. Die Treppen-puhhh. Ich ächze in den 18 Stock in dem ich wohne – und die Frau aus dem 16ten – die hat es gut, krepelt mit ihrem Hackenporsche Stufe für Stufe nach oben. Wir verschnaufen zusammen im 15ten Stock.
Ich so: “Wir brauchen dringend einen Fahrstuhl.”
Sie so: “Wir brauchen neue Körper.”
Na, ich will hier gar nicht lange rumjammern, mit älterwerden uns so. Eigentlich will ich nur mal sagen, dass ich dieses wordpress immer weniger verstehe. Jahrelang habe ich es problemlos benutzt und jetzt steige ich oft nicht mehr durch. Haben die was geändert, um mich in den Wahnsinn zu treiben oder werde ich einfach zu alt für diese ausgefeilte Technik? ich habe keine Ahnung.
Gestern will ich zu den Kommentaren, weil ich weiss, dass da noch einer ist, den ich nicht freigeschaltet habe – weil ich auf den was antworten wollte und wo lande ich? Nicht bei den Kommentaren, sondern bei den Suchbegriffen. Und die wollte ich hier mal aufschreiben.

Oh Mann, so viel Gelaber und Jammer – nur um die Suchbegriffe einzuführen.
Frau Freitag, das hättest du doch auch ohne diesen ganzen Älterwerden-böderwerden-Mist haben können.

Hey, kuckt mal, was ich gestern für lustige Suchbegriffe auf meinem Blog fand.

wirbelsäule knacken massage ausatmen

suche schule wo damen blasen lernen können

Wirbelsäule knacken massage ausatmen – das ist ja fast wie ein Song von Kollegah.
Englischtest verkacken mein Hase ausatmen
Plastikschrott verpacken egal wann ausatmen
Gymnastikboykott ihr Spacken legal mann ausatmen

Aber viel schöner ist ja wohl
suche schule wo damen blasen lernen können

Vorweg – sorry, so eine Schule kenne ich gar nicht.
Ich frage mich wer sowas sucht. Hat der Sucher ein paar Damen udn erkundigt sich jetzt, wo er sie fortbilden lassen kann?
Fragt hier eine Dame für sich selbst? Oder möchte jemand an so einer Schule einen Job anfangen?
Oder sucht hier jemand nur einfach eine Musikhochschule? Ja, das wird’s sein. Ein Musikkonservatorium nur für Frauen.

Und Frau Dienstag, eh du wieder sagen kannst – war voll langweilig dein Text heute – falls du überhaupt bis hier unten gelesen hast – es gab gestern auch den Suchbegriff Frau Dienstag. Kannste mal sehen, weil ich dauernd über dich schreibe. Vielleicht sollte ich den/die/das Blog umbenennen in Von Dienstag bis Freitag. Oder suchst du dich den ganzen Tag selbst im Internet?

Seminarleiter

Frau Dienstag freut sich, dass ihre Haare hier so eine Wichtigkeit erhalten. “Das mit dem Referendariat find’ ich langweilig. Das mit dem Frisör war viel lustiger.”

Klar. Das fand sie viel lustiger, weil es um SIE ging. Immer wenn es um sie geht findet sie das lustig. Aber ich kann das auch verbinden. Schließlich waren wir zusammen im Referendariat (wir haben uns bei der Vereidigung kennengelernt) und wir haben auch zusammen den Bezirk gewechselt.

Da wir uns gleich gut verstanden, saßen wir natürlich auch im Seminar zusammen. Wie Rosa und Dilay, wurde dauernd getuschelt und gegackert. Mir fiel zu jedem Mitseminaristen und vor allem zu unserem Seminarleiter immer ein bekloppter Spruch ein, über den sie dann leise kicherte.
Das lief immer so: Der Seminarleiter sagt was und ich flüstere ihr irgendwas Lustiges zu und sie tritt mich unterm Tisch und sagt: “Sag das mal laut, hihihi, sag das mal laut!” Anfangs war ich auch noch so blöd das dann laut zu wiederholen. Und über meinen unqualifizierten Quatsch haben dann die anderen Referendare gelacht. Der Seminarleiter aber nicht. War das gut? Ich weiss nicht. Irgendwann habe ich die Sachen dann nicht mehr laut gesagt.

