Die Kacke mit der Jacke

Also nochmal was zur Kleiderordnung in meinem Unterricht. Es wird kalt draußen. Der gemeine Schüler trägt jetzt Jacke. Da gibt es alles Mögliche: Polyestermäntelchen, Jeansjacken, Leder- und auch total dicke Daunenjacken. Im Winter wird die Jacke für den Schüler zum Haus. Wie eine Schnecke verkriecht er sich dadrin. Der normale Mensch zieht seine Jacke aus, wenn er sich in geschlossenen Räumen aufhält. Nicht so mancher Schüler. Nun gibt es unterschiedliche Gründe, warum Schüler ihre Jacken im Unterricht anbehalten wollen:

1. Es ist in dem Raum kalt und sie frieren.

2. Ein Schüler oder eine Schülerin schämt sich seiner oder ihrer Körpermaße und möchte sich möglichst flächendeckend verhüllen, da er oder sie sich nicht unsichtbar machen kann.

3. Der Schüler ist so stolz auf die Jacke, dass er möchte, dass man sie die ganze Stunde lang sieht.

4. Das Jackeausziehen ist dem Schüler zu anstrengend.

5. Der Schüler denkt, dass der Unterricht schneller vergeht, wenn er die Jacke anbehält.

6. Die Jacke ist so warm, dass der Schüler darunter nur ein T-Shirt trägt und dann frieren würde.

7. Der Schüler wird von seinen Mitschülern geärgert und empfindet die Jacke als Schutz/Panzer. Diese Schüler haben auch gerne ihre Sweatshirt-Kapuze auf.

8. Der Schüler weiss, dass der Lehrer möchte, dass jeder ohne Jacke im Raum sitzt und deshalb lässt er die Jacke an. Um die Aufmerksamkeit des Lehrers zu bekommen. Er möchte bewusst gegen die Regel „Jacken aus im Unterrichtsraum“ verstossen, weil er austesten möchte, was der Lehrer dann macht. Passiert nichts, dann kann er in der nächsten Stunde eine weitere Regel aushöhlen – im Unterricht essen und trinken, Musikhören, mit dem Handy spielen usw.

Die Provokation mit dem „Jacke anbehalten“ zu beginnen ist keine dumme Idee, denn man kann sich ja zunächst auf ein kleines „Mir ist aber kalt“ Geplänkel mit dem Lehrer einlassen. Holt man gleich das Handy raus, verstößt man zu offensichtlich gegen die Regeln.

Wenn man eine Weile unterrichtet, kann man schnell erkennen zu welchem Jackeanbehalte-Typus ein Schüler gehört. Die dünnen Stoffmäntelchen der dickeren Mädchen übersehe ich auch oft, denn da ist schon klar, dass die das Hüftgold verstecken sollen.
Mein Freund aus der Achten neulich – welcher Jacken-Typ war der denn wohl? Dick ist er nicht, geärgert wird er nicht, kalt war ihm nicht – richtig – er wollte lediglich provozieren und das nicht zum ersten Mal. Und ihr könnt mir auch glauben, dass ich den Eltern nicht nur geschrieben habe, weil der seine Jacke nicht ausgezogen hat. Der möchte sich mit mir messen und das kann er haben.

Und an die Junglehrer – man bringt euch – hat man mir ja auch- immer bei, dass die Schüler sich an die Regeln halten, wenn man sie gemeinsam erarbeitet. Das stimmt schon und ich habe mit meinen Klassen auch immer ganz herrliche Klassenregeln erstellt, aber es gibt Regeln, die man nicht mit Schülern aufstellt. Und dazu gehört – Jacke aus.
Wir einigen uns ja auch nicht gemeinsam darauf, dass „Wir niemanden aus der Klasse erstechen.“

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Allgemein

92 Gedanken zu “Die Kacke mit der Jacke

  1. >> Wir einigen uns ja auch nicht gemeinsam darauf, dass „Wir niemanden aus der Klasse erstechen.“ <<

    Ganz ehrlich: Ich finde, dass so eine Regel für ein einigermaßen erfolgreiches Zusammenleben und auch für die Konzentration auf den Unterricht schon wichtig wäre. Dachte aber bisher, dass es in Deutschland noch nicht SO weit gekommen ist, dass in Schulen die SPO nicht mehr gilt.

  2. Hmm….. wird er denn ohne Jacke schneller klüger? Was lernt er, wenn er die Jacke ausziehen muss / anbehalten darf? Wär die Zeit, die man braucht, um ihm die Jacken-Bekleidungs-Regel beizubringen nicht besser verwendet, wenn er beispielsweise was über Prozentrechnen, Picasso, Marmelade kochen, Drogen, die-Sache-mit-den-Mädchen ……… Prioritäten-setzen lernen würde? Oder geht das mit Jacke-an gar nicht?
    (Ist die Jacke das neue Kopftuch?)

    • Du scheinst immer noch nicht verstanden zu haben das es nicht einfach um Jacke anbehalten geht sondern um ein Machtspielchen. Wenn sie ihn das durchgehen lässt wird er das nächste mal wärend dem Unterricht essen, mit dem Handy spielen oder anderweitig stören. Er testet ihre Grenzen und sie will sich Respekt verschaffen.

    • Wenn du über jeden Regelverstoß hinwegsiehst, der eigentlich gelten sollte, testen die Schüler das weiter aus. Natürlich nervt es tierisch, dass man sowas immer wieder machen muss. Aber die Botschaft ist klar: Mit mir nicht. Lieber trage ich das bei Kleinmist aus wie in meinem Fall Jacken raus aus dem Unterrichtsraum, als dass ich das mit großen Problemen machen muss. Das mag man nun glauben oder nicht, aber eine Lehrkraft, die ihre Regeln durchsetzt und dabei berechenbar bleibt (und berechenbar nicht im negativen Sinn, sondern im Sinn „Der Schüler weiß, wie weit er gehen kann“), ist besser als die Larifarilehrkraft. Der unterichtende Kumpel funktioniert nicht.
      (Und eine Klasse, die dick vermummt vor dir sitzt, sieht nebenbei aus wie auf dem Sprung…. dabei haben die im Jetzt und Hier zu sein.)

