Au Backe!

Das muss doch hinzukriegen sein. Ich versuche mehrere Simulationstest auf meinem iPad hintereinander zu bestehen. Immer wieder gibt es ein – Leider versagt, du musst mehr üben! – zwischen schon bestandenen Tests. Die ganz schlimm verkackten sind rot, die ein bisschen falschen orange, die ein bisschen richtigen hellgrün und die richtig gut gemachten – die über 95% richtige Antworten enthalten, sind dunkelgrün. Ich bin heiß auf diese dunkelgrünen. Nochmal, nochmal, nochmal, Mist, wieder nur hellgrün, ahh dunkelgrün, nochmal dunkelgrün, scheiße orange, oh nein, rot! So geht es seit gestern Abend. Ich bin abhängig. Abhängig von Führerscheinprüfung 2016.

Wie soll ich mir die ganze Grütze nur in meinen Kopf prügeln? Wenn ich zu lange auf eine Frage starre, dann mache ich Fehler bei Sachen, die ich eigentlich vorher immer richtig gemacht habe. Vielleicht gibt es aber doch Kinder, die sich immer verkehrsgerecht verhalten. Wer sagt mir denn, dass da auf dem Bild nicht genau so ein verkehrsgerechtes Kind abgebildet ist? Und wie ist das nun mit dem Überholen der Straßenbahn? Darf man? Darf man nicht? Nur rechts, nur links, wie ist es in den Einbahnstraßen?

Ich übe und übe. Nochmal, neuer Test, noch ein Test, noch einer. Ich will unbedingt mehr bestandene, als nichtbestandene Tests auf meiner Statistik. „Hier, willst du auch mal versuchen?“, frage ich den führerscheinlosen Freund. Der geht ganz unbedarft an die Sache ran und zack 30 fehlerpunkte. Dunkelrot. „Hä, hä, voll schlecht! Gib mir mal!“, sage ich und will mit meinem Wissen glänzen und vor allem damit, dass ich die Fragen gar nicht mehr lesen muss. Ah, da kommt ein Kind, hinter dem Auto vor. Hier soll ich weiterfahren. Hier ist ein Reh auf der Straße, muss ich mir gar nicht erst angucken das Video. Ich flitze durch die Aufgaben und dann: 33 Fehlerpunkte! Oh no. Wie sieht denn meine schöne Statistik aus?

Vielleicht muss ich irgendwie anders lernen. Ich setzte mich nochmal an meinen Schreibtisch und überarbeite meine Mitschriften, die aus den Theoriestunden und das, was ich aus dem Buch abgeschrieben habe. Ein ganzes Schreibheft voll. Ach, jetzt verstehe ich auch, was die meinten, als die das mit dem Parken und Halten erzählt haben. Plötzlich machen meine Mitschriften voll Sinn. Plötzlich verstehe ich alles, weil ich die Fragen zu den Antworten kenne. Ach so funktioniert das! Okay, jetzt nochmal einen Test und dann schreibe ich mir alle Sachen, die ich falsch habe auf Karteikarten. Dann ruft Frau Dienstag an und wir verabreden uns zum Schwimmen.

Frau Dienstag ist vorher beim Friseur bei mir um die Ecke. Deshalb mache ich noch ein paar Tests. Plötzlich: ein Test dunkelgrün, der nächste auch und der dritte AUCH! Und da ist es: Auf dem Bildschirm steht: Ab zur Prüfung!!!

Das lass ich mir nicht zweimal sagen. Ich raffe meine ganzen Führerscheinunterlagen, meine Mitschriften und meine Karteikarten zusammen und renne nach unten zum Friseur.

„Frau Dienstag, sorry, ich kann nicht Schwimmen gehen. Mein iPad hat gesagt: Ab zur Prüfung und da muss ich jetzt hin. Ich ruf dich später an. Tschüüüßßßi!“ Bloß nicht zuviel reden, sonst geht mein ganzes angestautes Wissen verloren. Im Bus zum TÜV denke ich: Mist, ich kann das mit dem Anhalteweg und dem Reaktionsweg noch gar nicht. Ich lese meine Karteikarten genau durch, lerne alles zu diesen blöden Wegen auswendig und stehe kurz darauf vorm TÜV.

Au Backe, eigentlich wollte ich doch erst nächste Woche die Prüfung machen und Dieter meinte doch auch, dass ich das nicht so auf die leichte Schulter nehmen soll. Aber der Computer meinte doch… Wenn ich jetzt durchfalle, dann muss ich zwei Wochen warten, bis ich die Prüfung nochmal machen kann und ganz am Anfang hat Dieter gesagt, dass wir erst über die Sonderfahrten reden, wenn ich die theoretische Prüfung bestanden habe. Aber er sagte auch, dass die Prüfer sich das merken, wer mit sehr vielen Fehlerpunkten durchgefallen ist. Vielleicht falle ich jetzt richtig schlimm durch? Wer weiss, ob die nicht doch ganz andere Fragen hier haben, als bei der App?

Ich gehe rein. Melde mich an. Zahle Geld, gebe meinen Person ab und warte. Ich mach mir fast in die Hosen. Vielleicht nochmal schnell aufs Klo? Nee, zu spät. Ein Mann kommt und bringt mich in einen Raum mit ganz vielen Computern. „Setzten Sie sich da hinten an die Nummer acht!“ Au Backe!

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9 Gedanken zu “Au Backe!

  1. Zu meiner Zeit waren da noch Tische und Bögen aus Papier. Da wurde dann ein Streifen angelegt und ausgewertet. Na, egal.
    Hastes geschafft?! Du hast es geschafft, bin ich mir sicher!

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