Es geht wieder los

So, neues Jahr, alles frisch und neu. Denkt man, aber dann kommste in die Schule und da sitzen noch genau die gleichen pickligen Gesellen wie vor den Ferien. Und wieder sind sie nicht über die Ferien zu Erwachsenen geworden. Mist. Wie lange dauert das denn noch? Ihre Aufmerksamkeit musste ich mir mit diesem Satz erschleichen: „Wisst ihr, was nächste Woche ist?“
All eyes on me, wie Tupac sagen würde und dann gleich die Information hinterher schießen: „Nächste Woche müssen die Lehrer die Noten eintragen. Ihr habt also nur noch diese Woche Zeit, um euch zu verbessern – obwohl eigentlich nicht, weil die meisten Lehrer die Zensuren wahrscheinlich schon in den Ferien gemacht haben.“

Triumphierend gucke ich die Bagage an. Ha, da schluckt ihr, wa?

„Na, dann mache ich jetzt nichts mehr. Jetzt is‘ ja auch egal“, schreit Hamsa und ich kläre ihn sofort auf, dass alles, was jetzt nicht mehr in die Noten eingeht, für das nächste Halbjahr zählt. Enttäuscht sackt er in sich zusammen.

„Frau Freitag, wann sind Winterferien?“, fragt Taifun.
Ich sage es ihm. Darauf Rosa: „Und wann fangen die Sommerferien an?“
Diese Kinder – meistens leben sie nur im Hier und Jetzt, aber wenn es um die Ferien geht…
Aber ich bin ja auch nicht anders. Ich gucke mir jeden Morgen im Bus meinen Kalender an und rechne aus, wieviel Unterricht ich noch erteilen muss, bis zur nächsten Unterbrechung. Wenn ich mir einen neuen Kalender kaufe, dann markiere ich, noch bevor ich meinen Namen reinschreibe, alle Schulferien und freien Tage mit einem Marker. Und jeden Morgen wird gezählt und gerechnet. Warum machen die Schüler das nicht auch so? Dann müssten die nicht immer wieder das Gleiche fragen.

Wie oft schreibe ich eigentlich hier noch nach den Ferien den Satz: „Alles in allem war es ein recht angenehmer Start.“ Gestern hatte ich zu spät Kaffee getrunken und konnte deshalb nicht einschlafen. Darum habe ich nicht nur diesen komischen Tatort geguckt, sondern im Anschluss auch gleich noch Hotel Adlon auf dem Computer. Eigentlich toll, so ein Luxushotel zu bauen und dann zu haben. Wäre mir das mal früher eingefallen. Vielleicht macht Hotelbesitzer viel mehr Spaß als Lehrerin. Naja, mache Sachen wird man wohl nicht mehr rausfinden. Aber im Adlon kommen heute die Nazis vorbei und Bomben fallen und dann brennt alles ab. Das ist schon übel. Und wahrscheinlich war der jeweilige Herr Adlon, der gerade dran war, ziemlich frustriert darüber, als sein Hotel brannte. Wäre ich frustriert, wenn die Schule abbrennt… hmmmm, muss ich direkt mal drüber nachdenken.

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12 Gedanken zu “Es geht wieder los

  1. Doch, dann wären wir frustriert! Denn dann müssten wir – statt schön in der Schule – in so ’nem usseligen Container sitzen und könnten uns das U-material auch noch aus den Rippen schneiden.
    In diesem Sinne: Noch ein schönes (feuerfreies) Jahr!

  2. Willkommen im neuen Jahr, Frau Freitag.
    Und ich glaube NICHT, dass Hotelbesitzer mehr Spaß macht als Lehrer, eher weniger. Im Hotel sind alle Menschen KUNDEN und das ist mitunter echt grausam. Und ich hätte keine Lust, einem Superstar oder dem, der sich dafür hält, 3 Arten lauwarmen Kakao bereit zu halten oder was auch immer. Oder in einem „normalen“ Hotel mir von Lieschen Müller anzuhören, dass das Zimmer zu klein / groß / laut / leise… whatever ist. Und vergessen sie nicht: Gästen im Hotel kann der Hotelbesitzer NIE mit Noten drohen ;-).

    Blüte

  3. Der Tatort war wirklich komisch. Aber wenigstens gab es mal wieder ein Happy End, ich hatte schon gedacht, das machen die grundsätzlich nicht mehr.

    • Ich fand den Tatort super!!!
      Der Entführer hatte bis zum Schluss alles im Griff und hat seine Forderung am Ende durchgesetzt.
      Spannend wäre, was er für eine Strafe bekommen hätte. Bei mir: 2 Jahre auf Bewährung…
      P.S.: Was war für Dich das „Happy End“? Das das Kind gerettet wurde oder das der Entführer „seine 10 Millionen“ bekommen hat?

  4. Wenn es das Lehrergehalt auch gibt, wenn die Schule abgebrannt ist, dann ist das schon in Ordnung. Es wäre aber schade um die ganzen schönen abgebrannten Erinnerungen. Oder nicht?

  5. Eine abgebrannte Schule ändert das Problem nicht, sondern erschwert es.
    Vor vielen Jahren brannte das KTH in dem ich arbeitete erst ein bisschen und dann ein paar Monate später völlig ab. 2 Jahre lang wurden 8 Gruppen auf umliegende Schulen verteilt. Am Ende wurde ein neues Haus für nur 7 Gruppen gebaut. Meine Gruppe blieb in der Nachbarschule ….. und lief Gefahr wegekürzt zu werden.
    Das Risiko konnte ich nicht eingehen und ging …..

    LG Anja

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