Wenn es scheuert wie bescheuert

Der Freund pfeift. Der hat gut Pfeifen – muss er doch nicht das Verschwinden der Brückentage bedauern – da er ja gar keine hatte. Weg sind sie. Diese schönen kleinen Miniferien. Erst sind sie da und nun sind sie auch schon wieder vorbei.
Schön war’n sie. So viel Zeit hatte man plötzlich. Ich fing schon kurz an mich zu langweilen. Und was wollte ich alles machen in und mit dieser Zeit und was habe ich alles nicht gemacht.

Was ich gemacht habe – ich bin zum ersten Mal ohne Strümpfe raus. Das ist ja immer so ein Einschnitt im Jahr. Die Zeit mit den Strümpfen und die Zeit ohne die Strümpfe. Was pfeift der Freund da in seinem Zimmer? Dem geht es wohl zu gut. Vielleicht sollte ich ihm mal ein paar Reparaturaufträge geben – „Baby, die Lampe im Flur… und die Brotbackmaschine und die Schublade vom Küchenschrank…“
Jetzt hat er aufgehört zu pfeifen. Gut. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, Einschnitte … ich also neulich ohne Socken raus. Mit den neuen Sandalen. Die habe ich von meiner Mutter bekommen, aber auch nur, weil sie ihr nicht passten. Softclox – die sich durch ihre überdurchschnittliche Bequemlichkeit und den hohen Tragekomfort auszeichnen. Ich also rein in die Puschen und runter. Zum Sport mit Frau Dienstag. Schon im Treppenhaus denke ich: Oh, da scheuert was! 50 Meter weiter habe ich schon zwei fette Blasen auf den Füßen. Wenn etwas an Sandalen scheuert, dann ja immer auf der selben Stelle. Und diese zarten vom Winter geschonten, gar nicht an der Luft gewesenen kleinen Frau Freitag Füße – ich habe wirklich MINI-Füße – die konnten sich nicht gegen das ungetragene harte Leder durchsetzen.

Die letzten Meter zum Sportstudio waren eine reine Tortur. Frau Dienstag kommt mir freudestrahlend entgegen. Kommt sie immer – ob die Sonne scheint oder der Regen regnet – sie strahlt immer. Ich leide. Ich habe Schmerzen. Ich habe Blasen. Ich ziehe die Schuhe aus. „Guck! Voll fett. Tut voll weh.“
Frau Dienstag bückt sich und zieht ihre Sandale am Hacken runter. Knallrot. Schon fast blutig. Aua!

Nach dem Sport gehen wir immer Kaffeetrinken und was Essen. Die verbrauchten Kalorien müssen ja sofort wieder zugeführt werden. Frau Dienstag will duschen. Ich habe mich nicht so richtig angestrengt, morgens geduscht und sowieso nicht viel geschwitzt. „Du, ich gehe mal rüber zu Drospa und hol‘ mir was für die Füße.“

Gesagt, getan. Vor dem Shampooregal zerfetzt die Reibung die Blasen und jetzt scheuert das fiese Leder direkt auf dem rohen Fleisch. Aua, aua. Ich bin die kleine Meerjungfrau. Wo gibt es Pflaster? Ich versuche die Sandalen beim Laufen so zu verschieben, dass die Blasen frei liegen. Klappt nicht.

Endlich finde ich das Fußregal in der „Intimabteilung“. Da wo es Binden und Tampons und Windeln für die reife Frau und Kondome und Hornhautzeugs und Schrundencreme gibt… all die Sachen, die man nicht gerne vor einem gutaussehenden Typen aufs Band legt.
Pflaster war gestern, heute hat man Gelpads. In allen Größen und Formen. Das dauert, bis ich da eine vernünftige Marktanalyse gemacht habe. Und was die Teile kosten – für sechs Stück wollen die fünf Euro haben. „Fast profit on other people´s misery“. Aber ohne mich – Kapitalismus – schön und gut, aber hier geht es ja wohl um ein Grundbedürfnis – Schmerzfreiheit. Ich zahle doch auch nicht für die Luft, die ich atme. Ich fummele mir also zwei solche Gelteile aus der Packung und klebe sie mir an die Füße. Linderung!!!
Und damit Dropsa nicht pleite geht und das neue Schlecker wird, kaufe ich noch ein Deo und ein Haarwaschmittel und eine Handykarte.
Gar nicht so leicht, mit dem Frühling klarzukommen. Die Tücke steckt im Detail.