“Sag du doch!” Aber das wollte sie irgendwie auch nicht. Meistens waren es auch nur so Sachen wie: “Au Backe, guck mal seine Schuhe. Slipppers!!!! Ihhhhhh!!!! Wo kriegt man denn sowas? Und der Bart – voll mit Lineal rasiert. Was er wohl für Unterwäsche trägt….” Was man halt so als Abhängiger über den Machthaber sagt, während man so abhängig im Seminar abhängt.

Einen Satz meines Seminarleiters werde ich nie vergessen, denn ich hatte vorher selten gehört, wie man mit einem Satz seine ganze Person so deratig auf den Punkt bringen kann. Der Satz ging so: “Meine Frau sagt auch immer, wie kann denn deine Sekretärin deine Schrift lesen?” Diesen Ausspruch konnte ich ganz unkommentiert stehen lassen. Okay, ich habe eigentlich viele Sätze von Seminarleitern immer noch in den tiefen meines Hirns abgespeichert. Das sind Sätze, die so eine tolle Wirkung auf mich hatten, dass man sie einfach nicht mehr vergisst.

Wie schon geschrieben – einer meiner Favoriten:
“Frau Freitag, ich bin jetzt 10 Jahre Seminarleiter, aber sowas habe ich noch nie gesehen.”
“Frau Freitag, was labern Sie da im Stuhlkreis die Schüler so voll? Wollen Sie zeigen wie schlau Sie sind?”
“Frau Freitag – Unterricht wie aus den 50er Jahren.”
“Frau Freitag – Unterricht wie aus den 70er Jahren.” Einen Sprung von 20 Jahren habe ich da eben mal von einer zur nächsten Vorführstunde hingelegt.
Schön auch – nach meiner ersten eigenen Unterrichtsstunde im Unterrichtspraktikum. Die Lehrerin so:
“Frau Freitag, wenn ich Ihnen jetzt alles aufzähle, was Sie falsch gemacht haben, dann sind Sie ja auch demotiviert.”
Dann wieder Seminarleiter:
“Frau Freitag, sie verschwenden die Lebenszeit der Schüler.”
“Frau Freitag, dass Sie den armen Klee benutzen, um Ihre blöden Farben zu erklären, da tut er mir direkt Leid. Der würde sich im Grab umdrehen.”

Sätze, die ich gesagt habe und vielleicht besser für mich behalten hätte:
“Gruppenarbeit ist doch scheiße.”
“Hilbert Meyer, was weiß der schon?”
“Klippert nervt!”
“Wer fertig ist kann gehen.” (Habe ich nie gesagt, ist aber immer mein kleiner Privatwitz, wenn es um Differenzierungsmöglichkeiten geht.)
“Nö, ich finde ich habe das Stundenziel sehr wohl erreicht.”
“Tja, die einen sagen so, die anderen sagen so.”

Und hier der Knaller – kam gar nicht gut an:
“Ich weiss, dass ich irgendwann eine sehr gute Kunstlehrerin sein werde.”
Dieser Satz war es wahrscheinlich, der mir das Genick gebrochen hat. Kombiniert mit der Feststellung:
“Frau Seminarleiterin, ich glaube wir haben so Probleme miteinander, weil wir uns so ähnlich sind.”

