Was soll Rigo sein?

Bedingungsloses Grundeinkommen. Stelle ich mal so in den Raum. Interessiert mich gerade. Interessiert mich leider noch nicht so doll, dass ich mich darüber im Internet schlau machen möchte. „The L word“ vierte Staffel fesselt mein Interesse leider z.Z. etwas mehr. Allerdings möchte ich gerne in der nächsten Philosophie Stunde – die ich jetzt immer halten darf, weil ich so eine tolle Lehrerin bin, der man jeden Scheiß in den Stundenplan drücken kann – also ich will das unterrichten. Studiert habe ich das ja nicht. Habe ich überhaupt studiert? Kann mich an nichts erinnern. Ronni zweifelte ja mal an, dass ich überhaupt ein Hochschulstudium habe. Egal.

Jedenfalls habe ich nicht das bedingungslose Grundeinkommen studiert, möchte das aber mit den Schülern besprechen. Ich würde gerne wissen, was sie dazu zu sagen haben. Wir behandeln ja gerade Gerechtigkeit und irgendwie kommen ihre Beispiele immer wieder auf Hartz4 und Schwarzarbeit. Die Texte in den Schulbüchern sind leider sehr langweilig. Da habe nicht mal ich Lust, die zu lesen. Und das sollte ich vielleicht doch, bevor wir die durchnehmen.

Da ist z.B. dieser Text wo der Sohn eine Party machen will und Geld bekommt, damit er Getränke kauft. Die Mutter sagt, dass er aber keinen Alkohol trinken soll. Er weiß aber, dass seine Freunde gerne Rigo trinken (Ich weiss nicht was das ist – wahrscheinlich Alkohol), er geht also einkaufen und kauft für jeden eine Flasche Rigo und dann kommt die Mutter und sieht das am nächsten Morgen – wahrscheinlich an den Flaschen und sagt: „Blah,blah, blah und du solltest doch nicht und überhaupt.“ Der Herr Sohn sagt, dass ER ja auch keinen Alkohol getrunken hätte, sondern seine Freunde. Voll Clinton: Ich hab ja nicht inhaliert…
Und über so einen Schwachsinn soll ich jetzt mit meinen Schülern diskutieren? Erstens dürfen die zu Hause gar keine Parties machen und dann weigere ich mich über diesen Schlauberger Jungen auch nur einen Gedanken zu verlieren, diese Wortklauberei – nicht zum aushalten…. nö.

Dann doch lieber das bedingungslose Grundeinkommen. Um dort hinzukommen habe ich die Schüler erstmal aufschreiben lassen, ob sie wissen, was Steuern sind und wer die Schulen bezahlt und wo das Geld für Hartz4 herkommt. Ich hoffe nicht alle Schüler denken, dass Frau Merkel das persönlich bezahlt.
Direkt vor meiner Nase sitzt Madlen, schreibt die Fragen, die ich diktiert habe auf und starrt dann in die Luft.
„Madlen, was meinst du denn, wo das Geld herkommt?“
„Keine Ahnung!“
„Wie, keine Ahnung? Denkst du, kurz vor Weihnachten regnet es 100 Euro Scheine vom Himmel, oder was?“ Sie zuckt mit den Schultern. Ihr Blatt bleibt leer (bis auf die Fragen und ihren Namen).

Madlen wird mir am Ende der nächsten Stunde genau sagen können, wofür wir alles Steuern zahlen müssen. Soviel steht schon mal fest. Dann will ich mit den Schülern mal wieder errechnen, wie viel Geld man zum Leben braucht und dann irgendwie abbiegen Richtung „Bedingungsloses Grundeinkommen.“ Falls jemand von euch Lehrer-Lesern sowas schon mal gemacht hat – für Anregungen wäre ich sehr dankbar. Und an alle: Wer mir die ganze Sache mal auf simpelste Art und Weise erklären kann oder Internet-Filmchen kennt… immer her damit – meine Lernbereitschaft und Aufnahmefähigkeit übersteigt die meiner Schüler nur äußerst minimal. Im Gegenzug berichte ich von den Stunden. Deal?

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Allgemein

51 Gedanken zu “Was soll Rigo sein?

    • gucke ich gerade – den film-der typ redet aber so langsam, als wäre ich bekloppt…am ende des films bin ich dann vielleicht bekloppt.

    • ja, der ist gut. aber vielleicht fühlt die achte klasse sich dann verarscht, dass ich mit ihnen kinder tv gucke…mal sehen, danke jedenfalls.

