Manchmal muss man so machen

Grizzel hin oder her – ich finde ein Siebtklässler braucht kein Feuerzeug. Oder wie seht ihr das? Deshalb habe ich Amins rotes Plastikteil, das zufällig aus seiner Hosentasche guckte gleich an mich genommen. Zu seiner Verteidigung gab er an, es sowieso nur gefunden zu haben. Na dann… Jetzt liegt es neben mir und zündet meine Zigaretten an.

Fatimas Handy liegt im Tresor. Sitzt sie doch einfach bei mir im Unterricht, null Interesse am Geschehen, Tasche auf dem Schoß, als säße sie in der U-Bahn und dahinter fleißig am Tippen. So konzentriert, dass sie mich gar nicht bemerkte, wie ich mich von hinten an sie anschlich und die Herausgabe des Telefons forderte. Verdutzt gab sie es mir, weil sie wahrscheinlich dachte, dass die nette Frau Freitag ihr das Teil nach der Stunde sowieso wieder geben würde. Nett – das heißt aber auch – die, die man leicht bequatschen kann und vor der man keine Angst hat – und da Angst und Respekt für die lieben Kleinen schwer auseinander zu halten sind, sind sie tendenziel respektlos.

Und normalerweise gebe ich die Handys am Ende der Stunde auch zurück. NORMALERWEISE! Aber heute war nicht normal. Die Stunde war anstregend und die meisten Schüler – inklusive Fatima – haben sich so ziemlich daneben benommen. Ich bin die meiste Zeit ruhig geblieben, habe allerdings innerlich gekocht. Da kam mir das Handy gerade recht. Nach der Stunde kommt Fatima: „Kann ich jetzt mein Handy?“
Ich: „Nein. Das kann deine Mutter aus dem Büro abholen.“
Sofort hatte ich nicht nur Fatima, sondern auch noch ihre vier BFs am Hacken, die alle Register zogen.
„Darf ich Ihnen die Tafel wischen?“
„Bitte geben Sie das Handy! Sie sind doch unsere Lieblingslehrerin.“
„Warum machen Sie so?“
„Ihre Mutter tötet Sie, wirklich!“
„Nur diese eine Mal, biiiittteeee, Sie sehen das Handy NIEEEE wieder!“

Ich habe mir das alles stumm angehört, während ich meine Sachen gepackt habe. Innerlich nur ein mich durchströmendes Gefühl: ENTSCHLOSSENHEIT! So wie Anastasia ständig von einem überwältigendem, nie dagewesenem Orgasmus durchströmt wird und dazwischen ständig frown(t) und flush(t), so bin ich durchdrungen mit: DIESMAL NICHT!!!!

Die BFs und Fatima hängen sich an meine Fersen und versprechen mir das Blaue vom Himmel, während ich mich auf meinen Weg ins Büro mache. Dort schließe ich die Tür vor ihren Nasen und lege das Handy in den Tresor.
Das hätten die Mädchen nicht von mir gedacht. Sprachlos weichen sie kurz zurück, als ich wieder rauskomme, dann setzen sie zu neuen Überredungsversuchen an. Kurz stellen sie sich mir sogar in den Weg. „Ich habe das Handy gar nicht mehr.“, sage ich und verlasse genervt das Schulgebäude Richtung Feierabend. Genervt aber irgendwie auch erleichtert, weil ich es einfach mal durchgezogen habe. Auch wenn ihre Mutter sie jetzt töten tut. Und ausgeschaltet habe ich das Handy auch nicht! Ha.

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23 Gedanken zu “Manchmal muss man so machen

  1. Anastasia ist sowas von langweilig. alle 2 seiten muss man die Blätter überfliegen, denn wenn mans einmal gelesen hat, reichts. Meine Güte. Die hätten die drei Bände ruhig in eins packen können.. (hab die vorgestern geliehen bekommen, bin grad in der Hälfte des dritten Bandes und finds immer noch schlecht. Ray hatte nen Unfall) Soll ich mehr erzählen? man könnte auch nen „wer kürzt die Story am schnellsten zusammen“-Contest ausrufen

  2. Das ist hier das normale Vorgehen: Fällt ein Handy im Unterricht auf (klingelt in der Tasche, wird unter der Bank benutzt, liegt verlockend auf dem Tisch o.ä.), wird es eingesammelt und erst nach Ende des Schultages vom stv. Schulleiter wieder ausgegeben. Das ist gerade für Oberstufler immer wieder ein riesiges Problem, weil die dann gar nicht wissen, wie um alles in der Welt sie ohne Handy die endlosen Freistunden füllen sollen… Über das Einsammeln wird Buch geführt, und wenn jemand mehrfach auffällt gibt’s Ärger mit Standpauke und Info an die Eltern.

    Das funktioniert so mittelgut.

  3. Eeendlich benennt mal jemand das zentrale Element dieser fünfzig Farbabstufungen: Flushing und Frowning, dazu noch ein wenig auf-den-Boden-gucken und Lippenbeißen. Grausamst…

  4. Inzwischen finde ich es richtig beängstigend, wie schlimm es für die Schüler ist, zeitweise aufs Handy verzichten zu müssen. Etliche meiner Schützlinge sehen sich nicht mal in der Lage, während des Unterrichts ohne ihre Handys auszukommen. Nehme ich sie ihnen ab, weil sie trotz klarer Regeln während des Unterrichts benutzt werden, erlebe ich manchmal regelrechte Tobsuchtsanfälle, obwohl sie sie zur Pause bzw. zum Unterrichtsschluss zurückbekommen. „Gib mir das Handy“ ist für diese Schüler offenbar fast so schlimm wie „Zieh dich nackig aus“. Besorgniserregend, oder etwa nicht?

  5. Ich nehme keine Handys mehr ab. Seitdem ich glaubhaft androhte und beweisen konnte, dass ich beim Einkassieren das Ding erst ausschalte und dann die PIN drei Mal falsch eingebe …

    Denn ihre PUK haben sie weder im Kopf (wer hat das schon?) noch wissen sie, wo diese wertvolle PUK-Karte abgeblieben ist.

    Himmlischer Zustand.

  6. Mhhh – besser als ein einmaliges Exempel ist dauerhaft eine klare Linie. Beim ersten Mal gibt es das Handy nach der Stunde zurück, beim zweiten Mal pro Schuljahr landet es im Tresor.
    Was kann Fatima dafür, dass sie ausgerechnet heute nen schlechten Tag hatten…

  7. Das erinnert mich total an meine Berufsschulzeit. Da waren auch welche, die immer aufm Handy getippt aben. Das schlimmere war: ICH durfte in Pausen keine Musik auf den Kopfhörern hören.

  8. Richtig so, richtig so. Offensichtlich fehlt es aber an der Mitarbeitarbeit der Eltern. Meinem Kind würde ich das Handy abnehmen, wenn es offensichtlich nicht weiß, wie man damit umzugehen hat. Ganz einfach.

    LG
    ~Anja~

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