Strike!

„Aber das ist ja noch die Frage, ob morgen überhaupt Schüler in deinem Kurs sein werden.“, sagt Frau Schwalle und die zwei neuen Kolleginnen gucken sie verwirrt an.
„Wieso?“
„Was ist denn morgen?“

WAS MORGEN IST?????? Ich glaub ich spinne!!!! Hinter welchem Parallelunviversum leben denn diese beiden????

„Was morgen ist????“, frage ich – etwas zu laut. „Morgen streiken wir!!!! Du bist doch auch Angestellte, oder???“
Die eine nickt. Die andere teilt uns mit wahrnehmbarer Erleichterung mit, dass sie als Referendarin ja verbeamtet sei.

„HALLLOOOO? Wie kann man denn nicht mitbekommen, dass morgen im gesamten öffentlichen Dienst gestreikt wird???? Püppi, es gibt noch mehr als Unterrichtsvorbereitung und Kompetenzblahblah. Ich verteile die Buttons, die wir für die verbeamteten Kollegen gemacht haben. Sie haben die Auswahl zwischen: Ich will auch und Ich darf nicht. „Aber erst morgen tragen!“ Sie nicken und stecken sich die Button in die Hosentaschen. Einer anderen Kollegin drücke ich die Plakate in die Hand: „Kannst du die bitte morgen hier aufhängen?“
„Gerne!“ Auf die ist Verlass.

Ich höre euch hier schon fragen: Warum streiken denn die angestellten Lehrer? wollt ihr wieder mehr Geld? Bekommt ihr nicht schon genug Geld? Ja. Wir bekommen einen ganzen Haufen Geld. Jeden Monat und auch in den Ferien (wie Frau Dienstag immer und überall lautstark verkündet). Und trotzdem streiken wir. Weil wir können! Und weil ich es als meine Pflicht empfinde, wenn ich dazu aufgerufen bin. Es geht ja nicht nur um uns. Es geht ja um alle im öffentlichen Dienst beschäftigte Arbeitnehmer. Und die haben nicht alle ein fettes Lehrergehalt.

Außerdem würde ich mich ja schön scheiße fühlen, wenn ich die anderen da draußen auf der Straße marschieren lassen würde, und dann aber selbst nur das Geld einstreiche. Und machen wir uns mal nichts vor: wenn jeder sagen würde: „Mein Unterricht darf morgen aber nicht ausfallen, weil dann die Welt untergeht… nächste Mal bin ich aber wieder dabei, versprochen…“, wer wäre denn dann morgen auf der Straße?

Wenn ich was zu sagen hätte – habe ich ja leider nur hier – dann würde ich die erstreikte Gehalterhöhung nur denen auszahlen, die sich dafür engagiert haben.

„Herr König, was ist denn mit dir?“, fragt Frau Schwalle den nachdenklich dreinschauenden Kollegen.
„Ich habe noch zwei Nachschreiber, die sollten eigentlich morgen die Arbeit nachholen. Aber ich wollte ja streiken gehen.“
„Na, dann schick die doch zu mir. Ich darf ja nicht streiken. Aber einer mehr auf der Straße ist ja gut.“, sagt Frau Schwalle und Herr König lächelt erleichtert. „Echt? Super. Vielen Dank!“ Danke Frau Schwalle. So soll das sein. Und diesen Gefallen verbuche ich nicht unter „die streikenden Kollegen vertreten.“

Liebe Beamte: Ihr könnt unsere Schüler beaufsichtigen. Ihr könnt gerne mit ihnen darüber sprechen, warum wir nicht da sind. Aber ihr sollt keinen Vertretungsunterricht mit ihnen machen.
Und im Lehrerzimmer erwarte ich von euch, dass ihr die angestellten Lehrer morgen fragt, was sie in der Schule machen und warum sie nicht auf der Straße sind. Wie sollen wir denn unsere Schüler zu mündigen Bürgern erziehen, wenn wir ihnen nicht vorleben, wie man für seine Rechte eintritt?

Also liebe Kollegen: Wir sehen uns morgen auf dem Alex! Ich bin die mit der Brille.

