Abschied

Jetzt hat das eine halbe Stunde gedauert, bis sich wordpress geöffnet hat. Dieses WordPress denkt sich auch: Pffff, Lehrerblog… so eine schlechte Lehrerin unterstützen wir nicht mehr. Heute war aber wieder ganz okay. Ich habe mir die Präsentationen meiner Schüler angehört. Präsentationen, die sie nächste Woche halten müssen. Süüüüß. Wie aufgeregt die immer sind. Und die machen ja echt noch krassere Rechtschreibfehler in ihren Powerpoint Folien als ich.

Hamid drückt auf einen Knopf vom Computer. Leichenberge in Auschwitz.
Hamid: „Und hier sehen Sie die Taten des DDR-Regimes.“

Inhaltlich sollten wir heute eigentlich nicht eingreifen…

Jetzt geht es in einem Rutsch auf den Abschluss zu. Präsentation, Deutsch, Mathe, Englisch, Englisch mündlich und dann Tschüß. Crazy. Dann sehe ich meine lieben Kleinen nur noch bei irgendwelchen Klassentreffen.

Vorher noch Abschiedsfeier. Bei uns ist es üblich, dass die Schüler vor der Abschiedsfeier keine Abschiedsfeier wollen. Sie denken, dass sie uns damit irgendwie eins auswischen können, wenn sie keine Feier wollen. Dabei sind die meisten Kollegen froh, wenn ihnen die Abschlussfeier der Zehnten erspart bleibt. Ich nicht. Ich feiere gerne.

Alle paar Wochen sollen wir in unseren Klasse abfragen, wieviele Leute an der Feier teilnehmen, damit die Planer planen können. Da ich mittlerweile die Dynamik kenne, frage ich gar nicht. Ich mach das so:

„Leute, im Juli ist doch die Abschlussfeier. Rosa, machst du dir da eine Hochsteckfrisur? Hamid, was für einen Anzug ziehst du an? Vincent, hast du einen Anzug?“
Dilay: „Ich komme nicht zu der Feier.“
Ich: „Warum nicht? Darfst du nicht oder willst du nicht?“
Dilay: „Ich will nicht.“
Ich: „Wie? Du willst nicht Frau Freitag in ihrem rosa Pailettenkleid sehen?“
Rosa: „Ist das ein langes Kleid?“
Ich: „Nee, super kurz. Mini!“
Dilay: „Woher ham Sie?“
Ich: „Hochzeitsshop Neukölln. Kottbusserdamm.“

Und im Lehrerzimmer Frau Schwalle: „Frau Freitag, hast du in deiner Klasse gefragt, wieviele mitkommen?“
Ich: „Ja.“
Frau Schwalle:“Und? Wieviele?“
Ich: „Alle.“

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Allgemein

8 Gedanken zu “Abschied

  1. Lisa hat noch nie etwas für mich/meinen Unterricht übrig gehabt. Sie hat aber schon zwei Mal ganz eindringlich gefragt, ob ich auch ganz bestimmt zum Abi-Ball komme. Abi-Ball ist wichtig für die Kinder, wichtiger als die Prüfungen vorher. Die Kleidung, die Frisur, das Programm. Und Lehrer sind auch wichtig. Ohne Lehrer ist das kein echter Abi-Ball. Da müssen einfach alle kommen.
    Hoffentlich kommen viele nette Kollegen, damit man jemanden zum Reden und zum Tanzen hat. Abiturienten haben keine Zeit für einen, die sind mit sich selbst beschäftigt. Aber ab elf kommen viele aus den vergangenen Jahrgängen. Die reden gern mit ihren Lehrern.

  2. Liebe Frau Freitag,
    da haben Sie mir aber einen Schrecken eingejagt: Titel „Abschied“ und dann noch der Ärger über wordpress! Dabei bin ich doch fast süchtig nach Ihrem Blog! Auch, wenn ich im „Lehrerparadies“ unterrichte (Kleinstadt, Gymnasium,…), im Alltag gibt es manchmal ähnliche Situationen. Aber ob ich zum Abiball in einem rosa Paillettenminikleid gehen würde (bei mir wäre das wohl in Größe 48) glaube ich nicht, ich werde wohl etwas anderes suchen, womit ich meine Schüler erfreuen kann. Bei uns gehen übrigens die meisten Kollegen gegen 11 Uhr, damit die „Kleinen“ unter sich sind..

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