Kann er mal halten?

An der ersten roten Ampel frage ich: „Dieter, wie war dein Date?“
Dieter kichert ein bisschen. „Na ja, Date…“
„Na, was denn?“
„Na, war nett. Wir waren tanzen und ich habe jetzt einen Regenschirm.“
„Regenschirm?“
„Es hat doch abends wie bescheuert geregnet und da meinte die Kleene, hier, nimm meinen Schirm und ich wollte erst nicht, na ja, und meinte dann, den kriegste aber wieder.“
„Und?“
„Sie meinte dann, nee, den kannst du behalten. Na und jetzt habe ich halt einen Regenschirm. Von Esprit.“
Ich stelle mir Dieter vor, mit einem blauen Schirm mit weißen Punkten und einem rosa Rand.

„Okay, du hast einen Schirm. Aber wie war nun dein Date?“
Dieter lässt sich alles aus der Nase ziehen.
„War nett. Aber wir waren ja auch nicht alleine. Die Trude war noch da und die Gitti auch und Mich und Horst. Also ich kenn da ja in dem Laden viele. Noch von ganz früher. Aber war nett gewesen. Die nächste links.
Ich gucke, blinke, fahre.
„Aber die große Liebe ist es nicht, oder was?“
„Was heißt große Liebe? Sie ist ’ne Nette. Aber ich glaube sie ist auch ziemlich vereinnahmend.“

Oh, das klingt nicht gut. Dieter ist bestimmt so einer, der sich in seinem Singleleben gut eingerichtet hat. So mit seinen drei Kartoffeln und dem Gulasch. Ich kann ihn mir genau vorstellen in seiner kleinen Einzimmer Bude „Ich brauch doch nicht viel. Also mir reicht dit.“ Und dann eine Frau…

„Wir haben uns dann aber Montag nochmal getroffen.“
Oha! Gleich noch ein Date.
„Ich hatte sie angerufen und wir haben uns zum Mittagessen bei Wertheim getroffen. Ich war dann noch eine rauchen und sie meinte, dann treffen wir uns in der Damenabteilung.“
„Hehe, shoppen beim zweiten Date.“
„Na, ich dachte nur – die Handtasche halte ich aber nicht.“
„Wieso Handtasche?“
„Frauen probieren doch immer was an und dann musst du die Handtasche halten und dann verschwinden sie in der Umkleide und du stehst da wie ein Depp mit einer Damenhandtasche. Nee, nee, ohne mich. Nächste Möglichkeiten nach rechts.“
Ich sehe es direkt vor mir, wie Dieter da mit so einem kleinem Handtäschchen steht.
„Und dann meinte sie wirklich – halt doch mal meine Tasche. Und da habe ich gesagt, das kannste vergessen. Ich halte keine Handtasche.“
„Echt? Das hast du ihr gesagt? Voll gemein.“
„Wieso? Ich mache sowas grundsätzlich nicht.“
Ich denke an meinen Freund und wie oft der schon mit meiner Tasche irgendwo rumstand und auf mich gewartet hat. Okay, meine Taschen sind auch keine Handtaschen. Meine Taschen hat alle Frau Dienstag genäht und die sind eher cool. Frau Dienstags Taschen kann man auch als Mann tragen. Ich hatte noch nie eine richtige Damenhandtasche. Ich sehe damit auch aus wie eine Transe.
„Aber Dieter, sie war bestimmt traurig. Und wenn du da stehst mit einer Handtasche – das macht dich doch noch cooler, weil jeder sieht, dass du eine Frau dabei hast. Ich würde sagen, das macht dich noch männlicher.“
Dieter sieht das anders. Er hat seine Prinzipien. Nicht Loben, keine Handtaschen halten und sogar niemanden von seinem Essen probieren lassen. Das Handtaschenhaltethema wurde abends wohl nochmal in seinem Freundeskreis ausführlich diskutiert, denn er erzählt mir auch, was Horst und Mich dazu gesagt haben. Schade, dass Dieter so verbohrt ist. Ich glaube er hat es sich mit der Dame bereits verscherzt.

„Du sollst nicht so gemein sein zu der Frau. So wird das doch nichts. Wie alt ist sie denn?“
„So alt wie ich, also vom Alter her passt das.“ Ich denke noch, schön, dass Dieter auf gleichaltrige Frauen steht und will ihn gerade dafür loben, da sagt er: „Jüngere Frauen hatte ich auch schon. Meine letzte, die war zwanzig Jahre jünger als ich.“
„Oh, nee!“
Dieter lacht: „Frei nach dem Glühbirnenbuch der Liebe. Lieber eine strahlende 20er als eine matte 40er.“ Lachen, husten, röcheln, Fenster auf, rauchen. „Mensch Mädel, hier ist 50. Nicht schneller fahren.“
Ich denke über Dieter und die Frauen nach.

„Wir treffen uns morgen nochmal.“, sagt Dieter.
Ich freue mich. „Super. Und dann sei mal ein bisschen nett. Jetzt kommt doch der Frühling.“
„Was hat der denn damit zu tun?“
„Na, verliebt sein im Frühling wäre doch schön.“ Und das wünsche ich Dieter wirklich von Herzen, dass er verliebt durch den Frühling geht. Man kann doch auch mal über seinen Schatten springen. Eine Handtasche halten… als wäre das nun so schlimm.
„Jetzt fahr mal rauf zum TÜV, wir werden noch mal Quereinparken.“, sagt Dieter und ich mache was er sagt.

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