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Allgemein

25 Gedanken zu “Strike!

  1. Ha, so ist es recht, Kollegin! Ich bin an meiner Schule die einzige angestellte Lehrkraft, und wir werden am kommenden Montag im Warnstreik sein. Gimme high five!

  2. Ich finde es gut, dass ihr auf die Straße geht! Ich arbeite auch im öffentlichen Dienst und letzten Winter gab es bei uns eine große Demonstration bei der sich 40.000 Menschen vor dem Bundeskanzleramt versammelten. Alle möglichen Berufsgruppen aus allen Bundesländern (es waren unglaublich viele Busse da!) waren vertreten. Es war unglaublich und es hat auch was gebracht.

  3. Ich bin an eurer Seite. Hab auch als Beamtin gestreikt, mehrfach einen Eintrag in der Personalakte und Gehaltsabzug und einmal eine lustige Anhörung (bei der ich statt einer Stellungnahme unser Kampflied auf die Melodie ‚Von den blauen Bergen kommen wir…‘ geträllert habe. Welche Farce! Na gut, ich wollte auch nicht Schulleiterin werden, und meine Pension krieg ich trotzdem.

  4. Danke an alle angestellten Kolleginnen und Kollegen, die für bessere Bedingungen streiken! Bei uns sind die meisten verbeamtet, diejenigen von uns, die es nicht sind, arbeiten in der Bibliothek und die hatte letzten Donnerstag zu. Da aber gerade noch Semesterferien sind, fällt es bei uns nicht auf…. Wenn wir streiken wollen, hat man uns nahegelegt, entweder Überzeit oder Urlaub zu nehmen, freigestellt wegen Streik wird niemand. Bei mir würde in den Ferien auch niemand auffallen, dass ich streike, denn ich würde dann nur meine Kollegen im Stich lassen und das will ich nicht. Trotzdem bin ich auf eurer Seite! Und unterstütze euch im Geiste!

    • Nützt nur leider in dem Fall nicht viel, die Unterstützung im Geiste! Streik heißt doch nicht nur ‚ich schwänze die Arbeit‘, sondern Streik heißt auch, ich trete öffentlich für die Forderungen ein, also ich gehe zu Kundgebungen oder Demos und zeige Gesicht. Das erhöht den öffentlichen Druck. Die Kolleginnen könnten in der Zeit ja Dienst nach Vorschrift machen, sodass der Mangel auch wahrnehmbar würde. Die Vorstellung, dass man für einen Streik Urlaub nimmt oder Überstunden abfeiert, ja, dass man überhaupt auf den Gedanken kommt, vom Arbeitgeber für einen Streik freigestellt zu werden, finde ich greadezu widersinnig. Es heißt ArbeitsKAMPF, und das bedeutet eben auch no risk, no succes. Wo wären wir, wenn unsere Altvorderen so gedacht hätten? Einfach mal Gehirn einschalten!

      • Danke, mein Gehirn ist eingeschaltet. Immer. Aber ich kann nicht alles fallenlassen, nur um öffentlich wirksam zu sein. Außerdem leide ich unter einer anderen öffentlich sehr wirksamen ArbeitsKAMPFmaßnahme – vor einer Woche machte mein Lockführer einen eigenen, wilden Streik. Wie fuhren fast eine Stunde nicht los und ich kam eine Stunde später heim wie normal (also kurz nach sieben). Vielen Dank, sehr öffentlich wirksam! Ich würde meine Interessen nicht auf dem Rücken Unbeteiligter austragen – gegen meinen Arbeitgeber würde ich noch streiken, aber nicht, wenn es andere Leute betrifft! Dafür bin ich nicht KAMPFbereit genug! Ich hab neben meinem eingeschalteten Gehirn auch noch ein soziales Gewissen!

