Mit Schülern zusammenwohnen oder lieber nicht

Kaum schreib‘ ich, dass meine Klasse keine Partymaker sind, schon habe ich heute das schönste Feuerwerk der Action, das man sich vorstellen kann. Leider zu krass, dass ich es hier nicht weiter ausbreiten werde. Aber für Beschäftigung war gesorgt und auch für viele Telefonate eben und Berichte schreiben morgen. Herrlich, ich dachte schon, es passiert nichts mehr. Erst in der Krise werde ich so richtig gut.

Aber jetzt ist ja trotzdem ein Wochenende und das ist doch auch was Feines. Die Spülmaschine läuft, der Kaffee schmeckt. Hamid musste heute morgen zur nullten Stunde kommen und die Küche schrubben, weil er sich im Vertretungsunterricht so daneben benommen hat und dann ausgerechnet in die Arme der Erzieherin gelaufen ist – she was not amused. Aber die Mädchen sagten heute, dass Hamid viel netter ist, seit er das Heft hat.

Ach, irgendwie läuft doch alles. Mal geht es bergauf und mal bergab. Manchmal regt man sich ja so über einen Schüler oder eine Schülerin auf und wenn man dann mit den Eltern spricht, dann wird mir immer erst in dem Moment klar, dass die mit diesem Schüler oder dieser Schülerin zusammenWOHNEN. Jeden Nachmittag kommt dieses Kind zu denen nach Hause. Jeden Abend schläft es in der Wohnung und jede Ferien haben sie diesen Quälgeist an der Backe. Verrückt. Wie machen die Eltern das? Ich bin ja schon genervt, wenn ich die ein, zwei oder drei Stunden in der Woche unterrichten muss. Aber die leben mit dem Kind zusammen! Die sind sogar für dieses Kind verantwortlich. Die sind mit dem verwandt! Die sind die ELTERN! Oh Gott, wenn ich die Eltern von Hamid, Anil, Hansa oder Orkan wäre? Die armen Eltern, die können nicht sagen: „Ferien! Super, jetzt nur noch chill’n und nicht an die Schüler denken…“ Als Babys und Kleinkinder waren die bestimmt alle voll süß…aber jetzt so in der Pubertät…

Mein tiefstes Beileid haben diese armen Eltern. Wenn sich so manche Schüler auch nur halb so krass zu Hause aufführen, wie in der Schule, na schönen Dank auch.

Nun ja, die haben aber in den wenigsten Fällen 28 Stück von denen zu Hause rumrennen und die müssen denen auch nicht Englisch beibringen und überhaupt ist ja wohl der Großteil der Erziehung in die Schule verlagert. Und vielleicht können die ja auch mal beim Einkaufen helfen und die Tüten nach Hause schleppen oder die Spülmaschine ausräumen. Eigentlich auch nicht schlecht… Vielleicht sollte ich mir doch ein paar Teenager anschaffen. Muss ich mal genauer drüber nachdenken. Ich gehe jetzt erstmal in die Badewanne.
Schönes Wochenende wünsche ich mit oder ohne Schülern zu Hause.

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Allgemein

31 Gedanken zu “Mit Schülern zusammenwohnen oder lieber nicht

  1. Wie ein weiser Mann einmal sagte: Man muss die Kinder die ersten 10 Jahre lieben lernen, um sie die nächsten 10 Jahre ertagen zu können!!
    Wie wahr….

  2. Interessanter Aspekt: Eltern von so einem Miniterroristen zu sein.

    Hab ich so noch nie gedacht.

    Erweitert den Horizont.
    Normalerweise habe ich die Eltern immer nur als (Mit)Verursacher der Verhaltensauffälligkeiten ihrer desatrösen Kinder angesehen. Es gibt da wohl doch Naturtalente, die keiner famiiären Sozialisation bedürfen, um schrecklich zu werden.

    Die Pubertät meiner Tochter fand ich schreeecklich. Manchesmal hätte ich sie am liebsten enttochtert!
    Mit dem Sohn gab es keine so großen Schwierigkeiten.

    Als ich dann nach ganz langer Lehrer Pause wieder mit pubertierenden Kiddies (an einer Förderschule) zu tun hatte, habe ich umgehend meiner Tochter gesagt, wie unproblematisch sie doch in dieser Zeit war.