      • Hallo „umblättern“
        Du hast prinzipiell recht – Lehrer sollten konsequent bei ihren Regeln und dabei für die Schülerinnen und Schüler berechenbar bleiben. Ich frage mich bloß: wozu soll ich mich aufregen, wenn sie mit den Jacken in der Schule sitzen? Wenn der Unterricht ansprechend ist, wird ihnen sowieso warm – und dann ziehen sie die Jacken freiwillig aus.

      • Ohje…ich würd mich jetzt nicht gerade als Larifarilehrkraft oder unterrichtenden Kumpel bezeichnen (lassen).
        Aber -Respekt kann man nicht durch Gehorsamübungen erwerben.
        Und zwischen „wir ziehen unsere Jacken an“ und „wir stechen während des Unterrichts niemanden ab“ ist schon ein kleiner Unterschied.
        Machtspiele werden zu zweit gespielt. Oder müssen LehrerInnen zwangsweise auf jede pubertäre Widerstands-Regung eingehen – wenn der Knabe in seiner Jacke lernt, was er lernen soll … prima.
        Respekt kann ja auch sein:
        Lass ihn anziehen was er will – solange es das Ziel der Veranstaltung Schule nicht stört.
        (Aber vielleicht bin ich mit über 50 und männlich auch schon zu alt für diese Art von Streitigkeiten.)

      • (Ah, wieso kann man nicht mehr aufeinander antworten, böses WordPress -.-)

        Kommt das nicht auch darauf an, an welcher Schule man unterrichtet? Wie die Klasse ist, die vor einem sitzt? Vielleicht liegt das auch daran, dass man als Frau vielleicht doch mehr um den Respekt kämpfen muss oder wie viel natürliche Autorität man ausstrahlt?
        Ich will nicht, dass meine Schüler mit ihren Jacken im Unterricht sitzen. Gut, das Problem habe ich jetzt persönlich nicht, meine Schüler schwitzen sowieso pausenlos und während ich schon mit Strumpfhose in die Schule marschiere, lümmeln sie noch im T-Shirt vor mir herum. Anderes Beispiel: Ich will nicht, dass meine Schüler ihre Taschen auf dem Tisch liegen haben. Ich sehe sie nicht mehr richtig, sie können hinter den Taschen bunkern, was sie wollen (Handy und Co.) und ständig wird darin rumgekruscht.
        Jetzt sagt mir ein anderer Lehrer: Ist mir doch schnuppe, ob die ihre Taschen da rumliegen haben. Dann kann ihm das gut und gerne egal sein, mir ist es im Umkehrschluss wurst, ob meine Schüler trinken, solange sie nicht pausenlos an der Flasche nuckeln…. Aber wenn es MICH stört und ich den Schülern das klar mache, dann haben die nicht provokativ ihre Taschen auf dem Tisch zu platzieren.
        Und im Falle Frau Freitag und im Falle bestimmter Schüler ist das einfach reines Austesten von Grenzen, das ich zu rechter Zeit unterbinden muss, bevor ich später nur noch damit beschäftigt bin, meine Autorität wieder aufzubauen.
        Von Gehormsamsübungen kann hier nicht die Rede sein, sondern davon, dass man hinter seinen eigenen Regeln steht. Wenn ich die Schüler machen lasse, was sie wollen, und nicht durchsetze, was mir wichtig ist, wo lande ich dann? Wenn das bei Ihnen einfach so funktioniert: Eine riesige Portion Neid. Bei mir tut es das leider nicht.

      • an Pascal:
        Was umblaettern schreibt, kann ich aus Ex-Schülersicht nur bestätigen. Schüler (gerade die männlichen) brauchen Autoritäten und Vorbilder, an denen sie sich reiben können. Dabei waren für mich damals Gerechtigkeit und Konsequenz sehr wichtig – aber natürlich genauso auch Lob als Ansporn, Freundlichkeit und ein eigenes Interesse des Lehrers am Unterricht. Im Grunde hätte ich es übrigens nicht gut gefunden, wenn ich über wichtige Regeln abgestimmt hätte. Man stimmt ja auch nicht mit 18 darüber ab, ob man die geltenden Gesetze annehmen möchte.
        Bei der Jackenproblematik lernt man meiner Ansicht nach auch endlich mal was fürs Leben, das über dominant-rezessive Vererbungslehre oder den verkürzten Dominantseptnonakkord mit Quint im Bass hinausgeht: Dass es Regeln gibt, an die sich alle halten müssen. Und mit der Jacke übt man für größere und wichtigere Bereiche, und kann sich ja später immer nnoch darüber unterhalten, ob man im Unterricht das Wassertrinken erlaubt.

  3. Die Diskussion , warum man sich nicht gegenseitig erstechen soll , würde ich gern miterleben . .. ..

    Naja aber Fr. freitag braucht danach bestimmt viel Nervennahrung .

    Die JAckentypen gab es vor 25 Jahren auch schon . wobei Nummer 8 im Gedächtnis hängen geblieben ist.

    ein schönes WOchenende carlinda

  4. Sehr schön analysiert und sehr schöner Schuss vor die Knie von allen „Kumpeltypen“ die lieber auf Freundschaft statt auf Vernunft und Respekt setzen.

  5. „Passiert nichts, dann kann er in der nächsten Stunde eine weitere Regel aushöhlen“

    Genau dieser Punkt ist es nämlich, der das Jacke-an nach sich zieht. Und darum gilt bei mir eben auch: Jacke aus!

    … und dass keiner den anderen ersticht – hat bisher auch geklappt… 🙂

      • Dem Schüler, weil er damit auch eine allgemeine Verhaltensregel für die Arbeitswelt und z.B. das Vorstellungsgespräch mitnimmt.