      • Hallo Frau Freitag

        Ich benutze regelmässig „Die Sendung mit der Maus“ in meinen Kursen mit Erwachsenen, das kam bisher immer sehr gut an. Einen Versuch würde ich an Ihrer Stelle wagen.

        Lieber Gruss

  1. Hey Frau Freitag, das ist ganz einfach. Jede Partei kommt an den Punkt, an dem sie mehr Wähler braucht. Deshalb werden dann intern Vorschläge in die Runde geworfen: „Mehr Wachstum für Zwerge“, „Nachtflugverbot für Pollen und Mücken“ oder „bedingungsloses Grundeinkommen“. Und da dieses BGE vermutlich die meisten Wähler bringt, legt man dazu ein Konzept auf den Tisch, welches seit über einhundert Jahren (!!!!!!!) in dem Einen oder Anderen Land gerne mal diskutiert, aber noch NIE erfolgreich umgesetzt wurde.

    Alles was Hartz IV bekommt freut sich (abzgl. Rundungstoleranz!), da nun endlich Urlaub ohne Briefe vom Amt anstünde. Einige weitere kurz über der Abnippelgrenze werden den Job hinschmeissen und fortan Tauben im Park füttern, als noch zu arbeiten, was übrigens vollkommen verständlich ist.

    Jeder, der allerdings das Glück hatte in der Schule in den Genuß gekommen zu sein den Zauber der Grundrechenarten zu erlernen, bildet sich daraus die eigene Textaufgabe: Mehr Leute bekommen mehr Geld vom Staat. Dadurch hat dieser noch weniger Geld, also mehr Schulden. Wer wird morgen für dieses Geld gemolken? Antworten: „a) ich“ oder „b) wir“ oder „c) zieh‘ nach Mallorca. Heute noch.“

    Das Konzept hat also einige Nachteile, die vermutlich eine Umsetzung nur dann ermöglichen, wenn gleichzeitig mit dem Wiederaufbau der Mauer begonnen wird, die aber das Westgebiet einfach mit umschliesst, damit keiner abhaut.

    Der Junge mit dem Rigo hat übrigens vollkommen korrekt gehandelt. Er hat keinen Alkohol getrunken und damit die Bedingungen erfüllt. Wenn ich mit dem Auto in die Werkstatt fahre und sage „Ölwechsel bitte“ dann meine ich damit nicht: „Zieht noch neue Reifen auf und lackiert die Delle von der Katze vorne links nach“.

    Dazu kann ich Friedemann Schulz von Thun empfehlen: „Miteinander reden“. Das ist viel spannendere Lektüre…

    • danke, für die ausführlich antwort. je mehr ich gerade darüber lese, für umso unfinanzierbarer halte ich das ganze. so richtig durchschaue ich das auch noch nicht, wer dafür bezahlen soll….

      • Ich habe das nie durchgerechnet und habe als alter Sack auch ein unangenehmes Gefühl dabei, aber: wir bezahlen so etwas letztlich schon in Form alles möglichen Stützen. Diese Stützen sind bei uns furchtbar bürokratiebehaftet, nicht sonderlich kompatibel mit menschenwürdiger Behandlung aber schaffen wenigstens Arbeit.

        Casus knacktus. Arbeit. Davon ist nämlich durch die Automatisierung der letzten Jahrzehnte weniger da. Aber diejenigen, die welche haben, die wollen die natürlich behalten. Oft sind Arbeitstätige im produzierenden Gewerbe unterwegs und manchmal im Servicebereich (und einige produzieren gar nix). Da aber im Inland die Nachfrage weit unter der Produktion liegt (und wegen diversifizierter Produkte natürlich), exportieren wir Deutschen recht viel. Das klappt. Noch. Wenn wir aber annehmen, dass die bösen und faulen Griechen und Italiener und WerWeissWendieBildBaldFindet auch mal sehr produktiv werden … sehen wir in Deutschland alt und arbeitslos aus. Ooooder wir geben einigen Leuten, nennen wir sie Konsumenten, einfach Gutscheine, nennen wir sie Geld, damit der Kreislauf von Gütern und Geld bestehenbleibt. Wir bezahlen also Leute für das Konsumieren, damit andere Leute (für mehr Lohn) Konsumgüter herstellen können.

