Klein und schlecht

Oh Gott, ich bn der Loser-Lehrer des Jahrhunderts!!!! Ich bin die aller, aller schlechteste Lehrerin ever.
Gestern noch so voll obenauf mit dem Referendaren gesprochen: „Nun gib nicht gleich auf. Das wird schon… mach mal so und so und mach mal lieber nicht so, sondern so und blah, blah, blah“. Wochenlang sonne ich mich in der Einbildung, dass ich es doch voll drauf habe. Beglücke jeden mit meinen pädagogischen Tipps, wie ein blasenschwacher Hund.

Heute morgen bin ich schon um kurz vor sechs Uhr wach, weil ich es gar nicht abwarten kann, zur Arbeit zu gehen, weil die mir ja soooo leicht von der Hand geht. Burnout – pah, da lache ich doch drüber. Ferien… wer braucht denn sowas? Den ganzen Weg zur U-Bahn tanze ich – besoffen vor Freude, dass die Woche wieder anfängt und ich wieder meine Lehrerinnenmagie entfachen kann. Ha.

Ich bin sogar eine Stunde zu früh in der Schule. Weil ich so… ach, weil ich bescheuert bin und zu Hause nichts mit mir anzufangen weiss. Sagen wir doch, wie es ist.

Und dann habe ich meine Klasse. Alles läuft gut. Ich mache Sprüche, sie arbeiten nicht, ich mache noch mehr Sprüche, sie lachen, ich lache… alles wie immer. Ich gehe in die Pause und denke: Läuft bei mir!

Dann die Siebte. Sie arbeiten doch auch immer soooo schön. Die arbeiten so konzentriert und ruhig, dass ich davon manchmal ganz high werde und sie sogar ab und zu von hinten filme, um mir das zu Hause anzusehen. Für die triste Zeit, wenn ich mal nicht unterrichte – also zu Hause.

Und dann… Tarik mein bester Mann fehlt. Ich denke – na um so besser, denn Tarik ist ja recht betreuungsintensiv.

Was war denn nun so schlimm, Frau Freitag???? Huähhhhhh, heul, schluchz… keine Ahnung, die Kinder waren laut und haben sich blöde angemacht und sind aufgestanden und ich wurde immer schlecht gelaunter und habe auch rumgemeckert – nicht so doll, aber doch immer wieder und dann wurden die Kinder auch übellaunig und alles war doof. Und am Ende habe ich ihnen das auch gesagt. Wie bescheuert ich die Stunde fand. Bescheuert habe ich nicht gesagt. Didaktisch minderwertig habe ich auch nicht gesagt. Ach scheiß egal was ich gesagt habe… die Stunde war für den Arsch. Sie haben zwar gearbeitet, aber… huähhhhh, ach ich weiss auch nicht…ich bin arm und klein und schlecht.

Was bilde ich mir eigentlich ein, irgendjemandem Tipps zu geben? Mit welchem Ziel? Dass sie dann genau so schlechte Lehrerinnen werden wie ich???? Referendar – vergiss bitte alles, was ich jemals gesagt habe. Ich habe KEINE Ahnung. Such dir eine RICHTIGE Lehrerin, die weiss, wie man das macht.

Und was soll ich denn jetzt machen? Ich kann doch nur Lehrerin sein? Ist schlechteste Lehrerin überhaupt ein Beruf? Darf ich überhaupt Geld dafür bekommen? Für diese Stunde heute würde ich gerne mein Gehalt zurückgeben. Geht das? Ich bin ein mieser Hochstapler. Ein Schul-Krull. Ein pädagogisches Plagiat. Ein Didaktik-Depp. Ein Nichts, ein Niemand. Ein verwarzter Wurm am Arsch der Schlechtigkeit….. huähhhhhhhh.

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Allgemein

24 Gedanken zu “Klein und schlecht

  1. Ach Frau Freitag… da hilft wohl nur „Dirty Dancing“ – Mein Baby gehört zu mir, ist das klar? – und eine Tafel Lindtschoki. Oder denk mal an Frau Heiligendings, oder den griechischen Finanzheini, DIE sind wirklich scheiße! Wir sind doch nur Lehrer auf dem mehr oder weniger erfolgreichen Kreuzzug gegen die Volksverdummung. Und wir machen das SUPER! Finde ich, jawohl :).

