Mädchen – die besseren Menschen

Vollbracht. Überlebt. Abgehakt. Der Julklapp ist vorbei. Ich liege wieder auf der Couch.
Nachdem ich zwei anstrengende Stunden mit der doofen Achten und der nervigen Siebten verbrachte freute ich mich sehr auf die große Pause. Rauchen, ein bisschen mit den Kollegen quatschen, dann ins Lehrerzimmer und noch ein bisschen mit den Nichtraucherkollegen labern, dann zu meinem Fach, dann Vertretungsplan und schwarzes Brett, dann vielleicht noch ein wenig ins Büro und mit der Sekretärin rum erzählen, dann noch mal eine rauchen. Das wäre eine normale große Pause für mich und eigentlich hätte ich sogar nach der Pause noch eine Freistunde. Die verbringe ich normalerweise bewegungslos auf dem Stuhl am hinteren Tisch im Lehrerzimmer. Gucken, quatschen, nicht bewegen. NORMALERWEISE läuft das alles so. Nicht HEUTE!

Ich will den Raum abschließen und zum Rauchen, da stürzen sich meine Mädchen auf mich: „Ohhhhh Frau Freitag, können wir schon anfangen alles aufzubauen?“
„Aber ist doch noch Pause.“
„Egal. Bitte!“
Ich schließe wieder auf. Nichts mit Rauchen. In drei Sekunden haben sie die Tische exakt so hingestellt, wie ich mir das vorgestellt habe. Drei Mädchen malen Weihnachtsmännner an die Tafel, andere sägen Tannenzweige klein, der Rest dekoriert den Tisch. Dann werden Gurken, Tomaten und Paprika geschnitten. Ich renne hin und her, hole noch Teller und ein paar Messer aus dem Lehrerzimmer, finde in meinem Schrank noch Becher und Pappteller und sogar Weihnachtsservietten vom letzten Julklappfrühstück. Mit den Mädchen kann man echt alles machen. Die würde ich auch mit nach Hause nehmen und meine Wohnung renovieren lassen. Oder, wie mein Kollege neulich sagte: „Der Hassan ist ein Netter. Den würde ich auf meine Katze aufpassen lassen.“ Ja, ich würde alle meine Schülerinnen auf meine Katzen aufpassen lassen, wenn ich welche hätte. Ein Frühstück bereiten die dir echt im Vorbeigehen vor – inclusive Deko und alles.

Die Jungs hingegen – die stehen nur im Weg rum. Der Sportlehrer kommt und bringt mir drei Verletzte. „Vielleicht können die was helfen.“ Wie die schon im Weg rumstehen… am Liebsten will man sagen: Fasst nichts an, macht keinen Lärm und setzt euch da hinten in die Ecke, bis wir hier fertig sind. Jungs sehen auch nicht, was noch gemacht werden soll. Oder sie sehen es, machen es dann aber nicht. Ach wie schön muss eine Mädchenschule sein. Ich würde jeden Tag mit denen den Raum Putzen und dekorieren und mindestes einmal in der Woche gäbe es ein Frühstück. Ach, wie schön wäre die Welt mit nur Frauen. Elif schrieb neulich bei Facebook: „Wenn Frauen die Welt regieren würden, gäbe es keine Kriege. Nur ein paar eifersüchtige Länder, die nicht miteinander reden würden. huuhuuhuu“

In diesem Sinne – ein schönes Wochenende und seid nett zu den Frauen!

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Allgemein

12 Gedanken zu “Mädchen – die besseren Menschen

  1. Leider scheinen die meisten „Mädchen“ nicht in der Lage zu sein, Jungen zu erziehen…
    Eine ehemalige Schülerin von mir hat gerade ein Baby bekommen – einen Jungen. Was postet sie bei facebook zu den Fotos:
    Mein Prinz! Mein Playboy! Mein Player!
    Na, dann….

  2. Ach Frau Freitag, wenn Sie wüssten! Glauben Sie mir ich weiß genau wo von ich rede (ich unterrichte an einer Mädchenschule), 800 pubertierende Mädels auf einem Haufen! Ich meine, wir können gerne mal tauschen ich bin mir sicher es würde nicht all zu lange dauern da würden sie sich ihre Jungs wieder zurück wünschen. 🙂

    • Kann ich nach Praktikum an einem katholischen Mädchengymnasium nur bestätigen! Mädchen sind zwar eine super darin soziale Schmiere zu sein (Mit Grauen denke ich an ein reines Jungs-Gymanasium), doch auch Jungen haben zwischen pubertierenden Mädchen eine puffernde Wirkung… Ich glaube, mit denen bleiben etliche künstliche Fingernägel mehr heil als an einer Mädchenschule…

  3. Ja, wir sind schon nett zu den Frauen, Frau Freitag. Was wäre denn die Welt ohne… kaum auszudenken.
    Mädchen werden anders sozialisiert, leider. Und wenn sie ihre Stärken unter Beweis stellen können, sind sie kaum zu bremsen. Göttin sei es gelobt und gedankt.
    Aber es gibt da auch Jungs, die das können. Und die werden sogar von Mädels umschwärmt.
    Seid nett zu diesen Jungs!

  4. Jetzt fühle ich mich diskriminiert 😦

    Katzen hüten ist im Übrigen eine extrem diffizile Aufgabe btw. an der ich ketztendlich kläglich gescheitert bin, drum hab ich 2 Serienkillermörderkampfschmusehunde. Denen sagt man „Sit“ und „Stay!“ und gut ist.. versuch das mal mit ner Katze!

    Und „Talk!“ Und dann „Shaddap!“ Ja.. so muss das. Versuch das mal bei Fra..uh.. lassenmerdas.. 😉

  5. Die fangen bestimmt auch noch an zu pubertieren und dann gibts Zickenkrieg um angeblich verbreitete Gerüchte und das wollen die dann stundenlang ausdiskutieren und die Jungs stehen daneben und wissen gar nicht was los ist.

    Das ist soooo schwer nicht den Erwartungen an die Geschlechterrolle zu entsprechen…

  6. Bin mir nicht ganz sicher, ob Elif da wirklich recht hat…

    O-Ton Englischlehrerin, 13. Klasse: Jungs hauen sich einer Lapalie wegen die Nase blutig, am nächsten Tag ist alles vergessen. Bei den Mädchen geht der Krieg am nächsten Tag erst richtig los.

    Stimmt trotzdem: Wir putzen nur nach Bedarf (manchmal haben wir bemerkenswert kleine Bedürfnisse), stehn liebend gern im Weg, frühstücken ausschließlich zwischen Tür und Angel, dekorieren unsre Autos/Motorräder/Räder mit Inbrunst, aber die kahlen Wände im Wohnzimmer stören uns nicht, solang der Fernseher für Buntes sorgt.

    Da ist was dran…

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