Aufräumen obwohl man gerade Kunst unterrichtet hat

Ich komme nach Hause und es ist noch hell! Suuuper! Da erscheint doch alles gar nicht so anstrengend. Und heute war es auch eigentlich alles ganz easy in der Schule. Souverän habe ich mich durch den Tag unterrichtet und es gab keine besonderen Vorkommnisse. Ich freue mich ja immer, wenn nichts Schlimmes passiert ist, allerdings sitze ich dann abends vor meinem Laptop und weiss nicht, worüber ich schreiben soll. Neulich hat mich doch jemand in einem Kommentar gefragt, wie man das mit dem Aufräumen machen soll. Kleinen Moment mal, ich suche den Kommentar mal!

Ahhh hier ist er:

1. Die Schüler räumen den Kunstraum nicht auf. O-Ton:” Wozu hat die scheiß Schule denn eine Putzfrau?” Was machen? Ich räume inzwischen, entgegen der Anordnung des Schulleiters, lieber selber auf, als jeden Tag in den total verbalen Krieg zu treten.

Also das leidige Thema mit dem Kunstraum – bzw. mit dem Aufräumen. Da gibt es mehrere Möglichkeiten.

1. Man arbeitet bis es klingelt und die Schüler hauen alle ab und man selbst ist so fertig, dass man auch nicht mehr aufräumen möchte und deshalb schließt man einfach den Raum zu und geht ins Lehrerzimmer. (So hat es Frl. Krise gemacht und ich lache mich jetzt noch schlapp, bei der Visualisierung dieser Geschichte. Und der Raum muss ausgesehen haben wie Sau – Linolschnitt!)
Natürlich kann man das nicht machen, denn irgendwann kommt ein Kollege oder die Schulleitung oder der Hausmeister einem auf die Schliche und dann ist man dran: Anmecker wird es geben und aufräumen muss man dann auch noch. Dieses Verhalten macht einen im Kollegium auch nicht gerade beliebt.

2. Man arbeitet bis es klingelt und die Schüler hauen alle ab und man steht da in einem Riesendurcheinander und fängt an selbst alles aufzuräumen. Das geht dann zwar wahrscheinlich schnell, aber die eigene Pause ist dann futsch und vielleicht hat man dannach gleich wieder Unterricht und muss in einen anderen Raum und dort hetzt man dann hin, ohne sein Pausenbrot gegessen zu haben und vor allem OHNE GERAUCHT ZU HABEN!!!! Diese Art von Selbstausbeutung geht natürlich auch nicht.

3. Man arbeitet bis es klingelt und versucht dann in der Pause die Schüler zum Aufräumen zu zwingen. Viel Spaß dabei. Wird nicht klappen, kann nicht klappen, braucht also eigentlich auch nicht ausprobiert zu werden. Der Effekt ist eigentlich der gleiche wie bei Nr. 2, nur dass man dann noch fertiger in die nächste Stunde geht.

Hier mal ein paar Möglichkeiten, die vielleicht besser klappen:

4. Man lässt die Schüler nur bis zehn Minuten VOR dem Klingeln arbeiten. Machen wir uns mal nichts vor – ob die nun 10 Minuten länger oder kürzer arbeiten macht nicht so einen großen Unterschied. Dann organisiert man das Aufräumen. Jetzt kommt es auf die Aufgabe an, die man bearbeitet hat. Zeichnungen: Alle bleiben auf ihrem Platz sitzen und einer oder zwei Leute werden bestimmt, die Zeichnungen einzusammeln. Dann gibt man einen Handfeger rum und lässt die Tische abfegen. Dann geht man rum und kontrolliert die Tische, dabei hat man einen Schwamm und ein Papierhandtuch in der Hand und lässt die Schüler – falls nötig – ihren Tisch schnell sauber machen. Wenn alle an den sauberen Tischen sitzen, nutzt man die letzten Minuten zur Mitarbeitszensurenvergabe. Dann klingelt es und Schüler und Lehrer gehen pünktlich und zufrieden in die Pause.

Malen oder andere aufwendige Sachen (Pappmaché und so):
Wichtig ist es hier, dass nicht alle auf einmal aufräumen, sondern in Gruppen.
Wenn man an Gruppentischen arbeitet, dann nimmt man sich den nettesten Tisch – die, die nicht so viel stören und lässt die als erste ihren Tisch abräumen (da kann man ja jede Stunde eine andere Person bestimmen, die aufräumen soll oder man verteilt die Aufgaben – einer wäscht die Pinsel aus, einer bringt die Farbkästen nach vorne usw.) Wichtig ist, dass man zuerst die nicht so schlimmen Tische aufräumen läßt und den Störertisch zum Schluss, denn die stören auf jeden Fall, wenn sie nichts zu tun haben. Man könnte den anderen, wenn sie fertig aufgeräumt haben auch eine leichte Zeichenaufgabe geben, die sie jedesmal weiterarbeiten und die dann auch zensiert wird.