      • Der Vergleich mit der Arbeitswelt hinkt. In der Arbeitswelt suche ich mir selbst die Arbeitsstelle aus und kann sie jederzeit verlassen, wenn mir was nicht passt. Außerdem bekomme ich dafür bezahlt. In der Schule herrscht der Zwangskontext. Die Schülerinnen und Schüler suchen sich ihre Mitschülerinnen und Mitschüler ebensowenig aus wie ihre Lehrerinnen und Lehrer. Sie müssen hinnehmen, was kommt. Und im Regelfall werden sie auch beim Aufstellen unsinniger Regelwerke nicht gefragt.

  6. Sie sind so verständnislos! Die armen Schüler! Dem ist sicher kalt!
    Und ja , ja ich erkenne den Jackentyp.
    Man kann ( muss man es aber auch? ) über ALLES diskutieren .

  7. frau freitag sie sollte uni seminare geben 😛
    vielen dank nochmal für so ein statement ihrereseits ich denke jetzt ist alles klar zu diesem thema muss auch garnicht weiterdiskutiert
    werden… 🙂

  8. Ich mag es auch nicht, wenn meine Schüler die Jacken anbehalten. Für mich ist das eine Botschaft in Richtung: „Ich mach nicht mit, sondern warte nur auf die nächste Pause.“
    An Alle, die Frau Freitags Verhalten kristieren: mit Jacke ist die Arbeitsatmosphäre futsch und dann lernt die Klasse gar nichts mehr.

    • Genau! Jacke an, möglichst auch noch Handschuhe, Mütze , Schal und WICHTIG! die Tasche muss auf dem Schoß liegen, falls es ein Rucksack ist: stehen.
      Das alles, um klar zu signalisieren: „Ich bin auf der Flucht!“ Oder: „Bin nur auf der Durchreise. Werde mich nicht aufs Arbeiten einlassen.“
      Von wegen: Mir ist kalt!!!!

      • logo – die krise weiss bescheid. frage ich mich allerdings – warum zieht sie bei mir zu hause nie ihre Jacke aus, wenn sie zu besuch kommt…

      • ich glaube frl krise will stören… oder ärgern wir sie zu doll? was auch komisch ist – jacke läßt sie an, aber schuhe zieht sie aus. sehr türkisch….

      • wurde frau krise nicht auch immer füreine türkin gehalten..so mit kopftuch schuhe aus und jacke an…herr erdogan würde sich sicher über eine neue staatsbürgerin freuen..!

      • […]nein, die muss hierbleiben![…]
        höhöhö…das sowieso! aber soll ja auch welche hier in deutschland geben, über die sich herr erdogan freut wenn sie türken bleiben…
        türkische schule eröffnen…
        nenee frl krise ich finde das nicht ok , dass sie ihre klase äh jacke anbehalten is doch ihre beste freundin…sonst bekommen sie noch sonntag morgens keeene frischen bröddels …

  9. Ich frage die SuS dann immer, ob sie auf der Flucht wären. Die meisten brauchen einen Moment, dann ziehen sie die Jacke aus. Oder man lässt auch mal die Jacke an, dann reguliert sich das von ganz alleine. Das finden die nämlich auch blöd 🙂

    Generell ist die Jacke-im-Unterricht-anbehalten- Diskussion aber genauso überflüssig wie die „warum-darf-meine-Tasche-nicht-auf-dem-Tisch-liegen“-Diskussion. Trotzdem führe ich sie täglich, obwohl alle die Regeln kennen und ich keine Ausnahmen von der Regel mache.

    • und wenn die Diskussion so sinnlos ist – wozu dann die Regel? Weil die Schülerinnen und Schüler „auf der Flucht“ sind? Naja – dann muss man sich aber auch die Frage stellen: Warum sind sie auf der Flucht? und vor wem? und was müsste sein, damit sie es nicht nötig haben, zu fliehen?

      • Ach herrjeh …

        Erst soll der Unterricht ansprechender sein, dann wird den Kindern warm (höhö) und dann überlegen, was sein müsste, damit die Schüler es nicht nötig haben, zu fliehen (niedlich).

        Hast Du ne Ahnung, worum es hier überhaupt geht?
        Wäre bestimmt witzig, Dich einen Tag in Freitags Klasse zu sehen, wie die drei Jacketräger Dir Deine schöngeistigen Reflexionen wie auch Deinen „interessanten“ Unterricht um die Ohren hauen.
        Denn Du erlaubst ihnen nicht nur das Jacketragen, sondern natürlich auch das Essen (sie werden bestimmt wieder aufhören, wenn ich so richtig spannenden Unterricht anbiete) und den mehrfachen Toilettengang (bestimmt gehen sie nicht mehr so oft, wenn ich konsequent meine tollen Methoden anwende), und das Beleidigen der Mitschüler (sie lassen das bestimmt, wenn ich didaktisch geschickt agiere)
        EBEN NICHT, Schlaumeier. Manche Sachen müssen bei diesem Klientel ganz plump bestimmt und dann auch durchgesetzt werden. Die Lehrkraft muss ihre Position hier von Beginn an festigen, damit interessanter Unterricht überhaupt erst angeboten werden kann. Und die Jacke ist im besten Falle einfach respektlos, oft aber auch der Versuch, diese Position zu untergraben. Nicht unterschätzen, werter Worohm, wer hier im Unterricht sitzt!

      • @ Musiklehrer: so aggressiv, wie Sie hier schreiben möchte ich nicht in Ihrer Klasse sitzen.
        Wie wär’s zur Abwechslung mal mit folgendem: Erziehung zur Mündigkeit, statt Erziehung zum Gehorsam?

  10. In meiner Klasse heute morgen gegen 8:10 Uhr ( gefühlte 35 Grad, da Heizung pullert wie doof!)
    -2x Dauenen-Jacke ( Provokations-Fraktion)& zu spät
    -4x doppelt Trainingsanzug ( von Kani!) suuuuper chic (also Stolz.
    Fraktion)
    -3x dünnes schwarzes Mäntelchen (die Mädels)
    -2x Lederjacke (ohne Wärmefunktion) (Ckecker-Fraktion)
    -1x Flausch-Teddy Jacke (Frier Fraktion)

    So, nach 8:00 Uhr, 9:40 und 11:20 jeweils die gleiche Diskussion….Zieht eure Jacken aus!

    Ich will wieder Sommer!!!!

