Na warte!

Anfahren am Berg. Tzzzz. Anfahren am Berg. Bremsen. Wieder anfahren am Berg. Wieder bremsen. Wieder anfahren und weiterfahren, rechts abbiegen. Es ist wieder dunkel, aber es regnet nicht. Man sieht dann wirklich besser. Meine Freunde, die DHLs, sind immer noch unterwegs und stehen mir im Weg rum.
Eine Freundin erzählt mir, dass sie 100 Fahrstunden hatte. Ich denke: EINHUNDERT MAL 50 Euronen???? Alter Falter. In der Raucherpause der Theoriestunde erzählt einer was von den „12 Pflichstunden“. Wenn ich Harald und den Jüngling im Büro frage, wieviel Stunden man so braucht, dann halten sie sich immer total bedeckt. Sie haben so ein stillschweigendes Übereinkommen, dass man Oma bloß keine konkreten Zahlen nennen darf. Und nach meiner verkackten Dunkelfahrt neulich höre ich von Harald auch nichts mehr von wegen Fahrgefühl einer Achzehnjährigen. Ich glaube er hat mich jetzt in die Kategorie unbelehrbar – das kann dauern, das dauert eben und bei dem einen eben länger und der eine ist Oma – eingeordnet. Ich sage, wenn ich meinen Antrag beim Bürgeramt abgegeben habe, dann kann ich frühstens im März meine Prüfung haben. Ich rechne. Jede Woche zwei Fahrstunden – das wären dann so 40 Stück. Ich frage Harald, wie das ist, wenn ich erst so spät Prüfung mache, ob ich dann immer weiter jede Woche zweimal… und er sagt, das sei schon sehr wichtig und gut so und gibt mir mehr oder weniger zu verstehen, dass ich mit 40 Fahrstunden doch noch recht schnell sei – für mein Alter.
Ich sage nichts. Weiter anfahren am Berg. Wieder links, dann weiter geradeaus. Dann abbiegen, DHL, Fußgänger, Radfahrer, anfahren am Berg. Irgendwann sind wir fertig. Wir sitzen im Auto und Harald seuftzt. „So, nun mach mal den Motor aus.“ Ich fand, ich war eigentlich ganz gut. „Ging doch eigentlich.“, sage ich. Harald sagt erstmal nichts. Das sollte ich mal wagen, Tarik oder Hamid nicht zu loben, wenn sie sich mal angestrengt haben. Und ich habe mich angestrengt. Harlad sieht nur geradeaus auf die Straße und sagt dann: „Und das schlimmste ist, dass ich gleich noch so eine Stunde habe.“ Hallo? Was meint er denn damit? Meint er noch so eine Stunde mit so einer unfähigen Fahrschülerin wie mir? Ich versuche zu gucken, welche lernresistente Greisin in der Fahrschule auf ihn wartet. Aber da ist niemand. Ich verabschiede mich und latsche nach Hause. „Noch so eine Stunde…“ Unverschämtheit! Aber warte nur, denke ich. Dir werd ich es zeigen. In der nächsten Stunde wirst du dein blaues Wunder erleben!
Am Montag gehe ich mit Frl. Krise auf ein Verkehrsübungsgelände und werde üben. Alles werde ich üben – schalten, bremsen, anfahren am Berg, einparken, rückwärtsfahren. Und dann wollen wir doch mal sehen… Ha! Oma hat noch so einige Asse im Ärmel!!

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Allgemein

22 Gedanken zu “Na warte!

  1. Liebe Frau Freitag, DU bist so so so ein Kracher! So genial und witzig und toll und wundervoll! Aber die Texte zur Fahrschule sind so…. fad. „Okay, sie ist alt, aha, die anderen sind jung, oh, jetzt war der Fahrschullehrer wieder schlecht drauf, aha, jetzt hat er was Nettes gesagt, hm, jetzt ist sie bockig, oh, und jetzt ehrgeizig…..“ Ich finde, sie sind weit weg von dem, was du sonst so schreibst. Das ist nur meine Meinung, eine von vielen. Aber wenn ich einen Wunsch frei hätte, wäre es: Schreibe bitte wieder über die Schule, das wird einfach never ever langweilig 🙂 Oder deine Liebesschnulze – fantastisch! Aber Fahrschule……..? Noch fast ein halbes Jahr? …. Seufz.

    • tja, das bewegt mich aber gerade. für mich sind halt die schulgeschichten jetzt langweilig: und dann meinte er mir so und ich dann so und er dann so und dann klingelte es.

    • Geht es einem nicht immer so, wenn man gerade mit etwas Neuem beschäftigt ist, dass man darüber reden und schreiben möchte? Das kann ein Umzug sein, ein neues Hobby, eine neue Arbeitsstelle oder eben der Führerschein, das ist im Moment halt neu und aufregend. Irgendwann wird es Routine (ja, auch das Autofahren, obwohl ich auch dachte, bei mir wird das nie was). Ich finde es jedenfalls schön, Frau Freitag, dass du diese Erlebnisse mit uns teilst, obwohl ich dabei immer mit Grausen an meine eigene Fahrschulzeit denken muss. Aber du packst das, bestimmt! Und ich lese gern weiter. 🙂

  2. Der macht Sie mit Absicht nieder, damit Sie möglichst viele Fahrstunden nehmen. Wenn Sie bei den Fahstunden einen Unfall bauen, haftet, glaube ich, der Fahrlehrer. Wenn Sie mit Frl.Krise auf einem Verkehrsübungsgelände üben, würde ich vorher den Versicherungsschutz klären.

