Die Krise darf nicht liegen bleiben

Frl. Krise geht in den Ruhestand. Stehen wird sie kaum, ruhig sein auch nicht und doch rückt dieser Tag immer näher. Ist schon komisch der Gedanke, dass eine deiner besten Freundinnen ab Mitte März Pensionärin ist. Gut, sie wird immer noch mehr Netto-Geld, als ich haben, aber sie muss nicht mehr in die Schule gehen. Muss sie nicht, darf sie aber auch nicht mehr. Und wie ich sie kenne, würde sie zu gerne einfach jeden Tag im Lehrerzimmer sitzen. Würde man ihr anbieten einen festen Job als Lehrerzimmersecurity, Kopiergeräteüberwacherin oder Abwascherin zu übernehmen – sie würde sofort unterschreiben. Ich freue mich voll für sie. Freue mich, dass sie dann morgens immer ausschlafen kann – das macht sie so gerne. Das blöde ist nur, dass wir in letzter Zeit sooo viel darüber reden, wie ihr Ruhestand werden wird, dass ich das Gefühl habe, dass auch ich Mitte März in Rente gehe. Tue ich aber nicht. Tue ich sogar voll nicht. Bei mir dauert das noch Jahrzehnte! Wird Frl. Krise sich denn dann immer noch jeden Abend meine: “Und dann hab ich gesagt und dann hat er gesagt”- Geschichten aus meinem Schulalltag anhören wollen? Will sie dann nicht vielleicht lieber über Seniorenrabatte in Museen, Abenteuern aus den Ärztewartezimmern und Apothekenthriller hören? Damit werde ich nur bedingt dienen können.
Vielleicht steht Frl. Krise auch gar nicht mehr auf. Vielleicht bleibt sie bis zu den Sommerferien einfach im Bett liegen. Laptop auf dem Schoss, den Fernseher immer an und das Telefon auf dem Nachttisch. Vielleicht gefällt ihr das Ausschlafen und im Bett rumgammeln so gut, dass sie gar nicht mehr aufstehen will.
Irgendjemand muss doch mal das Internetshopping der Supermärkte entdecken, warum nicht sie. Wenn man liegenbleibt, dann schont man ja auch das ledierte Knie. Auweia, vielleicht bleibt sie so lange im Bett und guckt die Wiederholungen von Shopping-Queen, bis die eine fette Depression hat. Damit werde ich dann gar nicht umgehen können, weil ihre Depression auch eine Depression bei mir auslösen wird.
Das darf nicht passieren. Sie darf nicht im Bett bleiben. Sie muss aufstehen. Sie muss was zu tun haben. Deshalb habe ich heute bei meiner Schulleitung nachgefragt, ob wir noch Deutschlehrerinnen brauchen und siehe da, im Siebten und Achten Jahrgang ist noch bedarf. Ich habe in ihrem Namen schon mal einen PKB-Vertrag unterschrieben. Sie kann direkt nach den Osterferien bei uns anfangen. Ich habe den Schülern auch schon Bescheid gesagt, dass sie bald eine neue Lehrerin bekommen werden. Zur Zeit haben die gar keinen Deutschunterricht und Montags und Freitags immer die erste Stunde frei und Donnerstags schon ab der Mittagspause Schluss. Mensch, ich sag’ euch, die haben sich vielleicht gefreut, dass dieses Lotterleben ein Ende hat.
Ich freue mich auch. Frl. Krise, du darfst keine Depression bekommen, dafür habe ich heute gesorgt. Für dich mach ich doch alles!

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Allgemein

18 Gedanken zu “Die Krise darf nicht liegen bleiben

  1. Jetzt warte ich auf Frl. Krises heutigen Eintrag … Mist, dass ich jetzt erst mal zum Sport muss/darf (‘ne, ich gerne gehe zum Aquacycling), aber um 1/2 10 will ich drüben die Antwort sehen!

  2. Dann hat sich das Problem ja schon gelöst. Bräuchten wir noch immer einen neuen Papst (oder Päpstin). Freiwillige? ;)
    Find ich übrigens super, wie liebevoll Sie sich um Frl. Krise kümmern, sowas ist echt selten heutzutage. ;)

    • Zappelbein! Da steckt doch irgend ein finsterer Plan dahinter!
      Na warte, Frau Freitag! Wenn ich erst bei Sie an der Schule bin, dann isses aber vorbei mit ihrem pädagogischen Lotterleben! Vallah, ich schwör auf Lesebuch!
      Aber irgendwie hat die Idee was…

  3. Och Mönsch, Frau Freitag! Geh doch mit Pension!
    Dann schläfst du morgens ein bisschen länger und ich steh ein bisschen früher auf, so dass man um Zehn zusammen frühstücken kann und dann schreiben wir zusammen ein Knallerbuch, womit wir ‘shades of grey’ und ‘olle Potter’ niederrocken und nachmittags bloggen wir eine kleine Runde und abends kocht der Freund was Schönes… und wenn wir nicht gestorben sind, dann labern und labern wir immer noch….!

  4. Also mein Herr Vater ist auch Lehrer, in einer Gümnasjumschule (schreibt man das jetzt so?). Der ist Jahrgang 1937 (kann auch 1837 sein, jedenfalls voll alt). Und in Pension ist er offiziell auch.

    Ich habe aus geheimen Quellen (Mama) erfahren, dass er immer noch wenigstens 2 Tage pro Woche in der Schule freiwilligen Sportunterricht gibt. Und sogar Schüler+innen hat, die da regelmässig hingehen. Mein Verdacht ist, dass er die Schlüssel nicht abgeben wollte.

    Das war zu seiner aktiven Zeit aber auch ein eindrucksvoller Schlüsselbund, den er als ein typischer Lehrer mit sich rumtragen drufte. Angeblich ja es ein Schlosssystem – eigentlich sind es mindestens 4, dazu Lehrerzimmer, Schliessfach, Sportraum, … Einige der Schlüssel waren von Form und Grösse als leichte Faustwaffen geeignet (und mindestens ein Sportlehrer hat sie als Wurfgeschosse bei unflätigen Schülerbemerkungen sehr treffsicher einzusetzen gewusst).

    Also ich würde auch Lehrer oder Gefängniswärter werden für so einen Schlüsselbund. Gibts aber (angeblich) nicht mehr, dann kann man auch in die Pesion gehen…

  5. Apropos liegenbleiben, liege seit einer Woche krank auf dem Sofa, Shopping Queen jeden Tag zwei Mal, Sofamuster in de Eß gefräst und kiloweise Schoki direkt an die Oberschenkel gefressen. Hiiiilfe, ich will in die Schule!

  6. Reblogged this on DUNKELROT Blog und kommentierte:
    Sich so persönlich und individuell von einer Kollegin zu verabschieden, finde ich ja großes Kino…auch mich plagt schon die Angst, wenn in 2,3 Jahren meine liebsten Kolleginnen gehen werden..die eine will, die andere muss, aber gehen werden beide…Da könnte ich jetzt schon heulen…

  7. Pingback: Es fängt an mit dem Aufhören… | frl. krise interveniert

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