Zucker, Cola und Red Bull

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So, jetzt bin ich wieder da. Die Reinkubationszeit nach so einer Klassenfahrt dauert echt lange. Ich sag’ euch – so eine Klassenfahrt mit einer Siebten ist nur was für die ganz Harten. Und das liegt nicht mal so sehr an den Schülern, sondern an mir. Ich hätte mich ja auch mal ein wenig rausziehen können aus dem ganzen Trubel. Mal aufs Bett legen und eine halbe Stunde schlafen, oder mal abends meinen Blog schreiben… den Laptop hatte ich dabei, aber nie aufgemacht. Ich bin einfach zu neugierig. Ich wollte einfach nichts verpassen. Und nachts musste ich dann alles noch mal mit der Erzieherin durchquatschen und analysieren.
“Echt, das hat der gesagt?”
“Hast du gehört, was Rosa über Vincent erzählt hat?”
“Alinas Pickel wird ja megagroß.” usw.

Kurz gesagt: Am Meisten gestresst war ich mal wieder von mir selbst. Die Schüler waren eigentlich recht gechillt. Noch bis Pfingstsonntag war das Mantra meines Freundes: “Komm’ mal runter! Du musst dich mal entspannen!”

Eigentlich wollte ich ja jeden Tag berichten. Tja, was mache ich jetzt? Es sind ja so viele lustige Sachen passiert auf der Fahrt… vielleicht fange ich einfach mal mit Montag an.

Wer kommt als Letztes zum verabredeten Treffpunkt? Frau Freitag. Alle Schüler sind schon da und auch viele Eltern. Durch meine Verspätung habe ich leider auch versäumt, wie Alina mit Hamids Mutter gesprochen hat. Die Erzieherin hat die beiden vorgestellt und sie haben sich mal so von Frau zu Frau über Hamid unterhalten. Wäre das also auch erledigt. Dann ging es los. Anfahrt – unspektakulär. Dann der Bezug der Zimmer.

“Das Bett ist zu hoch. Ich schlafe immer auf dem Boden. Ich kann nicht auf so ein Bett schlafen.” Orkan hat ja viele Geschwister und wahrscheinlich haben die tausend Matratzen übereinander gestapelt, die dann immer nachts auf dem Boden verteilt werden. Nachmittags dachte ich noch, dass er sich an so ein Bett gewöhnen würde. Nachts haben wir dann seine Matratze auf den Boden gelegt. Onur war das Bett zu niedrig und überhaupt sahen die Zimmer gar nicht aus, wie ihre Kinderzimmer.

Die erste Nacht – grauenhaft!
Die Schüler sollen um 9.30Uhr auf den Zimmern sein und um 10 Uhr sollte Ruhe herrschen. Aber wie soll Ruhe einkehren, wenn man sich den ganzen Tag ausschließlich von Süßigkeiten, Energydrinks und Cola ernährt hat? Meine Klasse – aufgeputscht wie die Loveparade. “Ich kann nicht schlafen.” “Ich bin nicht müde!” “Frau Freitag, kommen Sie schnell, hier ist eine Riesenspinne an meinem Bett.” Ich rannte mit der Erzieherin von Zimmer zu Zimmer – Schnaken fangen und Spinnen finden. Meine Schüler sind keine Helden. Angst vor Schnaken haben die. Soviel Angst, dass sie fünf Tage nicht die Fenster öffneten. Meine Angst, sie könnten nachts nach draußen und in die anderen Zimmer steigen war völlig unbegründet.

In der ersten Nacht wurde so lange rumgehext, dass ich am nächsten Tag ein Cola-Trink-Verbot aussprach. Ab da wurde es dann richtig lustig. Zwölfjährige auf Zuckerentzug – fast so schlimm wie auf Red Bull.