  5. Also habe ich das jetzt richtig verstanden:
    Sie streiken nicht, weil sie das Gefühl haben, zu wenig Geld zu verdienen, sondern weil es andere Angestellte im öffentlichen Dienst gibt (z.B. Erzieherinnen), die tatsächlich zu wenig Geld verdienen.
    Nehmen wir mal an, Sie verdienen 4000 EUR im Monat, die Erzieherin 2000 EUR (rechnet sich einfacher). Differenz (ungerecht!!!) 2000 EUR.
    Nun ist Ihr Streik saumäßig erfolgreich, Sie bekommen 5 % mehr Geld. Dann bekommen Sie 200 EUR mehr, die Erzieherin 100 EUR. Die Differenz beträgt also jetzt 2100 EUR (noch ungerechter!!!`)

    Wenn Sie also wirklich für die Erzieherin streiken, dann müssten Sie nicht für lineare Gehaltsanpassungen streiken, sondern für bessere Eingruppierung der Erzieherinnen oder für überproportionale Erhöhung der unteren Einkommen (das geht dann ggf. natürlich zu lasten der Lehrergehälter…)
    Aber so erst meint es die GEW dann sicher doch wieder nicht. Und Sie wahrscheinlich auch nicht, oder?

    • ich hätte noch viel weitreichendere vorschläge, aber es nützt nichts etwas zu fordern, wenn darüber überhaupt nicht verhandelt wird. Oder nicht? Und man kann ja mal die Erzieherinnen fragen, ob sie es stört, wenn die lehrer auch 5% mehr Geld bekommen. am ende kommt es doch auf das persönliche netto an. By the way: L-EGO bringt mir persönlich nix. aber den 1WF-Lehrern (meistens an der Grundschule) eine Entgeltstufe höher. von E11 auf E12.

      • Verstehe leider nur Bahnhof.
        „L-EGO“ – sind das die kleinen Bausteine … 🙂
        „1WF-Lehrern“ – keine Ahnung.

        Und nein, wenn alle 5 % mehr bekommen, dann steigen in der Regel auch die Preise um 5 %. Früher oder später. Und die Strukturen bleiben gleich.

        „aber es nützt nichts etwas zu fordern, wenn darüber überhaupt nicht verhandelt wird“
        Doch.
        Erstmal muss es einer fordern und dann wird darüber verhandelt.
        Allerdings bezweifle ich, dass die Lehrer auch dann auf die Straße gehen würden, wenn es nur um höhere Gehälter für Erzieherinnen ging.
        Na gut – sie vielleicht, aber ihre Kolleginnen …?

      • wir würden alle gehen, weil wir dann an dem tag keinen unterricht machen müsste und voll früh zu hause wären. 🙂

      • So, jetzt haben alle anderen Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes den Tarifabschluss gebilligt, außer den (eher gut verdienenden) Lehrern.
        Jetzt geht es ihnen also nur noch um ihre eigene Kohle. Insofern dürften sie jetzt bei möglichen Streiks mit deutlich weniger Sympathie rechnen…

      • „sprichst du für dich selber?“

        In erster Linie ja. Jeder kann erst einmal nur für sich selber sprechen.
        Aber ich denke auch, dass sich die öffentliche Meinung drehen wird. Wenn Eltern ein Problem haben, weil die Grundschule ihrer Kinder geschlossen ist, dann werden sie jetzt deutlich weniger Verständnis haben.
        Letztlich wird der Abschluss so auch für die GEW kommen. Die Arbeitgeber können denen jetzt gar keine Extrawurst braten. Wie würde das auf die anderen Angestellten im öffentlichen Dienst wirken…

        Letztlich habe ich gestern das Thema nur deshalb noch einmal aufgegriffen, weil die Diskussion damals so in die Richtung „Wir streiken ja nicht nur für uns, sondern auch für die Angestellten, die deutliche weniger verdienen als wir und jeden Euro brauchen“ lief. Das stimmte aus meiner Sicht schon damals nicht. Und jetzt schon gar nicht mehr.

  6. Ach ja^^ Unsere Verbeamteten Lehrer waren da letzten Frühling sehr kreativ… Vom Aufruf zum Schülerstreik bis Umfrage in der Fußgängerzone. Hab mich sehr amüsiert, als mir einige Schüler erzählten, dass ihre Mitschülerin (Lehrerkind) einen Wutanfall angesichts der Unwissenheit der Leute bekommen hat („Was Streik? Die Lehrer arbeiten doch noch weniger als die Verbeamteten“ XD) 😀