      • Wer es Nötig hat, die Unzulänglichkeiten anderer so anzuprangern….

        Hier lesen so viele Kollegen und Kolleginnen, jedem wird aufgefallen sein, dass in meinem Kommentar Rechtschreibung, Interpunktion und Ausdruck falsch waren. Da brauchten sie Anka nicht, die sie mit der Nase darauf stößt!

        Was könnte der Grund sein?

        LRS ? Auch Lehrkräfte dürfen diese Teilleistungsstörung haben und trotzdem arbeiten. Man wird nach Diagnosestellung nämich nicht erschossen.

        Evtl eine Behinderung (Gehörlos, Sehbehindert, Blind)

        Migrationshintergrund….

        Es war beim Niederschreiben unwichtig, da der Kommentar dem Dampf ablassen diente…

        Die Technik wollte nicht….

        Ich würde mich in Ihrem Unterricht nicht trauen einen einzigen Gedankengang zu verschriftlichen. Würde ich mich Ihnen als Mutter schriftlich anvertrauen? Bestimmt nicht. Müsste ich doch fürchten, mein Brief lande am Brett des Lehrerzimmers.

        In meiner unterrichtlichen Praxis geht es vor allem darum Schüler und Schülerinnen, die sehr gefrustet von der Regelschule kommen, überhaupt wieder schulfähig zu machen. Nicht nur Schüler, Eltern und Kollegen wissen um meine LRS. Ich gehe damit offen um. Nach allen Diskussionen um Jacken, Mützen, Kaugummis, Gesprächsregeln, Pausenkonflikte und Arbeitsmaterial erleben Schüler und Schülerinnen, dass Lehrkräfte Menschen mit Schwächen sein können. Das Suchen nach Fehlern an der Interaktiven Tafel (R, Z und A) gehört zu meinem Unterricht und macht mich authentisch. (Hat auch etwas sportliches und wird immer positiv verstärkt!) Meine Schüler und Schülerinnen erzielen in allen Vergleichsarbeiten (Deutsch), die wir mit unserern Nachbarschulen (darunter Regelschulen) schreiben gute bis sehr gute Ergbnisse.

        Warum? Nun eine Erklärung ist:
        Sie trauen sich, bei mir zu schreiben.
        Sie trauen sich, offen mit Klassenkameraden über Schreibweisen zu sprechen.
        Sie trauen, sich einen Duden zu verwenden, der als Klassensatz im Kl vorhanden ist.
        Sie nutzen Duden Korrektor, wissen.de oder manchmal einfach google.

        Meine Schüler und Schülerinnen erleben nie, das etwas nicht richtig schreiben peinlich ist. Aber vielen Dank Anka, dass ich noch einmal nachspüren durfte, wie das damals in meiner Schulzeit so war!

  11. Wenn die Unterrichtszeit dafür verwendet wird, die Kleiderordnung zu diskutieren, dann wir brauchen uns nicht über mangelnde Fachkräfte in der Wirtschaft beklagen.
    Vielleicht sollte dieses Thema als Schulfach anerkannt werden, um die Schulnote anzugleichen.
    KLEIDERORDUNG >> mündliche Beteiligung: Note 1; praktische Umsetzung: Note ??

    Warum ist es eigentlich so schwer Regel und Werte zu akzeptieren und zu respektieren. Ohne den würde das totale Chaos ausbrechen. Dazu hätte ich keine Lust..
    Ein nettes Thema für eine Projektwoche. Auf das Ergebnis wäre ich sehr gespannt.

    • Weil in Schulen Menschen sitzen, denen die Hormone aus den Ohren sprudeln und deren letzter Gedanke der zukünftigen Wirtschaft und eher ihrem Coolnessfaktor und ihrem Drang zur Selbstbestimmung gilt. (;
      Wir waren auch nicht besser, wie haben das nur erfolgreich verdrängt.

      • Natürlich waren wir besser. Viel besser! Wir waren die einzig brauchbare Generation, alle anderen schubsen kleine Baby-Igel in Pfützen!

      • früher war sowieso alles besser!! ich war nicht immer so müde – früher war ich irgendwie NIE müde, komisch.

      • der „Drang zur Selbstbestimmung“ ist ja auch Ziel von Erziehung – also was ist so schlimm an den Jacken?
        Ich hatte in der Schule immer genau so lange meine Jacke an, bis ich sie frewilig ausgezogen habe – weil mir einfach zu warm wurde und weil es schlicht und ergreifend unbequem ist.
        Muss man halt abwarten.

      • Zur Selbstbestimmung brauchen Schüler auch etwas (oder jemanden), an dem sie sich reiben können. Wenn ich über alles hinwegsehe, ist die Reibung nicht besonders groß (;

      • Meine Lehrerinnen und Lehrer haben sich mit derartig unnötigen Diskussionen erst gar nicht aufgehalten, sondern sich auf den Unterricht konzentriert. Und das war keine Alternativschule, sondern ein ganz normales Gymnasium in den 70er Jahren.

      • So etwas hat es zu meiner Zeit (70’er Jahre) nicht gegeben.
        In der Grundschule bekam der eine oder andere Schüler noch das Heft um die Ohren gehauen. Eine Jacke anzubehalten wäre niemals in Frage gekommen. Ich kann mich auch in den Jahren danach nicht daran erinnern, dass es im Unterricht Diskussionen darum gab. Ich besuchte eine Ganztagsschule, unsere Jacken verstauten wir in unseren Schließfächern. Auch während der Oberschulzeit oder der Unizeit kann ich mich nicht daran erinnern, dass Schüler/Studenten mit Jacke und Mütze vermummt im Unterricht saßen. Man zog sich halt entsprechend warm an.

        Es soll ja nun niemand im Unterricht frieren, deshalb würde ich als Lehrer meinen Schülern einen
        wunderschönen übergroßen Damenpullover – statt der Jacke anbieten. Ich denke, dass sich die Schüler beim nächsten Mal entsprechend einkleiden.
        Und wenn es um mein Kind gehen würde, dann würde es erst gar nicht mehr aus der Jacke herauskommen, bis es ihm aus den Ohren hängt. Dafür würde ich schon sorgen.