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Allgemein

64 Gedanken zu “Wenn es scheuert wie bescheuert

      • Frau Freitag sie sind saugut!
        Drospa ist seit 2000 aufgelöst und schon seit 2005 in der Insolvenz 😉
        aber schön, dass sie uns jetzt neue städtevorschläge liefern …ist auch nicht so weit weg vom heide-park^^

      • Echt, haben wir?
        Ist mir wohl entgangen, da ich auch bei 40 Grad im Schatten die Socken anbehalte ;).

  1. Ich schaffe das auch immer wieder. Neue Schuhe – zack habe ich Blasen. Und das dauert dann immer so lange bis die weg sind 😦

  2. Au-aua, Sie Arme! Blasen an den Füßen ist voll gemein und gar nicht lustig! So schrecklich, dass ich gar nicht darüber nachdenken mag! Raus aus meinem Kopf, Frau Freitag, ksch-ksch!

  3. Das steht mir traditionell an Pfingsten bevor (Hey, noch 2 verlängerte Wochenenden im Mai^^)… Schützenfest. 3 Tage in schwarzen Schuhen. Und man findet nieeeeeee die Richtigen. Passen sie im Laden noch wunderbar, ists mit der Strumpfhose schon wieder vorbei… waaaaaaah!

  4. Das ist doch aber das übliche „erstes-Mal-im-Jahr-ohne-Strümpfe-in-Sommerschuhen-Phänomen“, oder?!???
    Ich hab das wirklich jedes Jahr, auch in NICHTNEUEN Schuhen! Das dauert 2 Wochen, dann kann ich wieder alles tragen. Aber bis dahin muss mich der Mann an meiner Seite öfters bis zum Auto Huckepack nehmen *haha*
    FlipFlops hatte ich bisher auch noch nicht an, das wird nochmal ganz hart!!!
    Ich leide also mit!!!!!

    • Naja, die kosten und gehen kaputt – und außerdem sollen wir Mädels ja auch nacktes Bein zeigen. Das ist wie mit der Epilation … – leider gelten unterschiedliche Regeln für die beiden Geschlechter. :-/

      • wir müsssen uns wenigstens nicht das kinn rasieren… und die beine auch nicht jeden tag…

      • Mein Mann rasiert sich (wenn ich Glueck hab) 1mal die Woche 😦 . Dafuer dann aber die Beine gleich mit.

      • Unrasierte Männer finde ich persönlich deutlich attraktiver 🙂
        Aber die Beine – warum?

  5. „Ich habe mich nicht so richtig angestrengt, morgens geduscht und sowieso nicht viel geschwitzt.“

    Ihre Schüler färben ab — diese Argumentation klingt nach müffelndem Dreizehnjährigen.

    „Da wo es Binden und Tampons und Windeln für die reife Frau und Kondome und Hornhautzeugs und Schrundencreme gibt… all die Sachen, die man nicht gerne vor einem gutaussehenden Typen aufs Band legt.“

    Ich stimme ja bei fast allen Punkten zu, aber wo ist das Problem bei Kondomen? Gibt es als Frau eine diskretere Weise, sein grundsätzliches Interesse an Sex mit Männern kund zu tun, als durch Kondome im Einkaufskörbchen?

    Übrigens leisten Hydrokolloid-Pflaster gegen Brandwunden ganz hervorragende Dienste auch bei nicht-Brand-Blasen. Die Dinger quellen durch das Wundwasser an genau der richtigen Stelle auf und polstern, aber am Rand sind sie flach und anschmiegsam und halten so mehrere Tage. Die Haut heilt dadurch sehr schnell, ich vergesse Schmerz und Kummer genauso schnell und malträtiere meine Füsse mit dem nächsten Sommerschuh… Was den Preis angeht: Der ist heftig, aber für Kriminelle ist das ja uninteressant.

    • „Gibt es als Frau eine diskretere Weise, sein grundsätzliches Interesse an Sex mit Männern kund zu tun, als durch Kondome im Einkaufskörbchen?“

      Wenn sie die Kondome schon vorher mitgenommen hat, gehe ich immer davon aus, dass sie leider für jemand anderen bestimmt sind. 😦

      So geht das: Erst am Band die Auswahl checken, einige Sekunden Blickkontakt halten, dann die Packung holen und aufs Band legen, nochmal zurechtrücken und dann ein Frontalblick ins Gesicht des Auserwählten. Lächeln. Wenn der dann nicht kapituliert, ist er ohnehin ein Idiot…
      (Tut mir leid, subtile Methoden funktionieren bei den meisten Männern nicht.)