        Ob der Staat an so einem Modell tatsächlich pleite geht oder ob die Automatisierung der Produktion nicht längst einen irgendwie mal zu verkonsumierenden Überschuss generiert überlassen wir als Fragestellung gern den Wirtschaftlern.

    • Ich würde behaupten sogar Siebtklässler sind in der Lage das Thema differenzierter zu diskutieren als so mancher Internetkommentator.

      • Ich bin krin Fan des BGE, kenne aber genug studierte Leute (Politikwissenschaftler und anderer Schnulli), die es durchaus für finanzierbar halten und (mein Hauptproblem damit) keine Inflation mit dem BGE kommen sehen. In einfachen Worten ist das Thema nicht. Selbst in langen komplizierten Worten, kommt man nicht zum Schluß. Rechnerisch wäre ein BGE günstiger als die momentanen Sozialleistungen (behauptet man), gearbeitet würde trotzdem aber nicht mehr bis zum Burnout (jeder, der schon mal Elternzeit oder länger als einen Monat Urlaub genommen hat, kann das nachvollziehen), wenn keiner mehr arbeiten MUSS, damit seine Familie was zu fressen hat, steigen die Mindestlöhne (damit es einer machen WILL) usw. Bin wie gesagt kein Fan, aber ganz so undifferenziert sollte man es nicht betrachten. Ein bedingungsloses Grundeinkommen schließt übrigens jegliche andere Sozialleistungen aus, spart dort Geld (auch in der Verwaltung), Krankenversicherung etc. muß – anders als bei Hartz IV (wollt ich grad hiv abkürzen o_o) – selbst getragen werden… Frau Freitag, suchen Sie sich ein anderes Thema 😉 darf ich richtig vs. falsch im Umgang mit urheberrechtlich geschützem Material im Internet vorschlagen, Frau Autorin?

      • und woran liegt das? Genau. „Siebtklässler“ sind eine Menge größer 1. Geht man davon aus, daß jeder eine Meinung hat, kann es überhaupt erst zu einer Diskussion kommen. Also war der Kommentar ein Kommentar und keine Diskussion.

        Darüber hinaus ist das meine Meinung zu dem Konzept, die ich mit vielen Leuten teile. Das Problem ist nicht die Finanzierung des Grundeinkommens, sondern die damit verbundenen, zum Teil gravierenden Folgen. Meiner freien Meinung nach sackt dadurch nämlich das Billiglohnsegment ab und wird komplett zerstört und das Hochlohnsegment abgeschwächt. Das führt vermutlich dazu, dass in den Niedriglohnsegmenten kaum noch Leute arbeiten wollen (würde ich auch nicht tun…) und dann Berufe wie z.B. die Heimpflege von Oma und Opa Aufgrund von Personalmangel eine Kostenexplosion erleben, die deren Kinder tragen müssten. Es ergäben sich so massive Verschiebungen deren Ausgang komplett ungewiß ist, dass es ein zu hohes Risiko für die Wirtschaft darstellen würde.

      • doch aber ich muss die erst noch alle lesen – die kommentare und das schaffe ich immer nicht. spätestens am wochenende – versprochen!

    • Oh, das ist schon finanzierbar, dafür müßte nur einiges am Steuersystem umgestellt werden. Dafür würde aber beispielsweise Kindergeld flachfallen, Sozialhilfe auch, ALV würde wesentlich billiger werden, die Renten würden neu geordnet… aber es geht. Da traut sich nur keiner dran, weil der Wegfall des Grundfreibetrages Herrn Ackermann ein Vielfaches dessen kosten würde, was ihm das auch ihm zustehende Grundeinkommen bringen würde. Nicht daß er das tatsächlich merken würde, so in der ARt „Mist, jetzt bleibt noch Monat am Ende des Geldes“, aber… dat is ja im Koppe, nech.

    • Mehr Leute bekommen Geld vom Staat, ja, vielleicht.
      Aber auch die Arbeitgeber muessen bessere Loehne zahlen, weil ihnen sonst die Sklaven den Mittelfinger zeigen.
      Das gibt wiederum hoehere Lohnsteuereinnahmen. Weil: Die Arbeit muss gemacht werden.

  2. Achtung, Zitat:

    Finanzierbarkeit

    35. Wie soll das Grundeinkommen finanziert werden? Ist es überhaupt finanzierbar?

    Zunächst: Es wäre eine Milchmädchenrechnung, einfach die Bevölkerungszahl mit einem bestimmten Geldbetrag zu multiplizieren, um dann beim Blick auf das Milliardenergebnis zu behaupten, ein Grundeinkommen sei nicht finanzierbar. Zu einem großen Teil ist das Grundeinkommen bereits heute finanziert.