        Was ich damit andeuten will ist, es ist gut wenn Kinder lernen selber Entscheidungen zu treffen, Verantwortungen zu übernehmen und auch die Konsequenzen zu tragen. Es gibt aber Bereiche, in den Kinder auch lernen müssen, Regel zu befolgen. Das hat auch etwas mit Vertrauen und Vorbildfunktion zu tun. Wenn ein Kind diese Bereitschaft nicht hat, dann wird er es als Erwachsener sehr schwer haben sich in irgend einer Form anzupassen. Diese Anpassung hat nichts mit Unterwerfung zu tun, sondern der Bereitschaft, ein Teil der Gesellschaft zu sein. Es ist natürlich auch wichtig zu lernen Fragen zu stellen und Dinge zu hinterfragen, um eine eigene Meinung zu bilden.

        Man wird mit oder ohne Jacke nicht schlauer, aber man signalisiert, dass man ein Teil der Gemeinschaft ist, wenn man, wie die anderen auch, die Jacke ablegt.

        Beim familiären Frühstück, Mittagessen oder Abendbrot trägt man doch auch keine Jacke – oder? Wenn man in ein Restaurant geht zieht man doch auch die Jacke aus oder nicht? Beim Schwimmen gehen trägt doch auch Badebekleidung statt Jacke, obwohl das Wasser manchmal bitter eisig sein kann.

      • Es waren auch nicht alle Lehrer gute Lehrer und nicht alle Lehrerinnen gute Lehrerinnen. Die Prügelstrafe in den Schulen Österreichs wurde erst 1975 offiziell abgeschafft – was noch nicht viel für die Praxis bedeutet. Da waren echte Kotzbrocken dabei, die uns verdroschen haben. Auch das habe ich erlebt.
        Und ich habe erlebt, dass es Lehrerinnen und Lehrer gab, denen die Bekleidung herzhaft egal war. Da ging es um was anderes: Um Unterricht z. B. und um Beziehung.
        Ich halte ja diese ganze Diskussion für ziemlich überflüssig. Und an sich ist sie ein Zeichen, dass es immer noch darum geht, Regeln durchzusetzen, die sowieso niemanden interessieren. Da ist schade um die Zeit. Und so lange iwr uns mit solchen Themen an den Schulen beschäftigen, wird sich auch nichts ändern.
        Natürlich gebe ich dir recht: Wenn man schon Regeln aufstellt, dann sollte man auch auf deren Einhaltung pochen. Ich würde mcih als Lehrer um andere Dinge kümmern. Da gibt es sicher noch genug Potential, seine Macht zu demonstrieren.

      • Ich glaube, dass die Prügelstrafe bei uns zur selben Zeit abgeschafft wurde.
        Auch ich finde, dass diese Diskussion um die Jacke völlig überflüssig ist. Die Jacke bleibt aus …. zurück zum Unterrichtsthema. Ich würde mir auch mehr Rückendeckung von den Eltern wünschen. Oft sehe ich, dass Eltern und Lehrer nicht zusammen arbeiten, wenn es um die Erziehung der Kinder geht.
        Das Motto heißt: Lehrer ersetzen nicht, sondern sie ergänzen die Erziehung der Kinder. Der Bereich angemessener Kleidung fällt unter der Rubrik der Eltern. Leider sind viele Kinder auf sich allleine gestellt und können nicht unterscheiden zwischen Selbstverantwortung und sich leiten/führen/erziehen zu lassen. Deshalb auch diese Konflikte in der Schule.

      • Du sprichst da ein grundsätzliches Problem an: die wechselseitige Anerkennung und Wertschätzung. Lehrer versuchen mitunter die besseren Eltern zu sein und Eltern wollen Lehrerinnen und Lehrern erklären, wie es geht – beides funktioniert nicht.
        Von Axel Honneth stammt die Theorie der Anerkennung und dem kann ich viel abgewinnen: Lehrerinnen und Lehrer sollen ihren Schülerinnen und Schülern einen Anerkennungsvorschuss geben und Schülerinnen und Schüler sollen anerkennen, dass ihre Lehrerinnen und Lehrer verletzbare Menschen sind. Eine solche Wechselseitigkeit würde allen Beteiligten gut tun. Diskussionen, ob Jacke an oder aus würden als irrelevant entlarvt werden.

      • Oh ja, diese Probleme kenne ich. Habe viele Jahre im Sozialen Bereich gearbeitet.
        Mir war immer sehr daran gelegen, mit den Eltern und Lehrern an einem Strang zu ziehen. Kindern merken, wenn Erwachsene sich uneinig sind und nicht miteinander kooperieren. Sie spielen dies mit wachsender Begeisterung aus. Den Zahn muss man Ihnen nur ziehen, dann klappt das schon. … und dann gibt es auch keine Diskussion darüber, was mit einer Jacke zu tun ist. 🙂

  12. Könnten Sie nicht – rein zur Vorsicht – die Regel aufstellen, dass die geltenden Gesetze und Verordnungen einzuhalten sind?

    Nicht das einer Ihrer Mishpoken noch auf die Idee kommt zu sagen: „haben wir ja nicht vereinbart“

    Aber als solches: ich mag Ihre Haltung.

  13. Möchte mal sehen, wie das aussieht, wenn der Bankmensch am Schalter Dauenjacke trägt, oder die Bäckereifachverkäuferin hinterm Tresen ihren Flokati (weiß noch jemand, was das ist?)
    Sowas wird eben nicht diskutiert.
    Und schon überhaupt nicht mit Schülern.
    Bei vielen ist die Jackenfragen als Einstieg für ein Kämpfchen gedacht, bei den anderen zum Erzeugen von Volumen.
    Als Chemielehrer hat man es da sehr leicht. Wenn ein Fleck auf die Jacke kommt, oder ein Loch drin ist, kann ja passieren. Zieh sie lieber aus, ist nicht verischert.
    Da fällt mir ein, in Kunst gibt es doch auch Ölfarbe, oder Lack, oder Kleber. Und bestimmt eine wunderbare Geschichte, bei der die Jacke nacher nicht vom vom Tisch abging, wegen Kleber.

