Aua

„RAUS!!!! Sabrina, verlass den Raum und warte vor der Tür!!!!“
„Kann ich meine Tasche mitnehmen?“
„NEIN!!!“
„Jaja, klau’n Sie schön meine Tasche…“
„DEINE BILLIGE TASCHE WERDE ICH BESTIMMT KLAUEN!!!“
Ich bin im Epizentrum meines, meines…. ach, ich weiss es gar nicht. Alles bricht und fällt auseinander. Ich verwalte nicht mal mehr das Chaos – ich bin das Chaos. In meinem Raum sind es 40 Grad. Ich bin seit 7.30 Uhr in der Schule. Jetzt ist es 16.10 Uhr. Ich wusste, dass es hart wird heute. Deshalb habe ich mir in der Videothek einen Film ausgeliehen.

„Wir machen jetzt die Hälfte der Stunde die Berichtigung der Arbeit und dann gucken wir – weil ja bald Ferien sind – einen Film. Aber nur, wenn ihr jetzt alle leise seid und gut mitmacht.“ Leise – ha. Niemand war leise. Eine Schülerin musste ich vor der Klasse schreiben lassen, einen anderen habe ich ins Schulbüro geschickt und den Rest versuchte ich mit Anmecker in Schach zu halten. Es war grauenhaft.

Nach der Hälfte der Stunde will ich den Film starten. Den Beamer hatte ich schon in der Stunde davor aufgebaut. Ich lege die DVD rein und – nichts passiert. Ich drücke verschiedene Knöpfe, nichts. Hinter mir geht der Punk ab. ich kann nicht mehr. Ich habe keine Kraft mehr. Ich könnte heulen. Das ist doch keine Arbeit, was ich hier mache. Das ist die reinste Zumutung. Für mich und für die Schüler.

Wenn es nicht bald klingelt werde ich wahrscheinlich auch noch Gewalt anwenden. Ich will nach Hause. ich stelle mich an die Tür und beobachte das grauenhafte Treiben. Eine Schülerin schmeißt ihre Federtasche auf den Jungen, der ihr gegenüber sitzt. Eine andere haut ein Haarband auf den Tisch. Immer und immer wieder. Einer wiegt mit dem Oberkörper hin und her – Hospitalismus – durch meinen schlechten Unterricht. Einer hat einen viele Kleineren Schüler im Schwitzkasten. Und der Rest schreit oder labert im besten Fall nur vor sich hin.
Ich will das nicht mehr. Das ist doch kein Leben – diese späte Stunde ist die reinste Hölle. Meine Stimmbänder schmerzen. Ich will nach Hause. irgendwann klingelt es und wir verlassen alle mit letzter Kraft den Raum. Der nächste Montag kommt ja erst in drei Wochen. Thank god!!!!

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Allgemein

35 Gedanken zu “Aua

  1. Ich empfehle Ihnen falls Sie verbeamtet sind, zu einem Psychater zu gehen, es dauert ca 6 Monate dann sind Sie im Frühruhestand, man braucht ein paar Nerven aber es funktioniert…

  2. Monday, monday….bei mir wars in der 9. Std. auch nicht viel besser, die Zehner waren so erschöpft vom Wochenende, dass sie nur noch vor sich hingestiert haben oder ihre chronischen Leiden (Kopf, Bauch, Rücken,) beklagt haben… Kreuzung aus Krankenhaus und Altersheim…!

  3. Herzliches Beileid! Das grenzt ja an Körperverletzung und die Aussicht auf den Horror-Montag versaut wahrscheinlich auch schon den Sonntag. Welch ein Kontrast zum letzten Beitrag! Aber dafür ist das Schlimmste für diese Woche schon überstanden. Und jetzt: Ab auf die Couch!

  4. Eine Schulklasse führt man nicht mit pädagogisch wertvollen Erziehungsmaßnahmen, eine Schulklasse führt man wie ein absolutistischer Monarch, Schüler haben nichts zu sagen, und wenn sie mit ihren dummen Fragen den Unterricht stören, kriegen sie dafür eine Verwarnung und in den kommenden Stunden dürfen sie die Hausaufgaben an der Tafel präsentieren. Die Klasse sollte wissen, dass ein Lehrer ein rachsüchtiges Schwein ist, und wer ihn ärgert kriegt schlechte Noten. Wer es verkackt kriegt eine schlechte Note. Generell wird am Anfang der Stunde jemand nach vorne geholt um irgendwas zu präsentieren, und das geht direkt in irgend eine Note ein. So hält man den Druck und die Anspannung der Schüler aufrecht und motiviert sie, die Klappe zu halten und zuzuhören. Schreien ist der letzte Ausweg, und man sollte nur schreien, wenn man eine derartige Autorität hat, dass danach die Stecknadeln hörbar sind, wenn sie zu Boden fallen. Just my two cents, von einem ungestressten Lehrer, dessen strenger Ruf ihm voraus eilt. Niemals Schüler zu Freunden erheben, sie sind und bleiben dumme Kinder, die geschult werden müssen. Mit einer anderen Einstellung schaden sie den Schülern und ihren Nerven.