  3. Wochenende… das klingt wie Musik in meinen Ohren 🙂
    Leider fällt für Frau Silentium das Wochenende diesmal aus.
    Hach, wie schade, ich hatte mich schon so darauf gefreut!
    Aber nein, morgen heißt es: SamstagsUnterrichtsAufsicht….
    Und das wiederum bedeutet: früh aufstehen…
    Können die Schüler nicht einfach ihre Hausaufgaben machen und da sein,
    wenn sie Arbeiten schreiben?

  4. Frau Freitag.. das Video.. Der arme Freddy… (Frau EDV’ler lacht sich grad schlapp darüber). Das ist grausam.. verstößt ja schon gegen Genfer Konventionen. 😉

  5. Eltern: Die haben ja die Kinder zu dem gemacht, was sie sind. Wenigstens zum größten Teil, es gibt ja auch noch andere Mitspieler in der Erziehung.
    Sagte doch neulich eine Mutter, die mit der 15jährigen Tochter nicht im geringsten mehr zurecht kommt, zur Lehrerin: „Sie sind ja nicht fähig, meiner Tochter etwas beizubringen“.
    Das mit dem Pony würde ich mir noch überlegen. Kann doch den Wagen zur Schule und heim ziehen. Und wenn ein Schüler spinnt: Pony striegeln, füttern und Ponyäpfel aufsammeln für den Schulgarten.

  6. Oha –

    Sie haben 24 kids 3 Stunden die Woche… Das macht 84 Kinderstunden pro Schulwoche.
    Jeweils die Eltern bringen es auf auf 24 [Stunden] x 7 [Tage] = 168 Stunde Woche, hatten bei der Zeugung – hoffentlich – Spaß oder ein wenig Freude… Insgesamt haben die Eltern in etwa das doppelte an Zeit zu investieren, davon schläft das Kind allerdings wenigstens ca. 7 Stunden am Tag, ist einige Stunden nicht zuhause, so daß es in etwa auf das gleiche hinauslaufen könnte.
    Ob Ihre Rechnung wirklich aufgeht, wage ich nicht so wirklich zu wissen.
    Noch einmal nachdenken wegen rent a teenager ?
    Mir letztlich auch ein wenig egal. 😉

    • Sehr schön. Angewandte Mathematik. und Rent-a-Teenager ist super. Ich könnte krasse Teenager ans Gymnasium vermieten, damit die Lehrer sich – wenn der wieder weg – ist besser fühlen.

    • Nee, 24 x 7 geht nicht auf, die Kinder sind ja ne ganze Zeit auch in der Schule. Nachts schlafen die auch zum Großteil. Grob übern Daumen gepeilt hat Frau Freitag mehr Kinderstunden als Eltern mit einem Kind.

      *klugscheiss*

  7. Meine Erfahrung ist, dass die schlimmen Schüler zuhause rund laufen, nur eben in der Schule nicht. Also, bei mir war heute auch Highlife in Tüten und das bei der angeblich best geführtesten Klasse der Schule. Die hat mich scheinbar zum Feind auserkoren. Das sitzt! Mein Fehler war mit besten Absichten in den Unterricht gegangen zu sein, ohne mir bewusst zu machen, dass es die letzte Stunde vorm Wochenende ist und die Halbjahresnote feststeht. Und einen Teenager hab ich zuhause, der allerdings wurde, um schlimmstes zu vermeiden, aufs Gymnasium geprügelt, läuft dort auch einigermaßen mit, dafür aber zuhause nicht:) Alles unberechenbar. Für Tütenschleppen und Einkaufen helfen ist ein Herr Müller-Meier-Schulze qualitativ hochwertiger.

  8. Ich liebe deinen Blog !! er ist der hammer ♥
    ich hoffe du schreibst weiter solche tollen artikel .Vielleicht schaust dir mal meinen Blog an und sagst mir wie du ihn findest ?

