The Game is on

Der Computer geht wieder. Und die Heizung auch und der Strom und das warme Wasser und man könnte denken – läuft doch alles. In der Schule flutscht auch alles so dahin und überhaupt scheint alles im Lot.
ABER und hier kommt das große ABER. Wenn alles glatt läuft, bekomme ich den Drang mich zu kümmern. Und zwar um Dinge, um die man sich lieber nicht kümmert. Zum Beispiel den Telefonanbieter.

Hier die Vorgeschichte: Seit Monaten liegt mir mein Juristenfreund mit dem gleichen Thema in den Ohren: „Frau Freitag, du MUSST dieses 1&1 kündigen.“ Dann sage ich: „Ja, unbedingt! Mach ich!“ Dann beim nächsten Besuch – er wieder: „Hast du endlich dieses 1&1 gekündigt?“ Und ich dann: „Oh, nee, noch nicht, aber mache ich gleich… ich schwörs dir!“

Und denn… ich kündige gar nichts und dann verstreicht die Kündigungsfrist und ich bin immer noch bei 1&1 und zwar mit einem total überteuertem Uraltvertrag. Der Jurafreund meckert. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Dann kommt ein Anruf von 1&1 – die haben mittlerweile gecheckt, dass ich meinen Vertrag immer noch nicht gekündigt habe und wittern eine total bescheuerte Kundin in mir, der sie jeglichen teuren Blödsinn andrehen können. Und das können sie auch. Am TELEFON. Ich weiss auch nicht, was mich da geritten hat, als ich mir einen neuen Vertrag habe aufschwatzen lassen. Ich dachte irgendwie – ist billiger als der alte Vertrag und ich kann doch sowieso erst wieder in einem Jahr kündigen. Das erzähle ich dann stolz dem Jurafreund. Der guckt sich im Internet meinen neuen Vertrag an und stellt fest: „Schrott! Den widerrufst du jetzt.“ Er nimmt mein Macbook und tippt innerhalb von zwei Minuten eine so tolle Kündigung – oder einen Widerruf, dass ich vor Ehrfurcht verstumme. „So, druck das aus, unterschreib das und fax das morgen zu den Schweinen. Musst du aber MORGEN machen, dann bist du noch genau in dieser zwei Wochen Frist.“
Ich, ehrfürchtig und deshalb vollends ergeben: „Mach ich!“
Und mach ich auch. Ich faxe das sogar zweimal. Doppelt hält besser. Mit Sendebericht. Und dann denke ich: „Ha, könnt Ihr mal sehen, ihr Halsabschneider! Nicht mit Frau Freitag!“ Und dann höre ich erstmal gar nichts und dann kommt das:

Sehr geehrte Frau Freitag,

vielen Dank für Ihr Schreiben. Sie wünschen die Stornierung Ihres Tarifwechsels? Diese Entscheidung bedauern wir sehr. Gerne geben wir Ihnen weitere Informationen.

Die Bearbeitung Ihres Tarifwechsels ist bereits zu weit fortgeschritten. Wir bitten um Ihr Verständnis, dass Ihr Wunsch nach einer Stornierung deshalb nicht mehr berücksichtigt werden kann.

Ihr Kündigungswunsch wurde an die entsprechende Fachabteilung weitergeleitet. In Kürze erhalten Sie weitere Informationen.

Es tut uns leid, dass wir Ihnen dieses Mal keine Lösung anbieten können.

Mit freundlichen Grüßen
die Schweineband

Icke: Wat solln dit jetzt heißen? Spinnen die? Die Bearbeitung meines Tarifwechsels sei schon zu weit fortgeschritten… ich schreite jetzt auch mal weiter – ich habe gleich mit dem Anwalt gedroht und mir einen Schrieb vom Jurafreund machen lassen, so mit solchen Eumels hier: §§§. Voll eindrucksvoll. Jetzt heißt es abwarten. Die spinnen ja wohl… oh, ist schon leider alles zu weit fortgeschritten, dass wir uns nicht mehr an die Gesetze halten können? Jetzt bin ich gespannt wie die Damen und Herren reagieren.

Tipp von Frau Freitag: Verträge am Telefon? Nee, nee, lieber nicht.

