Der Julklapp nervt schon wieder

Endjahresmüdigkeit. Es ist einfach zu dunkel. Es reicht jetzt langsam. Ich will mich gar nicht über das Wetter beschweren, das kann ja nichts dafür, aber ich habe einfach keinen Bock mehr. Die Schule fängt langsam an zu nerven. Hätte ich was zu sagen – morgen wäre der erste Weihnachtsferientag.

Mein Hals kratzt. Jetzt noch krank werden würde ja so dermaßen sowas von nicht fetzen. Meine Klasse bestand heute nur noch aus 16 Schülern. Alle anderen sind krank. Groß in Mode gekommen scheint bei denen momentan zu sein, sich während des Unterrichtstages nach Hause schicken zu lassen. Sie müssen sich zwar von ihren Eltern abholen lassen, aber das scheint weder die Eltern, noch die Kinder zu stören. Wie soll das denn mit dem Julklapp am Freitag werden, wenn die Hälfte der Klasse fehlt? Vielleicht klappt das ja trotzdem, die Schüler haben ja nur Zahlen und keine Namen gezogen. Sie wissen lediglich, ob sie ein Mädchen oder einen Jungen beschenken müssen. Ich habe Bella gezogen. Beim Ziehen habe ich genau hingeguckt, dass ich einen Zettle mit roter Zahl erwische. Einen Jungen zu beschenken…das fehlt noch…was weiss ich, was die haben möchten.

Da ich die Einzige bin, die weiss wer am Ende wen beschenkt, liegt auf mir mal wieder die Hauptverantwortung. Ich darf am Freitag nicht krank sein. Aber ein Geschenk habe ich noch nicht. Meine Erzieherin Heike hat mich gezogen, aber sie weiss es noch nicht.

„Du Heike, weisst du schon, was du für Julklapp kaufst?“
„Wie? Ich hab doch schon alles zusammen.“
„Echt? Was denn?“ frage ich ganz scheinheilig, denn jetzt kann ich mich ja entscheiden, ob ich die Geschenke dann behalten will.
„Also, so Aufkleber fürs Handy, dann ein Armband aus so ganz bunten Glasperlen, Filzstifte und ganz flauschige Handschuhe in pink.“
„Hmmmm, klingt ja super.“ sage ich. Wohl etwas zu nachdenklich, denn jetzt guckt sie mich skeptisch an.
„Ich hab‘ doch nicht dich gezogen, oder?“
„Doch.“
„Na, Filzstifte… die kannst du doch gebrauchen. Und die Handschuhe sind echt schön. Zeig mal deine Hände. Süüüüß, voll klein, die passen dir bestimmt.“
„Na, ich dachte, dass du vielleicht Bella beschenkst und ich dann nichts hole und eben auch nichts bekomme. Ich brauche nichts, aber mir fällt auch nichts ein, was ich kaufen könnte.“
„Aber die Handschuhe würden dir bestimmt gefallen.“
„Na gut, ich überleg es mir noch mal.“

Was wohl die anderen kaufen? Die Mädchen haben zum größten Teil ihre Geschenke schon zusammen. Und die Jungs?

„Volkan, hast du einen Jungen oder ein Mädchen gezogen?“
„Jungen.“
„Und was schenkst du? Weisst du das schon?“
„Cola.“

Cola???? Vielleicht hätte ich doch einen Jungen ziehen sollen. Ein paar Flaschen Limo einkaufen und schön verpacken, das würde ich noch hinkriegen.

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Allgemein

22 Gedanken zu “Der Julklapp nervt schon wieder

  1. Bei mir hat mal einer beim Wichteln ’nen Blumenkohl verschenkt. Kam nicht so richtig gut an. (Junge an Junge, nicht dass das was geändert hätte.)

  2. Jetzt am 21.12. ist der kürzeste Tag, dann bleibt alles bis zum 6.1. unverändert, und dann wird die Helligkeit wieder länger. Ist doch eine Perspektive, Frau Freitag, oder?

  3. Das Schärfste waren bei unseren Julklapps die Riesen – Döner, die sich Emre und Ömür gegenseitig vereehrten – schön in Weinachtspapier verpackt, versteht sich. Jungen!