    Zum einen werden Milliarden durch Einsparungen bei den steuerfinanzierten Sozialleistungen und Steuervergünstigungen frei, die durch das Grundeinkommen ersetzt werden. Die Mittel, die derzeit zum Beispiel für Grundsicherungen, Kindergeld und BAföG aufgewendet werden, stehen für die Finanzierung des Grundeinkommens zur Verfügung, weil das Grundeinkommen ihre Funktion übernimmt. Auch der Grundfreibetrag der Einkommensteuer (also die Steuerfreiheit des Existenzminimums) kann entfallen, wenn das Grundeinkommen das Existenzminimum garantiert. Diese Einsparungen reichen allerdings nicht, wenn das Grundeinkommen eine soziale Verbesserung bringen soll. Zusätzliche Steuern oder Abgaben müssen also zur Finanzierung erhoben werden. Dabei muss von Reich zu Arm umverteilt werden. Mittlere Einkommen sollen dagegen per Saldo (Steuern minus Grundeinkommen) keine zusätzlichen Lasten tragen.

    Zur Finanzierung des Grundeinkommens gibt es sehr unterschiedliche Vorschläge, von der Einkommensteuer auf der einen Seite bis hin zu einer alleinigen Mehrwertsteuer auf der anderen – mit allen Zwischenstufen und verschiedenen weiteren Steuerarten. Auf der Website des Netzwerks Grundeinkommen findet sich die vergleichende Darstellung von Transfermodellen (inklusive ihrer jeweiligen Finanzierung), die für sich beanspruchen, ein Grundeinkommen zu sein.

    Im Kern muss jedes Grundeinkommen aus der durch die Wirtschaft erbrachten Wertschöpfung und damit aus dem gesamten Volkseinkommen finanziert werden. Deshalb ist die entscheidende Frage zur Finanzierbarkeit die Frage nach den Folgen des Grundeinkommens für die Wertschöpfung, also für Anreize zur Erwerbsarbeit, zur Ausbildung und zum unternehmerischen Engagement (vgl. oben Fragen 4 bis 8). Bei einem ausreichend hohen Volkseinkommen ist auch die Finanzierung des Grundeinkommens gesichert. Dazu wird es zweifellos kommen, denn die Produktivität wird durch die höhere Motivation der Erwerbstätigen gesteigert, und durch das bessere Zusammenwirken von Erwerbsarbeit und anderen Tätigkeiten steigt der Wohlstand.

    Quelle: https://www.grundeinkommen.de/die-idee/fragen-und-antworten#5, eingesehen am 22. August 2012

    Ist doch ne spitzenmäßige Idee. Endlich weg vom drögen Hamsterlaufraddasein mit Finanzierungszwang, hin zu einer freieren Gesellschaft, in der man sich eben jener Arbeit zuwenden kann, die einem gefällt und nicht jener zuwenden muss, die einem das Überleben sichert. Ich finde das einen wirklich schönen Ansatz. Und lieber 4enno, dass Ansätze wie das BGE noch nicht umgesetzt wurden, liegt nicht zwangsläufig an ihrer Unsinnigkeit oder Unrealisierbarkeit, vielmehr oft an der herrschenden Klasse und deren Interessenlage. Was schade ist.

    Beste Grüße

    • habe ich gerade auch schon gelesen – so wie ich das verstehe – die mehrwertsteuer ist die einzige steuer – wie hoch soll die denn da sein. aber schön für jeden unternehmer, wenn arbeit dann so billig wird…oder verstehe ich das falsch?

      • Das wäre insofern aber ganz gut, als man dann auch mit Ideen einfacher ein Unternehmen gründen könnte. D. h. wer anderen sagen will, was gemacht wird, wird Chefin (oder Lehrerin), und wer seine Ruhe haben will, macht Haushalt und Gartenbau und Atommüllbeseitigung (?) ….höchst interessant… da die Angestellten dann souveräner mitreden werden und die Kinder bei der Lehrerin auch….Es wird jedenfalls noch viel mehr geredet werden.