  14. Ach Frau Freitag, wir haben zudem noch das Kaugummiproblem und das Hausschuhproblem (bei uns tragen sie Hausschuhe).
    Und das Nicht-den-stift-dabei-haben-problem und … ach was!
    Wir lassen nicht locker und Frau Anja-Prima würde sich wundern, wenn wir das nicht täten!
    Ja, die Müdigkeit…

  15. An meiner früheren Schule hat man das Problem pragmatisch gelöst und das Ganze einfach in die Schulordnung aufgenommen, dass jegliche Jacken, Mützen, Handschuhe etc. pp. , die deutlich als Outdoor-Kleidung zu erkennen sind, grundsätzlich im Unterricht nicht getragen werden dürfen. Einzige Ausnahme für Mützen waren medizinische Maßnahmen (Ohrenschmerzen, Läuse…), sollte man an Ihrer Schule vielleicht auch einführen, dann spart man sich die Lamentiererei.

    • Ja, das ist eben auch meine Meinung. So etwas sollte entweder absolut klar irgendwo festgelegt sein (Schulordnung, Klassenregeln oder was auch immer), so dass gar keine Diskussion möglich ist, ob man das darf oder nicht – dann setzt man es auch durch, notfalls auch mit den Machtmitteln, die man eben hat als Lehrer. Die Diskussion darüber, ob das jeweilige Verbot sinnvoll ist, hat dann schon woanders oder zu einer anderen Zeit stattgefunden, wird aber nicht dann geführt, wenn ein Schüler dagegen verstößt.

      Oder es ist nicht so festgelegt, dann kann man einem Schüler mal sagen, dass man es unpassend oder unhöflich findet – dann sollte man das aber auch argumentativ begründen können. Und man muss sich entscheiden, ob man dann einen Machtkampf führen will; das ist es, wenn keine offizielle Regel besteht, ja nicht von alleine, sondern nur, wenn man als Lehrer mitmacht.

      • Umso schöner, wenn man sie zur Strafe mal abschreiben muss 😀 😀 😀
        Musste man bei uns früher immer für Schneeballwerfen…3x Schulordnung 😀

  16. Wenn die Frage geklärt ist, dass man seine Mitschüler nicht erstechen darf, bleibt ja noch die Frage, was mit den Schülern aus der Paralleklasse ist oder mit dem Busfahrer oder dem Hausmeister oder oder oder . . .

  17. So etwas sollten wir in der Uni lernen! Diese ganzen „wir stellen gemeinsam Regeln auf und daran halten sich alle“ ist ja ganz nett, klappt aber nicht unbedingt von Klasse 1-12. Man darf die Pubertät nicht vergessen, wo alle naturgemäß durchdrehen und permanent auf Krawall gebürstet sind! Allen superschlauen Theoretikern kann man da nur den Tipp geben, mal mit Pubertierenden zu arbeiten!

  18. auch nicht zu unterschätzen ist die geruchsbelästigung durch den mix aus zigarettenqualm (wahlweise joint), urinalstein (die raucherecken-fraktion zieht es in der kalten jahreszeit vermehrt in die toiletten), natürlichem (zuweilen aber auch stark unnatürlichem) Körpergeruch (stichwort: noch zweimal duschen, dann ist weihnachten), bis zu 20 verschiedenen deo düften, mit denen man-meist vergeblich- versucht, die körperausdünstungen der letzten 2 sportstunden zu übertünchen. dies alles liegt auf einer quasi gerüche-basis, die herrührt von der alkoholschwangeren luft diverser discobesuche oder des elternhauses, gepaart mit den gerüchen einer nicht zu unterschätzenden zahl exotischster haustiere wie hund, katze, maus, ratte (lebendig zum kuscheln oder tiefgefroren, als nahrung für das kriechgetier im terrarium),… stichwort terrarium: gerade hier tut sich die bevölkerungsschicht, die garantiert ein leben lang vom spitzensteuersatz unberührt bleibt, hervor, tieren eine heimstatt zu bieten, die sich unsereins (wenn überhaupt) gerne aus sicherer distanz und hinter 10mm starkem plexiglas ansieht.
    ps: mein deutschlehrer hat mich für diese überlangen sätze gehasst.
    pps: diese nachricht wurde nach der rechtschreibreform 2050 verfasst – rotstifte bitte stecken lassen.

    • Oje, mehr Klischees sind Ihnen wohl nicht eingefallen? Ihre Sätze sind formal exaltiert, aber semantisch leer. Herzlichen Glückwunsch! Ich hoffe, Sie berichten hier eine Privatmeinung und nicht das, was Ihren Entscheidungen über Kinder zugrunde liegt!

      • hallo hafensonne, habe einen kurzen moment überlegt, ob ich mein verbales migränestäbchen (baseballschläger) auspacken soll und gnadenlos, mit einer nie dagewesenen fülle von fremdwörtern zurückschlagen soll. nein, mach ich nicht. trotzdem finde ich es schade, dass meine worte so fehlinterpretiert werden können; will sagen, da ist kein einziges klischee dabei. das betrifft auch nicht pauschal meine schülerschaft. wenn ich ihnen aber sagen würde, wie hoch der prozentsatz derer, auf die das verfasste zutrifft ist, sie würden es nicht glauben und ich könnte es ihnen nicht einmal verübeln. mit keinem wort habe ich meine privatmeinung wiedergegeben und wenn ich (was ich in meinem fach musik eh schon nicht gerne tue) kinder beurteilen bzw. bewerten muss, dann ist mir völlig wurscht, wie die aussehen, riechen, gekleidet sind,… Wenn sie aber an teilen meiner privatmeinung interessiert sind-bitte: 1. ich hab mich in diesem verein angemeldet, weil ich ein paar pointierte blogs lesen und schreiben will. 2. ich diskutiere doch nicht ernsthaft über eine selbstverständlichkeit. kein mensch, der nicht mehr die schule besucht, würde z.b. beim besuch eines vhs-kurses auf die idee kommen, seine jacke zu tragen. also versuche ich, dieses quasi brauchtum, den schülern zu vermittel