Wichtig ist, dass man sich selbst gut organisiert und einen routinierten Ablauf beim Aufräumen hat. Wenn die Schüler die Pinsel auswaschen stehe ich z.B. neben dem Waschbecken und kontroliere, ob die Pinsel auch sauber sind – geht gut auf den Händen der Schüler, die können sie sich ja hinterher wieder waschen. Oder neben das Waschbecken einen Tisch stellen, für die Wassergläser. Wenn ich mit Klassen male, dann bekommt jeder Schüler am Anfang einen sauberen Tuschk Farbkasten und mit seinem Namen drauf (Kreppklebeband mit Edding beschriften, wenn der Schüler dann nie den Kasten sauber macht – sein Pech. Dann habe ich zwei Pappkartons, einen für die Mädchenkästen und einen für die Jungs – das erleichtert das Verteilen. Und am Ende der Einheit nehme ich nur saubere Kästen wieder an – das leuchtet sogar den Schülern ein, denn sie haben ja auch einen sauberen Kasten bekommen.

Soweit erst mal. Vielleicht klingen diese Tipps ja total banal und alle machen das sowieso schon lange so, aber ich kann aus Erfahrung sagen, dass ich in meinen ersten Berufsjahren auch ständig aufgeräumt habe. Jetzt kann ich mit einer ganzen Klasse malen oder mit Kleister arbeiten und gehe trotzdem pünktlich mit den Schülern aus dem Raum und alles ist sauber.
Und auf so Sprüche mit dem Putzfrauen würde ich gar nicht eingehen. Also Frau Müller, Meier, Schmidt good luck.

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Allgemein

14 Gedanken zu “Aufräumen obwohl man gerade Kunst unterrichtet hat

  1. Wir mussten „damals“ (80er, DDR) den ganzen Kram wie Pinsel, Farben, Papier, Stifte etc. selber mitbringen. Und falls man dann seine Pinsel nicht richtig auswäscht hatte man halt beim nächstem Mal ein Problem…
    Heute wird das alles von der Schule gestellt? Auch Sportzeug? Und was ist mit der Schürze für Werken? Die Stiefel für Produktive Arbeit im Schweinestall? Zirkel, Lineal, Winkelmesser?

    • Man könnte sich jetzt natürlich jetzt wieder seitenweise über alles aufregen…aber ich für meinen teil mache mir erstmal gedanken wieso etwas so ist wie es ist…von „alles“ wird gestellt war garkeine rede…
      An den meisten schulen in deutschland werden nur Schulbücher ausgeliehen -je nach Bundesland nur eintrag des ausleihenden schülers oder gegen allgemeine oder exeplarabhängige gebühren-befreit wird wer sowieso vom staat finanziert wird oder zu viele geschwister hat…wer am ende des schuljahres sein buch verloren hat oder nicht mehr im verwendungsfähigen zustand abgibt muss den schaden ersetzen… ein ganz normales nachvollziehbares ausleihverfahren also…Den rest muss jeder selbst besorgen…wobei ich manchmal das gefühl habe, dass das frau freitags und frl.krises schäfchen ob finanziell oder organisatorisch manch einmal sehr schwer fällt..
      In der Kunst kann man das mit Material auf viele versch. weisen regeln…Am anfang des schuljahres bekommt jeder schüler eine liste mit dingen die besorgt werden müssen…hefter und hefte für die fächer und geodreieck für mathe…man muss die schüler dort abholen wo sie stehen, das bedeutet auch, dass man entscheiden muss wie man den zusätzlichen materilabedarf besorgt… manche schaffen es noch nicht sofort so zuverlässig zu sein und verplepern, vergssen das geld für bestellte dinge oder die sachen selber mitzubringen…anderen familien reicht das geld trotzdem nicht. Wir hatte m kunstunterricht jeder einen kunstkasten und jeder hatte ein anderes farikat…der eine hatte 24 farben ein anderer nur 6…wenn man kinder früh daran heranführt klappt es nach einer weile dass sie sich zusammen mit ihren eltern oder selbständig drum kümmern, dass der kasten vollständig ubnd sauber bleibt…ein altes hemd von papa und schon braucht man keine schürze, je nach schülerschaft muss man sich für bestimmte vorgehensweisen entscheiden…und hier übernimmt jeder schüler eine bürgschaft für seine farben, muss sie später ordentlich abgeben kann aber dem lehrer nicht sagen: Abooo das is mein tuschkasten den nehm ich mit nach hause Sie haben kein recht mir zu befehlen hier zu lassen…so ist der kasten immer in der schule kann nicht vergessen werden…verschiedene pinsel und besonders lange liniale können automatisch im kunstraum vorhanden sein…