Diese Sprüche trugen nicht gerade dazu bei, dass ich mich bei der Seminarleiterin beliebt machte. Durch totale Selbstaufgabe und absolute Unterwerfung bekam man bessere Noten, als mit einer etwas vorlauten Art. Sie wollte die Mutti von uns sein. Ich wollte sie aber nicht als Mutti. Sie wollte, dass wir alle immer jammern und in regelmäßigen Abständen heulen. Damit sie dann sagen kann: “Wird schon wieder. Mutti hilft dir.” Ich habe auch geheult. Vor Wut und nicht im Seminar. Oh Mann habe ich geheult. Ich bin regelrecht dehydriert im Referendariat. (Die Gewichtsabnahme war nur Flüssigkeitsverlust.)

Meine Seminarleiterin war drei Meter groß und sah aus wie Sauron. Ich war klein und abhängig und wollte mich nicht in diese Rolle fügen, sondern strampelte mit den Füßen, wie ein Käfer im Schnabel von einem Vogel.

Meinen 50er/70er Jahre Unterricht konnte sie mir nicht austreiben. Ich unterrichte jetzt herrlich irgendwelchen 60er Jahre Kram (OP-Art – fetzt voll!) und sage mir in jeder zweiten Stunde: “Ich bin wirklich eine sehr gute Kunstlehrerin.”

Party machen lohnt sich nicht für alle

Frau Dienstag geht zum Frisör und es kostet 15 Euro.
Ich gehe zum Frisör und es kostet 60 Euro. Okay ich hatte mit Färben, aber trotzdem… ziehen wir das Färben ab waren es 30 Euro bei mir. Bei mir wurde kaum was geschnitten und bei ihr voll viel. Meine Haare sind voll einfach und ihre sehr kompliziert. Sie hat voll viele Haare und ich habe eigentlich nur drei Haare. Also 10 Euro pro Haar?

Bei ihr war es so kompliziert, dass die Frisörin ihr eigentlich noch weniger Geld abnehmen wollte, weil die Frisörin meinte, dass sie das nicht so gut hingekriegt hat.
Ich sag zur Frisörin: “Ich glaube Sie haben meine ganze Stirn und die Ohren mitgefärbt.”
Sie: “Nee, hab ich nicht.”

Manchmal ist die Welt so seltsam. Ich würde gerne kompliziert schreiben, aber das habe ich schon oben geschrieben. Die Welt ist kompliziert, wie die Haare von Frau Dienstag. Auf ihrem Kopf ist es so kompliziert – die Frisörbranche verweigert ihr bestimmte Schnitte. Voll gemein. Aber sie sollte einfach froh sein mit ihren vielen Haaren. Was soll ich denn sagen – ich hab bald Glatze. Was mir auf dem Kopf fehlt, kommt am Kinn wieder raus… ach lassen wir das.

Oh, oh der Bachelor fängt an – ich muss umschalten!!! Gerade habe ich mir allen Ernstes einen Vorabendkrimi im ZDF angeguckt. Eigentlich nur, weil da so schönes Wetter war und an jedem Baum waren grüne Blätter. In der Werbepause dann Granufink und Treppenlifter. Passend zu meinem schütteren Haar.

Ein neuer Morgen in der Ladysvilla in Los Angeles… ich möchte auch solche Sätze schreiben. Ist das ein Beruf – die Zwischenstücke zu solchen Realitys zu schreiben? Das würde ich gerne machen.

Es gibt ja alle möglichen seltsamen Berufe. Eben saß eine Frau neben mir beim Frisör und die Frisörin fragte: “Und was machen Sie beruflich?” Und die Frau sagt: “Ich bin Anästhesistin.” Und die Frisörin fragt: “Macht man da eine Ausbildung?” Und die Frau sagt: “Nein, ein Studium.”
Darauf die Frisörin: “Oh, dann könnte ich das nicht machen. Ich kann kein Studium machen. Als Schule war, habe ich immer Party gemacht.”

Und dann färbt sie mir fünf Minuten später die ganze Kopfhaut und großflächig die Stirn und alle Ohren voll.
Und in der Stunde, als es hieß: “Und immer dem Kunden die Farbe vom Gesicht wischen…”, da war sie wahrscheinlich krank.