Die zweite Fahrstunde

Kuplung treten, Kuplung kommen lassen, Schleifpunkt abwarten, anfahren, bremsbereit sein. Erster Gang, zweiter, Gang, dritter Gang, Gas geben, bremsen. Wo ist das Problem? Das Problem sitzt neben mir und erklärt mir eine Viertel Stunde lang, wie die Kuplung aufgebaut ist, warum sie funktioniert, wie sie funktioniert. Schaubilder, Zeichnungen, Beschriftungen. Ich bin schon längst geistig ausgestiegen.
Willkommen am Bord der Boing 737. Bevor wir starten können, wird Ihnen der Captain erklären, warum ein Flugzeug überhaupt fliegen kann.
Ja, ja, ist wichtig. Aber ich verstehe so viele Sachen nicht und benutze sie trotzdem. Computer, Alter. Alles nur mit 0 und 1???? Hähhhhh???? Fernseher. Geh mal nahe ran. Cyan, Magenta und Yellow, das verstehe ich ja noch. Aditive Farbmischung. Aber sonst?
Ich halte das Kuplungsgelaber aus. Stoisch. Kostet mich wahrscheinlich 12 Euro. Ab und zu schiele ich auf die Uhr. Ich möchte rauchen, aussteigen, meine Beine strecken oder endlich fahren! Und dann fahren wir und ich muss sagen, dass ich das gut gemacht habe. Nicht einmal den Motor abgewürgt. Oder passiert das bei den modernen Autos heute gar nicht mehr? Das mit dem Fahren klappt gut. Nur was nervt, sind die ganzen Autos überall. Vor allem die parkenden stressen mich, weil ich ständig denke, dass ich an denen langschleife. Aber die fahrenden Wagen sind auch nicht besser. Kommen mir entgegen, fahren direkt vor mir von einer Seite zur anderen, halten in der zweiten Reihe. Ungemütlich. Von den Fahrradfahrern und den Zufußgehenden mal ganz zu schweigen. Gewöhnt man sich daran? Das müßt ihr jetzt nicht beantworten – natürlich gewöhnt man sich daran. Auch ich werde mich daran gewöhnen. Und später über meine Gedanken hier lachen. Autofahren ohne andere Verkehrsteilnehmer, pahhh, voll langweilig. Über wen sollte man sich denn dann aufregen? Und aufregen muss man sich doch. Das gehört ja irgendwie dazu.
Zum Abschied sagte mir Harald, dass die älteste Fahrschülerin über 60 gewesen ist und auch über ein Jahr gebraucht hätte. „Aber jetzt hat sie ihren Führerschein. Und fährt auch.“

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Allgemein

8 Gedanken zu “Die zweite Fahrstunde

  1. Berichte bitte auch, ob du dich als Fussgängerin bzw Fahrradfahrerin anders benimmst, jetzt wo du Auto fährst! Bei mir war das so und meine Kinder berichten das Gleiche. Man sieht den Verkehr plötzlich aus einer anderen Perspektive!

  2. Fußgänger, Radfahrer und anderweitige Verkehrsteilnehmer sind bei mir irgendwie auch nach zwei Jahren noch anstrengend, weil die sich einfach so oft unvorhersehbar verhalten. Aber man lernt, entspannter damit umzugehen. Und auch mit all dem anderen Kram, den das Autofahren für einen bereit hält. Blinkende Warnleuchten, wo zum Henker ist bei diesem Auto das Fernlicht, warum ist das jetzt ausgegangen, Mist, das war der Rückwärtsgang, und vieles, vieles mehr

  3. Additive Farbmischung geht mit Rot, Grün und Blau. Cyan, Gelb, Magenta ist subtraktive Farbmischung und wird beim Drucken oder Malen mit dem Tuschkasten verwendet.
    Bei der Gelegenheit: Wieso müssen Lehrer immer Fehler finden und berichtigen? Ist das angeboren oder kommt das erst im laufe der Dienstjahre?

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