Wie man’s macht, macht man’s falsch

Schulbücher. Jajaja. Sorry, aber über die Lehrmittelbefreiung möchte ich heute nichts schreiben, ihr könnt euch allerdings gerne in den Kommentaren darüber unterhalten. Stimmt ja auch nicht so ganz, dass ich immer nur mit dem Schulbuch arbeite. Gerade gestern hatten die armen Schüler das schwere Buch mal wieder ganz umsonst dabei.

Wir starten mit „Hangman“ (Galgenraten falls jemand wirklich nicht wissen sollte, was das ist – Wikipedia oder outet euch hier auf dem Blog, ich bin sicher, jemand wird das erklären.) Jedenfalls ist die Lösung das Stundenthema: „Who is your favourite sportsperson?“ Namen werden genannt und allerlei Fakten. Ich halte ein Bild hoch.
„Ahhhh Ronaldo!“
„Yes, Christiano Ronaldo.“
Ich schreibe an die Tafel: Name: Christiano Ronaldo
„Ähhhhh, der wird ohne h geschrieben!“
„Echt? Stand aber so im Internet. Tja, ich weiss jetzt auch nicht.“ Ich wische das h weg. Jetzt steht da ‚Cristiano‘ sieht irgendwie komisch aus. Ich schreibe das h wieder hin und mache eine Klammer drum: „Müssen wir noch mal nachgucken, wie der nun wirklich geschrieben wird.
Dann erweitere ich meinen Tafelanschrieb: Birthday, place of birth, lives in, sport, hobbies, other information. Die Schüler erfahren, dass Ranaldo auf teure Autos steht und dass sein Lieblingsfilm „The Rock“ ist.
„Ahhh, da hat er mit gespielt.“ schreit Hamid.
„Nein, glaube ich nicht. Also, äh, nee, der ist doch Fußballspieler. Der hat keine Filme gemacht. Das ist sein Lieblingsfilm.“
Dann verwursten wir gemeinsam die Fakten zu einem kurzen Text über Ronaldo. Schwierige Wörter wie his und was born tauchen auf. Ich lasse die Schüler ausrechnen, wie alt er ist. Wir erfahren, dass Anils Kuseng und Ronaldo den gleichen Geburtstag teilen. Den Steckbrief und den Text sollen die Schüler nun von der Tafel abschreiben. Sofort Murren und Stöhnen. Sooo eine Zumutung. „Leute, ich habe das doch eben auch alles an die Tafel geschrieben, während ihr da schön auf euren Plätzen gechillt habt. Jetzt seid ihr dran. Los, Blätter raus und schreiben. Wer fertig ist, meldet sich und bekommt einen anderen Sportler.

Orkan spring auf: „Haben Sie Messi????“
„Wirst du ja sehen.“
JA!!! Ich habe MESSSI! Ha! Zum Glück habe ich Messie. Dann habe ich noch Vettel und Dirk Nowitzki. Dann habe ich jeden von denen fünf mal kopiert. Mehr habe ich nicht. Die Schüler schreiben. Wer fertig ist kommt nach vorne und darf sich eine Klarsichfolie mit einem Steckbrief und Bild ziehen.

„Ahhhhh suuuper Messi!!!“
„Ähhhh Vettel, wer ist das?“
„Messi. Yeah. ICH HAB MESSI!!!
„Ich will auch Messi! Dirk Nowitti???? Wer soll das sein? Den will ich nicht! Ich will Messi!“
„Messi habe ich nicht mehr.“
„Haben Sie nicht Neymar?
„Wen? Nein, habe ich nicht. Sorry.“
„Warum haben Sie nicht Neymar???? Was das Vettel? Ich will Neymar!“
„Dirk?…. Basketball? …Wen interessiert denn Basketball??“
„Die Amerikaner und jetzt nimm den mal. Ihr könnt ja nachher tauschen.“
„Ich will den aber nicht. Wie er aussieht… dann mach ich eben gar nichts. Habe Sie nicht Sahin?“
„NEIN HABE ICH NICHT! ICH HABE NUR DIE HIER UND DAS WAR AUCH DAS LETZTE MAL, DASS ICH MICH DEN GANZEN SONNTAGNACHMITTAG HINSETZE UND SACHEN AUS DEM INTERNET ZUSAMMENSUCHE. NÄCHSTE STUNDE KÖNNT IHR WIEDER MIT DEN PEOPLES AUS DEM ENGLISCHBUCH ARBEITEN!“

Schmollend werden Texte über Vettel und Nowitzki produziert. Gnädigerweise erlaube ich ihnen als Hausaufgabe Fakten über ihre eigenen Lieblingssportler rauszusuchen und die Mädchen dürfen sich Popstars vornehmen. Schülerorientierung… schwieriger als man glaubt.

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Allgemein

21 Gedanken zu “Wie man’s macht, macht man’s falsch

  1. Ja den Ronaldo schreibt man in der Tat ohne „h“. Das „h“ dient in den romanischen Sprachen nur dazu, dass der Laut nicht weich, sondern hart ausgesprochen wird. (Laienmäßig erklärt, ist klar)

  2. Naja, wenn man die Schüler damit begeistern will, dass man ihre Lieblingssportler dabei hat, könnte man sie ja vorher mal fragen, wen sie so mögen. Es ist ja keine Schülerorientierung dabei, wenn man doch selbst auswählt, wen sie zu mögen haben. Das wäre kaum Mehraufwand gewesen und wäre auf mehr Gegenliebe gestoßen vermutlich.