  4. Frau Freitag, mach mal Julklapp anders, ohne Stress. Jeder bringt ein geschlechtsneutrales Geschenk mit, die Geschenke werden in die Mitte gestellt, jeder nimmt sich eins, und dann wird für 10 Minuten oder so reihum gewürfelt. Bei ner 3 wird das Geschenk nach links weiter gegeben, bei ner 4 nach rechts, bei ner 1 und bei ner 6 darf der, der gewürfelt hat mit dem tauschen, mit dem er wil. Nach 10 Minuten alle auspacken, und dann das gleiche gewürfle nochmal so 5 Minuten mit den ausgepackten Geschenken. Und wenn der Wecker klingelt, muss man das behalten, was vor einem steht. Kein Stress vorher!

  5. *lach*

    Das ist ja mal ’ne geile Antwort!
    „Cola“. Sonst nichts.
    Ja, Frau Freitag, hättense mal ’nen Jungen gezogen, so einfach sind wir Jungen/Männer zufriedenzustellen.

  6. Julklapp und das ganze Kommerzschenken, das in dieser Welt betrieben wird, hilft letztlich eh nur der Industrie. Auf der einen Seite will keiner etwas kaufen und auf der anderen Seite will der/ die Beschenkte den Müll/ Kitsch nicht haben.

    Ich verschenke nur noch etwas, wenn mir etwas tolles und geeignetes für jemanden einfällt – und dafür brauch ich dann auch keinen speziellen Tag.

    Das Folgende ist zwar unpassend zum Thema, aber als „Neuleser“ dieses Blogs fällt mir zu diesen unsäglichen Zuständen als mögliche Lösung folgendes ein:

    Es wird wieder eine Vorschule eingeführt, deren Teilnahme ausnahmslos verpflichtend ist. Ziel dieser Vorschule ist es, den Kindern die Grundlegenden Benimm- und Verhaltensregeln beizubringen. Die Vorschule ist jederzeit absolvierbar (muss nicht zwingend vor der ersten Klasse sein => z. B. für Schüler mit Migrationshintergrund).

    Wer diese Vorschule nicht besteht oder im weiteren Schulverlauf mehrmals wiederholt auffällig wird, hat kein (weiteres) Recht auf Bildung in öffentlichen Schulen und darf sich auf irgendeine Weise teuren Privatunterreicht leisten. Wer das nicht kann oder will: Streichung aller Leistungen (von Kindergeld bis Hartz IV). Wolln mal sehen, ob das nicht Wirkung zeigen würde. Denn mal ehrlich… viel müssen die Kids dafür eigentlich nicht tun und ggf. nehmen Eltern mal wieder Ihre Erziehungsaufgaben wahr. Vor 25 Jahren ging es auch ohne solche speziellen „Vorschulen“. Aber von vernünftiger Zucht und Ordnung will heutzutage keiner mehr etwas hören…

    • „Wer diese Vorschule nicht besteht oder im weiteren Schulverlauf mehrmals wiederholt auffällig wird, hat kein (weiteres) Recht auf Bildung in öffentlichen Schulen und darf sich auf irgendeine Weise teuren Privatunterreicht leisten. Wer das nicht kann oder will: Streichung aller Leistungen (von Kindergeld bis Hartz IV)“

      – Sorry, aber ein ziemlich asozialer Vorschlag. (Asozial im ursprünglichen, korrekten Sinn)

      Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass der erdrückend große Anteil der Kinder im Vorschulalter und Schulanfänger noch immer wissbegierig und „brav“ sind.
      Und teurer Privatunterricht, samt Streichung aller Leistungen, wenn die Kinder nicht bestehen? Unfug. Manche Kinder sind eben nicht so gut. Und wie soll das denn funktionieren, damit werfen Sie unterpriviligierte Kinder, Migrant oder Nicht-Migrant, schon im Vorschulalter auf die gesellschaftliche Müllkippe.

      Welche Forderung kommt als Nächstes? Wiedereinführung des preußischen Stände-Wahlrechts, weil das Prekariat eh zu dumm zum Wählen ist?

      • Sorry für den Doppelpost.

        „Zucht und Ordnung“. Bei diesem Ausdruck hätte ich schon hellhörig werden müssen, der passt wunderbar zu Ihren vorherigen Aussagen.

