Different shades of grey

Heute war ich mal wieder alles:

1. Die Gehetzte – zu spät losgegangen und dann den ganzen Weg über auf die Uhr geguckt, ob ich es noch schaffe. Das stresst enorm! Aber – ich war noch pünktlich.

2. Die Meckernde – in der ersten Stunde habe ich meinen Schülern ihre Fehlzeiten vorgelesen – oh, oh, oh. Im wahrsten Sinne gehen die auf keine Kuhhaut – vielleicht noch auf eine sehr große. Zwei Mädchen fangen an gemeinsam zu schwänzen. Also war ich – gemeinsam mit meiner Erzieherin auch noch – die Einlaufverpasserin.

3. Die Freihabende – diesen Part kann ich gut. Einfach mit dem Lieblingskollegen in ein Cafe gehen und Kaffee trinken, rauchen und gepflegt über die doofen Kollegen ablästern und die Netten nett finden.

4. Der Erklärbär – past progressive – „Ey Leute, sooo schwer ist das doch nicht: was oder were und dann an das Verb ein -ing. Mehr verlange ich doch gar nicht. Die Verben habt ihr doch eben noch übersetzt und die stehen doch sogar an der Tafel!

5. Die Sichbesprecherin – Meeting mit der Erzieherin. Über einem weiteren Kaffee haben wir jeden einzelnen Schüler unserer Klasse durchgehechelt. Ach, ich war auch noch die Zumkaffeeeinladende.

7. Die Hoffende – die, die eigentlich in der Pause eine Zwischenaufgabe für die schon fertig seienden Schüler kopierende, war ich nämlich heute nicht. Deshalb blieb mir nur die Rolle der darauf Hoffenden, etwas zu finden. Hoffentlich habe ich noch irgendwelchen einfachen Zeichenschnulli, den die in der nächsten Stunde machen können.

8. Die Glückliche – weil ich genügend Schnullikram gefunden habe, der die schon fertigen Schüler ruhig stellte.

9. Die Motivatöse – „Kommt Kinder, jetzt zeichnet mal schön und seid leise. Ich mache euch auch Musik an.“

10. Die Soundtrackverteidigerin – „Das soll euch beruhigen. Nein, ich habe keine Rock ’n‘ Roll Musik. Das ist von einem Film. Ruhe jetzt, das ist mein Lieblingslied. (by the way: Musik von „Das Piano“)

11. Die Sichbequatschenlassende – „Okay, aber nur wenn ihr ruhig seid!“

12. Die Tanzende – „Komm Chanel, wir tanzen. Das Lied ist von Anastasia. Ach, hattest du auf Handy…so so.“

13. Die Schlichtende – Günther hat sich geprügelt. Er hatte seine guten Gründe. Ich hätte mich auch geprügelt. Gemeinsam mit der Erzieherin waren wir die Sichallesanhörenden und die Alleswiedergutmachenden. Blieb sogar noch etwas Mittagspause übrig.

14. Die Derangierte – „Ja, ich habe schlechte Laune! Weil ihr nicht ruhig sein könnt. Ja Kani, mir ist auch heiß. Ich habe auch Hunger und stell‘ dir mal vor, ich muss auch aufs Klo und gehe nicht!“

15. Die Sichpeinlichmachende – „Okay, dann spiele ich euch den Dialog jetzt vor.“ „Was sollte das eben sein, Frau Freitag?“ „TANZEN! Cheryl hat doch gesagt, dass sie in einer Tanz-AG ist.“

16. Die Erleichterte – „Okay, hebt das Papier dahinten bitte noch auf und stellt alle Stühle hoch.“

17. Die Glückliche – Wer hat schon einen so abwechslungsreichen Job?

PS: Leider bin ich allerdings auch gerade die Stinkende. (Ist echt immer noch übelst heiß in meinem Raum.)

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Allgemein

25 Gedanken zu “Different shades of grey

  1. Na das klingt als hättest du einen wirklich ausgefüllten Tag gehabt.
    Dann sei doch jetzt einmal die Sichentspannende, trink einen weiteren Kaffee und rauche ein Feierabendkippchen.

  2. hehe… zu 4: Und dann steht irgendwo „I was liking something“ und das ist dann auch wieder nicht richtig.