    • Wenn das die Aussage eines echten Lehrers ist, bin ich froh über mein Kollegium… Macht Schule so echt noch Spaß? Geht man da morgens in die Schule und denkt sich: Heute freue ich mich aber auf meinen Job? Ist das die Art, wie ich meine Tage bis zur Rente verbringen will? Ich kanns irgendwie nicht glauben… Außer, der ursprüngliche Berufswunsch war Feldwebel….
      Da habe ich lieber meine schwierigen Schüler, mit denen ich mich ab und zu mal herumärgern muss (in größerem oder kleinerem Maße) anstatt Kinder vor mir sitzen zu haben, die sich wahrscheinlich nicht mal mehr das Husten trauen. Von der Tatsache, dass Lernen mit Angst ja auch so wunderbar funktioniert, das haben wir als Kind ja schon gemerkt – achnee, stimmt, war ja gar nicht so. Aber wer braucht Lernpsychologie, wenn er seine Ruhe in der Klasse hat… (die man anders auch bekommt, wie genug Kollegen wohl beweisen könnten.)
      Ich bin jetzt lieber ruhig, sonst komm ich bis morgen früh aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus.

      • Von der Tatsache, dass Lernen mit Angst ja auch so wunderbar funktioniert, das haben wir als Kind ja schon gemerkt – achnee, stimmt, war ja gar nicht so.

        Das glauben sie doch selbst nicht? Wachen Sie auf, Sie Traumtänzerin. Ob ein Schüler gut ist oder nicht hängt abgesehen von seiner Begabung davon ab, wieviel Zeit er investiert, und ein Schüler, der befürchten muss in jeder Stunde bloß gestellt zu werden, der lernt. So hat das schon immer funktioniert, erst diese ganze Gutmenschen Pädagogikgülle hat zu einem massenhaften Abbau der Anforderungen und damit einher gehend der Leistungen geführt. Das Abitur in NRW ist einen Dreck wert, es ist lachhaft, es ist keine Leistung. Mein Vater (Dipl. Ing.) kann auch heute als Rentner noch mit geschlossenen Augen sinus Pi/2 etc. benennen, die meisten Abiturienten wissen dank Formelsammlung schon am Tag nach ihren Prüfungen nicht mal mehr was der Sinus überhaupt ist. Mein Neffe konnte mir ein halbes Jahr nach seiner Mathematik Grundkursprüfung in NRW nicht mehr erklären was es überhaupt mit dem Sinus, Cosinus und Tangens auf sich hat. Die Laufbahn dieser ganzen Mehmets, von denen Frau Freitag erzählt, sehe ich schon vor mir, es ist die typische Geschichte der gescheiterten 3. und 4. Generation, weil sich keiner traut, ihnen mal zu zeigen, wo es lang geht. Schlimm genug, dass ihre Väter und Großväter hier unter menschenunwürdigen Bedingungen geschuftet haben, aber dass sie nicht mal die Chance auf das Erlernen von Disziplin kriegen ist der Verdienst solcher Lehrer, wie sie einer sind. Und mein erster Berufswunsch war nicht Feldwebel, er war Offizier, den ich auch durchgezogen habe und nach 12 Jahren als Hauptmann raus aus der Truppe bin.

    • Erstaunlich. Auch ich arbeite in nicht ganz einfachen Klassen, aber ich brauche mich nicht aufzuführen wie eine Kreuzung aus dem HB-Männchen und der Stasi, um im Unterricht für Ruhe zu sorgen. Eigentlich ist das ein Armutszeugnis Ihrerseits – oder, wie es mein Felix heute formulierte, ein Eigentor.

    • (Da hinter dem letzten Beitrag keine Antwortmöglichkeit mehr stand, eben so)

      Ich bin lieber eine Traumtänzerin als eine Lehrerin, vor der sich die Schüler in die Hosen pinkeln. Ich bekomme lieber Vertrauen und ein Lächeln, als zackige Antworten in meinen Ausfragen. Mir macht mein Beruf auch Spaß, ohne dass ich die Unerbittliche heraushängen lassen muss. Und ganz ehrlich ist es doch schnurzegal, was sinus Pi/2 ist, wenn meine Schüler wenigstens wissen, wie man vernünftig und menschlich miteinander umgeht und was gegenseitiger Respekt und Wertschätzung bedeutet.
      Ich fürchte, hier treffen Lehrergenerationen und -ausbildungen aufeinander, die nicht miteinander vereinbar sind. Von nicht kompatiblen Persönlichkeiten will ich gar nicht sprechen.
      Ich fühle mich wohl so, als „Lehrer wie ich es bin“. Meine Schüler sind glücklich mit „einem Lehrer wie ich es bin“. Disziplin haben sie auch so drauf – ganz ohne Angst.Und wenn sie mal schlechte Tage haben (Oder Montag 8. Stunde aus dem letzten Loch pfeifen) – mein Gott, dann ist das eben so. Dann ärgere ich mich und freue mich an einem anderen Tag, wenn sie gut mitmachen. Zu glauben, dass es nur mit Druck geht, ist sehr einseitig, und Kollegen anzugehen, die ihren Unterricht anders führen (ob es nun „virtuelle“ sind oder die im eigenen Lehrerzimmer), ist eine traurige Art, seine Meinung zu verteidigen.
      Und die Antwort, ob man sich so morgens auf seine Job freut, die habe ich nicht bekommen. Welche Schlüsse soll ich denn daraus jetzt ziehen?