      • Hallo Tades75,

        es scheint mir, dass Sie mich oder die Lage falsch verstehen – vielleicht auch beides. Ich gebe allerdings zu, dass ich mich ein wenig provokativ ausgedrückt habe.

        Ich hege keine Absicht möglichst viele Kinder im Vorschulalter schon auf die Müllkippe zu verfrachten – ganz im Gegenteil. Ich möchte die Müllkippen aus den Klassenzimmern verbannen. Zum Wohle der Kinder, Lehrer & Eltern und für unsere Zukunft.

        Die Vorschule soll daher die normalen Erziehungsmaßnahmen wiederholen, die im Idealfall die Eltern schon vorher angewandt haben. Wenn die Eltern ihren Job richtig gemacht haben, haben die Kinder dort nichts auszustehen. Und wenn die Eltern die Erziehung vernachlässigt haben, bekommen die wissbegieren (aber nicht „braven“) Kinder eine gute zweite Chance.

        Ich habe in keinster Weise davon gesprochen, dass Kinder, die nicht „intelligent“ (Sie haben „gut“ geschrieben) sind, vom Unterricht ausgeschlossen werden sollen. Nur penetrante Störenfriede. Denn für Manieren muss man nicht sonderlich intelligent sein.
        Unfug ist Ihre Anmerkung des preußischen Stände-Wahlrechts. Da sind Sie ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen.

  7. Ich habe ohnehin den Eindruck, dass verschiedene Läden ihren gesamten Jahresumsatz nur mit Wichtelgeschenken machen 😀 😀 😀
    Aber Cola, keine schlechte Idee, die kann man immerhin trinken und steht nicht einstaubenderweise im Regal oder muss als Sondermüll entsorgt werden 😀

  8. Liebe Frau Freitag,
    ich habe mal eine Frage an die Allgemeinheit; warum malen Schüler (vor allem meine) im Unterricht? Ich meine reicht die wöchentliche Doppelstunde Kunst nicht aus oder was? Erst letztens kam die Kunstlehrerin auf mich zu : ,,Du, Frau Silentium, sag mal deine Schüler sind aber nicht so begeistert von Kunst…“ Ich dachte mir nur:,, Naja an wem mag das wohl liegen, an mir vielleicht, oder unterrichtest du Kunst?…“ Das Gespräch lief darauf hinaus dass 11 Leute fehlten, 12 “voll fett keinen Bock“ hatten und fünf sich sowieso kontinuierlich mit was Anderem beschäftigten. Aber im Unterricht malen, das geht. Ist unsere Schülerschaft nicht paradox? Nicht das mich dass schocken würde, ich bin sichtlich Schlimmeres gewohnt aber ich heiße nicht um sonst Silentium, ich mache meinem Namen alle ehre! Gut, meine Klasse besteht aus 32 Kreaturen die zwar äußerlich an Menschen erinnern, aber vom Verhalten her glatt wild gewordene Schimpansen sein könnten… Was mit den anderen vier ist? Nun ja ’ne Hand voll Streber hat selbst meine Klasse … Aber zurück zum Malen. Ständig muss ich mir von irgendwelchen Fachlehrern anhören was die lieben Kleinen (8.,unvorstellbar bald 9. Klasse) wieder gemacht oder eben nicht gemacht haben, ist das denn meine Schuld? Bei mir machen die sowas nicht!

    • malen beruhigt. Machen sie denn in kunst heimlich Mathe? ich finde es gibt schlimmeres als malen im unterricht. zb massives stören, das nervt doch viel mehr. meine schreiben briefchen.

  9. Ach, Frau Freitag wissen Sie bei mir machen die das nicht, obwohl ich nichts dagegen hätte! Aber ich muss mir so etwas dann von meinen überforderten Kollegen anhören. Ich für meinen Teil bin voll dafür wenn meine Schüler kreativ sind!

  10. da macht man sich so einen kopf, was man verschenken könnte, was dem anderen auch gefällt…und dann ist es scheinbar doch so einfach. cola … man könnte auch einen sack kartoffeln kaufen und jeder bekommt eine..

  11. Cola finde ich super, darüber hätte ich mich voll fett gefreut! Döner wäre ebenfalls ok. Ich habe Handyaufkleber (Superstar-Teilnehmer) und alte Lebkuchen bekommen. Naja, auch super, irgendwie.

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