Sag mal ’ne Zahl, Dieter!

Dieter, Dieter… also ich weiss nicht… Da scheint heute so schön die Sonne und ich bin gut drauf, als ich zur Fahrstunde laufe und nach der Stunde will ich immer nur noch weg. Irgendwie taugst du nicht zum Motivator.

„Okay Dieter, wir müssen noch Termine machen für nächste Woche. Wie sieht es denn aus mit den restlichen Sonderfahrten?“, frage ich. Mir fehlen ja noch zwei von denen. Eine habe ich ja unerlaubter Weise mit Mike gemacht: „Das hätte ich mit dir noch gar nicht gemacht. Überlandfahrt… tzzzz. Der wollte nur seine Stunden voll kriegen.“, erzählt mir Dieter in jeder Fahrstunde. Am Liebsten würde er mich die Überlandfahrt nochmal machen lassen. Er kann sich auch gar nicht vorstellen, dass ich damals ordnungsgemäß über Land gefahren bin, weil ich ja seiner Meinung nach noch gaaar nicht so weit war. Aber sorry Dieter. Die Überlandfahrt gebe ich nicht mehr her.

„Sonderfahrten? Mensch Mädel, ihr seid immer sooo ungeduldig. Nun entspann dich doch mal.“ Ich finde mich eigentlich sehr entspannt und will eigentlich nur wissen, wie lange ich für diesen ganzen Führerschein noch einplanen muss. „Ich meine ja nur, weil du gesagt hast, dass wir das dann bald machen.“
„Aber du bist noch nicht so weit.“, sagt Dieter.
„Okay, wie viele Stunden brauche ich denn noch so ungefähr, bis ich soweit bin?“
„Das kann ich nicht sagen. Ich stecke ja nicht in dir drin.“
Oh Gott, das ist ja eine ganz furchtbare Vorstellung. Der Dieter in mir drin. Nein, danke. Und jetzt geht das mit dem „Ich bin Fahrlehrer und kein Hellseher wieder von vorne los.“
„Aber Dieter, du bist doch nun schon sooo lange Fahrlehrer und hast sooo viel Erfahrung. Da müsstest du doch eigentlich sagen können, wie viele Fahrstunden ich noch brauche. So von meinem derzeitigem Leistungsstand gesehen.“ Jetzt hab ich ihn. Geschlagen mit seinen eigenen Waffen. Und ich hau noch einen drauf: „So Erfahrungswerte, weisste.“ Erfahrungswerte sind das doch auch immer, wenn er mir erzählt, dass wir Älteren mehr Stunden brauchen, als die Jungen. Was ist denn jetzt mit den tollen Erfahrungswerten, Kollege Schnürschuh (so nennt Dieter alle anderen Autofahrer, die uns begegnen)?“

Nichts zu machen. Ich kriege von Dieter keine Antwort. „Mensch Mädel, es dauert eben. Entspann dich!“
Wie ich das hasse, wenn mir dauernd jemand sagt, ich soll mich entspannen, wenn ich ganz entspannt bin. Der soll mich mal angespannt sehen. „Aber Dieter, weisste, dieses Führerscheinmachen ist ja auch nicht das Einzige, was ich in meinem Leben tue. Ich muss auch ein bisschen planen. Ich wollte im Februar noch verreisen. Und das hängt davon ab, wann ich die Prüfung mache. Wenn ich die aber in diesem Monat sowieso nicht machen kann, dann buche ich eben gleich was und warte hier nicht ewig rum. Das versteht er irgendwie auch nicht. Also setze ich ihm ein Ultimatum: „Pass auf Dieter, ich nehme nächste Woche Montag, Dienstag und Mittwoch eine Fahrstunde und du sagst mir am Mittwoch, wann ich die Sonderfahrten und die Prüfung machen kann.“ Damit gibt er sich irgendwie zufrieden.

Zu Hause denke ich: Eigentlich will ich gar nicht mehr bei Dieter sein. Die Vorstellung mit dem stundenlang durch die Nacht zu Fahren, gruselt mich und vor allem habe ich keinen Bock, dass er irgendwann neben mir in der Prüfung sitzt und danach sagt: Siehste Mädel, weil du das jetzt genauso gemacht hast, wie der Dieter gesagt hat.“
Nein, das will ich auf keinen Fall. Ich glaube ich muss nochmal wechseln.

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Allgemein

29 Gedanken zu “Sag mal ’ne Zahl, Dieter!

      • Nein, denkt das erst gar nicht. Bei Mike lief es doch gut. Und besteh auf klare Ansagen. Es kann ja nicht so schwer sein, zu sagen, was du vorher noch lernen musst, um die Sonderfahrten zu machen. Drück‘ die Daumen für die Prüfungen.

      • Dagegen spricht die positive Erfahrung mit Mike. Außerdem wissen Sie doch als Lehrerin sicherlich ganz gut, dass Meckern und ständige Unterstellung von kannste-ja-eh-nicht-schaffen dem Lernerfolg nicht gerade förderlich sind.

      • Genau das ist der Trick von solch unfähigen Lehrern: Alle Schüler denken machen, der Fehler liege bei ihnen. Herrliches Geschäftsmodell, läuft wochenlang, monatelang… Aber du hast’s ja eigentlich durchschaut. Logisch, dass er das nicht lustig findet und sich weiter in Verschleierungstaktik übt.

