Fass mein Piiieeeppp an

Es weht ein leichter Hauch von Pubertät durch meine Klasse. Die Mädchen sind noch immun, aber bei den Jungen docken erste sexuelle Interessen an. Endlich!
„Frau Freitag, wissen Sie was die Jungs immer zu uns sagen?“ fragt mich Selina auf dem Hof.
„Nein, was denn?“
Jetzt kichert sie und guckt auf ihre Schuhe.
„Die sind sooooo eklig!“ mischt sich jetzt Dilay ein.
„Na, was sagen die denn jetzt?“ frage ich. Langsam interessiert es mich ja auch. Aber was die Jungen sagen scheint soooo eklig zu sein, dass man es nicht mal wiedergeben kann.
Irgendwann traut sich Dilay: „Die sagen immer so Sachen wie: Fass mein Piiiieeep an.“ Nachdem sie mir das mitgeteilt hat, guckt sie peinlich berührt in die andere Richtung. Jetzt steht auch Gina neben uns und berichtet empört: „Ja, und sie sagen immer: Willst du mir einen blasen?“
Dilay und Selina schütteln sich vor Empörung. Jetzt reden sie alle durcheinander: „Jaaaa, das ist soooo eklig.“
„Immer sagen sie das. In Deutsch und in Erdkunde. Am schlimmsten ist Anil, aber Orhan macht auch immer mit und dann kichern sie immer voll lange darüber.“
„Frau Freitag, das ist schrecklich. Die sollen damit aufhören.“
Das pubertäre Verhalten der Jungs scheint den Mädchen wirklich gegen den Strich zu gehen und ich kann mir auch gut vorstellen, dass die Empörung der Mädchen sie zu immer ekligeren Fragen anstachelt. Die Wirkung ihrer perversen Sprache verfehlt ja ihre Wirkung nicht: Mädchen schocken, damit die Mädchen sie beachten.

„Wisst ihr Mädels, die sind wie kleine Kinder, die sich darüber freuen, wenn sie Popo und Kacke sagen können.“ versuche ich zu erklären. „Kacke“ wollen meine Schülerinnen aber auch nicht hören und wahrscheinlich schon gar nicht von ihrer Klassenlehrerin. Das sind richtige kleine Damen, die ich da in der Klasse habe. Ich kann mir noch nicht mal vorstellen, dass es stinkt, wenn die aufs Klo gehen.
„Also meine Lieben, das geht natürlich nicht, dass sich die Jungs vor euch so benehmen. Ich überleg mir was. Versprochen.“ Zufrieden hüpfen sie Richtung Freizeitbereich.

Heute dann die große Ansage an die Jungen: „Jetzt mal was für die Jungen! Es gibt hier in der Klasse Beschwerden über eure Ausdrucksweise. Die Mädchen möchten nicht, dass ihr so dreckig mit ihnen redet. Das muss aufhören. Und zwar sofort. Wir machen das ab jetzt folgendermaßen: Ihr Mädchen schreibt sofort auf, wenn jemand was unangemessenes zu euch sagt. Genauer Wortlaut und wo und wann das gesagt wurde. Am Besten noch dazu, wer das noch gehört hat. Dann gebt ihr mir das und ich werde dafür sorgen, dass der Junge, von dem das kommt einen Brief an seine Eltern schreibt, worin steht, was er gesagt hat. Diesen Brief schicken wir dann nach hause und der muss von euren Eltern unterschrieben werden.“

Ich sehe, wie die Jungen sich diese Situation vorstellen. Keiner sagt was. Ich bin sicher, diese Maßnahme wird die perverse Ausdrucksweise meiner Schüler gehörig eindämmen. Ich gucke in die Runde. Die Mädchen grinsen mich dankbar und zufrieden an.

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Allgemein

20 Gedanken zu “Fass mein Piiieeeppp an

      • hm also wenn ohne mein Wissen jemand einen Blog über mich schreibt, würde ich schon wollen, dass mein Name geändert wird 😀

      • ohhhhhh mannn jaaaaa natürlich sind die namen geändert. und nicht nur die, ich ändere sogar oft das geschlecht. zufrieden????

      • das ist ja das tolle, wenn man den ganzen klimperkram aufschreibt: wenn man findet, da passt noch ein viel beknackterer name zu – no problem, sooooooooooo, noch ne „schantall“ oder watweeßicke. oder wenn n mädchen so doof ist, dass das eigentlich ein junge sein müsste – „kevin“, zack, fertig.

  1. Was sich innerhalb von 6 Tagen so alles tut. Schwupps, spriessen die pubertären Hormone.
    Glückwunsch. Das klingt nach jeder Menge Spaß, die da auf dich zukommen!