    Aber warum warten Sie nicht mit dem Autofahren, bis es die selbstfahrenden Autos zu kaufen gibt?

  3. brrr…mein fahrlehrer meinte, dass 30 stunden heutzutage normal wären. bei allen. aber 100 stunden? das macht hoffnung! mein fahrlehrer war gestern not amused. du bist definitiv besser als ich! nachtfahrt? phhh. davon bin ich noch meilenweit entfernt. bei mir hapert es bereits schon beim geradeaus fahren.

  4. Na ja, ich habe auch erst recht spät meinen Lappen gemacht, ich war weit über 30. Ich weiß noch, wie mein (sehr netter und sympathischer) Fahrlehrer seufzte: „Ach, diese Frauen über 30 …“ Ja, wir brauchen wohl etwas länger, um das Schalten und Kuppeln zu lernen, und auch das Erlernen der Koordination der vielen verschiedenen motorischen Vorgänge braucht mehr Zeit. Aber er fügte gleich hinzu, dass wir wiederum den großen Vorteil hätten, ein ausgeprägtes Sicherheitsdenken mitzubringen, das den allermeisten 17- und 18-jährigen Fahrschülern noch fehlt. Immerhin. Bei Regen und Dunkelheit zu fahren ist nun mal eine besondere Herausforderung, lass dich davon nicht unterkriegen! Das macht jedem Anfänger schwer zu schaffen, und auch erfahrenen Fahrern fällt das schwer!

  5. Also meine Tante hat damals mit !54! Lenzen ihren Motorradführerschein gemacht. Auf ihre Frage wieviele Fahrstunden sie denn nehmen müsste (bezogen auf Pflichtstunden), meinte ihr „Harald“ natürlich soooooooviele, bis sie alles können würde. Meine Tante nur „Okay, na dann können wir ja gleich aufhören!“ Sie musste dann zwar noch die 10 Pflichtstunden nehmen, ihr Harald war aber gaaaaaaanz still 🙂

  6. …vielleicht hatte der Fahrlehrer auch nur einen harten Tag gehabt (?)
    Und für Fahrschüler gilt sowieso : es gibt Schlimmeres….VIEL SCHLIMMERES !
    z.B. Autofahren in der Stadt Siegen – ende der 70er. Die haben mitten drin Berge.
    Also mitten in der Altstadt, wo jeder mit dem Auto mal her fahren muss, gibt es Hauptstrassen und Steigungen, die man sonst nur noch von Youtube kennt (die schrägsten Landebahnen der Welt, ). Mit reichlich Ampeln dazwischen. Wer da als Fahrschüler reingerät kriegt eine Ahnung wovon Dante geschrieben hat. Anfahren am Berg in seiner Urform, plus Stau. Da wird es einem schon beim Zukucken komisch. Ich stand auf dem Bürgersteig und konnte es nicht fassen, was sich da so tat. Semesteranfang: Junge Pädagogikstudentinnen mit Panik in den Gesichtern und bockenden alten Opel Kadetts am oberen Katzenbuckel. Musste dann irgendwann auch mal selber mit der Karre da reinfahren, – zu Berufsverkehrszeiten. Und der Horror fuhr mit, als die Steigung an urbanen Steilhängen Achterbahnauffahrt-mässig wurde – mit Stau und roten Ampeln .
    Da rauchten beim Anfahren ganz schön die Pellen und die Handbremse wurde zum erstenmal wirklich als nützlich wahrgenommen. Mit der Zeit (*gähn*) ging man jedoch damit um, wie der Schreiner mit dem Holz .

  7. Also, wenn ich das hier so lese, dann war mein Fahrlehrer damals (vor sehr, sehr langer Zeit) entweder ein ganz besonders nettes Exemplar oder Deiner ist ganz besonders doof.

    Meiner fand damals auch dann noch etwas positives, wenn ich total schlecht gefahren bin. Der hat mich ständig aufgebaut, mir immer gesagt, dass ich es doch schon ganz gut können würde und dass andere bei so etwas (Autobahnfahrt etc.) da ja auch Probleme hätten und das ganz normal wäre. Mit dem Erfolg, dass ich völlig unverkrampft in die Fahrstunden ging und dadurch dann auch tatsächlich nicht ganz schlecht war.

    Vielleicht solltest Du Dich mal nach einem anderen Fahrlehrer umsehen?

  8. Go, Oma, (oder Omma, wie man hier im Rhein/Ruhr-Gebiet so sagt) aller Anfang ist schwer und Berganfänge sind … naja, auch richtig schwer. Gibt jetzt aber auch Berganfahrassistenten in den Fahrzeugen, wasn das für ne Fahrschule, wo sie sowas nicht haben? Sonst Handbremse rein, Kupplung kommen lassen und Gaaas so. Wo is der Assistent? Alles muss man selber machen.
    Jedenfalls: Sie schaffen das! Ich habe übrigens (aus meinem weiteren Bekanntenkreis!) von einem 16-Jährigen gehört, der viel mehr Fahrstunden als der Standard für seinen 125er-Mopped-Führerschein brauchte. Er hat jetzt bald Prüfung (ist schon zweimal durchgerasselt, Prüfungspanik bekommen, DAS ist schlimm. Mit 16 schon!). Das wird schon klappen, liebe Frau Freitag! Sie haben das bestimmt längst komplett drauf!

  9. Wenn du den Lappen dann hast, Frau Freitag, dann gönne dir mal ein ADAC-Sicherheitstraining. Macht voll Spaß und man lernt da Dinge, die in der Fahrschule gar nicht drankamen, wie Ausweichmanöver und echte Vollbremsungen.

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