      • Ich schrub da was von diskret… Und so empfehlenswert das vorgeschlagene Vorgehen ist: Es setzt mehr als „grundsätzliches Interesse“ voraus, eher schon konkrete Absichten.

    • Also wenn ich Frauen Kondome kaufen sehe gehe ich davon aus dass sie wahrscheinlich schon wissen, mit wem sie die gebrauchen werden.

  6. Nach so – gefühlten – mehreren tausend Blasen durch neue Schuhe oder eben die Eröffnung der Strumpflos-Saison habe ich vor einigen Jahren die Empfehlung meines Arztes berücksichtigt und mir einen Hirschtalgstift gekauft.
    Ja, ich weiß. Es hört sich irgendwie bisschen ihhhhhh an.
    ABER … es hilft!
    Vor dem Anziehen der Schuhe auf die leidgeprüften und gut in Erinnerung befindlichen Stellen der Füße (bei mir sehr gerne die Fersen und auch auf den Zehen) mit dem Stift bestreichen (wie ein Deo-Stift zu handhaben), Schuhe anziehen und: TATATATAAAA!
    Keine Blasen! Keine Druckstellen!

    Preiswert ist die Anschaffung auch noch. Zwischen 1,95 und 4,99 Euro.

    Selbst meine sehr coole und trendbewusste Tochter nutzt diesen Stift.
    🙂

  7. Da freut sich bestimmt der Kunde, der demnächst das Päckchen mit den fehlenden Pflastern kauft.

    Ich befürchte, mit Ihrer Argumentation „aber hier geht es ja wohl um ein Grundbedürfnis – Schmerzfreiheit. Ich zahle doch auch nicht für die Luft, die ich atme.“ würden Sie in einem Diebstahlsprozess vor Gericht Schiffbruch erleiden. Und bei DROSPA bekämen Sie Hausverbot.

  8. Na wenn die kriminelle Frau Freitag da mal kein schlechtes Vorbild ist…
    Werden LK so scheiße bezahlt?
    Fragen Sie doch mal ihre SchülerInnen, wie z.B. der Islam mit Dieben umgeht 😉
    Ich finde Sie sollten als Schadesbegrenzung nen „Fuffi“ für Kinder in Not – nein, nicht ihre Klasse – spenden 🙂

    Noch jemand dafür? 🙂

  9. Jetzt weiss ich auch, wer da immer die DVDs aus den Fernsehzeitschriften klaut.
    Und ich wunder mich zuhause, warum das Ding fehlt und aerger mich, dass ich ’ne leere Huelle gekauft hab.

  10. Wieso tun Frauen sich so etwas eigentlich an? Tragt doch einfach bequeme Schuhe. Zumindest für mich sind zu schicke Schuhe jedenfalls ein Ausschlusskriterium bei Frauen während nicht ausreichend schicke Schuhe nur in Extremfällen negativ ins Gewicht fallen.

    • die werden ja bequem – aber das dauert. und wir wollen doch barfuß in den schuhen sein – da liegt das problem…

    • Ich besitze /nur/ bequeme Schuhe! Aber je nach Aussentemperatur, zurückgelegter Wegstrecke und Schweissfussneigung (peinlich aber leider sehr wahr) nützt das alles nichts. Ausser man trüge Socken. Doch die würden das Sommergefühl und die Optik stören.

  11. Also ich finde das auch ziemlich fragwürdig. Sicher kann ich ihr Leid mit den Blasen nachvollziehen. Aber deshalb Ladendiebstahl begehen und das auch noch öffentlich zu schreiben – ist in meinen Augen schon grenzwertig. Ich möchte für Sie hoffen, das weder einer Ihrer Schüler noch ein Mitarbeiter der betroffenen Drogeriemarktkette hier mitliest.Auch wenn das jetzt verdammt spießig klingt, hätte ich mir von einer pädagogischen Fachkraft, die jungen Menschen ja neben dem normalen Unterrichtsstoff auch Werte vermitteln soll, etwas mehr moralischen Anstand erhofft. Es mag ja wie eine Bagatelle aussehen, aber woanders sind schon Menschen wegen geringerer Schadensummen gekündigt worden. Ich wünsche Ihren Füßen trotz allem alles Gute und schnelle Heilung auf das Sie das schöne Wetter genießen können.