  19. Das Phänomen ist mir wohlvertraut. Wie man es in der geheizten Klasse in Winterjacken und -mänteln aushalten kann, ist mir ein Rätsel, aber ich habe es längst aufgegeben, mit meinen Schülern (15 – 19 Jahre alt, Ausbildungsvorbereitung und Berufsfachsschule) darüber zu diskutieren. Keinen Bock auf diese Machtspielchen. Manche ziehen nicht mal die Handschuhe aus. Was soll’s? Sollen sie sich doch ruhig erkälten, wenn sie in der nächsten Pause durchgeschwitzt ins Freie gehen, das ist nicht mein Problem … ich bestehe allerdings darauf, dass sie die Kapuzen herunternehmen, sonst sehe ich ja nicht, wer Ohrstöpsel trägt und sie entfernen muss. Wie machst du das eigentlich mit den Ohrstöpseln und den Kopftuchträgerinnen, Frau Freitag? Ich habe dafür keine Lösung.

  20. Hallo 🙂

    Was mich jetzt recht verwundert, ist der dann doch recht unterschiedliche Umgang mit dem Tragen der Jacken. Bei den dickeren Mädchen mit dem Hüftgold wird drüber hinweggesehen, beim anderen Schüler hingegen wird Provokation „erkannt“ und dagegen angearbeitet.

    Leidet darunter nicht wieder die Konsequenz, die doch eigentlich bei allen Maßregelungen gegeben sein soll? Regeln müssten doch eigentlich entweder für alle oder für keinen gelten? Das Argument „Ich sehe aber, dass Du die Jacke aus dem falschen Grund trägst, nämlich nur, um zu provozieren“ kann da ja nun schlecht gelten.

  21. Der Musiklehrer hat einfach Recht!
    Mit das Wichtigste, was viele Schüler lernen müssen, ist, dass es nicht immer nach ihnen geht.
    Bisher wussten die das nämlich oft nicht, weil das Wort „Grenze“ nicht zu ihrem Erfahrungsschatz gehörte.
    Kommt aber spätestens in der Ausbildung extrem doof, wenn sie dann immer noch nicht schnallen, dass man gewisse Vorschriften (z.B. auch Berufskleidung) einzuhalten hat, wenn die Vorgesetzten das so wollen. Und zwar egal, ob die Schüler das für sinnvoll/schön/gemütlich/zu warm/zu kalt halten oder nicht.
    Abgesehen davon hat Kleidung immer auch was mit Einstellung zu tun. Wer tief in die Jacke vergraben ist, am besten noch die Hände in den Taschen der übergroßen Jogginghose ungefähr auf Kniehöhe hängen hat und dann in meinen Unterrichtsraum geschlufft kommt, macht einfach nicht den Eindruck, er sei top motiviert.
    Vielleicht war nebenher auch noch der Tag des Schülers bis dahin schon zum in die Tonne kloppen oder er hatte Stress mit den Eltern oder was auch immer.
    Und das soll ich dann alles mit einer toll geplanten, mitreißenden Unterrichtsstunde auslöschen? Is klar…
    Das wird einem im Ref zwar gerne so vermittelt, aber wenn man mal klar denkt, kommt man schnell auf den Trichter, dass man als Lehrer gar nicht für das ganze Chaos in den Köpfen und Leben der Schüler verantwortlich sein kann, das sie daran hindert, angepasst und interessiert im Unterricht zu erscheinen.
    Mal abgesehen davon bin ich als Lehrerin angestellt, nicht als Animateurin.
    Klar geb ich mir Mühe, den Unterricht gut zu planen und interessant zu gestalten. Aber im Grunde ist es nur mein Job, den Schülern Wissen zu vermitteln. Das darf Spaß machen, muss es aber nicht. Da müssen die Schüler es dann eher nach den Werbespruch einer Limonadenmarke halten: „Spaß ist, was ihr draus macht.“

    Wo ich gerade bei Spaß bin:
    Ein Schüler meiner Klasse schreibt in das Freundschaftsbuch eines Mitschülers.
    Als letztes steht da „Was ich schon immer mal loswerden wollte:“
    Der Schüler schreibt: „Schule, Lehrer, meinen Onkel Kevin…“

  22. Sag mal, es hakt und hackt doch wohl: Das alle die Jacken auszuziehen haben ist eindeutig ein erster Schritt in Richtung Schuluniform! Wenn der Nachwuchs, warum auch immer, die Jacken anbehalten möchte – bitte, warum auch nicht! Wäre mir neu, das man mit Jacke schlechter hört oder lernt. Wenn ich SChüler wäre und merke das mein Lehrer, dass uncool findet das mich die Jacke stört, würde ich es doch erst recht tun … Freiheit besteht darin alles das zu tun, was einen anderen nicht stört.

    Und das mir keiner mit Respektlosigkeit kommt: Wenn mir kalt ist und mein Lehrer mich auffordert die Jacke auszuziehen – dann ist das respektlos! Soll ich mit jedem einzelnen SChüler diskutieren warum er die Jacke abhalten möchte?

    Neineinein – mann kann ein Mücke zum Elefanten aufblasen – man muss es aber nicht ,,,

    • Wenn man es bis hierhin noch nicht kapiert hat, kann auch keiner mehr helfen… Außer die schiere Erfahrung und die haben nicht besonders viele. Fände ich ja amüsant zu beobachten, wie die Kritiker vor einer Klasse bestehen würden mit ihrer Laissez-faire-Haltung. Ich gebe gerne mal meine Klassen ab (;

      • Dat hatt nix mit lässese-fär zu don … Das hat etwas damit zu tun, dass man sich um die wichtigen Dinge kümmert! Wenn sich ein Schüler wohler fühlt, wenn er einen Parka anhat – so what! Was kommt als nächstes: Wenn der Lehrer kein Rosa mag, ist dann Barbie-Verbot?

        Mir ist ein aufmerksamer Eskimo – ach ja Inuit – lieber als ein angepasster Jackenloser.