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Allgemein

30 Gedanken zu “The Game is on

    • ich habe gestern auch noch mit denen telefoniert. macht ja auch irgendwie spaß, wenn man so sachen sagen kann: ich werde dann wohl meinen anwalt einschalten.

  1. Wenn unsere Schwachmaten-Regierung die Gesetze mal modernisieren würde und Verträge über Telefon erst gültig werden wenn man einen Wisch unterschrieben hat den die einem dann zuschicken müssen…dann…ja dann hätten wir wohl alle viel weniger Probleme.

  2. Man kommt auch immer raus, wenn man sagt, dass man ins kurzfristig ins Ausland zieht (oder in eine WG wo schon ein Telefonanschluss existiert)…. Sonderkündigungsrecht 😉

    • Das wollen die erstmal nachgewiesen haben und zweitens verlangen die fürs Sonderkündigungsrecht auch noch mal 100Euro – ich habs versucht als ich umgezogen bin und kam nicht damit durch. Die wollten nämlcih ach zu gern einfach den Anschluß in die neue Wohnung legen (und gleich einen neuen 2-Jahresvertrag) anbieten, weil ein Tarifwechsel gilt bei denen automatisch wie ein neuer Vertrag mit 1-2 Jahre Bindung was die Kündigung angeht.).

  3. Ich bin weder verwandt noch verschwägert mit 1&1 und finde natürlich den konkreten Fall jetzt „interessant“, um nicht zu sagen unverschämt. Allerdings waren meine Telefonanbieter allesamt Saftläden (und ich hab schon einige durch). Da finde ich es auch etwas unfair, ein Video von 2007 anzuhängen. Zu der Zeit bin ich auch für eine Weile von 1&1 weg, aber inzwischen hat sich bei denen viel getan, sehr viel. Hatte gerade Probleme mit einem neuen 1&1-Anschluss, weil der Telekomtechniker den falsch eingestellt hatte. Zwei Wochen kein Internet und einige nervige Gespräche. Aber immerhin bekomme ich eine Monatsgebühr und die entstandenen Extrakosten (Surfen mit UMTS-Stick und Telefonieren mit Handy) erstattet. Das fand ich ein faires Angebot. Vielleicht mal den Anwalt richtig die Hölle heiß machen lassen und dann einen Vertrag zu Neukunden-Bedingungen raushandeln 🙂

  4. Du hast also einen Vertrag, den du aus freien Stücken mit 1&1 abgeschlossen hast. Den findest du scheiße, weil dein… äh… weil dein Bekannter sagt, dass du den Vertrag kündigen musst, weil, äh, aus Gründen. Ach ja, weil er uralt und unattraktiv ist. Was du offenbar schon länger weißt.

    Statt ihn aber zu kündigen — oder mal auf die Webseite von 1&1 zu gehen und dort einen Tarifwechsel in einen attraktiveren Vertrag zu machen — änderst du deinen Vertrag lieber per Telefon. Offenbar uninformiert, aber noch immer aus freien Stücken. Damit verlängert sich dann auch deine Vertragslaufzeit. Oder so. Danach fällt dir am letzten Tag der Widerrufsfrist, also nach schlappen 2 Wochen ein, dass das ja doch alles Mist war und du deinen telefonisch geschlossenen neuen Vertrag doch nicht haben möchtest. Weil, ääh, dein Bekannter sagt, dass das alles scheiße ist und 1&1 sowieso doof. Und so.

    Und dann schreibst du diesen Quatsch auch noch stolz in einen Blog-Eintrag und irgendwann später in ein Buch. Glückwunsch.

      • Welch eloquent formulierte Erwiderung auf meine dezent kritischen Worte, die meine Ausführungen höchstens noch wie einen schwach klimmenden Funken in deinem gleißenden Licht des Verständnisses und der Vernunft erscheinen lassen.

        NICHT.

      • Nochmal:
        Du schimpfst über einen Vertrag den du abgeschlossen hast. Möglicherweise ist er ja tatsächlich nicht mehr attraktiv, weil alt. Das lässt sich mit wenigen Klicks im Kundenmenü lösen. (Dadurch wird eine neue Vertragslaufzeit beginnen, weil du einen neuen Vertrag abschließt. Zumindest soweit ich weiß.)