    • Ich finde deine Argumentation klasse. Allerdings beißt sich diese, wenn man sie auf eine „ja/nein“ Ebene komprimiert. Du sagst: „Diese Einsparungen reichen allerdings nicht, wenn das Grundeinkommen eine soziale Verbesserung bringen soll.“. Es ist so: Viele Menschen bekommen ALG I, ALG II, Grundsicherung, Rente, BAFöG, Kindergeld und weiss der Teufel was noch. Dieses durch BGE frei werdende Geld wird dann quasi verteilt. Das Problem dabei könnte sein, dass die Summe des Geldes nicht reicht, zumal durch entfallende AV der ALG-I Beitrag fehlt.

      Jetzt nehmen wir mal an, dass die Finanzierung überhaupt kein Problem ist.

      Dann werden einige Leute den Job hinwerfen und gar nicht mehr arbeiten, weil sie Billiglöhner sind. Dadurch werden die Arbeiten nur für noch mehr Geld erledigt, was dem generellen Preisgefüge einen Auftrieb gibt.

      Sehen wir mal davon ab: Das hinwerfen des Jobs ist auch eine soziale Verbesserung. Man kann also plötzlich arbeiten was man möchte, obschon dies eine soziale Verbesserung wäre, die aber nach obiger Aussage nicht eintreten sollte? Verstehe ich nicht.

      Jetzt gibt es mehrere Strategien: Werden Arbeitskräfte teurer, werden schlaue Leute Arbeiter aus anderen Ländern heranziehen, diese teilweise etwas arbeiten lassen und nach Hause schicken, da es vermutlich günstiger ist, als Arbeiter aus dem eigenen Land zu nehmen (die haben ja keinen Bock mehr weil nicht genug Lohn). Eine andere Möglichkeit: Die Arbeiter im eigenen Land arbeiten jetzt für viel weniger Geld, denn sie haben ja ein Grundeinkommen. Ich kann also dem Maurer von Gegenüber für weniger anheuern, der arbeitet bei mir direkt und versteuert sein Geld natürlich brav. Natürlich nur, wenn er Bock hat.

      Das Problem ist, dass bisher nicht geklärt ist, welche Auswirkungen dieses BGE hätte. Es wird auch niemand vorhersagen können. Kein Experte, kein Hellseher, niemand. Es gibt zu viele Unwägbarkeiten. Die einzige Möglichkeit wäre: ausprobieren. Das Risiko: Die Wirtschaft des Landes könnte so extrem aus der Bahn geworfen werden, dass viele Firmen pleite gehen und sich erst „neu ordnen“ müssen, da der Bedarf an anderen Stellen entsteht. Wir werden mit dem Konzept weder untergehen noch zu Helden, sondern es wird irgendwo dazwischen liegen. Ich finde die Idee des Wandels nur… naja… unsinnig.

      Bei Software regen sich alle auf, wenn das Betriebssystem wieder versagt, weil die erste öffentliche Version einem Beta-Test ähnelt. Aber wie groß wird das Geschrei wohl sein, wenn im Winter NIEMAND mehr Schnee fegt, weil das Geld einfach zu wenig dafür war und keiner Lust auf diesen Job hat? Sicher, es gibt Leute die das gerne machen. Ich kenne nur keinen.

  3. Wir haben in Ethik den Gedanken des „Bedingungslosen Grundeinkommes“ über Stunden in Ethik in der Oberstufe ausdiskutiert. Wir sollte dabei selbst in Gruppen ein Konzept dafür entwickeln und eine Pro und Contra Argumentation für unser eigenes System ausarbeiten. Das ist schon ein paar Jahre her, dass ich das machen musste und ich erinnere mich nichtmehr an alles, aber ich weiß, dass das sehr interessant war und wir ganz zum Schluss garnichtmehr über das System an sich sondern über das ethische und moralische Für und Wieder dieses Einkommens diskutiert haben. Mir hat das damals sehr viel Freude bereitet.

  4. Grundeinkommen – DER FILM

    Ich hab ihn geguckt, bin normalerwise auch eher… informationsfaul. Fand ihn insgesamt gut und verständlich und hatte danach das Gefühl, etwas mehr Ahnung zu haben.