    • Werken? Ich glaube nicht, dass sich gelernte BRD-Bürger sehr viel darunter vorstellen können. Auch die Frage nach der produktiven Arbeit im Schweinestall ist – mit Verlaub – ein wenig naiv. Heutige Stadtkinder wissen oft nicht wie die Tiere aussehen, deren Fleisch sie essen. Die in einen Stall zu stellen käme für den Bauern einer Heimsuchung gleich.

      Meine Schwiegermutter, aus Überzeugung Lehrerin, schimpft immer darüber, dass sie sich wie eine Entertainerin vorkomme und nicht wie eine Lehrerin. Die Kinder wollen heutzutage nicht mehr lernen, sagt sie immer, sie wollen unterhalten sein.

      Ich denke nicht, dass man diese beiden Welten, also das Schulsystem der DDR und das der BRD, miteinander vergleichen kann. Während in der DDR versucht wurde, den Kindern eine eigene Meinung „abzuerziehen“, können sich die Kinder der BRD jeden Unfug als Meinung leisten. Während die Lebensumstände den Kindern in der DDR das Leben zu leben lernen ließ, erleben sich die Kinder des vereinten Deutschlands vor allem als Konsumenten, die solange gute Gefühle haben, wie ihr Geld für die Markennamen reicht.

      Der Kabarettist Georg Schramm ist mit einer wunderbaren Passage über die gezielte systematische Volksverdummung durch die heutige Medienlandschaft bei YouTube zu finden, die das, was ich hier versuche in den Kommentar zu stammeln, viel besser ausdrückt. Deshalb lasse ich das Gestammel jetzt auch sein.

      Hier gehts zu Georg Schramm: http://youtu.be/RkNddCXSLvM

  2. Frau Freitag, das mit dem nicht aufgeräumten Kunstsaal ist doch schon hundert Jahre her! Das war in meiner Referendarzeit… 😦
    Heute bin ICH die Wächterin über die Ordnung im Fachraum!
    Jawohl!

  3. Super gemacht Frau Freitag!!
    Den Kindern bricht beim aufräumen kein Zacken aus der Krone, obwohl die sich manchmal so anstellen. Aber wenn das immer so läuft, dann klappt das auch! Bitte weitermachen!

  4. Ich wundere mich ebenso wie Ande. Nicht in der DDR, sondern im Westen mussten auch wir (in den 70-ern) unser Material selbst mitbringen und auch wieder mit nach Hause nehmen – Linolschnittbesteck, Ornamentfedern, Farbkästen usw. Der Schreibwarenladen vor dem Schultor hatte übrigens alles, was die diversen Kunst-/Werken-/TextilesWerken-Lehrer/innen uns auftrugen, und machte guten Umsatz…

  5. Wir haben auch alles selbst mitbringen müssen (80er, RLP). Da passte man automatisch mehr auf oder hatte eben Pech, wenn nicht… Wurde etwas vergessen mitzubringen, gab es einen Eintrag ins Klassenbuch – nach drei Einträgen gab es dann automatisch eine sechs, basta. Die Schlauen unter uns führten eine Liste, in welchem Fach sie sich noch einen Eintrag erlauben konnten (fing zu jedem Schuljahr wieder bei Null an). 🙂

