Saturday night

Samstagvormittag. Die Sonne scheint. Dieter wartet.
„Bald ist die Prüfung. Au Backe.“, sage ich zur Begrüßung. „Ich habe neulich gelesen, dass dreißig Prozent durchfallen.“ Dieter lacht. „Na, die beiden Jungs haben letzte Woche die Prüfung bestanden. Dann fällst du durch.“ Oh nein! Er soll sowas nicht sagen. Wir gehen zum Auto. „Dieter, kennst du die Prüfer eigentlich alle?“
„Nee, nicht alle.“
„Sind die nett?“
„Nett, nett, was heißt schon nett?“ Dieter weigert sich, mir die Angst vor der Prüfung zu nehmen. Könnte er ruhig machen. Wir setzen uns ins Auto. Wie ein alter Hase stelle ich alles ein. Sitz, Spiegel, Licht.

„Ha, weisst du wer deine Toffifees gesessen hat?“, fragt er. Ach ja, die Toffees. „Murat?“
„Ja. der hat die gesehen und mit ins Büro genommen.“
„Hast du ihm nicht gesagt, dass das deine waren?“
„Doch. Aber dann hat er sie aufgemacht und zack, waren sie weg.“
„Na, du durftest die auch nicht essen, weil du mich gar nicht gelobt hast.“, sage ich.
„Wieso. Ich habe doch neulich gesagt, dass alles okay war.“ und dunkel erinnere ich mich, dass er sowas tatsächlich gesagt hat. „War doch okay.“ Besser wird es wohl nicht mehr. Neulich habe ich mir ein Video auf YouTube angeguckt, wo ein Fahrlehrer sich bei einer simulierten Prüfungsfahrt filmt. Also er hatte am Vortag mit einem Schüler eine Prüfung und fuhr nun mit einer Fahrschülerin die gleiche Strecken noch mal ab. Und da hat er die Frau immerzu gelobt. „jetzt in den ersten Gang schaten und wenn keiner kommt rum.“ Sie fährt rum. Er so: „Sehr schön. Genau so.“ Und das bei jedem bisschen. Immerzu: Lob, lob, lob sehr schön, super, ganz toll..“ Ich war richtig neidisch. Ich hab nur Dieter. „War doch okay.“ Als hätte ich das bezweifelt. Mittlerweile lobe ich mich immer selbst: „Sehr schön links abgebogen. Geil auf die Autobahn rauf. Innenspiegel, Außenspiegel, Schulterblick und rum, dann in den zweiten Gang. Jeppp. Genau so!“

Neulich sage ich ganz stolz zu Frau Dienstag: „Ich habe heute eine hervorragende Dreipunktwendung gemacht.“
Und sie so: „Dreipunktwendung, was ist denn das?“ Überhaupt fange ich langsam an daran zu zweifeln, ob Frau Dienstag wirklich am Straßenverkehr teilnehmen sollte. Sie hat so eine ganz eigene Interpretation der Straßenverkehrsordnung. „Hier regelt sich der Verkehr selber“ sagt sie, als wir durch die Bergmannstraße fahren. Ich denke: „Wieso das denn? Hier ist stinknormales rechts vor links.“ Sie fährt und von rechts kommt ein schwarzer Sportwagen aus der Seitenstraße. Frau Dienstag sagt: „Nee, nee, du wartest mal schön!“ und gibt Gas. der Fahrer flucht. Frau Dienstag: „Und jetzt meckert der auch noch rum!“ Ich sage: der hatte ja auch Vorfahrt.“ Sie: „Echt?“

Vorfahrt kann ich mittlerweile und Spiegelgucken auch. Dieter sagt: „Nächste rechts und dann gleich wieder links.“ das muss auch stressen, wenn man immer wieder das gleiche sagen muss. Bremsbereit, Fuß über die Bremse, jetzt hart das Lenkrad einschlagen usw. Aber ich habe bei meinem Job ja auch meine Mantren: „Taschen vom Tisch, Mütze ab, so Leute, hört mal kurz zu, nein jetzt nicht…“ Und wahrscheinlich hat jeder Job das. „Der Nächste bitte, mit Karte oder bar, und Action, Hände hoch oder möchten Sie noch Desert?“

Dieter sagt: „Jetzt links auf die Autobahn.“
Dann sagt er: „Ich hab ja heute Abend noch eine Verabredung.“
„Oh, ein Date. Mit wem?“
„Na ja, also ist ’ne Bekannte. Also wir kennen uns schon länger.“
„Und jetzt wollte sie ein Date?“
„Sie geht heute Abend in so ein Lokal und hat gefragt, ob ich auch komme.“
„Ach so. Du trifft sie also und da sind dann noch andere. Kommst du auch? Und du dann so: Mal sehen, weiß noch nicht.“ So habe ich das immer gemacht. Erstmal ganz neutral und eher uninteressiert tun. Vielleicht komme ich – weiss noch nicht, ich hab doch noch so viele andere Sachen, die ich machen könnte… und eigentlich denkt man: Na logo komme ich. 100 pro. zum Glück hat der mich endlich gefragt.

„Na, ich hab jetzt noch zwei Fahrstunden und dann werd ich nach Hause gehen und was essen, dann duschen und…“
„Ja, duschen – unbedingt. Duschen ist voll wichtig.“ Dieter lacht. Er freut sich voll auf seine Verabredung.
„Nächste Ausfahrt wieder runter.“, sagt er.
„Wird gemacht.“ sagte ich und wir düsen zur Fahrschule zurück.

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