Löcher

„Jetzt haben sich die Mädchen schon wieder über eure Ausdrucksweise beschwert.“ teile ich den Jungen meiner Klasse mit.

Die Mädchen durften schon nach Hause und die versammelte Männlickeit versucht mich jetzt möglichst unschuldig anzugucken. „Das kann doch nicht wahr sein, dass ihr soooo eklige Sachen sagt…“
„Was denn, wir haben doch gar nicht…“ versucht sich Berat aus der dem Thema zu winden.

„IHR HABT NICHT????? Berat, du hast doch gesagt: Dein Loch ist so groß, da kann ein ganzer Kopf durch.“
„WAAAASSSS????“ Berat guckt total entsetzt „Das habe ich nicht gesagt! Niemaaaals!“
Taifun weiss es allerdings besser: „Doch hast du gesagt!“
„Nein, ehrlich, habe ich nicht gesagt. Ich schwöre!!! Orhan hat…“
„Was hab‘ ich? Nichts hab‘ ich!“ Orhan guckt jetzt Berat giftig an. Bis eben hat ihn die ganze Konversation nur mäßig interessiert. Aber Berat sieht seine Chance. Er schiebt Orhan vor und sich aus der Schusslinie: „Orhan hat gesagt, dein Loch ist so groß, da passt ein ganzer Mensch durch.“
Orhan schweigt, also gehe ich davon aus, dass das stimmt.

„Und du Berat, du hast nichts gesagt?“
„Nein, ich hab‘ nicht gesagt, da passt ein Kopf durch. Echt nicht.“ nach kurzer Pause „Ich habe gesagt eine Hand passt da durch.“
„Ach, und das ist besser, oder was?“
Berat ist mittlerweile sehr leise geworden: „…aber ich habe nicht Kopf gesagt, ich habe Hand gesagt und ich meinte auch nicht DAS Loch.“
„Welches Loch meintest du denn?“
Gespannt gucken wir nun alle zu Berat. Der überlegt, welches Loch er denn nun gemeint hat.
„Na, na, also nicht das Loch…also eben ein anderes.“

„Okay Berat, lass mal jetzt. Ihr sollt überhaupt nicht so reden und Kopf, Hand oder ein ganzer Mensch… das ist jetzt auch egal. Das muss aufhören, sonst kommt wirklich mal deine Mutter her und wir diskutieren das hier aus. Ich könnte mir vorstellen, dass sie äußerst interessiert ist, was du zu dem Thema zu sagen hast.“

Berat betrachtet die Tischplatte. Die anderen sind auch recht kleinlaut geworden. Für mich ist das Thema damit beendet und den Rest der Stunde lasse ich die Jungs mit LÜK-kästen spielen. Friedlich gehen sie nach dem Klingeln ins Wochenende, aber ich bin mir sicher, dass wir dieses Thema noch lange nicht abgearbeitet haben, vor allem, weil Anil heute gefehlt hat und der bestimmt auch noch viel beizutragen hat.

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Allgemein

22 Gedanken zu “Löcher

  1. *lacht* Oh, wie herrlich. Es will wieder keiner gewesen sein. Jaja, große Klappe nix dahinter. Aber das lernen die auch noch. Ganz bestümmt. Die werden irgendwann auch erwachsen.

    Aber was sind Lükkästen?

  2. Liebe Frau Freitag, warum sind Sie hier nochmal so lieb zu den Jungs?

    Eigentlich sollte es jetzt doch schon einen Brief an die Eltern geben. Werden die Kids dadurch nicht auf die Idee kommen können, dass Sie inkonsequent sind?

    Bitte nicht falsch verstehen, ich habe von Pädagogik fast genauso wenig Ahnung wie von Astrophysik, daher die Frage.

    • stimmt. die brauchen jetzt einen brief. Ich werde die morgen schreiben. Denn inkonsequent will ich in dieser klasse überhaupt nicht sein.

      • Weisst was? Das ist nicht wirklich nur pubertistisch. Eher assig und furchtbar. Ich hab 2 Söhne und keiner davon würde solche Sachen von sich geben! Nicht mal denken. Die sind doch echt kaputt gemacht worden vom TV und von diesem gekachelten Couchtisch! Heute läuft um 20.15 h ein Bericht über Prostitution auf Vox. Hallo? Das war am Samstag Familien-TV. Jedenfalls früher. Alle frisch gebadet, paar Naschis und dann was Nettes gucken.

  3. LÜK-Kästen! Wie süß! Die sind bei meine Erst- und Zweitklässlern auch gerade der Renner!

    Eigentlich sind die Jungs doch noch echte Kinder, zumindest im Kopf (und der restliche Körper spult unerbittlich und autonom sein Pubertäts-Programm ab)

    (LÜK: Lernen-Üben-Kontrollieren;
    Lern- und Übungsmaterlial, für das man einen Kasten mit 12 oder 24 quadratischen Plättchen braucht. Dazu gibt es Unmengen von Heften mit Aufgaben, bei den man 12 oder 24 Fragen und Anworten oder Aufgaben und Rechnungen oder Bilder und Texte usw. zuordnen muss. Wenn man alles richtig gemacht hat, bilden die Rückseiten der Plättche (man muss den Kasten umdrehen und verkehrt herum öffnen) ein vorgegebenes Muster)

  4. Tzzzz….Lükkästen…..voll Grundschule.
    Frau Freitag, mir fehlt an ihrer pädagog. Intervention der Hinweis auf das Frauenverachtende in den losen Reden Ihrer Schüler. Bitte das baldigst nachzuholen….

  5. Lükkästen gibt es mit 12 oder 24 Plättchen, meine ich. Eine Seite der quadraitschen Plättchen ist nummeriert und auf der anderen ist ein Teilmuster in rot, grün oder blau.
    Dazu gibt es Aufgabenhefte. Man nimmt also alle Plättchen aus dem Kasten, nimmt ein beliebiges und löst die Aufgabe der entsprechenden Nummer. Dann legt man das Plättchen auf die Nummer des Ergebnisses im Kasten. So macht man es, bis alle Plättchen wieder im Kasten liegen. Der Kasten wird geschlossen, umgedreht und wieder geöffnet. Hat man alles richtig gelöst, dann ergeben die Teilmuster auf der Rückseite ein vergebenes Bild. Wenn nicht, ist da ein Fehler im Bild. Die falschen Plättchen rausnehmen, Kasten schließen, umdrehen wieder öffnen und die entsprechenden Aufgaben noch mal durcharbeiten .. usw etc.
    Auf die Weise habe ich als Kind die Singvögel gelernt.

  6. Lük = Lerne, übe, kontrolliere.
    Man arbeitet mit einem Aufgabenheft und ordnet die Zahlen auf den Lük – Plättchen den Fragen / Antworten im Lükkasten zu.
    Wenn man fertig ist, schließt man den Kasten, dreht ihn um, und öffnet ihn,sodass man erkennen kann, ob die Plättchen – Rückseiten das als Lösung im Beiheft vorgegebene Muster zeigen.

  7. Falls Sie die Jungs auch in Englisch unterrichten, könnten Sie einen Aufsatz darüber schreiben lassen, warum dieser Song witzig ist und dass man sich mit manchen jungen Damen lieber nicht verbal anlegt:

  8. „Na, na, also nicht das Loch…also eben ein anderes.“

    (Mindestens) handgroß?
    Vielleicht das schwarze Loch dort im Hirn, an der Stelle, wo eigentlich das Schulwissen gespeichert werden sollte?

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