  6. Sehr geehrte Frau Freitag, zutiefst danke ich Ihnen für die Annahme und Bearbeitung meines Problems. Ich muss Ihnen, mal wieder, ein Kompliment machen: Sie sind sehr gut organisiert. Besonders gefällt mir der Tipp, den Handfeger herumzugeben. Noch war ich innerlich darauf gepolt, dass die Schüler den Handfeger nach Bedarf selbst aus dem Vorbereitungsraum holen, um ihre Selbstständigkeit zu stärken. Aber Feger in die Hand und jeder erhält den Feger an seinem Platz hat, glaube ich, enormen Aufforderungscharakter bei relativ geringen Bemühungen. Klingt zwar banal, muss man aber trotzdem erst einmal drauf kommen. Ihre Tipps veranlassen mich zu kreativem Überfliegen: Kärtchen werden entworfen, mit Bildchen und Slogan versehen, wie Pinsel – wash and go, ausgedruckt, laminiert und vor der Stunde verteilt. Das wäre doch glatt eine Vorführstunde im Ref, did. Schwerpunkt: Methodentraining. Die Idee mit dem Kreppband auf den FARBKÄSTEN (der Versprecher mit den T***- Kästen hätte Ihnen aber doch nicht passieren dürfen,…) gefällt mir ebenfalls gut, dennoch vermute ich siegt hier das Faultier in mir- Kästen können, bei Bedarf, genommen werden und werden wieder hingestellt. Allerdings ist das eine gute Variante, die ich irgendwie auf unsere neuen Cuttermesser übertragen muss, welche nur durch den Aufbau von immensen Druck wieder in dem dafür vorgesehenen Fach einfinden und dann ohne Klingen (bei allem Laisser – Faire- die sind im eingeschlossenen Schrank und ob da Bedarf besteht entscheide immer noch ich). Danke und bis bald
    @Ande: Dass die Schüler ihre Sachen selbst mitbringen ist reine Wunschvorstellung an meiner Schule. In der 7. bringen sie einen Schuhkarton mit Zeugs mit, vergessen aber nicht selten, dass sie einen Solchen haben. Der Kasten nimmt Platz weg und die Schüler brauchen sowieso Zeug von mir- soviel zu der von mir gewünschten Selbstständigkeit.

  7. Bei uns ist das ganz einfach: Es klingelt nicht. In meiner Schule gibt es keinen Schulgong (soll eigene Verantwortung stärken oder so), und so hören die Lehrer erst dann mit unterrichten auf, wenn ein Schüler zum dritten Mal sagt, dass wir jetzt Pause haben. Und dann wird erstmal aufgeräumt…

  8. Hey,wir sollen sie doch zu selbstständigen und lebensfähigen Menschen erziehen – oder besser:…sie auf diesem Weg begleiten und anleiten sowie Möglichkeitem anbieten…Dazu gehört auch, seine Lebens-und Arbeitsumgebung zu organisieren und in Ordnung zu halten. Damit ist das Aufräumen ganz selbstverständlich ein Teil des Unterrichts (egal in welchem Fach), finde ich. Selbst die Kleinsten müssen doch schon ihren Kram weg- und ihr Klassen-Zimmer aufräumen. Warum sollte bei den Großen die Lehrerin hinterher räumen. Es sei denn,sie will es schnell und ohne Diskussionen erledigt haben oder meint, es selbst nur richtig zu machen (soll auch vorkommen). Also, lass sie aufräumen!:-)

  9. Wir mussten auch in den Neunzigern unseren eigenen Kunstkram mitbringen und uns darum kümmern, dass er funktionsfähig blieb… UND zusätzlich den Kunstraum nach der Stunde aufräumen. Höchstens „Deck“weiß aus dem 10-Liter-Wandfarbeneimer hat die Schule gestellt.

    Nee, was sind die Kinder heute alle verweichlicht. 😉

  10. Hab´s heute gleich mal ausprobiert mit dem Handfeger, das ging gut. Da die Schüler momentan im U sitzen, habe ich am anderen Ende einen Eimer mit Wasser und Seife herumgeben lassen. Auch das hat gut geklappt. Das einzige Problem war, dass – ob gröbster Sauerei im Raum- wir haben mit Gips gearbeitet- ca. die Hälfte der Schüler, nachdem sie gewischt ODER gefegt hatten ihre Jacken anzogen und zur Tür gingen. Dieses rückgängig zu machen war ein echter Kraftakt. Wir hatten ja, NACH dem Aufräumen noch 20 Minuten Unterricht und wollten noch eine Auswertung machen. Nein, ich habe das vorher nicht visualisiert, da ich nicht genau wusste, wie lange das mit dem Gipsabruck dauert. Als dann aber wieder Schüler, Wasserbehalter und Sonstiges durch den Raum flogen wurde das Aufräumen eingeleitet. Aber da ist ja noch die Sache mit den anschließenden Mitarbeitszensuren. Das kommt nächstes Mal mit in die Verlaufsplanung. Ich lerne langsam, aber ich lerne. Summa summarum war der Kunstraum heute schon viel aufgeräumter als sonst.

  11. Bei uns damals in den 80ger Jahren brauchten wir einen Tuschkasten und Pinsel, die zur eigenen Ausstattung gehörte. Aber viele weitere Untensilien wurden von der Schule gestellt…

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