Das Gehirn, das ICH und das ES

„Das habe ich dann gedacht, mit meinem kleinen Gehirn.“ Im Bus sitzt mir dieser kleine Junge gegenüber, der unheimlich laut mit seinem großen Bruder spricht. „Ich habe mir gedacht, dass man die Finger nicht in die Scheibe machen soll. Mein kleines Gehirn hat mir das gesagt.“ Jetzt guckt er zu seinem Bruder. Ich habe Kopfschmerzen. Dieser Junge – keine Schneidezähne, aber ein Organ wie ein Dreimetermann. Den ganzen Kopf voller Locken. Erst hat er alle Busstationen aufgesagt. Als hätte das jemanden interessiert. Mein Kopf! Aua. Und jetzt kommt er mit dem Gehirn und diesen „Der Siebte Sinn“-Tipps – nicht die Finger in die Scheibe tun… der kleine Bruder von Susanne Klickerklacker. Als er wieder mit „Mein kleines Gehirn…“ ausholt, muss ich aussteigen.

Aber den ganzen Weg nach Hause denke ich über ihn und sein kleines Gehirn nach. „Mein Gehirn hat mir das gesagt.“ Spricht denn das Gehirn mit einem? Was ist das für eine komische Abkopplung eines Körperteils?

Mir hat mal ein Schüler ernsthaft nach einer Schlägerei gesagt: „Ich war das nicht. Meine Hand hat ihn geschlagen. Was kann ich dafür?“

Vielleicht hilft ja ein wenig Abspaltung: „Mein Lehrerich hat heute schlecht unterrichtet – hat nichts mit mir zu tun.“
„Aber Herr Schulleiter – ich war nicht zu spät. Das war doch nur mein Körper, der noch nicht anwesend war, als es klingelte. Ich war pünktlich.“

Würde man den Körper oder einzelne Teile von ihm, mehr abspalten, dann würde das mit dem Altern auch nicht so nerven. „Der Arsch hängt, die Haut auch, aber ICH seh immer noch super aus.“

Jetzt mal Precht-mäßiges Abspinnen – der scheffelt da Millionen, mit seinem Philosophiegefrage – das kann ich doch auch.

Ist das Ich, der Körper oder nur der Geist und was ist mit dem Es und dem Du, Er, Sie, Wir, Sie? Gilt hier auch he, she, it, das ES muss mit? (kleiner interdisziplinärer Joke.)

Jajaja, ich tu‘ hier so intellektuell und eigentlich will ich nur schnell fertig schreiben, damit ich mir PROMINENT auf Vox Now angucken kann, denn ich muss unbedingt wissen, ob die anderen Mädchen diese Samantha fertig gemacht haben, denn das sind die Fragen, die mich wirklich interessieren. Sagt mir jedenfalls mein kleines Gehirn.

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Allgemein

11 Gedanken zu “Das Gehirn, das ICH und das ES

  1. Auf die Frage nach dem Ich wird sich seit Descartes Zeiten und wahrscheinlich schon früher rumgeschlagen.. Also ich finde soo „prechtig“ ist das doch alles nicht.
    Außerdem: Wenn man zu viel darüber nachgedacht weiß man immer nocht nicht mehr 😉

  2. Mit dem kleinen Hirn war sicherlich die innere Stimme/die Vernunft, das Über-Ich gemeint und er wusste vielleicht kein anderes Wort dafür. 😉

    Tssstssstsss, was du dir wieder anschaust.

    Das Video ist wirklich klasse. Muss ich gleich noch mal laufen lassen. 🙂

  3. Ja, der Arm schlägt oft zu und erst viel später reagiert der Kopf. Oder man muss ganz schnell reagieren und das Gehirn sucht noch nach anderen Möglichkeiten, sich zu verhalten bzw. den Körper zu anderem Verhalten zu bringen. Aber es ist schon passiert. „War ja nicht mit Absicht“.
    Das wird das Denken abgespalten vom Rest.

  4. Ehrlich gesagt find ich diese Mein-kleines-Hirn-Sache ziemlich smart. Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie sehr sie von ihrer zwanghaft ratternden Denkmurmel beeinflusst werden. Oberflächlich betrachtet könnte man meinen, dass es zuviele dumme Menschen gibt, die nicht genug denken, tatsächlich ist es doch aber so, dass dumme Menschen einfach den Fehler begehen, völlig unreflektiert zu befolgen, was ihnen ihr kleines dummes Gehirn vorgibt. Die Spreu trennt sich dort vom Weizen, wo Leute hinterfragen, was sie selbst als gegeben betrachten. Jedenfalls ist es das, was mir mein kleines übermüdetes Hirn gerade sagt.

  5. „Ich habe einen großen Penis und mag es, wenn Mädchen ihn anfassen!“ Diesen Satz darf man bei Facebook schreiben, ohne von den Facezensoren belästigt zu werden. Ein mit Silikon gefülltes Hinterteil fällt hingegen (offensive Nachtheit) der Zensur zum Opfer. Also immer schön abwägen!

  6. das kleine kerlchen hat recht. die hirnforschung hat herausgefunden, dass unsere handlungen alles andere als frei sind und alles, was wir machen, uns von unserem – mehr oder weniger kleinen – hirn befohlen wird.

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