    • am sonnatgnachmittag wäre es schon ein wenig mehraufwand gewesen 24 schüler nach ihren lieblingssportlern zu fragen. hat ja nun auch nicht jeder den gleichen. es ging in dieser phase auch nicht darum die lieblingssportler der schüler mitzuhaben. ach, ich geb‘ es auf…

  3. Da sich Schülerinnen und Schüler gerne über die Zumutungen des modernen Schullebens beklagen – neulich bezeichnete doch einer glatt die Aufgabe, einen kurzen Text in den Konjunktiv zu setzen, als »unmenschlich«! –, sollte jeder Schülerin und jedem Schüler gewährt werden, eine Auszeit von der Schule zu bekommen. »Auszeit« heißt hier nicht gar nichts tun, sondern zwei Wochen einschließlich Samstag und Sonntag knochenharte Feldarbeit. Nicht umsonst bezeichneten die Römer das, was wir unter Lehr- und Lerninstitut verstehen, als »schola«: Muße! Denn wer es sich erlauben kann, nicht hart für den eignen Lebensunterhalt auf dem Feld zu arbeiten, hat wahrlich Muße, sich mit andren Dingen zu beschäftigen. Und wenn jemand die Arbeit auf dem Feld verweigert? Na, dann gibt es real-life Konsequenzen. Wenn der Bauer seinen Acker nicht bestellt, hat er früher oder später nichts mehr zu essen.
    Und dann werden wir sehen, wer sich über die Anforderungen des modernen Schullebens beklagt.

    • Das ist jetzt aber etwas polemisch. Immer auf die körperlich hart arbeitenden Menschen zu verweisen, tut übrigens jenen unrecht, die mit dem Kopf arbeiten.
      Und zudem ist es so, dass viele Schüler (gut, ich komme von einer anderen Schulform) weniger das „was“ bemeckern, sondern das „wie“. Wenn ich in der Schule immer noch mit Kassetten arbeiten muss, wäre das „vergleichbar“ mit dem Bauern, der auf dem Feld statt des Traktors den Pflug nimmt.

      Und wenn ich das ganze Jahr dann meine Kartoffeln angebaut habe, dann möchte ich nicht, dass die Ernte zum Ende hin von anderen eingefahren wird, weil der Lehrer sich meinen Namen nicht merken kann.

  4. Ich hätte eigentlich gedacht, dass ganze Schülervölker heutzutage internetfähige Handys besitzen, mit denen man mal schnell auf Wiki die nötigen Infos von Sportlern herausfinden kann.

  5. Tjo, in Zukunft wirklich wichtige Leute als Thema dran nehmen, Leute wie Dennis Ritchie, Richard Stallman, Wau Holland…
    Motzen tun die kleinen Blagen eh immer.
    Egal, wie man sich bemueht.
    Dann sollen sie gleich auch was lernen.
    Und zur Motivation muessen sie dann auch noch die kleine Volkswaise „Schueler sind zum Quaelen da, holladi und hollada, auch zum Bodenputzen kann man sie benutzen…“ singen.

  6. Diese Schüler, ich kann es nicht fassen! Am liebsten würde ich jedem einzelnen machtvoll in den Hintern treten, für jede dumme Bemerkung/Störung/wasweißich genau 1 x. Aber mit Anlauf!! Ich befürchte, bei diesen Trotteln ist Hopfen und Malz verloren. Sie Arme!

  7. Ah ja, die Schülerorientierung … das kenne ich, dass man damit auch voll daneben liegen kann. Vor ein paar Jahren hatte ich für den Textverarbeitungsunterricht einen kleinen Text vorbereitet, den die Schüler erfassen und dann mit einer einfachen, kleinen Tabelle versehen sollten – das Thema des Textes war „Taschengeld“, und die Tabelle zeigte die Empfehlung der Jugendämter für wöchentliches bzw. monatliches Taschengeld für verschiedene Altersstufen. Schön schülernah – dachte ich.

    Im Gespräch mit den Schülern, die ähnlich wie deine, Frau Freitag, aus allen möglichen Kulturkreisen stammen, stellte sich dann heraus, dass „Taschengeld“ für sie quasi ein Fremdwort ist. „Taschengeld? So was gibt’s bei uns gar nicht.“ – „Aber was machst du denn, wenn du Geld brauchst?“ – „Dann frage ich meine Eltern, die geben mir dann was“.

    Ein, zwei Jahre später war ich dann klüger. Für Excel-Einführung bietet sich das Thema Hartz IV hervorragend an. Prozentrechnung usw. lässt mit den Positionen im Regelbedarf prima erklären, und die Schüler verfallen immer wieder in angeregte Diskussionen. „Tschüüüüsch, 4 Euro fürs Essen für ganzen Tag? Da gehe ich einmal McDonald’s, und dann ist das alle!“ – „Voll behindert, nur 35 Euro für Schuhe und Klamotten? Die haben wohl den Arsch offen!“

  8. Ja, ja es ist schon grausam, wenn man sich darum bemüht, Schule interessant zu gestalten. Ich wäre zu meiner Zeit dankbar gewesen, wenn aktuelle Sportler oder Künstler als Thema in den Unterricht eingebaut worden wären.

    Basketball mag ja nicht so beliebt wie Fußball sein, aber dass Dirk Nowitzki nicht bekannt ist, erstaunt mich dann doch.

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