    • habe ich auch geguckt, aber jetzt erstmal pause gemacht…aber ich guck den noch zuende… danke jedenfalls. so viel scheint es ja doch nicht zu geben im internet, wenn wir alle das gleiche finden…

    • Der Film ist gut gemacht. Man merkt aber deutlich, dass die 90 Minuten nur voll geworden sind, weil der relativ einschläfernd reded. Das ist etwas Schade, weil ich und mein adhs es etwas schwer hatten, der Story uneingeschränkt aufmerksam zu folgen

  5. Um auf den Titel zurückzukommen:
    Rigo = Bacardi Rigo = sowas, was als „Alkopop“ bezeichnet wird. Also klebsüße Limo-Plörre plus ein paar Prozente 😉
    ..wurde aber wieder abgeschafft glaube ich. 🙂

  6. Die meisten Fans des BGE berechnen die Finanzierung auf Basis des aktuell verfügbaren Volkseinkommens. Dass sich das ändern könnte, wenn es ein BGE gibt, weil die Bereitschaft zu arbeiten sich dann ebenfalls ändert, wird eher selten berücksichtigt. Dabei dürfte genau dies die Motivation für die meisten Fans des BGE sein: nach dessen Einführung weniger oder gar nicht mehr arbeiten zu müssen. Diese fehlende Arbeitsleistung kann dann natürlich anschließend nicht mehr verteilt werden.
    In der Klasse könnte man dazu mal ein kleines Experiment machen. Angenommen, man kann durch Arbeit 10 Euro pro Stunde verdienen. Wie viele Stunden würden die Schüler dann jeweils pro Woche arbeiten wollen? Alle schreiben ihre Stundenzahlen auf und geben sie ab. Da kommt dann z.B. raus, dass 20 Schüler jeweils 40 Stunden pro Woche arbeiten wollen, also 400 Euro verdienen. Macht für alle zusammen 800 Stunden, entsprechend 8000 Euro.
    Als nächstes führt man ein BGE ein, z.B. 200 Euro pro Woche. Das muss natürlich finanziert werden. Wir brauchen also für alle 20 Schüler zusammen 4000 Euro. Jede Arbeitsstunde muss deswegen mit 5 Euro besteuert werden. Dafür hat ab sofort jeder 200 Euro ohne Arbeit in der Tasche. Für Arbeit darüber hinaus gibt’s dann noch 5 Euro pro Stunde auf die Hand, denn der Rest geht ja fürs BGE drauf. Wer weiterhin 40 Stunden pro Woche arbeitet, hat immer noch 400 Euro in der Tasche. Scheint sich also nichts geändert zu haben.
    Ich würde aber vermuten, dass die Stundenzahl mit BGE zurückgeht. 5 Euro ist ja auch ein ziemlich lausiger Stundenlohn, und 200 Euro hat man auch so. Vielleicht wollen die Schüler dann nur noch 30 Stunden pro Woche arbeiten. Alle zusammen also 600 Stunden, entsprechend 6000 Euro Bruttoeinkommen. Dann muss aber leider die Steuer zur Finanzierung des BGE erhöhr werden. Um allen weiterhin 200 Euro zu geben, fallen dann 6,67 Euro pro Arbeitsstunde an. Also, gleiches Spiel wie vorher: 200 Euro bar auf die Hand, aber je zusätzlicher Arbeitsstunde gibt’s nur noch 3,33 Euro. Ob die Schüler dafür noch 30 Stunden pro Woche arbeiten wollen?
    Ob das BGE stabil finanzierbar ist, sieht man also daran, ob am Ende noch genügend gearbeitet wird, um wenigstens die 200 Euro für jeden zusammenzukriegen.

  7. Es gibt einen guten Clip zum Bürgergeld (eine Art des bedingungslosen Grundeinkommens sehen), vielleicht ist der hilfreich? Zumindest nicht endlos lang und einfach erklärt:

  8. Vorweg: Ich bin seit einiger begeisterte Mitleserin. Als Dank für viele Stunden Lesestoff folgendes Angebot:

    Ich habe vor einigen Jahren eine Vorlesung zum Thema „Arbeit unser Leben“ besucht, daraus entstanden ist eine Hausarbeit zum bedingungslosen Grundeinkommen.

    Wenn Interesse bestehen sollte, würde ich Ihnen gerne diese Arbeit per mail zuschicken (ich bin Ingenieur, das ganze ist also relativ einfach zu lesen, nichts hochtrabendes oder so).

    Die Schlussfassung der Hausarbeit ist damals während meines Urlaubs in Wroclaw und Krakau entstanden – tagsüber sightseeing – nächtens tippen im Internetcafé mittenmang merkwürdiger Typen – unterstützt von einer lieben Freundin was das inhaltliche angeht und meiner unheimlich geduldigen Eltern, die sämtliche ue in üs umgewandelt haben und sich um die Formatierung gekümmert haben..