  2. bin isch schlechteste lehramtsstudentin? bin isch schonn jetzt demotiviert und fange erst einen abend vor der examensprüfung an zu lernen…da kann ich doch nur schlechte leererin werden 😉

    • *lach* Das ist ja cool – nein, Verzeihung, UNMÖGLICH finde ich das, mit einer Blockflöte… die Kollegin unterrichtet ja noch, also kann es nicht soo schlimm gewesen sein! Hat der/die Schüler/in jetzt eigentlich ein Blockflöten-Trauma???

  3. Ach, Frau Freitag, kein Selbstmitleid hier bitte! Morgen sieht alles wieder anders aus – und dann biste wieder froh, wenn du Ratschläge weiterreichen kannst (und die Referendare freuen sich da auch!) – Aber manchmal ist’s echt anstrengend…

  4. Frau Freitach, du musst nich mehr weinen….ich kenn DIESE Stunden SOOO gut! Eben schwebst du noch gut gelaunt übern Flur, plauderst hier, lächelst da, scherzt dort. Und dann nimmt das Grauen seinen Lauf….einer nach dem anderen kommt dir quer. Hausaufgaben…ups…ach sollten wir? SIE haben gesagt nur erste Nummer….Heft? Is voll. Füller? Is leer. Schere? Vergessen. Und dann der Höhepunkt: Hat einer Klebe? Und es meldet sich EINER…
    Diese Stunden reihen sich bei mir immer an die Wo-ist-die-Elternunterschrift-die-Heute-abzugeben war-Stunden….

  5. Erziehung (sversuch) ist manchmal so.
    Wenn ich meine Jüngste fuchsteufelswild ankeife, denke ich nachher auch: schlecht, schlecht, schlecht ..
    Aber wenn ich meine großen Kinder so sehe, denke ich: so schlimm kannste doch nicht sein …
    Kinder haben zum Glück eine gewisse natürliche Toleranzbreite (auch bei Lehrerinnen!)

  6. Nee, nee, nee, Frau Freitag, Sie greifen jetzt hier nicht die ganzen miesen Lorbeeren ab. ICH bin die schlechteste Lehrerin des Universums. Den Eindruck hatte ich jedenfalls nach meinem letzten Unterrichtsbesuch…und in der Stunde danach hab ich auch noch rumgeschrien.
    ‚S wird wieder!!

  7. ganz im ernst: durststrecke. es werden wieder zeiten kommen, da möchtest du am liebsten einen bonus für deine kleinen erfolge auf dem gehaltsscheck sehen. bäm!
    liebe grüße,
    jule*

  8. Ach Frau Freitag, nur weil eine Stunde verknackt ist??? Es gibt Kollegen, die machen nur so Unterricht, ernsthaft, gibt sogar gleich zwei an unsere Schule ! Kopf hoch, wird schon!!😉😉😉

  9. Dieses Auf und Ab kenn ich nur zu gut. Aber heißt das nicht auch, dass man selbstreflektiert und kritisch mit sich und seiner Arbeit ist? Das ist doch wichtig und wertvoll… es könnte einem auch egal sein. Kopf hoch, ich bewundere Ihr Engagement und ihre Begeisterung für Ihre Profession!

  10. Auf Regen folgt auch wieder Sonne! Manchmal geht halt alles schief und man hält sich für einen schlechten Menschen/schlechte Lehrerin und dabei kann man vielleicht gar nichts dagegen tun, weil sich halt alles gegen einen verschworen hat! Weißt du, manche Leute verdienen ihr Geld leicht und andere schwer. Diejenigen, die es schwerer haben, die bekommen irgendwann eine Belohnung. Daran glaube ich ganz fest!

  11. Großes Lob an Frau Freitag!
    Ich hätte mir damals gewünscht, meine Lehrer und Lehrerinnen (hauptsächlich letztere, cholerische Männer werden wohl nicht so alt in der Schule, die kriegen vorher einen Infarkt oder so) hätten mal so reflektiert. Mindestens zwei haben jede Stunde so rumgeschrieen dass ich meine spätere Militär-Grundausbildung im Vergleich als ruhig und erholsam beschreiben würde. Und die hatten vermutlich nicht oft Selbstzweifel.

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