  1. Wieviel musst du denn pro Stunde zahlen? Ich finde schon das er mit der Sprache (und wenn nur ungefähr) rausrücken muss, sonst könnte man ihm am Ende noch Zeitschinderei unterstellen wegen der Kohle…

  2. Halleluja! Der letzte Satz 🙂
    Sehr gut Frau Freitag, lass dich bloß nicht unterkriegen!
    Überland ist doch viel einfacher als in der vollgestopften Großstadt, außerdem gehört das eben dazu. Aber so schröpft er eben was er kann… Auch eine Möglichkeit trotz pädagogischem Nichtskönnen eine Firma am laufen zu halten.
    Aber mit dem Loben hatten es meine beiden Fahrlehrer auch nicht so, woher das bei Fahrlehrern wohl kommt? Wahrscheinlich machen das bei ihnen auch nur wenige 🙂
    Liebe Grüße

  3. ich hoffe , Frau Freitag , du kriegst deinen Führerschein noch in diesem Leben….. ich will diesem Dieter ja nix unterstellen aber ich hab von Fahrlehrern gehört die sich einen Spaß draus machen ältere Fahrschüler “ auszunehmen“ ….

  4. Liebe Frau Freitag,

    ich bewundere deine Gemütsruhe. Bei Dieter hätte ich schon nach der ersten Stunde das Handtuch geworden. Diese Demotivation und Abwertung könnte ich gar nicht mehr aushalten. Vielleicht ist der Wechsel der Fahrschule gar keine schlechte Idee. Diese blöden Sprüchen von Dieter hängen dir sonst noch jahrelang beim Fahren nach und verunsichern weiter.
    Ich habe den Eindruck, du bist richtig gut beim Fahren und deine Gedanken und Zweifel sind alle nachvollziehbar. Diese blöden Fragen bei der Theorieprüfung muss man auch nicht alle verstehen, nur am Prüfungstag abrufen können. Hinterher kommt man als normaler Fahrer auch nur in den seltensten Fällen in die Situation, Achslast usw. kennen zu müssen. Und die Sache mit dem Schulterblick vor dem Blinken kann ich auch nicht so ganz nachvollziehen. Nachdem ich das hier gelesen hab, habe ich verstärkt bei mir darauf geachtet, ob ich das auch mache (habe den Führerschein seit über 30 Jahren). Ich habe sowieso ständig mit Rundumblick die Straße im Blick und schaue, wer oder was mir in die Quere kommen könnten, aber vor dem Blinken mache ich das auch nicht. Dafür beim Abbiegen selbst umso gründlicher. Da kann man schnell mal jemanden übersehen.

    Ich wünsche dir für deine Fahrstunden einen richtig guten Lehrer, wie du ihn vorher hattest. Das war erfrischend schön zu lesen. 🙂 Und für die Prüfung und den weiteren Fahrspaß im Auto wünsche ich dir viel Glück.

    Liebe Grüße
    Conny

  5. Liebe Frau Freitag

    wie wär’s denn mal mit ’ner FahrlererIN? Da gibt es wahrscheinlich nicht so viele auf der Welt wie ihre männlichen Kollegen, aber wenn ich das hier alles so lese…… vielleicht wäre das besser für Sie? Im grossen Berlin sollte sich doch eine finden lassen.

    Ich habe viele Lehrerinnen in meiner Familie, unterrichte (Erwachsene allerdings) auch selbst und natürlich haben/hatten die Kinder auch ganz viele Lehrer, daher weiss ich, dass es für manche von ihnen nicht einfach ist, wenn sie selber in die Situation des Lernenden kommen. Nicht ohne Grund verschweigen Sie ja auch dem Fahrlehrer lieber, dass Sie Lehrerin sind, oder? Lehrer haben da ja schon einen recht schlechten Ruf…..

    Ich wünsche trotzdem viel Erfolg weiterhin. Das Autofahren selbst ist nicht so schwer, nur der Weg dahin und es kommt schon sehr darauf an, mit wem.

    Liebe Grüsse
    asty

  6. Bisher haben mich deine(*) Fahrlehrer alle nicht überzeugt. Ich habe meinen damals ja vorallem deswegen ausgewählt, weil er der günstigste und nahegelegenste war. Bisserl Schimpfen war auch normal: „fahr net so schnell, wenn du nicht weisst, was da als nächstes kommt“; „wenn du dich nicht auskennst, tu langsam“ (bester Tipp, halte mich aber bis heute nicht immer daran); „kupplung langsam kommen lassen!!11elf“.

    Dass immer wieder darauf hingewiesen wird, dass man ja immer Spiegel schauen muss, Schulterblick und so beachten soll, verstehe ich auch – der Prüfling vor mir ist wegen „der hat bei der Kreuzung keinen Schulterblick gemacht“ durchgefallen nach nur 5 Minuten.

    Weiss nicht, wie es in Berlin ist, hier ist das tatsächlich nicht so blöde, immer mehrmals zu schauen: andere Autofahrer sind unberechenbar, bei Fußgängern muss man mit allem rechnen, LKWs haben „eingebaute Vorfahrt“, und bei Taxis und Radfahrern stimmt das alles zusammen UND sie halten sich nicht an rote Ampeln; Radfahrer dürfen inzwischen sogar teilweise offiziell gegen die Einbahn fahren.

    Aber zurück zum Fahrlehrer: gibt es da keine halbweg professionelle Fahrschule? Überlandfahrten auf St. Nimmerleins Tag zu verschieben hört sich für mich schwer nach Abzocke an. Es muss doch möglich sein, die Gründe darzulegen. Kann mir nur schwer vorstellen, dass du die letzten Wochen wegen elementarer Schwierigkeiten viel auf nem Übungsplatz warst.

    (*) ich hoffe, „du“ ist ok, wir sind uns ja nie vorgestellt worden.

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