        Respekt ist wichtig – zweifelsohne – aber Lehrer benehmt euch auch so, das Schüler Respekt haben können. Wenn ihr wegen solcher Kleinigkeiten schon aus der Haut fahrt, wie wollt ihr bei wichtigen Dingen reagieren?

      • Wer spricht denn hier von aus der Haut fahren? Wie stellst du dir solche Situationen denn vor? Dass der blaugefrorene Schüler vor uns sitzt und sich verzweifelt an seine Jacke krallt, die ihn vorm Erfrierungstod schützt, während wir laut schimpfend und schreiend am Jackenärmel ziehen, damit er das Ding auszieht?
        Bei einem normalen Schüler reicht das Verweisen darauf, dass man das Tragen der Jacke im Klassenraum nicht möchte. Der Schüler zieht das Ding aus, Sense. Das ist eine Sache von 30 Sekunden und damit geklärt. Und die Spezialisten erkennt man schon ganz gut, die frieren nicht, die grinsen nur provokativ. Und DAS muss ich mir nicht geben. Mein Klassenzimmer, meine Regeln.
        Seine Position klar zu machen, IST ein Garant dafür, dass man sich um wichtige Dinge aka den Unterricht kümmern kann.

  23. Kabrett, alter Freiheitskämpfer,

    wirklich niedlich: „Wenn sich die Schüler so wohler fühlen…“

    Manche Lehrer stört es nicht, wenn jemand isst (mich schon), andere stört es nicht, wenn gemobbt wird (mich schon) und andere – die wahrscheinlich selber auch nicht so ein sicheres Empfinden für Stimmungen und angemessendes Verhalten haben – stört es nicht, wenn die Schüler dick bekleidet so aussehen, als würden sie nicht lange bleiben (mich stört es).

    Aber um bei der Kleidung zu bleiben:
    Manche Leute finden es o.k. wenn erwachsene Männer heute in schlabbrigen Joggingklamotten und Flip-Flops zur Arbeit gehen und denken, das wäre die neue Lässigkeit – oder gar die neue Freiheit von einer fälschlicherweise empfundenen Uniformiertheit (ich nicht – ich finde diese Leute schlicht stillos).

    Wer über ein gewisses ästhetisches Empfinden verfügt, wird die Freiheit, zu tragen was man will, nicht mit unangemessener Kleidung oder schlechtem Geschmack verwechseln.

    Nun kann man über Geschmack schlecht streiten, aber Angemessenheit und Zuträglichkeit zu einem guten Gruppenklima sind durchaus festzulegende Größen.

    Die angelassene Jacke erzeugt schlicht keine so gute Stimmung bei einer Indoor-Versammlung von Menschen. Das Signal ist eher: Kurz angebunden sein; gerade gehen wollen; nicht sicher sein ob man bleibt … und dieses Gefühl ist nahezu allgemeingültig, soll heißen, die meisten können es nachempfinden.
    Wer die Jacke auszieht nimmt Teil, ist im Hier und Jetzt und lässt sich auf etwas ein. Das ist viel feinsinniger als die Frage nach Uniform oder nicht. Es hat mit Gefühl, Emphatie, Respekt und Gemeinschaftssinn zu tun. Und wenn die Jacken also dadurch stören (Nach Deiner Regel, Kabrett-Popett, störten sie damit die Freiheit der lehrenden Person), kann und sollte es diese Jacke-Aus Regel geben. Ist eigentlich ganz einfach.

    Es wäre ja sogar fahrlässig, Kabrettchen, wenn LehrerInnen die Chance ausliessen, ihren SchülerInnen diese gesellschaftliche wie auch zwischenmenschliche Regel klar zu vermitteln.

    Dein Berater in Stil und Umgangsformen

    Der Musiklehrer

    • Ja, ja – die Musiklehrer, die lieben es geradezu, wenn die Kinder nach Ihrer Pfeife tanzen…

      Ich will es mal mit einem Gleichnis für Musiklehrer versuchen: Wenn ich Musik höre, kann ich an der Art wie die Geige gespielt wird, wie der An-, Auf- und Abstrich erfolgt, wie der Bogen geführt wird, versuchen zu erraten, wie der Virtuose heißt, der uns gerade beglückt. Ich kann aber auch einfach auf die CD-Hülle schauen …

      Was will uns der böse Kabrett sagen? Ganz einfach: Wenn jemand respektlos ist, die Gemeinschaft stört oder unkonzentriert ist, dann sollte man als Lehrer eingreifen – die Tatsache, dass ein Schüler eine Jacke anhat, lässt auf die Gemütsverfassung nur bedingt Rückschlüsse zu. Denn merke: Nicht jeder, der einen Stock in der Hand hat (und sie es nur ein Taktstock) möchte damit auch zuschlagen …

      Dein Berater in Sachen Einfühlungsvermögen …

    • Sehr gut gesagt, Musiklehrer.
      Kabrett hat es vielleicht einfach mit anderen Kindern/Jugendlichen zu tun? Oder er hat gar nichts mit dieser Spezies zu tun?
      Jacke ausziehen ist der erste Schritt zur Schuluniform?
      Und wenn schon?
      In diversen anderen Ländern überleben die Schüler problemlos und ohne nachhaltige Schäden das Tragen einer Schuluniform.
      Und auch Millionen Angestellte tragen Berufskleidung, ohne direkt psychische Schäden davonzutragen.
      Oft gibt es zusätzlich zur Schuluniform auch noch Regeln dazu, ob Schmuck und Schminke getragen werden darf. Bei uns muss im Unterricht womöglich noch mit einer Diskussion über die persönliche Freiheit des Einzelnen gerechnet werden, wenn man verbietet, sich _im_ Unterricht zu schminken.
      Und dann wundern sich alle, dass die Schüler nicht genug lernen…

  24. Komisch ist, dass so ein Kinderkram jede Lehrkraft bloß bis zur Oberstufe interessiert, danach steht jedem Schüler und jeder Schülerin frei ihre Jacke an zu behalten, oder auch nicht. Man möge sich jetzt Fragen welchen Sinn diese ganze Aktion hat, wenn sie doch nur eine Farce ist.

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