    Übrigens fehlt Punkt 6. Aber das merkt eh keiner 😉

      • Doofes Gekicher … JEDES Jahr weist irgendein Schüler darauf hin, dass das Wort „analyses“ minus die letzten drei Buchstaben „anal“ ergibt, und die ganze Klasse biegt sich vor Lachen. Pffft …

      • hmmm… das mit anal könnte man auch selbst gleich als Witzchen einbringen. Dann biegt sich die Klasse weil der Lehrer nen Witz macht – das bringt Sympathiepunkte ohne Ende 😉

  3. Mal eine Frage als ehemaliger Schüler:
    Finden Sie eigentlich auch, dass viele Schüler Probleme mit grammatikalischen Regeln haben, weil diese in Lehrbüchern unverständlich erklärt werden?
    Ich habe erst neulich, drei Jahre nach dem Abitur und mit Bachelor in der Tasche, festgestellt, dass man would wohl im „If-Satz“ einsetzten darf (bei Höflichkeitsanreden) und das auch so manche andere Regel eigentlich viel, viel einfacher wird, wenn man vorher schon die deutsche Grammatik dazu hatte. Bei uns war es teils der Fall, dass die Englischlehrer mit uns in der „Grammatik“ etwas machten, was wir gar nicht so ganz nachvollziehen konnten, weil die deutsche Erklärung derselbigen erst in der 6 und nicht in der 5. Klasse erfolgte.

    LG,

    nania

      • Wie Kejo111 schon sagte.
        Oder auch so etwas wie „I would be glad, if you would send me an answer“
        Braucht man plötzlich ganz häufig, wenn man mit – in meinem Fall – Verlagen in englischer Sprache kommunizieren muss.

    • Meine Schüler haben eher deshalb Probleme mit Grammatikregeln, weil sie auch nach ichweißnichtwievielen Jahren nicht wirklich wissen, was ein Adjektiv ist, was eine Präposition ist, was konjugieren bedeutet usw. usf. … etliche von ihnen verstehen nicht mal den Unterschied zwischen (Simple) Present, Past und Future, ganz zu schweigen von Perfektformen.

      • Das gibt es natürlich auch 😉
        Aber wenn der Englischlehrer in der fünften Klasse anfängt von Subjekt und Prädikat zu reden (und man das vorher noch nie gehört hat) oder Schüler eben noch bei den alten „Tu-Wörtern“ und „Wie-Wörtern“ und „Nomen“/“Namenwörter“ hängt (gab es bei uns in der fünften noch bei einigen Schülern!) dann helfen die besten Regeln nichts.

        Auch muss ich sagen, dass ich persönlich (aber das ist sicherlich Geschmacksache) nichts davon halte, gerade jüngeren Schülern gleichzeitig die Fachwörter für die deutsche Grammatik und für die englische beizubringen.

        Da lob ich mir den Lateinunterricht 😉 Wo ich auch das meiste für die dt. Grammatik mitgenommen hab.

  4. Für jeden Psychologen wären Sie heute das perfekte Beispiel gewesen, wie viel verschiedene Rollen ein Mensch in sich vereint! 😉

  5. Mittwoch war ich die Frustrierte, weil meine Englischklasse, die ich eigentlich voll lieb habe, sich dermaßen beschissen benommen hat, dass ich um halb eins den Unterricht abgebrochen habe. Das passiert nur sehr selten. Aber wenn in einer Klasse von 20 Schülern nicht zwei, drei Unruheherde brodeln, sondern neun bis zehn, ist Schicht im Schacht.

    Am Donnerstag war ich dann die Glückliche, weil die Klasse sich entschuldigt und gaaanz lieb mitgearbeitet hat.

    Good times, bad times, you know I’ve had my share …

  6. Ach, da könnte man doch als Lehrerin immer so weiter machen:
    – Die Strenge: „Nein, die Nacktschnecke bleibt draußen!“
    – Die Vergessliche: „Ach herrje, das wollte ich doch noch machen!“
    – Die Ausgelassene: „Jetzt pack ich euch!“
    -Die sich Verhalspelnde. „Am Dienstag ist doch auch schon
    Mittwoch…“

    Und so könnten wir doch lustig weitermachen.
    Ein schönes Wochenende, Frau Freitag !
    Und allen Mitlesenden natürlich auch!

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