        Du kannst auch deinen bisherigen Vertrag kündigen. In der Regel werden sie dann auf dich zukommen und fragen warum. Und wenn nicht, machst du eben einen neuen.

        Dass du dich am Telefon beschwatzen hast lassen, ist deine eigene Sache. Dass das keine gute Idee ist, sollte bekannt sein. Man hat eben keine Zeit sich unabhängig zu informieren.
        Wenn du eine sofortige Vertragsänderung ausgemacht hast, also die neuen Features bereits nutzt, kannst du evtl. nicht mehr widerrufen. (Ist aber umstritten. Kannst das gerne vor Gericht ausfechten. ;-))

        Die 1&1-Tarife sind per se nicht schlecht, soweit ich das überblicke. (Habe mich kürzlich auch über deren Mobilfunk und DSL informiert. Mit Handy bin ich dort jetzt auch. Für DSL war mein Kabelnetzbetreiber attraktiver.)

        Trotzdem schimpfst du jetzt auf 1&1, ohne wirkliche Gründe zu nennen, nennst den Laden eine Schweinebande usw.
        Und ich frage mich: Wieso? Ich habe das so in meiner ersten Antwort schon angesprochen, aber du hast nur auf den letzten Halbsatz Bezug genommen und mir Neid unterstellt.

  5. 1&1 ist nachfolgefirma von web.de, bei welcher unzählige jugendliche (so auch meine tochter) abgezockt wurden. pünktlich zum 18. geburtstag (erlangung voller geschäftsfähigkeit) versperrte da ein „herzlichen glückwunsch – Geschenk für dich! – hier klicken!“ erstmal den zugang zu den mails. natürlich klickt so ein frischgebackener erwachsener das rasch an & weg, damit endlich die geburtstagspost gelesen werden kann. 3 monate später kommen rechnungen, mahnungen,- nö, eher drohungen zu nennen. das „geschenk“ hat sich da wohl unbemerkt in ein premium-abo verwandelt. da es sich um massen-betrug handelte, ließ sich schnell eine passende juristische antwort ergoogeln.
    aber wahrlich, wohl dem, der in der not einen jura-freund hat.

    wäre es nicht von wichtigkeit, in schulen mehr über die fallstricke der virtuellen betrügerheerscharen zu lehren?

    • 1&1 ist keine Nachfolgefirma von web.de. Tatsächlich ist 1&1 ca. 10 Jahre älter als web.de, wenn man Wikipedia glauben kann. Sie sind nur unter demselben Mutterkonzern aufgehängt.
      (Ich mag web.de allerdings auch nicht…)

  6. Liebes Frl. Krise,
    ich fühle mit ihnen. 1&1 ist für mich ein rotes Tuch- mein Ex hat sich 2 Jahre mit denen rumgeschlagen. Allerdings ohne Jura-freund.Mein Partner heute hat auch so seine unschöne Geschichte mit 1&1.

    Und ich hab mir in meiner ersten eigenen Wohnung an der Haustür einen „zu schön um wahr zu sein“ Vertrag mit Vodafone aufschwatzen lassen. Hinterher hatte ich die hälfte der versprochenen Bandbreite und er war 10 € teurer…
    Wenn ich das richtig verstanden habe gehört 1&1 zu Vodafone.

    Mit Vodafone habe ich damals einen Kompromiss gefunden. Im ersten Jahr bekam ich 10 Euro Rabatt monatlich eingeräumt.Man kam mir entgegen, und ich war sowieso auf der Suche nach einem Anbieter. Abgesehen von dem miesen Einstand bin ich mit denen tatsächlich zufrieden! Nur 2 Ausfälle seit 2009, leicht bedienbare Hardware, Bandbreite die unseren hohen Ansprüchen gerecht wird, eine kostenlose Servicehotline bei der ich immer ohne langes Warten schnell jemand kompetentes hatte. Als mir mal das Geld durch Pech fehlte genügte ein Anruf und ich hatte genug Zeit. Nach einem Jahr Vollpreis wurde mein Tarif ersetzt, und ich bekam automatisch den Wechsel in den günstigeren angeboten. Umzug problemlos. Ich habe allerdings nach dem ersten Schreck mich genau informiert was an dem Vertrag legal ist und mit dem Wissen gewunken 😉