  9. @Enno4

    Es gab Zeiten, und gibt sie noch, da wurden z.B. Krankenversicherungen für unfinanzierbar und unmöglich gehalten.

    Arbeitslosen zu unterstellen, sie wären für das BGE um dann ungestört Dauerurlaub haben zu können, das empfinde ich nicht nur als Frechheit, sondern auch als Dummheit.

    Klar, mal ein längerer Urlaub, einfach mal alle Viere von sich strecken und sich um nichts kümmern zu müssen ist toll.
    Aber irgendwann fällt einem doch die Bude auf den Kopf, irgendwann fehlen doch die Sozialkontakte die mit der Arbeit kommen, irgendwann will man sich dann dochmal was leisten, was von Hartz4 oder BGE so nicht bezahlbar wäre.

    Mal pauschalisiert: Wer heute arbeitslos würde, sagt das er sich so schnell wie möglich wieder Arbeit suchen will. Weil immer so zu Hause…
    Auf der anderen Seite trauen die wenigsten ihren Mitmenschen zu, die gleiche Einstellung zur Arbeit zu haben wie sie.

  10. Rigo? Das kennst du nicht? Das war das In-Getränk so 2004/2005, also in meiner Partyzeit! Das ist so ein super böser, aber total leckerer Alkopop. Leider haben sie irgendwann die Rezeptur geändert, so dass das Zeug dann ungenießbar wurde. Jetzt habe ich das auch schon lange nicht mehr gesehen…
    Aber dann ist Frau Freitag wohl doch eher fleißige Super-Lehrerin und weniger Partyluder 😉 (Und wir wissen, wann da Ethik-Buch gebastelt wurde.)

  11. Hallo Frau Freitag,
    ich kann zwar nicht mit Videos/Websites dienen, möchte aber anregen, folgende Frage zu diskutieren:

    Wer macht dann die ungeliebten Arbeiten (z. B. Müll fahren, Putzen gehen, im Schlachthof arbeiten)?

    Alles Gute für Ihren Unterricht.

    Ulrike

    • Die werden dann eben höher entlohnt als jetzt, denn Grundeinkommen heißt ja nicht, dass Geld gar keinen Wert mehr hat. Darauf dürften Schüler schnell kommen, dass man immer mehr haben will, als man für Nichtstun bis X bereits bekommt.

      Ansonsten? Naja, ansonsten gibt es eben kein Fleisch. die Wohnung bleibt schmutzig (Gott bewahre, dass man selber putze), die Schule wird zum Subbotnik von Eltern durchgewischt und den Müll vergraben wir im Garten bis uns was besseres einfällt 😉

    • Einfacher marktwirtschaftlicher Mechanismus: „Angebot und Nachfrage“

      Also diejenigen, welche für den angebotenen Lohn bereit sind, diese Arbeit zu machen. Der Unternehmer muss also den Lohn so weit erhöhen, bis es jemandem lukrativ erscheint.

      Das BGE soll ja nicht jederman zu überbordendem Wohlstand verhelfen, sondern, wie derzeit ALGII, die Grundbedürfnisse befriedigen.

      Wenn es dann allerdings Fleisch nicht mehr für 2,50 gibt und die Mülltonnenleerung 20 Euro kostet, müsste im Gegenzug wiederum das BGE steigen und es müssten Regularien gegen billige Fleischimporte und Müllverklappung im Wald gefunden werden.
      Etc. pp.

      So interessant BGE auch für mich klingt, ganz so einfach wäre es wohl nicht. Vielleicht sollte man erst mal im Kleinen mit ähnlichen Vorhaben üben, z.B. fahrscheinloser Nahverkehr. Die GEZ übernimmt ja bei solchen Solidarmodellen ab nächstem Jahr eine Vorreiterrolle 😉

    • Relativ simpel: Die Löhne für diese Arbeiten müßten massiv steigen … und damit auch die Abgaben, die wir alle zahlen müßten. Am schlechtesten bezahlt würden wahrscheinlich ruhige Bürojobs in der Verwaltung und ganz interessant wäre wie es sich bei Jobs wie Ingenieuren oder Informatikern entwickelt. Wer würde sich noch durch so ein Studium durchbeißen? Man hat’s als Studi dann ja auch nicht mehr wirklich eilig. Und wie viele Hobby-Studenten würden sich einschreiben? Gäbe es höhere Studiengebühren? Das kann man beliebig weiterdenken.

