Wie man’s macht macht man’s falsch

Tja, der Neue…der neue Schüler ist ruhig, nett und höflich. Ich helfe ihm bei der Steigerung der Adjektive und er freut sich darüber. Mehr kann ich leider nicht berichten. Meinetwegen kann das so bleiben. Mal wieder: gut für mich – schlecht für den Blog.

Extra für den Blog habe ich ja mit meiner eher ereignisarmen Klasse eine Klassenfahrt angemeldet. Da passiert ja hoffentlich das ein oder andere. Heute sollten die Schüler die Einverständniserklärungen für die Fahrt abgeben und schon geht der Ärger los: Die Kopftuchmädchen dürfen nicht mit. Und ich habe doch fünf von denen. Liebe, lustige, kleine Kopftuchmädchen, die mir nun alle mit großen Augen zuflüstern: „Frau Freiiiiitaaaag, ich darf nicht mit.“ Das wird noch ein hartes Stück Arbeit, die Eltern zu überzeugen.

Und der Opa meiner Klasse Orkun, der sich so wenig wie möglich bewegt, der sagte mir heute: „Ich will nicht mit. Ich habe meinen Eltern gesagt, dass ich keine Lust habe und dann haben die gesagt, dass ich nicht mit muss.“ Na, da hört sich ja wohl alles auf! Keine Lust hat der Herr. Der Herr hat eigentlich zu gar nichts Lust. Bewegung scheint ihm Schmerzen zu bereiten. Er geht auch nicht, er schleicht und er sitzt im Unterricht bewegungslos hinten an seinem Tisch und atmet uns die Luft weg. Eigentlich ist Atmen das einzige, was er tut. Er ist wie ein Möbel.

„Der Orkun von dir, der ist so lahm, dem kannst du beim Laufen die Schuhe besohlen.“ sagt Frau Hinrich. Und recht hat sie. Der hat jetzt schon einen großväterlichen Habitus, als wäre er 80 und nicht 12. Und dann keine LUST haben auf eine Klassenfahrt. Die anderen Jungs freuen sich jetzt schon halbtod und planen wie verrückt, wer mit wem ins Zimmer geht und Opi will gemütlich zu Hause bleiben. Wahrscheinlich denkt der noch, dass er dann eine Woche frei hat. Ha! Pustekuchen, Orkan!

An der Front war heute alles ruhig, dafür packte mich vorhin so eine Depression. Frau Gymnsiumschule – eigentlich heißt sie Frau Dr. Häschen, meint es sei einfach eine ganz normale Winterdepression und deshalb würde sie – da sie die natürlich auch hat – nie darf man hier mal was alleine haben- jedenfalls würde sie deshalb auch so oft ihre teuer bezahlten Fortbildungen schwänzen.

Ich stecke ja in dem Schwänzen ganz tief drin. Heute habe ich abends zwei Termine. Das ist nicht meine Schuld und ich müßte eigentlich zu beiden gehen. Kann ich aber nicht – ich bin ja nicht Jesus, also muss ich – obwohl ich mich pflichtbewußt für den wichtigeren Termin entschieden habe – den anderen Termin SCHWÄNZEN. Und eigentlich würde ich am liebsten auf der Couch bleiben, wo ich mit meiner schlechten Laune auch hingehöre. Mist. Ein Mist ist das. Ich bin echt schon wieder ferienreif und dieser Schnee…ach naja, ich bräuchte den jetzt nicht mehr – und die Kälte…wenn deswegen nicht die Schule ausfälllt, dann könnte ich auch ganz gut ohne sie.

Okay, jetzt muss ich meine Haare kämmen und föhnen, die sind wahrscheinlich schon völlig verfilzt. Und dann muss ich los: zu den zwei Terminen bzw. zu dem einen und den anderen schwänzen…ach es ist ein Elend.

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Allgemein

10 Gedanken zu “Wie man’s macht macht man’s falsch

  1. Vielleicht sollten Sie Orkun erzählen, dass er in der Woche dann in anderen Klassen Unterricht machen muss. Und zwar in ständig wechselnden Räumen! Also tausendmal am Tag rumlaufe, mindestens. Und dann diese Treppen! Nein, nein, da ist eine Klassenfahrt vielleicht doch nicht ganz so unattraktiv. 😉

  2. Heute Abend kommt nix im Fernsehen, Frau Freitag! Sie verpassen ja gar nix. Vermutlich haben Sie sogar Spaß an Ihrem Termin und kommen gut gelaunt nach Hause. Ich wünschte, ich hätte auch einen Termin. Ich habe nur eine Terrine und die ist leer. Hach ja..

    • stimmt, der termin war ganz gut und ich bin wieder besser drauf. der termin gab mir schön die möglichkeit mich voll wichtig aufzuspielen und große reden zu schwingen. herrlich. und jetzt auf der couch. allet wieder tutti. 🙂

    • Ich wollte die Nacht schon ins Bett, hab aber noch mal kurz durchgeschalten und was soll ich sagen – es kam Dexter. Kannte ich ja bisher nur aus dem Blog… Und DEN finden Sie toll? Wenn er doch wenigstens ein bissl anders gucken würde. Also meine Serie wird das definitiv nicht.

      • Mal sehen, ob ich da die Zeit für finden werde. Aber wissen Sie was mich schon die ganze Zeit beschäftigt? Was für eine Art Fleisch brät der Mann sich da im Intro? Schinken? Oder doch eher in Richtung Hannibal Lecter? Auf jeden Fall kriegt man da voll fies Hunger…

  3. Oh Gott, so einen Orkun hab ich auch! Er macht mich buchstäblich WAHNSINNIG mit seiner opigen Art. Außer atmen und keuchen tut der auch nix. Ein Klumpen Fett, ständig am schwitzen, und wenn man ihn anspricht (manchmal leider unvermeidlich), glotzt er, als könne er nicht bis drei zählen. Kann er vielleicht auch nicht, ich muss mal den Mathe-Kollegen fragen. Möchte mir den nicht jemand abnehmen? Den Opa, nicht den Kollegen, der ist super! 😉

  4. „Okay, jetzt muss ich meine Haare kämmen und föhnen, die sind wahrscheinlich schon völlig verfilzt…“

    Vefilzte Haare brennen besonders gut. Ein Dreadhead aus der 10 hatte im November seine Wolle nicht im Griff und ist mit einem Dread so schön in den Bunsenbrenner gekommen. Es ist zum Glück alles gut ausgegangen, aber der Gestank war noch drei Stunden später im Raum^^

    Vom Direx bekam ich zu hören, „Herr Gohe, experimentieren Sie weniger, dann passiert auch weniger…“ Wie man es macht, macht man es falsch. 😉

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