Mike wird gedisst

„Mensch Mädel, warum fährst du denn im zweiten Gang an?“, fragt Dieter und ich antworte mal gar nicht. Warum wohl, Dieter? Wahrscheinlich, weil ich vergessen habe nach dem Halten in den ersten Gang zu schalten. Die Welt dreht sich trotzdem weiter.

„Was ist jetzt eigentlich mit Mike?“, frage ich.
Dieter atmet schwer aus und dann seufzend ein. Ein guter Fahrlehrer würde mir jetzt nichts sagen und an der Sache mit der Krankschreibung festhalten. Er darf mir nicht sagen, was mit Mike wirklich los ist. Er darf mir auch nicht sagen, was Mike hat, falls er wirklich krank ist.

„Der ist weg.“, sagt Dieter. Weg. Was soll das denn heißen? Die Erde hat sich aufgetan und ihn verschluckt? Er hat seine Sachen gepackt und ist über die Türkei nach Syrien abgehauen. Er ist durchgebrannt mit der Steffi und sie stehen jetzt, in diesem Moment in Las Vegas vor einem falschen Elvis und geben sich das Ja-Wort.

„Der hat einfach gekündigt.“ Ach, der war also gar nicht krank…
„Erst schrieb er, dass er krank ist und dann kam eine SMS, dass er aufhört.“ Dieter schüttelt den Kopf. Das mit der SMS, das missbilligt er bestimmt.

„Mit SMS, tzzzz. Aber wir waren sowieso nicht so zufrieden mit ihm.“ Ach, nicht zufrieden mit Mike… Interessant. Und eigentlich dürfte Dieter jetzt gar nicht weiterreden. Das macht man doch nicht! Das DARF er nicht!

„… wir haben ja jetzt seine Fahrschüler. Also die haben wir aufgeteilt. Der Chef hat die eine Hälfte und ich habe die anderen.“ Ah, bin ich also ein Teil von den Anderen. „Und wir sehen ja jetzt, dass er denen fast nichts beigebracht hat.“ Au Backe, jetzt geht es aber ans Eingemachte. „Der ist einfach nur spazieren gefahren. Das ist der. Spazierengefahren.“ Soso. Spazierenfahren heißt wohl so in Fahrschullehrerkreisen, dass man den Fahrschülern nicht genug beibringt. „Die eine, die Steffi, die meinte er ist gleich in der zweiten Stunde mit ihr auf die Autobahn gefahren.“ Dieter schüttelt wieder den Kopf. Wahrscheinlich ist das unter Fahrlehrern verpönt oder verboten oder schlecht, wie Frontalunterricht und Lehrerecho. Jedenfalls macht man das wohl nicht. Mit mir war Mike ja auch gleich auf der Autobahn.

„Nee, nee, zweite Stunde und gleich Autobahn. Da ist er dann gefahren.“ Das scheint auch so ein Fahrlehrerspruch zu sein: „Er ist gefahren.“ So vom Beifahrersitz aus. Oder telepathisch oder durch bloße Willenskraft. Ich sag mal lieber nicht, dass ich mit Mike auch auf der Autobahn war. Ich fand das eigentlich ganz gut, auch wenn ich anscheinend nicht selbst gefahren bin – aber wenigstens hatte ich dann später nicht so einen Schiss vor der Autobahn. Jetzt bin ich ganz gechillt, wenn Dieter sagt, rechts einordnen und dann ruff uff die Autobahn.

Ich bin irgendwie verwirrt. Im Gegensatz zu Harald fand ich Mike doch gut. Und war er jetzt gar nicht gut? Mike hatte doch gesagt, dass bei ihm noch nie ein Fahrschüler durchgefallen ist. Das heißt doch eigentlich, dass er ein guter Fahrlehrer sein muss.

„Sind denn bei Mike viele durchgefallen?“, frage ich Dieter und es soll ganz beiläufig klingen. So wie eine kleine Frage, die mir gerade eingefallen ist und nicht wie die Frage, die ich Dieter schon stellen möchte, seit ich die Seitenspiegel ausgeklappt habe.

„Durchgefallen? Der hat doch fast keine Prüfungen gehabt.“ Ach so. Verstehe. Vielleicht hatte er drei Prüfungen und die haben es geschafft und dann sind seine drei Peoples eben auch alle. Und ich erzähle dem Dieter mal lieber nicht, dass ich mit Mike auch mal ins tiefste Britz gefahren bin, damit er irgendeiner Karina eine DVD in den Briefkasten schmeißen kann.

Aber es gibt noch schlimmere Fahrlehrer als Mike. Meine Schwester sagt auf die Frage: „Wann muss man die Warnblinkanlage anschalten?“
„Stau, Panne, Unfall, beim Abschleppen und beim zurückgeben der Teresa Orlowski Videos, wenn man vor der Videothek in der zweiten Reihe steht.“



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Allgemein

3 Gedanken zu “Mike wird gedisst

  1. Es tut gut mal wieder solche etwas ältere Namen zu hören,
    die alle irgendwie einen besonderen Haarschnitt-Hintergrund
    hatten. Meine mich noch erinnern zu können, als Donny Osmond
    etwas später seinen „Soldier Of Love“ rausbrachte, dass er fast
    so eine Frisur wie Theresa Orlowski hatte. Vornerum.
    Wäre Theresa Orlowski ein Mann gewesen (?!?) hätte sie
    bestimmt einen Gesamtschnitt wie der späte Donny Osmond gehabt.

    So eine Fahrschule hat irgendwie das Potenzial zu
    klassischem Drama. Jedoch macht sich das alles durch die
    Theresa Orlowskisierung wieder richtig klein.

    …Apropos Fahrlehrer : Wir hatten damals in unserer Stadt 2 Fahrlehrer. Der eine galt als ausgemachter Frauenversteher mit einer ganzen Latte unehelicher Kinder. Und weil er soviel
    Alimente zahlen musste, besaß er den Spitznamen, der sich aus der Verkürzung des Wortes für das Kindergeld ergab. Der andere, bei dem ich Fahrschule hatte, genoss einen seriöseren Ruf.
    Allerdings fragte man sich nach ein paar Fahrstunden auch, warum eigentlich.
    Merkwürdig finde ich nur, dass die Problemlösung nach vielen Jahren erst durch die Ehefrau
    …naja…vollzogen(?) wurde. Und nicht durch eine aus den LegionInnen von Fahrschülerinnen.

    Ich werde einfach nicht schlau aus Frauen.

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