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21 Antworten to “Zucker, Cola und Red Bull”

  1. anna Says:

    Tss Frau Freitag, so taktisch unkluges Vorgehen hätte ich Ihnen aber nicht zugetraut. Alte Jungschar-/Pfadfinder-/whatever-Regel: In der ersten Nacht einer Freizeit werden die Teilnehmer müde gemacht. Diskussionen über “viel zu frühe Nachtruhe” geht man durch ein lässig hingeworfenes “vor zwei Uhr geht hier keiner schlafen” elegant aus dem Weg. Und dann gibt es Fussball, Geländespiele, Nachtwanderung und ähnliches, bis sich jeder nach seinem Bett sehnt. Die Leiter können sich gegebenenfalls zwischendurch unauffällig erholen, aber der Schlafbedarf von Pubertisten ist zum Glück relativ hoch. Die restlichen Tage gilt es dann nur noch, die lieben Kinderlein durch frühes Wecken und sportliche Aktivitäten in einem pflegeleichten Erschöpfungszustand zu halten, schon steht einer erholten Heimkehr der Leiter nichts mehr im Wege.

  2. Wild Flower Says:

    “… und überhaupt sahen die Zimmer gar nicht aus wie ihre Kinderzimmer.”

    Waren diese Kinder noch nie bei anderen Kindern, Onkeln, Tanten, Bekannten zu Besuch? +verwundert+

    • Kejo111 Says:

      Wenn du wüsstest, Wild Flower wie furchtbar eng der Erfahrungshorizont “dieser Kinder” ist …

      Liebe fraufreitag, ich kann sehr gut nachvollziehen, dass du nach der Klassenfahrt ziemlich fix und fertig bist. Ich finde, nach einer solchen Unternehmung hätte man als Lehrer eine Woche Sonderurlaub verdient – *brauchen* täte man das jedenfalls.

      Aber immerhin scheint es ja ganz gut gelaufen zu sein – oder habt ihr etwa irgendeinen Schüler vorzeitig nach Hause schicken müssen? Ich hoffe nicht!

  3. Ich eben wer sonst Says:

    Oh ja, in der 6. war das damals bei uns. Cola-Verbot nach der ersten Nacht, weil keiner geschlafen hat. Die anderen wegen Cola und ich wegen Lärm!

  4. Mich Says:

    Das Video ist super.

    Aber ich muss bemängeln Reinkubation kenne ich nicht, nur Rekonvaleszenz.

  5. GG Says:

    Ich bin ja gespannt, wie sich Alinas Gespräch mit Mama Hamid auswirkt. Das muss ja für die Dame oberpeinlich gewesen sein.

  6. Daniel S. Says:

    danke frau freitag, das ist ja mal interessant, auf was habe ich mich da wohl eingelassen … in 3 wochen darf ich eine 8. klasse auf die alp begleiten, die haben da projektwoche. auf die alp heisst etwa 2,5 std. fussmarsch, voll steil aufwärts … ich rechne schon mal mit einer stunde zusätzlich bis wir alle oben haben. am nächsten morgen darf ich mich wieder verabschieden, ablösung kommt hoch. die lehrerin und ein lehrer bleiben dann eine woche mit den schülern auf der alp oben … wenn es so richtig alpmässig wird, hats nicht mal warmwasser. da hat die hübsche frau lehrerin wohl eine anstrengende woche vor sich ;-)

  7. Nele Abels Says:

    Sagte ich schon, dass ich die Erwachsenenbildung liebe? Ob sie nun wegen Drogenvergehen verhaftet oder nach nächtlichen Eskapaden schwanger werden – alles nicht mein Problem. :D

    • kaeks Says:

      Ich gehöre auch zu den Schülern der “Erwachsenen”bildung! Irgendwie gehört da doch mehr Erziehung zu, als man sich vorstellen mag ;)
      Und die Probleme der Schüler sind nicht allen egal. Aber weitaus anständiger zu lösen und ohne Verpflichtungen ;)

      • Nele Abels Says:

        Ich gehöre nicht zu den Schülern der Erwachsenenbildung, sondern ich unterrichte da. :)

        Natürlich ist die Arbeit (erwachsenen)pädagogisch ziemlich komplex, da bei uns oft die Leute ihren Abschluss machen, die im regulären Schulbetrieb nach unten und dann nach draußen durchgereicht worden sind. Und Leute, die z.T. mit sehr gebrochenen Lebensläufen, mit Drogenproblemen oder psychischen Schwierigkeiten zu kämpfen haben; Knackis auf Freigang hatte ich auch schon ab und zu etc. pp. Die sind mir alle ganz und gar nicht egal – dafür, dass die jetzt die Kurve kriegen, bin ich auch bereit längere Wege zu gehen.