    • Es gibt Leute, die das gern tun – und vielleicht werden solche Arbeiten dann auch mal besser bezahlt. Auch so ungeliebte Arbeiten wie die der Krankenschwester oder der Polizistin.

    • Ich hab in den Semesterferien geputzt.
      Ich hatte zwar genug zum Ueberleben, aber fuer einen neuen Computer, neue Klamotten, Kino, etc. hat das Geld halt doch nicht gereicht.

  12. Wichtig ist die Erkenntnis, daß es nicht DAS bedingungslose Grundeinkommen gibt, sondern viele verschiedene Modelle, die ganz unterschiedliche Prämissen und (politisch motivierte) Effekte wie Umverteilung von oben nach unten oder gar Entlastung der oberen Einkommensgruppen haben.

    Interessant beim Vergleich der Modelle sind dann immer die Passagen wie sie z.B. Jule zitiert:

    „Bei einem ausreichend hohen Volkseinkommen ist auch die Finanzierung des Grundeinkommens gesichert. Dazu wird es zweifellos kommen, denn die Produktivität wird durch die höhere Motivation der Erwerbstätigen gesteigert, und durch das bessere Zusammenwirken von Erwerbsarbeit und anderen Tätigkeiten steigt der Wohlstand.“

    Eine Formulierung wie „dazu wird es zweifellos kommen“ klingt schon danach, daß der Autor die Zukunft und die Reaktion seiner Mitmenschen vorhersagen kann. Respekt!

    Auffällig bei der Übersicht unter

    https://www.grundeinkommen.de/content/uploads/2012/06/12-06-modelle-tabelle.pdf

    ist auch, daß in der Spalte „Finanzbedarf“ die häufigste Antwort „keine Angaben“ ist. Das klingt für mich nicht danach, daß die Verfechter der Modelle genau wissen, worüber sie reden.

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob das BGE im Themenkomplex Gerechtigkeit richtig aufgehoben ist, da die unterschiedlichen Modelle sicherlich von unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen als „gerecht“ angesehen werden. Hier könnte man höchstens die Erkenntnis gewinnen, daß unterschiedliche Interessenlagen unterschiedliche Sichten auf die Welt nach sich ziehen, aber das ist ja auch bei den oben angeführten Beispielen HartzIV und Schwarzarbeit der Fall. Dafür braucht’s kein BGE.

    Bin trotzdem gespannt, was in den Stunden zu dem Thema rauskommt!

  13. BGE habe ich noch nie mit Schülern durchgenommen, aber über die Hartz IV Regelbedarfe spreche ich mit jeder Klasse. Regelbedarf in die einzelnen Positionen zerlegen, die Schüler fragen, was sie (z. B. für Essen/Trinken) pro Monat für ausreichend halten, die tatsächlichen Zahlen dem gegenüberstellen.

    Das sorgt zuverlässig für lebhafte Diskussionen und die Einsicht, dass „Hartz IV“ gar kein anstrebenswerter Berufswunsch sein kann – wer will denn ernsthaft freiwillig auf diesem Niveau leben?

    Außerdem eignet sich das Thema hervorragend für Excel-Einführungen.

  14. Rigo ist so ´ne Bacardi-Plörre und das BGE die aufgewärmte 80er Jahre-Forderung nach Arbeitslosigkeit bei vollem Lohnausgleich.^^
    Und wenn du dann noch aufhörst zu konsumieren, umgehste die erhöhte Mwst. und dir bleibt davon etwas.
    Arbeiten fällt nur noch bei spassigen Arbeiten wie z.B. Piratenabgeordneter an.

    • Liebe/r ViaE,
      es ist schön für Sie, dass Sie offenbar noch nie arbeitslos waren. Da Sie so etwas folglich nicht wissen können, erkläre ich Ihnen gerne, dass einem Arbeitslosen oft nicht der Sinn nach Untätigkeit steht, dass es belastend ist, wenn man nicht gebraucht und auch nicht mehr gefragt wird. Ich denke, nahezu jeder Mensch strebt danach, etwas zu schaffen, ob nun aus sich selbst heraus oder nach Anweisung bleibt mit dem BGE jedem selbst überlassen.

    • Moment mal! Das ist unfair!!! Abgeordnete sind doch Bedienstete und in so einem Dienstvertrag steht nix von „Arbeit“. Bei verbeamteten Lehrern übrigens auch nicht 😉

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