Some things never change

„Na, dann zeichne doch eine Rose. Das passt doch ganz gut.“ sage ich und bin schon leicht genervt, von der Ideenlosigkeit dieser Siebten Klasse.
„Aber ich weiss gar nicht, wie man das macht.“ jammert Sandy Schajen.
Erkan dreht sich zu mir: „Aber Sie müssten das doch können. SIE sind doch eine Rose.“

Will hier noch jemand daran zweifeln, dass Lehrerin der schönste Beruf von der Welt ist? Frl. Krise beklagt sich über ihre Schüler. „Keiner hat ein Interesse an einer Berufsausbildung.“
„Ja, kenn ich. Und pass auf, das wird noch schlimmer, wenn die ganzen Typis in die Schule kommen, die mit denen ihre Zukunft planen wollen. Das wird immer daran scheitern, dass sie es nicht schaffen werden, ihr Zeugnis mitzubringen.“

In mir steigen Erinnerungen an das letzte Schuljahr auf. Ohhhh Mann, wie wenig die sich gekümmert haben. Selbst zu den Terminen, die in der Unterrichtszeit lagen sind sie nicht gegangen. „Der Mann stresst voll.“ Der Mann lediglich bei der Ausbildungsplatzsuche behilflich sein. Sofort sehe ich wieder Fatma und Miriam hinten am Fenste sitzen. Fatma in ihren dünnen schwarzen Mantel gehüllt, Eine zweite Haut, die schon nach verwesendem Tier roch und die sie seit der achten Klasse nicht mehr ausgezogen hat. Und Miriam, mit Handtasche auf dem Tisch und genervtem Gesichtsausdruck. Keinerlei Interesse an der eigenen Zukunft die beiden. Inshallah – wird schon irgendwie. ich werde jetzt noch sauer, wenn ich daran denke, wie die jegliche Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben verschmäht haben. Ich habe gehört, dass die nicht mal versuchen den erweiterten Schulabschluss nachzumachen. „Vielleicht nächstes Jahr.“ Diese Information habe ich von Marcella via facebook: „ich glaube die sitzen zu Hause und machen gar nichts.“
„Echt, oh Mann, wie blöde kann man denn sein?“
„Tja…“
„das muss doch total langweilig sein. Oder sollen die jetzt heiraten? Die Miriam, die will doch keiner, mit ihrer schlechten Laune immer.“ Ich weigere mich weiterhin pädagogisch zu sein. irgendwann können die Schüler (jetzt ja Ex-Schüler) auch mal mitkriegen, was ich von ihrem Verhalten halte.

Und bei Frl. Krises Klasse geht das jetzt auch los. Wie nervend. Jetzt muss die Arme das Gleiche durchmachen, wie ich letztes Jahr. Denn dieses Schluffiverhalten der Schüler geht einem echt an die Nieren. Mich würde das ja sehr interessieren, was Miriam und Fatma jetzt so den lieben langen Tag machen. Kann ja ganz schön langweilig werden, wenn man nichts zu tun hat und alle Freunde auf irgendwelchen OSZs sind. Ich werde die mal gleich bei Facebook danach fragen. Offiziell weiss ich ja nicht, dass sie auf der Maßnahmenschule gar nicht angekommen sind. Werde ich sie also ganz scheinheilig fragen, wie es denn mit ihrem erweiterten Hauptschulabschluss aussieht. hihih, wartet mal einen Moment, ich geh‘ mal zu Facebook.

So, Stunden später. Leider war da wenig los. Ist noch zu früh für diese Nachtaktiven. Und mir fällt auch nichts mehr ein. Morgen wieder mehr. Ich habe den Mädchen Nachrichten geschickt, dass mir mir mal aus ihrem Leben berichten sollen. Man darf gespannt sein.

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Allgemein

8 Gedanken zu “Some things never change

  1. Ein Problem des Kunstunterrichts im Allgemeinen: Jetzt mach mal. Mir hat nie jemand gesagt, wie ich denn vernünftig malen soll. Ideen hatte ich genug, aber irgendwann einfach keine Lust mehr.
    Erst später hat mir eine Freundin erzählt – zu Zeiten, als ich schon längst auf Musik umgestiegen war – dass sie jetzt, in der 11. Klasse verschiedene Zeichentechniken lernen würden. Da kann ich die Aussage: „ich weiß nicht, wie das geht“ schon nachvollziehen.

    • Ich weiss auch nicht, wie das geht…

      Ich glaube, ich hatte ganz gute Kunstlehrer. Die haben versucht, mir etwas über die Aufteilung eines Bildes beizubringen (5te Klasse), über Perspektive (8te Klasse) und über verschiedene Gestaltungsmaterialien (immer mal wieder, von Wasserfarben zu Bleistiftzeichnungen über Wachsmalstiften und Buntstiften zu Dispersionfarben, insbesondere aber in der 10ten Klasse). Oberstufe war ich im Musikkurs.

      Moment? Was habe ich denn in der 6ten, 7ten und 9ten Klasse gemacht? Also in der 6ten hatte ich Handwerk-Unterricht (Laubsäge und Hammer sind ja auch wichtige Lernerfahrungen), 7te müsste ich lügen, 9te war glaube ich Musik…) Jedenfalls hatten wir Kunst alle 2 Jahre im Schnitt, wechselnd mit Musik. Nur bei Musik gab es mehrere Chöre, ein Schulorchester, 2 Blockflötenkreise, privaten Unterricht, etc.pp. (nicht dass ich ÜBERALL dabei war, aber da gab es auch ständig Aufführungen, so dass man halt im Schnitt bei einigem involviert war).

      Für Kunst gab es Kulissengestaltung bei Schulaufführungen (maximal 2 Tage per Anno) und die „Projektwoche“ wo man bei besonderem Interesse (das ich nicht habe) an der Außen- und Innengestaltung des Schulgebäudes beteiligen konnte (ausser der Mäusesäule, die musste in einem neutralen Farbton überpinselt werden, wegen des Kriegdenkmals, Sie verstehen).

      Was ich damit sagen will, auf der Basis hat ein Kunstunterricht wenig Chancen. Es ist bei mir beim „Basteln“ im weiteren Sinne geblieben, Präzision, Durchhaltevermögen, Wissen, … es war nicht notwendig, „nur“ Kreativität, um die 2-4 Projekte im Jahr mit einem „gut“ abzuschliessen.

      Ich verstehe deshalb nichts von Malerei von anderen bildenden Künsten schonmal gar nichts. Das ist bei mir eine absolute Bildungslücke, die man mit Museumsbesuchen nur schwer auffangen kann (wenn man das will, ich werd‘ da immer so schläfrig).

      Ich glaube, dass dem Bereich „Kunst“ einfach viel zu wenig Zeit in der Schule zur Verfügung steht, es viel zu „unwichtig“ ist. Der Schüler an und für sich kann das gar nicht einordnen, es ist – Verzeichung – zu 90% schöne Bastelei, nimmt einen ein bisserl aus dem Schul-Alltagstrott (und kann damit wichtig sein, um die Konzentration für „wichtige“ Fächer wie Mathematik zu bewahren). Ich glaube, es ist in der Regelschule sehr schwer, das Handwerkszeug und das Wissen zu erwerben, um „Kunst“ (wenigstens Teilgebiete) auch nur annähernd einordnen zu können.

      tl

  2. Keine Sorge, in 10 Jahren werden die Maedels auf ihren Sofas sitzen und darueber lamentieren, dass ihnen keiner je ’ne Chance gegeben hat und sie nichtmal ’nen Hilfsarbeiterjob kriegen.

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