Neu im Kollegium?

Noch 38 Stunden, dann hat mich der Alltag zurück und ich ihn. Gut so! 38 Stunden, das ist machbar. Das ist überlebbar. Ferien waren/sind gut, aber ich muss immer wieder feststellen, dass ich ein Fan vom stinknormalen Alltag bin. Und diesmal freue ich mich auf die Schule. Wirklich. Ich freue mich auf meine Klasse. Die Zeugnisübergabe war richtig schön. Die beste eigentlich seit langem, ach was sage ich – die beste, ever.

„Aber bitte Frau Freitag, labern Sie nicht sooo viel.“
Aber das lass ich mir nicht nehmen. Jeder musste einzeln nach vorne kommen und jeder erhielt einen persönlichen Spruch von mir. Bei den meisten „Die fünf muss aber weg“ oder „Wenn die vieren noch dreien werden könnten…“ und bei den ganz Desaströsen: „Naja, in Kunst hast du ja noch eine vier.“
Irgendwie war es diesmal fast ein wenig sentimental: „Das ist die letzte Zeugnisübergabe, die wir hier so zusammen haben. Die nächste ist dann euer Abschluss in der Aula.“ Daraufhin haben mich dann auch gleich alle Mädchen zum Abschied in den Arm genommen.

Und ich freue mich auf meine Kollegen. Ich liebe mein Kollegium. Ich finde wir sind das beste Kollegium, ever. Und das Beste – wir kriegen am Montag voll viele Neue! Auf die freue ich mich schon sehr.

Herrlich – ich freue mich jetzt schon auf ihre dankbaren Blicke, wenn ich sie im Leherzimmer anspreche. „Klar kannste dir da Kaffee nehmen.“ Und wenn sie den dann trinken „Obwohl,… ist das nicht der Kaffee von Frau Schwalle? Frau Schwalle guck‘ mal, die Neue trinkt einfach Deinen Kaffee!!!“ Naja, Spaß muss sein.

Montag stehen sie dann ungelenk im Lehrerzimmer rum, die Neuen. Am liebsten würden sie sagen „Ich guck nur.“ Aber sorry wir sind kein Klamottengeschäft, aus dem man sich schnell wieder rausschleichen kann, wenn einem die Ware nicht gefällt. Ihr habt alle einen UNBEFRISTETEN Vertrag unterschrieben! Und bitte nicht gleich dauerhaft krank werden, nur weil die Schüler ein bisschen stressen. Die müssen stressen. Die sind Schüler. Stressen steht auf deren Waschzettel. Stressen ist Teil ihres Jobs.

Hier meine Tipps für Neue:

Erstmal im Weg rumstehen im Lehrerzimmer. Irgendjemand schiebt euch ja immer ins Lehrerzimmer. Wenn ihr Glück habt, dann schubst dieser jemand euch zu jemand anderes: „Hier – Frau Schwalle – die unterrichtet auch Deutsch.“ Frau Schwalle ist allerdings voll in Hektik und muss noch kopieren und will gerne mit Herrn Werner über ihre Ferien plaudern. Dann guckt mal nach Leuten wie Frau Freitag, die nie gerne über ihr Privatleben redet, sondern darauf geiert neue Leute kennenzulernen.

Diese Frau Freitag wird euch mit 1000 Sachen volllabern. Immer schön nicken. Schlüsselwörter merken. Nicht dauernd erzählen, wie geil es an eurer alten Schule war. Bloß nicht sagen: „An meiner alten Schule hatten wir da ein ganz tolles System mit den Fehlzetteln…“ Der Kollege von der neuen Schule vervollständigt solche Sätze in seinem Kopf mit: „Dann geh doch wieder an deine tollen alte Schule.“
Wir meckern vielleicht über unser verkorkstes System die Fehlzeiten der Schüler zu dokumentieren, aber das heißt noch lange nicht, dass wir das ändern möchten und vor allem wollen wir uns nichts von NEUEN sagen lassen.