  7. Oh! Streik mit Straße! Vor Jahren (ich schätz mal 15) haben wir österr. Lehrer auch gestreikt. Verbeamtete und Vertragslehrer, aber wir durften nur unsere Zeit im Konferenzzimmer abhocken. Na ja, hier im Dorf hätte es wahrscheinlich auch wenig Aufsehen erregt, wenn wir 30 (samt VS-Lehrer wohl 50) losgezogen wären. Wobei wir wunderbar in (nicht mal) 1 Stunde vor unser Landhaus marschieren hätten können. Wer hat sich damals nur so einen blöden Streik ausgedacht?! Der Chef hat unerklärlicherweise nicht gestreikt, der saß in seiner Direktion und hätte auftauchende Schüler beaufsichtigt (so blöd war keiner, wirklich aufzutauchen). Meine Kinder waren noch Grundschüler, die hab ich (mit anderen Kollegenkindern) heimlich in die Bücherei und Spielothek im Gebäude eingeschleust (der einzige Nervenkitzel des Tages – für die Kinder). lg

  8. Ich würde auch streiken. Es gibt genug Posten in den öfentlichen Haushalten, wo gespart werden könnte. Redet doch mal mit den Posten. Vielleicht finden die das gut. Alternativ können ja die Steuern erhöht werden.

  9. Jeden Tag versetzt es mir einen Stich, wenn ich an die unterschiedliche Bezahlung im Lehrerzimmer denke. Sprich: Für die gleiche Arbeit, ungleiche Bezahlung.
    Bei mir macht das in Teilzeit eine Differenz von 500 Euro netto im Vergleich zu meinen verbeamteten Kolleginnen und Kollegen. Das sind im Jahr bummelige 6000 SECHSTAUSEND Euro. Bloß nicht weiter rechnen bis zur Rente. Hinzu kommen noch die zusätzlichen Annehmlichkeiten, wenn man den Beamtenstatus inne hat.
    Auf dem 2. Bildungsweg habe ich alleinerziehend mit 2 Kindern angefangen zu studieren, im regulären Zeitrahmen mein 1. Staatsexamen abgelegt und dann ein halbes Jahr später mit dem Referendariat begonnen, das ich mit Auszeichnung beendet habe. Zu dem Zeitpunkt war ich bereits 42 Jahre alt.
    Dann hat man mich mit befristeten Verträgen hingehalten, bis ich das 45. Lebensjahr überschritten hatte. Danach erhielt mich eine Entfristung, aber eine Verbeamtung war wegen Überschreitung der Altersgrenze nicht mehr möglich.
    Obwohl ich die ganze Zeit an meiner Ausbildungsschule durchgängig unterrichtet habe, eine Klasse geleitet und die Fachschaft übernommen habe und während der Zeit selbst eine Referendarin ausbildete, sagte man mir, dass es keine Aussicht auf eine Festanstellung gäbe. Das Schulamt wünschte mir auf mein Nachfragen „viel Glück“. Das war also das Kriterium.
    Schulleitung und Schulamt waren sich meiner persönlichen Situation bewusst, konnten aber angeblich nichts Positives unternehmen. Familiäre Lage etc. wurden nicht berücksichtigt. Auf mich wirkt es, als wenn meine Verträge künstlich in die Länge gezogen wurden. Warum auch immer!? Auch die GEW zeigte sich machtlos und aus meiner Sicht ziemlich träge und kaum unterstützend. DA bin ich sehr enttäuscht worden.
    Auch mit rechtlicher Beratung wurde mein Anliegen abgeschmettert und das Finanzministerium bzw. eher seine Mitarbeiter zeigte in keiner Weise menschliche Regungen oder Versuche, mir entgegen zu kommen. „Manche Lebensläufe sind eben so.“ „Schönen Dank.“ Das ist wie ein Schlag ins Gesicht.
    Jedes halbe Jahr, wenn nun den neuen Kolleginnen und Kollegen zur Entfristung und der sich damit nachziehenden Verbeamtung gratuliert wird, macht sich in mir Wut über diese Ungerechtigkeit und meine Machtlosigkeit breit.
    Ein Präzedenzfall könnte mir eventuell weiter helfen. Vielleicht erhalte ich ja über diese Seite einen hilfreichen Tipp, wie ich mit ganz viel Glück doch noch gerecht behandelt werde.
    Beste Grüße aus Schleswig-Holstein und in der Hoffnung, dass neue Tatsachen geschaffen werden.

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