Girls, girls, girls

„Wollen Sie noch Kaffee dazu?“
„Ja gerne, danke.“
Herr Werner kommt mit seiner Tasse und seinem Stück Käsekuchen zu mir an den Tisch. „Sind das deine?“, fragt er und nickt dabei kurz mit dem Kopf in Richtung Tresen.
„Ja. das sind meine Mädchen.“ Stolz breitet sich in mir aus. Ja, diese freundlichen, hübschen, höflichen Mädchen, die das ganze Lehrerkollegium mit Kaffee und Kuchen ausstatten – ja, das sind meine. Das ist MEINE Klasse.

Seltsam, wenn mich früher jemand gefragt hat „Sind das deine Mädchen?“ dann in genervtem Ton, weil damals MEINE Mädchen immer nur durch Unfug und Quatsch auf sich aufmerksam gemacht haben.
„Sind das deine Mädchen, die da draußen vor dem Verwaltungstrakt kreischen?“ Ja.
„Sind das deine Mädchen, die seit mehreren Stunden draußen auf der Bank in der Sonne sitzen und nicht zum Unterricht gehen?“ Ja.
„Sind das deine Mädchen, die gerade bei Aldi beim Klauen erwischt wurden?“ Ja.
„Sind das deine Mädchen, die vorhin überall die Türen aufgerissen haben und dann kichernd weggliefen?“ Ja.
„Sind das deine Mädchen, die nur Blödsinn im Kopf haben und nie auf das hören, was man ihnen sagt?“ Ja.
Aber jetzt habe ich ja neue Mädchen. Frische Mädchen! New and improved. Irgendwie bessere Mädchen – also besser zu handhaben und besser für mein Ansehen in der Schule.

„Wir sind die Klasse von Frau Freitag.“ höre ich Rosa sagen und dabei den Schulleiter angrinsen. Anerkennung bekomme ich von allen Seiten für die – ohne, dass ich dafür irgendwas gemacht hätte. Diese ganze Kaffee und Kuchen-Aktion, die hat meine Erzieherin organisiert. Die hat mit denen gebacken und die sind alle bei ihr in der Koch-AG und daraus ist jetzt schon eine kleine Catering Firma geworden. Dankbar geben die Kollegen jetzt den Bewirtungsjob bei Geburtstagen an die Kochgruppe ab. Ist ja viel weniger Arbeit, wenn man nicht selbst backen und schleppen und abwaschen muss. Und Kohle haben wir Lehrer ja auch genug. (Übrigens auch genug Geld für Blasenpflaster.)

Die Mädels sind echt super. So umsichtig – ständig wischen sie den Tresen ab und stellen die schmutzigen Tassen in den Geschirrspüler. Vielleicht sollte ich mit denen noch eine Putzfirma eröffnen. Und dann nehme ich mir die regelmäßig mit nach Hause: „So ihr Lieben – ihr drei ihr kocht mir jetzt was Schönes zum Abendbrot und ihr drei putzt das Klo und morgen habt ihr schon einen neuen Job – Fensterputzen bei Frl. Krise.“

Frl. Krise – vielleicht bekommst du nächstes Jahr auch so tolle Mädchen. Dann kannst du dich echt vier Jahre zurücklehnen und dich für die bewundern lassen. Ist voll easy und macht voll Spaß. Thanx girls! 🙂

Allgemein

9 Gedanken zu “Girls, girls, girls

  1. Frau Freitag, ich würde fast alles dafür tun…! Meine Mädchen waren übrigens heute fast ein bisschen pikiert, als sie hörten, dass ich nun doch gleich eine neue Klasse bekomme….

  2. Wir lassen unsere Bewirtungen von einer Schülerfirma einer Schule für geistig und körperlich behinderte Kinder ausrichten. Die machen das immer total klasse! Service im weißen Hemd und schwarzer Hose eingeschlossen.
    Und das Essen is immer sooooooo lecker. Da wirds langsam eng in meiner Borat-Badehose 😉

  3. Ein Leben in Knechtschaft, nichts anderes erwartet diese Schülerinnen. Gut, wenn sie sich rechtzeitig daran gewöhnen dürfen.

  4. Also ich bin selber Schülerin und denke das günther einfach nur kein Bock auf Schule hat…wenn die Mutter nach Hause kommt legt er sich schnell aufs Sofa und war davor eigentlich am tv schauen oder so…

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