    Haha, das Kopfkino der Jungs bei der Vorstellung den Brief ihren Eltern geben zu müssen und wie diese dann reagieren…oh, ich sehe es vor mir. Herrlich. Bin gespannt, wann es soweit ist 😀

  2. Machen wir schon seit Jahrzehnten so, meist genügt ein Brief, bis alle glauben, dass man es ernst meint.“ Ein Hauch von Pubertät“ ist ist ja oft ein Hauch von Pupsertät, dagegen empfiehlt sich ein Referat über Flatulenz und ihre Ursachen, das gut in den Bio-Unterricht zu integrieren ist…(alternativ über die Auswirkung von Biogasen auf den Klimawandel oder die Möglichkeiten der Energiegewinnung aus Biomasse oder was dir sonst noch so einfällt.)

  3. CONSOLIDATED!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    was hab ich mich gefreut!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    frau freitag, lass doch die schüler den text mal übersetzen. dann lernen die auch,d ass man zu ner frau nicht einfach blöd grinsend sagt, „na, willstu mir ein blasen?“, sondern dass frauen unter umständen sogar ihre eigenen wünsche artikulieren und da ist so’n piephahn noch nicht mal auf rang 1:-))

    • „you better learn to love it – YOOUU SUCK!“
      aber dann muss man sich die boyz aus der hood auch genau angucken – sind die fresh oder ist das nur „joop“ ausm karstadt am hermannplatz? vergiss mal den ganzen tinnef mit medienkunde etzettera, ich glaube, „ehehygiene“ bringt da viel mehr.

  4. Pingback: Pubertäre Jungen und Versautes gegenüber den Mädchen « Alles Evolution

  5. Ach Du Scheiße. Frau Freitags Unterrichts- und Disziplinarmethoden sind ein schlagendes Argument dafür, wieder geschlechtsgetrennten Unterricht einzuführen. Die Mädchen instrumentalisieren ihre Lehrerin, die Lehrerin macht einen auf Jeanne d’Arc – fehlt nur noch der obligatorische Hinweis, dass der IQ der Jungen sowieso nur der Hälfte derer der Mädchen erreicht.

    Ich fürchte, Frau Freitag würde niemals auf Wunsch der Jungenfraktion einen Brief an die Eltern eines Mädchens schreiben, wenn dieses mit einem Ausschnitt bis zum Bauchnabel ankäme und einem Röckchen bis an die Beckenknocken. Das wäre dann weibliche Selbstäußerung, das müßte von den Jungen respektiert werden.

    Es ist einfach genau dieselbe Provokation und dasselbe Austesten der entsprechenden Grenzen. Bei Mädchen ist das toll, bei Jungs erfordert es Ausgrenzung.

    • Thomas Reuter: Überdenke doch mal Deine Sprecherposition – vielleicht gelingt es ja, den offensichtlich tief sitzenden Frust über was auch immer dabei kurz außen vor zu lassen.

      Falls es Dir wirklich nicht mittlerweile selbst aufgefallen ist: Das eine ist sexuelle Belästigung (auch wenn die Jungs* es vielleicht ’nicht so meinen‘), das andere ist selbstgewählter Kleidungsstil.

      Und von ‚instrumentalisieren‘ zu reden, wenn eine Lehrer_in versucht, ihren Schüler_innen ein Verhalten beizubringen, mit dem sich in Zukunft beide ‚Seiten‘ (wenn wie hier von Zweigeschlechtlichkeit ausgegangen wird) wohlfühlen können, ist ja wohl der blanke Hohn. Ebenso wie die irrationale Vermischung von der tatsächlich häufig stattfindenden Bevorzugung von Mädchen* in der Schule, die ebenso ein Ergebnis von Sexismus und blindem Geschlechterrollendenken ist wie ätzende Benehmen der Jungs in der obigen Erzählung, mit der Weigerung von Frau Freitag, der Reproduktion von Alltagssexismen und Rape Culture durch die von ihr betreuten Kinder untätig zuzusehen (oder, wie andere, den Mädchen* Tipps zu geben, wie sie damit umzugehen oder sich davor zu schützen hätten, anstatt beim Verhalten der Jungs* anzusetzen!).

      Natürlich ist die Androhung von Sanktionen allein nicht der Schlüssel zu einem respektvollen Miteinander. Aber Frau Freitag hat schließlich auch klar gemacht, was die Mädchen* verletzt und was sie sich anders wünschen. Und ich hoffe, das wird auch nicht das letzte Gespräch zum Thema gewesen sein. Vielleicht können ja das nächste Mal – wenn’s sein muss künstlich herbeigeführt – die Jungs* oder alle, die sich nicht als Mädchen* fühlen, mal von ihren Gedanken dazu berichten?

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