Nicht sofort über das niedrige Niveau der Schüler rumjammern. Da hören wir nämlich nur raus, dass WIR denen bisher nüscht beigebracht haben. Und selbst wenn das stimmt – das wollen wir nicht hören. Überhaupt – bitte äußert euch nicht negativ über die Schüler. Auch wenn ihr denkt, wir tun das auch. Wenn Frau Dienstag über ihren Mann meckert, dann möchte sie ja auch nicht, dass ich sage: „Stimmt dein Mann ist voll doof.“ Und so ist das auch mit unseren Schülern.

Mehr Punkte macht ihr, wenn ihr Schüler lobt. Einfach mal die positiven Seiten von ein paar Spackos kommentieren: „Der Vincent hat aber eine tolle Handschrift.“ Und schon denkt der Klassenlehrer „Ach die Neue, die ist aber nett.“

Dann bitte bloß nicht mit übertriebenem Aktionismus anfangen: „Ich räume mal das Biokabinett auf. Ach, der Kunstvorbereitungsraum sieht ja schlimm aus. Ich bring da mal schnell Ordnung rein.“ Möchtet ihr, dass euer Besuch gleich bei euch aufräumt? Wenn das Biokabinett so schlimm aussieht, dann mögen wir das vielleicht, zumindest stört es uns nicht so richtig.

Kaffee könnt ihr ruhig mitbringen. Kekse auch. Nicht wundern, wenn beides gleich weg ist. Nicht stundenlang den Kopierer besetzen. Vor allem nicht vor der ersten Stunde. Und vor allem nicht in der Konferenz aufspringen und irgendwelche Aufgaben oder gar Ämter übernehmen wollen.

Hört sich jetzt an, als solltet ihr gar nichts machen. So ist es ja auch nicht. Seid ein Schwamm, saugt alles auf. Guckt erstmal, wie alles läuft. Lächelt, auch wenn sonst keiner lächelt. Seid freundlich, aber nicht schleimig. Bloß nicht gestresst sein. Eher so easy going.
Und vor allem lasst euch drauf ein. Nicht gleich nach dem Umsetzungsformular fragen oder den Schulrat anrufen. Wenn es ganz schlimm wird, dann bleibt ja immer noch die Kohle. Aber ihr macht das schon.
Ich wünsch euch Neuen jedenfalls viel Spaß! Und wie gesagt – es gibt wahrscheinlich in jedem Kollegium so jemanden wie mich, der jetzt schon an Euch denkt und sich auf Euch freut.

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Allgemein

7 Gedanken zu “Neu im Kollegium?

  1. Bitte, Frau Freitag, füge noch hinzu, dass Neulehrer nicht gleich zur Schulleitung laufen sollen, wenn es kleine Unstimmigkeiten zwischen Lehrern geht. Solche kenne ich nämlich.

  2. Liebe Frau Freitag,

    ich bin in zwei Wochen zum mittlerweile vierten Mal eine Neue im Lehrerzimmer und danke dir sehr für deine Worte. Ja, auch die Verhaltensregeln, die ich mir selbst schon seit ein paar Tagen vorbete. Hoffentlich kann ich meinen Mund halten! Aber vor allem dafür, dass dort jemand ist, der schon neugierig auf mich wartet. Das ist so beruhigend zu lesen.

    Liebe Grüße,
    Frau Pappelheim

  3. *berichtigt* bitte DOCH in der Konferenz aufspringen und fleißig Ämter übernehmen! Wenn nämlich eins frei ist, heißt das, dass es bestimmt keiner machen will, weil mit entsprechend Mehrarbeit verbunden. So etwas drücken wir dann gerne Neuen aufs Auge. Die das Amt erst wieder loswerden, wenn sie ihren Fleiß und ihr Engagement bewiesen haben, lebenslänglich verbeamtet sind und den blöden Zusatzjob an die nächsten Neuen weitergeben können.

  4. Das sagen Sie ja jetzt nur, weil Sie fame sind und sich mit ihren bereits vorhandenen Kollegahs gut stellen wollen 😛
    Und die Neuen sollen keine Angst vor Ihnen haben,stimmts?
    😀

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