    Werbeanrufe kann man übrigens abstellen: Per Telefon brauchte ich 3 anbietende Anrufe. Und ich habe mir auch mal ein Vertragshandy aufschwatzen lassen- zum Glück konnte ich das stornieren. Man hätte mich gar nicht anrufen DÜRFEN, da ich bereits Werbeanrufe abgelehnt hatte. Man kriegt die glaub ich dann wieder wenn da ein neues Verkaufsteam startet. Was bisher immer funktioniert:
    „Ich verstehe das sie ihren Job machen. Ich bin aber mit dem was ich habe zufrieden und möchte nichts an dem Zustand ändern. Es ist gut wie es ist.Ich beauftrage sie dafür zu sorgen das ich keine weiteren Angebote mehr erhalte.“ Das IMMER wenn jemand ungefragt anbietet.
    Da kommen nochmal nachfragen, die dürfen glaube ich gar nicht sofort „aufgeben“. Einfach freundlich-bestimmt die Formel wiederholen. Wirkt Wunder 🙂

    Ich wünsche ihnen das sie 1&1 zügig loswerden, und eine gute nächste Woche.

    Die Leseratte

    • uah. ich hab sie durcheinandergeschmissen. Frau Freitag, es tut mir leid 😦 Mein Mitteilungsbedürfnis war so groß das ich nicht mehr nachgeschaut habe auf welchem Blog ich bin. Heute war die Anklickreihenfolge anders rum als sonst…Anscheinend sind sie und Frl. Krise in meinem Kopf einander sehr nahe… sorry 😦

    • Vodafone gehört nicht zu 1&1 und die 1&1 nicht zu Vodafone. Wie kann man so wenig Ahnung haben, aber dann über eine Firma schimpfen.
      Du hattest Probleme mit Vodafone, nicht mit 1&1!

  7. Zuerst dachte ich auch, dass ich jetzt sofort wechseln muss, aber ein genauer Blick zeigt, dass das Video 5 Jahre alt ist. Also noch einmal durchatmen. Bisher hatte ich keine Probleme mit 1und1.

  8. Frau Freitag, muss man sich Sorgen machen? Sind Sie kommunikationstechnisch abgehängt, oder schlimmer: Von 1&1 als Geisel genommen? Oder einfach nur auf Klassenfahrt?

  9. Zum Film: Ein Computerfachmann eben. 🙂

    Hatte auch Probleme mit Webmail bei 1 & 1 , konnte aber zu meiner Zufriedenheit gelöst werden. Und nur darauf kommt es ja letztendlich an.

  10. Man munkelt ja schon länger, dass 1&1 Mitarbeiter sich im Internet tummeln und kritische Artikel kommentieren.
    Haben wir hier etwa einen von der Sorte gefunden? 🙂

    Ich bin mit meinem Internetzugang auch schon seit 2001 bei dem Laden und hatte bisher keine größeren Ausfälle zu beklagen.
    Falls es allerdings mal zu Problemen kommt, ist die Service Hotline dort wirklich unter aller Kanone (ist aber bei anderen Anbietern genauso…)

  11. @Thomas

    Ich sehe das so: Jeder hat in seinem Bekanntenkreis jemanden, der sich mit diesem und jenem auskennt. Frau Freitag wohl jemanden, der nebenher sich wohl auch mit Jura befasst. Das OK.

    Mr. Jura ist nicht dumm, hat gemerkt, dass die Tarife die Kunden gerne angeboten werden, mit denen von Neukunden sich deutlich unterscheiden. Daher die Idee des Widerrufs. Ich denke nicht, dass er grundsätzlich etwas gegen 1&1 hat. Ich wohne in Berlin, hier sind Callcenter für fast alle Anbieter vertreten und die Agenten wechseln regelmäßig von einem zum anderen. Glaubt mir, der Supportrahmen unterscheidet sich, Freundlichkeit und Co muss man einfach Glück haben.

    Ich wünsche viel Erfolg, aber Mr. Jura wird die Trickkiste ja sicherlich kennen und Ihnen helfen.

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