    Würd mich echt freuen ♥
    Deine Fia

  9. Die Direktorin einer Praktikumsschule von mir meinte mal: „Also, in der 8. Klasse sind die ja wegen Umbau geschlossen. Da müsste man die eigentlich auf Wanderschaft schicken.“

  10. Stell dir vor, Frau Freitag, ich wohne auf einem Internat. Da leben die Lehrer auch mit uns zusammen! Jeder Schüler hat einen Mentor, den er sich aussucht und das ganze Jahr über mit Fragen und Problemen nerven kann!
    Dafür sind bei uns dann solche umständlichen Muttihefte etc. nicht nötig… 🙂

  11. Vielleicht waren die Eltern damals auch so? Im Ernst? Ich glaube die Schüler leben das aus, was sie daheim nicht dürfen. Das wäre doch mal ein Bericht wert. „Der Alltag nach dem Unterricht“ 😀

  12. Meiner Erfahrung nach sind Schülerinnen und Schüler sowohl als Lehrerinnen und Lehrer gleichermaßen anders, wenn sie zu Hause – sagen wir: in Zivil – sind. Da mir beide Perspektiven bestens bekannt sind, bin ich ob dieses Urteils ziemlich zuversichtlich.
    Einerseits war ich als Schüler manches Mal erstaunt, wie gelassen, freundlich und lustig meine Lehrerinnen und Lehrer sein konnten, wenn man sie privat traf, beispielsweise bei Klassen- oder später, in der Oberstufe, Kurstreffen.
    Andrerseits war und bin ich als Lehrer oft erstaunt, wie gut der Lernfortschritt funktionieren kann, wenn ich nur die richtige Herangehensweise finde. Bei pubertierenden Kindern beziehungsweise Jugendlichen ist dies freilich eine besondre, wenn nicht unlösbare, Herausforderung, insonderheit wenn es sich um Randstundenunterricht handelt und, wie in diesem Artikel geschildert, zu allem Übel noch unmittelbar vor den Ferien, wenn die Noten bereits feststehen.
    Leider verwandeln sich Schülerinnen und Schüler ebensowohl als Lehrerinnen und Lehrer meist, sobald sie sich der Schule als Institution nähern, beiderseits in Monster – zumindest dünkt es beide Seiten so.
    Schülerinnen und Schüler fallen meiner Erfahrung nach in der Klasse oder im Kurs in eine Gruppendynamik, die, namentlich in der Mittelstufe, tatsächlich nur durch einige wenige verursacht wird, dieweil die andren einfach mitmachen. Die meisten täten dies nicht, wenn es nicht die Störenfriede und -fridas gäbe, und zwar nicht nur aus mangelndem »Mut« (beabsichtigte scare quotes!), sondern weil sie dieses Benehmen schlechthin für falsch halten. Leute, die auffallen, gleichviel, ob positiv oder negativ, bekommen aber per definitionem erst einmal Aufmerksamkeit. Auch wenn man deren Verhalten nicht prinzipiell gutheißt, folgt hieraus nicht, daß man nicht doch gerne an der Aufmerksamkeit teilhätte, die sie bekommen. Gerade wenn man noch sehr jung ist, sucht man noch am stärksten nach Akzeptanz als Mitglied in einer Gruppe, insbesondre weil man sich noch gar nicht richtig orientiert hat und orientieren hat können.
    Daß Lehrerinnen und Lehrer auch Menschen mit ganz normalen Problemen sind, ist meiner Einschätzung nach den meisten Schülerinnen und Schülern nicht einmal im Ansatz klar, ebensowenig als daß kostenlose Bildung mehr Luxus denn Bürde ist.
    Lehrerinnen und Lehrer sollten allerdings, im Gegensatz zu ihren Schülerinnen und Schülern, fähig sein, beim Schlußfolgern nicht den Fehler des Folgerns aus unzureichender Statistik zu begehen. Das Verhalten eines Menschen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes unter bestimmten gegebnen Bedingungen läßt sich nicht ohne weitres problemlos verallgemeinern.
    Nichtsdestoweniger halte ich den Artikel für gelungen – da amüsant – geschrieben und freue mich auf weitere Artikel auf diesem Weblog.

