Wie es Euch gefällt!

„Frau Freitag, wie weit ist das denn noch? Meine Füße! Ich kann nicht mehr!“
„Alina, nun hör mal auf zu jammern. Wir sind gleich da. HAAAAMIDDDD!!! Laß den Radfahrer durch!!!“
„Aber er fährt mich voll um, dieser Hurensohn!“
„Der darf da fahren, das ist ein RADWEG!“

Meine Klasse trottet müde hinter mir her. Endlich sind wir da.
Noch schnell ein paar Instruktionen: „Okay ihr Lieben, aufgepaßt! Wir gehen jetzt da rein. Ich möchte, dass ihr euch gut benehmt! Nichts anfassen, keine blöden Bemerkungen! Bitte! Das ist mir echt sehr wichtig.“

„Aber Frau Freitag, was sollen wir denn bei Drospa? Warum sind wir so weit gefahren? Bei Schule ist doch DM, da hätten wir doch auch hingehen können. Sagen sie doch endlich!“
Ich sage nichts, sondern betrete die Drogerie und gehe direkt an die Kasse.

„Entschuldigung, kann ich bitte mit dem Abteilungsleiter oder der Abteilungsleiterin sprechen?“
Die Verkäuferin mustert mich, dann die Schüler und spricht dann in ihr kleines Mirkophone neben der Kasse: „Herr Rossmann bitte zu an die 313.“
Dann dreht sie sich zu mir: „Momentchen noch, er kommt gleich.“

„Okay Kinder, jetzt geht es los! Stellt euch bitte alle so hin, dass ihr was sehen könnt. Und hört genau zu! Falls ihr Fragen habt, oder etwas nicht versteht, dann wartet, bis wir wieder draußen sind.“
„Frau Freitag, schreiben wir da einen Test drüber?“
„Gar keine schlechte Idee, Taifun.“
„Spast!“ pflaumt Hamid Taifun an und von Vincet fängt er sich noch einen leichten Nackenklatscher.
„Jungs!!! Schluss!!!“ Mehr kann ich nicht sagen, denn plötzlich steht ein kleiner rundlicher Mann in einem weißen Kittel vor mir.

„Rossmann, guten Tag. Ich bin hier der Abteilungsleiter. Was kann ich für Sie tun?“, fragt er und hält mir seine Hand hin. Die nehme und schüttele ich: „Freitag mein Name. Ich bin Lehrerin und das ist meine Klasse.“
„Hallo“, sagt Herr Rossmann etwas irritiert und guckt auf die Kinder.
„Guuuuten Tag, Herrrr Roooosss-maaaann.“ skandieren meine Schüler im Chor.

„Also Herr Rossmann, es geht um Folgendes: Ich war vor ein paar Wochen hier und hatte das erste mal in diesem Jahr meine Sandalen an. Ich wohne hier gleich um die Ecke. Aber die paar hundert Meter haben schon gereicht, dass ich zwei richtig dolle Blasen an den Füßen bekommen habe.“

Jetzt mischt sich die Verkäuferin, die die ganze Zeit aufmerksam zugehört und dabei meine Klasse nicht aus den Augen gelassen hat: „Achh, das kenne ich! Man vergißt das ja immer. Das ist sooooo gemein. Die gehen ja dann immer gleich auf und das…“ Ein kurzer Blick von Herrn Rossmann läßt sie schnell wieder verstummen.

„Ja… also, ich hatte also diese fetten Blasen, oben auf den Füßen. Auf beiden Füßen! Und plötzlich sehe ich Ihren Laden. Ich kaufe ja immer hier.“ Herr Rossmann lächelt zufrieden.
„Ja, dachte ich, Drospa – meine Rettung! Und dann war ich hinten in der Fußabteilung. Sie haben da ja diese Pflaster.“

„Die Gelpads sind viel besser!“ bemerkt die Verkäuferin.
„Ja, das dachte ich mir auch. Die Gelpads…aber ich finde die sind ziemlich teuer. Da sind ja nur sechs Stück drinn und die kosten trotzdem fünf Euro.“
„Ja, da haben Sie recht, preiswert sind die nicht“, sagt Herr Rossmann.
„Naja, lange Rede kurzer Sinn – ich habe mir diese zwei Gelpads hier genommen.“ Ich halte Herrn Rossman die beiden durchsichtigen Glibberteile unter die Nase. Sie sind etwas schmutzig.

„Und jetzt wollte ich fragen, ob Sie die zurückhaben wollen, oder ob ich die noch bezahlen kann, oder ob ich die ganzen Packung kaufen soll.“
Ich warte. Herr Rossmann denkt nach. Guckt mich an. Dann meine Klasse. Die Mädchen lächeln ihn an. Ich hole den fünf Euroschein aus meiner Hosentasche, den ich mir morgens schon bereitgelegt habe und halte ihn dem Abteilungsleiter hin.
„Jaaaa. Herr Rossmann nehmen Sie!“ sagt Rosa und grinst fast einen Kreis.

„Ja, nun Frau Freitag, also, okay, dann – äh, Frau Schlecker, gehen Sie doch mal nach hinten und gucken Sie, ob die Packung Gelpads noch dort ist.“ Herr Rossmann nimmt das Geld. Frau Schlecker kommt strahlend mit der Packung, reicht sie mir und flüstert: „Die sind echt gut!“

Wir verabschieden uns und verlassen den Laden. Draußen frage ich die Kinder:
„So. Was habt ihr gelernt?“
„Die Gelpads sind gut.“
„Aber teuer.“
„Ja ja, was noch?“
Rosa meldet sich.
„Ja, Rosa?“
„Mann sollte immer gleich bezahlen, nicht später.“
„Ganz genau“, sage ich zufrieden. Und gebe das Zeichen zum Aufbruch.

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Allgemein

15 Gedanken zu “Wie es Euch gefällt!

  1. So isses brav, Frau Freitag! Und jetzt hören SIE, werte Kollegin, bitte mal weg!

    Liebe Leser dieses Blogs: Glaubt ihr wirklich, diese Frau würde was klauen? Das ist doch alles reine Erfindung hier. Frau Freitag ist der größte Angsthase östlich der Weser, die traut sich nicht mal ein Eckchen Käse von dem Werbe-Teller auf der Käsetheke zu nehmen. (O-Ton: „Neeee – das darf man nicht, ohne zu fragen!“)
    So eine ist das und hier im Blog haut sie schwer auf die Kacke. Naja. Wollt ich nur mal sagen.

  2. Sie sind wirklich ganz, ganz entzückend wunderbar, Frau Freitag! Hoffentlich haben Sie die „bösen“ Kommentare nicht gestresst!!! Ich hätte mir ein wenig mehr Humor auf Seiten der Leser gewünscht. Aber Kompliment! Toll gelöst! 🙂

  3. 🙂 Der Hammer – Frau Freitag, sie sind … unglaublich. Da kann ich ja dann alle meine geäußerten Bedenken beruhigt wieder in die unterste Schublade zurückstecken. Sie dürfen ab heute das Abzeichen „Pädagogisch wertvoll“ tragen. Herzlichen Glückwunsch.

  4. Für alle, die Geld sparen wollen ohne zu stehlen:

    Ein Discounter hat Gelpads etc. nächste Woche im Angebot, so als Sommerangebot.

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