        Aber worauf ich überhaupt keinen Bock habe, ist, nachts auf irgendeinem Jugendherbergsflur Wache zu schieben, damit sich pubertierende Achtklässler nicht gegenseitig begatten, oder nervige Elterngespräche zu führen, weil sich irgendein Schüler mit Wodka abgeschossen hat. Und dann bin ich für die Erwachsenenbildung zutiefst dankbar. :)

  8. Nadine Says:

    Ich muss Anna zustimmen. Man muss sie müde machen. Da gibt es verschiedene Taktiken dafür.

  9. me Says:

    Frau Freitag, meinst Du wirklich “Reinkubationszeit”? Oder nicht eher “Rekonvaleszenzzeit”? Wenn nein, würde ich gerne wissen, was “Reinkubation” ist, das Wort kenne ich nämlich noch nicht. :)

  10. Cora Says:

    Willkommen zurück, Frau Freitag! Schön wieder von Ihnen zu lesen!

  11. kaeks Says:

    haha! Das hatte ich auch in der achten Klasse. Voll auf Red Bull und Cola und dann haben wir ein Coffein Verbot bekommen ;) Irgendwie kann ich das heute wesentlich mehr nachvollziehen als früher!

  12. OP-Tisch-Pilotin Says:

    tja – da hättest du ja mit mir eine riesen Freude – ich hasse alles, was fliegt, krabbelt und lange, dünne beine hat. Ich wäre schreiend aus dem Zimmer gerannt, wäre mir so was entgegengeflogen. Bevor das Teil draußen wäre, würde ich da niemals rein, ich würde auch mit meiner Matratze auf dem Boden schlafen! :D

  13. Schokomuffin Says:

    Hihi:)
    War letztens mit meiner klasse(8.klasse/bin noch Schülerin)in der jugendherberge und die lehrer haben auch versucht uns Platt zumachen:)
    Na ja haben trotzdem alle als die Lehrer geschlafen haben ,Flaschendrehen gespielt;)
    Natürlich mit Cola ,Chips und red Bull..

  14. genoland Says:

    boykottiere ich die “füllmittel-mafia” fast alleine ???
    http://genoland.wordpress.com/2012/05/18/boykottiere-ich-fast-alleine/

  15. Stephan Says:

    “Klassenfahrten” sind doch immer ein Erlebnis, aber das es ein verordneten Zuckerentzug für die Jugend gab, das muss doch nach hinten los gehen, oder?! Aber ich hoffe alle haben die Fahrt gut überlebt und sind gesund und munter wieder eingetroffen!

  16. sofieseesstars Says:

    ohje das hört sich ja sehr stressig an, erinnert mich aber ein wenig an meine eigene Schullandheimfahrt in der siebten klasse :) Probleme mit den Betten hatte keiner, aber Heimweh, Probleme mit dem Essen, Cliquenprobleme und Beziehungsstreits/Liebeskummer (ja sowas gab es bei uns damals schon) standen an der Tagesordnung. Im Nachhinein frage ich mich wirklich, wie die Lehrer das ausgehalten haben…

  17. Eva Says:

    Hehe,
    alles was mit Zucker zu tun hat ist schon echt böse bvei den Kleine :D kenne das nur zu gut :D Daher gibt es strikte Einteilungen bei uns, was sich natürlich auf so einer Kalssenfahrt nicht durchsetzen lässt :) entweder ganz oider gar nicht ;)

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