  13. Warum gehen Schüler/innen in die Schule? Weil sie müssen! Die Frage, ob sie etwas lernen WOLLEN, stellt sich nicht. Die Frage ist überflüssig zu fragen, da wegen des Müssens kein freies Wollen mehr möglich ist.
    frei nach Marge Simpson: Bart mach dich fertig, du musst in die Schule!
    Bart: Wieso das denn? Da war ich doch gestern erst, den ganzen Tag!
    Wir Lehrer/innen gehen in die Schule, weil es der von uns frei gewählte Beruf ist und wir damit Geld verdienen.
    Hier prallen zwischen Lehre/innen und Schüler/innen dermaßen unterschiedliche Motivationen aufeinander, dass der normale Schulalltag, so wie er eben ist und von ihnen unterhaltsam beschrieben wird, gar nicht anders sein kann.
    Und trotzdem, es gibt eine Lösung: Lasst uns das beste draus machen!
    Die Schüler/innen betreiben das Konzept des das-beste-draus machen schon lange; habe ich früher auch: mit Sitznachbarn quatschen, dafür sorgen, dass man Spaß hat und lachen kann; Strategien des Nicht-Einpennens entwicklen: Dazu z.B. unerwünschte Diskussionen mit dem Lehrer anspinnen. Kaputte Stühle hinters Pult stellen und auf den Einsturz warten. Lehrer provozieren, einfach nur, damit mal was LOS ist.
    Wir Lehrer/innen haben die große Schwierigkeit, dass wir da in der Regel alleine unter Wölfen sind, die haben sich und wir haben nur uns: Mein absolt favorisierter Ansatz ist: Endlich Lehrkräfte zu zweit einsetzen. Dann wird die Klasse doppelt so groß, aber es würde helfen, weil die Lehrkräfte ihren Fokus und ihr Bedürfnis nach Anerkennung nicht mehr nur auf die Schüler/innen richten würden, sondern auch auf den/die Kolleg/in. Die Schüler/innen wären hin und wieder sich selbst überlassen (im besten Sinne) und könnten auch mal beobachten, wie erwachsene Menschen miteinander umgehen. Am besten eine Frau und ein Mann: so, wie das in den Vorabend-Regionalsendern morderationstechnisch läuft. Es ist einfach interessanter für alle, man wechselt sich ab an der „Front“. Die sehr große Klasse würde nicht automatisch im Chaos versinken, sondern es bestünde die Chance auf Veantwortungsübernahme seitens der Schüler; ja, sicher, man muss als Lehrkraft in Methoden des selbstorganisierten Unterrichts geschult sein und in TEAMarbeit. Und das ist bei der heutigen Lehrerausbildung, die eher auf den Typus des Alleswissers und Alleinherrschers abzielt, noch nicht möglich. Aber ich bleibe dran … ;-).
    Noch einen: Es war einmal die Alfred-Lichtwark-Schule (1914-37), U.a. haben Loki und Smoki dort ihr ABi gemacht. An der Schule gab es nicht nur Mathe, Englisch Deutsch, sondern auch praktisch täglich Sport, Kunst und Werken.
    Sport, Kunst und Werken: Damit was LOS ist!

  14. Früher, also ganz früher, bekamen man im schwierigen einen Stab in die Hand, die Mütze auf und wurde mit den Ziegen und Kühen auf die Alm geschickt. Nach zwei Jahren Hirtenzeit war man wieder Teil des Dorfes.
    Wann und warum wurde das abgeschafft?
    Oder wie ein Kollege sagt, es wird Zeit für einen schuleigenen Steinbruch.
    Was mich tröstet, ist, dass uns damals auch einer ausgehalten hat.

  15. Über die Einführung der Schülersklaverei wäre ernsthaft nachzudenken! Allerdings nur in Verbindung mit einem Schweigegelübde, auf das dusselige Rumgequatsche habe ich nämlich keine Lust. Arbeiten und Klappe halten, das wäre ok. Grusele mich schon jetzt vor dem Beginn der Rasenmähsaison…

  16. meine augen sind schon ganz viereckig. hab den blog jetzt innerhalb von 5 tagen komplett durchgelesen und mir die nächte um die ohren geschlagen, weil ich – achtung, englisch lk lässt grüßen – addicted to miss freitag bin. man kann da echt nicht mehr aufhören 😀

    ich will auch mal lehrerin werden, das klingt alles so toll!!

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