Handywecker die nicht wecken…

So, damit mein Leben nicht völlig langweilig wird, habe ich mir heute morgen ein wenig Action geschaffen. Wer’s braucht – das geht so:

Man stelle den Handywecker für den nächsten Morgen auf Wecken für die erste Stunde ein und läßt ihn dann aber neben der Couch liegen. Dann morgens um sieben Uhr aufwachen. Viel zu spät! Also einen Senkrechtstart hinlegen: unter Flüchen ins Badezimmer – duschen, mit Haarwaschen und föhnen. Kaffee machen – obwohl eigentlich schon klar ist, dass ich den gar nicht mehr trinken kann. Der Freund wacht auf, weil ich laut durch die Wohnung schreie: „SCHEISSE, SCHEISSE!!!! ICH KOMME ZU SPÄT! ICH KANN NICHT MEHR FRÜHSTÜCKEN! ICH HABE TOTAL LANGE SCHULE HEUTE, DAS HALTE ICH NICHT DURCH!!! MIST!!! VERDAMMTE KACKE!!!usw.“ Der arme Freund weiß gar nicht wie ihm geschieht. Ich brauche einen Schuldigen, also ist er schuld, dass ich mein Handy nicht mit ins Schafzimmer genommen habe. Er schleicht beruhigend um mich herum – nützt aber auch nichts.“ Ohne Frühstück, ohne Kaffee, ohne die erste Zigarette, stürze ich mich nach draußen in den Tag. Scheißendreck. Aber ich komme pünktlich. Immerhin. Etwas verquollen, aber on time.

Dann hatte ich eine entspannte Stunde mit Teilen meiner Klasse, die anderen waren in anderem Unterricht oder noch im Bett. Für manche hat das neue Schuljahr irgendwie noch nicht richtig begonnen.
Jedenfalls ist es ganz gemütlich und Hamid sitzt vor meiner Nase, versucht Vokabeln zu lernen, will aber eigentlich nur quatschen. Plötzlich stehen zwei Mädchen in der Tür: „Frau Freitag, können wir den Schlüssel zum Klo haben?“
Ich nicke und halte ihnen den Schlüssel hin.
Hamid darauf: „Geben Sie nicht. Das sind Polen, die klauen immer.“
Ich pädagogisch wertvoll: „Hamid, sowas sagt man nicht, das ist doch ein ganz dummes Vorurteil.“ und dann noch – etwas weniger wertvoll: „Ich sage ja auch nicht, dass alle Türken nach Knoblauch stinken. Oder willst du das?“
Er dann: „Dann sage ich, dass alle Deutschen Kartoffeln sind.“
Ich halte ihm meinen Arm hin: „Ach, ich bin eine Kartoffel? Hier, dann beiß rein!“Hamid guckt auf meinen Arm, zögert aber.
„Hamid, was bin ich denn für eine Kartoffel? Pommes oder Kartoffelpüree?“
Jetzt grinst er und sagt: „Süßkartoffel.“

Und spätestens da war meine schlechte Laune vom zu späten Aufstehen verflogen. Mit einem Dauergrinsen setzte ich den Tag fort und alles lief super. Süßkartoffel, hihihihi.

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Allgemein

24 Gedanken zu “Handywecker die nicht wecken…

  1. Ach jaaaa….und ich dachte noch heute morgen, als ich um halb acht völlig verpennt in die Schule strampelte: “ Die fleißige FrFr ist jetzt schon in der Schule und macht bereits hochqualifizierten Unterricht! Tzzzzz!“

  2. Ohje….Ohne Kaffee und ohne Zigarette (!) ist das aber wirklich böse. Ich komme dann normalerweise garnicht mehr aus dem Quark.

    • Toll Jürgen! Die mechanischen wecker ticken doch so blöd laut ….und bei denen ist manchmal irgendwie unvernünftig zufällig die batterie alle

      • Hmm.. Lehrer müssen ja ungeheuerlich schlecht bezahlt werden, wenn nicht mal 8 Euro für einen elektronischen Wecker mit Stromkabel drin sind.

  3. Süßkartoffel, wie unwiderstehlich! Hamid hat eindeutig Qualitäten als Womanizer. Ich hatte heute übrigens einen sehr leckeren afrikanischen Eintopf mit Kichererbsen, Wurzelgemüse und Süßkartoffel. hmmmm, auch unwiderstehlich!

  4. Man sie sind echt eine Bestsellerbombe!Platz 2 und 3! Nur dieses Lehrerkind ist auf Platz1 und jetzt plant der natürlich eine vorsetung…der aaarme aaarme junge musste nämlich zu den klassenfahrten mit!…noch 2 Monate und ein paar zwerquetsche dann jacht das frollein den bestimmt aber vom Podest…

  5. Miss Freitag –

    Sie „Süßkartoffel“ –
    das ist wohl wirklich ein KOMPLIMENT – womöglich echt von berufener Seite spontan formuliert. So mitten aus dem gefühligen Leben der Mitte des Lebens in der Schule gesagt, so à la als Stellungnahme nachrückender „sachverständiger junger wissender Generationsvertreter“… Sie können wohl nichts dagen tun.
    Dennoch eher schön.
    Beste Grüße !

  6. …ich war heute ganz unpädagogisch. habe zu einem nervigen, plappernden Kind gesagt `es möge die Klappe halten´. darf man das als Lehrer? daraufhin wurde es zornig und ich habe es bereut, da meine Laune nur noch schlechter wurde. …da hätte mich nur noch eine Süßkartoffel retten können.

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