      • Den Schluss, dass ich das überlesen habe, weil ich in der Regel von meinem Smartphone aus antworte.
        Mir macht mein Beruf einen heiden Spaß, ich liebe es Lehrer zu sein.
        Tja, und hier kommt der nächste Trugschluss.
        „Und ganz ehrlich ist es doch schnurzegal, was sinus Pi/2 ist, wenn meine Schüler wenigstens wissen, wie man vernünftig und menschlich miteinander umgeht und was gegenseitiger Respekt und Wertschätzung bedeutet.“
        Das klingt ein wenig als würden sie unterstellen, durch einen autoritären Lehrer fingen Schüler an, unmenschlich miteinander umzugehen. Denn um es ganz offen zu sagen, das eine hat mit dem anderen garnichts zu tun. Und auch unsere Seniorengeneration, deren Lehrer zum Großteil so unterrichteten wie ich, sind keine Menschenfresser geworden. Ganz im Gegenteil, im Gegensatz zur heutigen Egoistengeneration verliert man sich dort auch ohne Facebook nicht einfach so aus den Augen, nur weil jemand in eine andere Stadt gezogen ist. Meine Schüler verhalten sich so, wie sie sich verhalten, einfach aufgrund ihrer Erziehung, Sozialisation und persönlichen Erfahrungen. Wenn sich jemand daneben benimmt und andere beleidigt oder schlägt muss man absolut autoritär dagegen einschreiten und Konsequenzen aufzeigen. Dass der Schmusekurs nicht funktioniert zeigt wohl am besten Frau Freitags Umgang mit Anil. Bei Ibrahim macht sie es bereits besser und sie wird es besser machen, und was sagt uns das? Das sagt uns, dass sie es ganz genau so sieht 🙂

  5. Naja, in Halbtagschule hat man das Chaos dann einfach in der 6. Stunde. Ich biete der Stundenplankoordinatorin schon seit Wochen keine Kekse mehr an, weil ich Freitag, 6. Stunde in der neuen 5 abbekommen habe. Da bemüht man sich auch nur, dass sich keiner ernsthaft verletzt… Lernen, was das?

  6. Wie jetzt ? Keine Super-Duper Klasse mehr ?

    Ist ja vielleicht nur ein Ausrutscher…

    Auf Regen folgt stets Sonnenschein !

    Schöne Ferien !

    P.S. Das mit der Tasche haben Sie nicht wirklich gesagt, oder ? 🙂

  7. Gott das is ja Tierquälerei! Wo bist du denn Lehrerin? In Guantanmo?

    Aber ich muss sagen mich erinnert das an meine alte Englischlehrerin. Der E-Kurs war die Hölle und das nciht weil Frau R. keine lust gehabt hätte sondern eher weil sie nur am brüllen war anders hätte ihr garkeiner zugehört .. Im großen und ganzen wars aber genauso wie bei du es beschreibst.

    Liebe Grüße,
    Jenni

  8. Liebe, liebe Frau Freitag,
    seien sie unverzagt, denn wo die Nacht am dunkelsten, ist der Tag am nächsten. Es sind doch nur Wolken, die vorbeiziehen…
    Auf die Stimmbänder hingegen gilt es, Acht zu geben. Ihr Kapital, ihr wichtigstes Werkzeug.
    Ich glaube fest an Sie und wenn ich groß bin, will ich Lehrerin werden!

  9. Es gibt Tage, da fragt man sich in unserem Beruf ernsthaft, warum eigentlich nur Schüler Amok laufen!

    Gestern war mein Tag genauso sch…ön wie der von Frau Freitag und ich habe relativ ernsthaft Mordgedanken gehegt – immer abwechselnd damit, einfach spontan zu kündigen.

  10. Die Schüler sind nicht Schuld!!!!! Wenn meine drei Kids am Montag (ausgerechnet) um 16:00 nach Hause kommen, gehe ich in Deckung. Gibt Essen, aber bloß nicht ansprechen, am besten auch nicht angucken. Die sind fertig für den Rest des Tages. Die Lehrer auch. Sagen (fast) alle, dass es nix bringt! Ich war früher schon in der 7. abwesend (meist geistig, oft auch körperlich). Hier ist für den Sch…..G 8 verantwortlich. Und bei Ihnen?

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