      • Boah, ich find das auch immer voll spiessig, wenn sich jemand aufregt, nur weil ich ihm was geklaut hab oder ihm ’ne Scheibe eingeworfen hab. Voll die Korinthenkacker!

      • Da haben Sie wohl Recht. Aber es besteht eine pädagogische Verpflichtung, Kindern Werte beizubringen. Auch wenn das vorrangig im Elternhaus passieren sollte, ist auch die Schule hier in der Pflicht. Und von Lehrern erwarte ich da nunmal besondere Sensibilität. Mit welchem Argument möchte Frau Freitag ihren Schülern erklären, das man nicht klauen darf, wenn die vorher das hier gelesen haben? Wie gesagt, ob Frau Freitag so etwas in ihrer Freizeit macht oder nicht, kann und will ich nicht bewerten. Sie ist erwachsen und sollte wissen, was sie tut. Ich fand es nur grenzwertig, es hier öffentlich zu schreiben. Nicht mehr und nicht weniger.

      • Vielleicht traut Frau Freitag ihren Schülern die Fähigkeit zur Differenzierung zu, die zumindest einem Kommentarschreiber hier abzugehen scheint, da hier das Einwerfen von Fenstern und das Bestehlen von Personen mit dem Entwenden eines Euroartikels aus einem Geschäft gleichgestellt wird.
        Unrechtsbewusstsein, Anstand und Gerechtigkeitsempfinden erwirbt man nicht durch das starre Befolgen von Prinzipien und das niedergeschriebene Gesetz darf nicht der einzige Leitfaden sein.
        Sonst endet man hinter der Gardine hockend mit dem Notizblock auf den Knien und zeigt Falschparker und Hundebesitzer an – womit man im Recht sein mag, aber bei der Herzensbildung wohl nur ein Ungenügend bekommt.
        Oder kürzer formuliert: Alter, es war doch nur ein Pflaster.

      • Ich kann durchaus differenzieren, nur hier sehe ich nicht, wo man differenzieren kann. Sie ist Lehrerin, sie hat genug Geld, außerdem hat niemand sie in diesem Laden beleidigt (aus diesem Grund habe ich mal die Zeche geprellt) und sie ist auch kein Kind, das Anerkennung sucht (aus diesem Grund habe ich mit 12 Kaugummis geklaut). Es gibt schlichtweg keinen nachvollziehbaren Grund, warum sie die Teile genommen hat, außer den, dass sie glaubte, sie hätte das Recht dazu.

        Man ist nicht automatisch spießig und korinthenkackerisch, wenn man Diebstahl nicht gut findet. Im Gegenteil, ich hatte bisher immer den Eindruck, dass gerade die Spießer und Korinthenkacker oft mit der Einstellung „Jeder ist sich selbst der Nächste“ durchs Leben rennen.

  12. Wegen solchen Blasen an den Füßen trage ich einfach im Sommer relativ selten Schuhe. Ich bin einfach barfuß unterwegs.

    Und das mit den Blasenpflastern fand ich persönlich auch eher unverschämt, muss ich sagen. Mit einem Lehrergehalt muss das einfach drin sein, wenn das von einem am-20.-ist-kein-Geld-mehr-da-Studenteneinkommen irgendwie gehen muss.

  13. War mein erster Beitrag zu kritisch? (Weil er noch in der Moderation hängt)

    Alternativ schlage ich vor sie gehen morgen wieder in den Laden und kaufen die angebrochene Packung 🙂

  14. „Ich zahle doch nicht für Schmerzfreiheit“

    Hm – das erinnert mich an zahlreiche Zechpreller, die mir auf der Arbeit immer mal wieder unterkommen. „Ich zahl doch nicht, wenn die Tussi so lange braucht, bis sie mir ein Bier bringt!“ „Ich zahle doch nicht, wenn die Tussi eine Minute, nachdem ich ihr gesagt habe, dass ich die Rechnung will, damit noch nicht wieder da ist!“ „Ich zahle doch nicht, wenn ich ein großes Bier kriege, obwohl ich doch insgeheim ein kleines wollte, das aber nicht gesagt habe!“

    Finde ich wirklich grenzwertig. Von Lehrern (die sich Blasenpflaster ja wohl wirklich leisten können) erwarte ich was anderes.

  15. Sorry, aber Pflaster aus der Packung klauen ist doch echt das letzte. Wenn Sie wenigstens den Schneid gehabt hätten, die ganze Packung zu klauen. Aber so ist der nächste Kunde der Depp.

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