Kurzurlaub 3

Ich stelle mich trotzdem an einer der Schlangen an und frage nach dem Süditalienflug, den es natürlich gar nicht gibt und musste über mich selber lachen. Bis dahin war ich noch gut gelaunt und entschied mich, mit dem Bus nach Hause zu fahren, welche man im unteren Stockwerk bei den Reisebüros buchen kann. Auch hier natürlich super voll, meine Hoffnungen schnell nach Haus zu kommen schwanden. Gedanklich stellte ich mich schon darauf ein, zwei Tage am Flughafen auf meinen Bus warten zu müssen. Ein Haufen der Wartenden scheint deutschsprachig zu sein. Ein grauhaariger Mann im Anzug spricht mit ihnen: „Meine Damen und Herren, wir tun ja alles was wir können, es dauert jetzt wirklich nicht mehr lange.“ Er trägt ein Schildchen mit Bundesadler und ist von der deutschen Botschaft.

Hinter den Wartenden sind die Reisebüros. Schon das zweite Büro, in dem ich frage bietet Busse direkt in meine Heimatstadt an! Dies behauptet zumindest einer der rumschwirrenden geschäftstüchtigen Verkäufer an, die hin und herlaufen. Es gibt nur noch einen Platz und der Bus fahre in 15 min. ab. Ich müsste mich also schnell entscheiden. Kostet 250 €, den Preis habe die „deutsche Botschaft“ festgelegt. Ja klar. Ich komme mir über den Tisch gezogen vor und greife trotzdem zu.

Schnell stellt sich heraus, dass alle Deutschlandbusse nur bis nach München fahren und ich muss ja in den Norden. Ich will mein Ticket umtauschen, das Ticketbüro ist plötzlich leer und der Ledersessel auf dem der Verkäufer saß auch. Ich geselle mich zu meinem Buswartehaufen und stelle schnell fest, dass die Busreise –auch nach München– im Moment wohl die beste Option ist, neben dem Zug und einer ominösen Fähre nach Griechenland, die alle ausgebucht sind. Meine Reisegruppe ist bunt gemischt sowohl vom Alter als auch von den Nationalitäten her: eine holländische Familie, ein deutsches Ehepaar, einige Iren und Engländer, ein paar Spanier und Türken, einige Geschäftsleute und mehr. Die meisten warteten schon seit zwei, drei Tagen auf diese Busfahrt und sahen ziemlich fertig aus.

Die Abfahrt wird immer wieder verschoben. Als wir zwei Stunden später zum Bus dem „Munich“-Schild folgen, macht sich Unruhe breit und es wird hektisch-jetzt geht’s ums Ganze. Es scheint als sind wir viel zu viele, um alle in den Bus zu passen. Das Gepäck muss vor der Einladung beschriftet werden. Diejenigen die nicht alleine Reisen teilen sich auf und reservieren im Bus schon Plätze. Ich muss mit Rashid draußen warten und um meinen Platz bangen, es gibt nur einen Kugelschreiber. Rashid ist ein junger Brite pakistanischer Herkunft mit braunem Adidastrainingsanzug und dicker Goldkette. „I’m so happy if I finally get on this bus.“ Er steckt sich eine Zigarette an. Nach einem Zug fällt sie runter und rollt unter den Bus. Auch er zittert total von der Kälte, auch er hat keine warmen Klamotten dabei. Wir ergattern einen Platz im Bus, ich sitze neben Ali am Gang, relativ weit vorne.

Die drei jungen Busfahrer erhalten eine kurze Einweisung von anderen Fahrern, sie sind wohl noch nicht so oft Bus gefahren. Eine Ansage gibt es nicht, aber es geht los-die Fahrt soll 20 Stunden dauern. Nach einer Viertelstunde Fahrt Essenspause. Erstes Geraune im Bus, wir sind doch gerade erst losgefahren? Alle raus was Essen, ich find‘s gut, da ich tierisch Hunger habe. Am Rastplatz stehen lauter Reisebusse mit Gestrandeten. Der Bus neben uns fährt auch nach München und hat nur 150 € gekostet. Ich setze mich wieder hin und versuche mich gerade abzuregen, das ich 100 € zum Fenster rausgeworfen hab. Zwei Busfahrer steigen wortlos ein und fahren los. Häh, aber das waren doch vorhin noch Andere? Keiner sagt was, langsam beginnen wir darüber zu diskutieren, Hauptsache wir fahren. Am Rastplatz wurde zwischen den Busfahrern Geld hin und her getauscht. Wir wurden weiterverkauft!

An der Grenze zu Bulgarien 2 Std. Wartezeit in der Schlange mit den ganzen anderen Bussen, Einreise in die EU, unsere Busfahrer haben kein Visum. Wir steigen aus und rauchen im Regen. Überhaupt schienen alle auf der Reise zu rauchen. Die Zeit in Bulgarien scheint stehengeblieben zu sein, das Grenzhäuschen sieht aus wie von 1970, die Uniformen der Grenzer auch. Wir stehen vor einem Häuschen mit abblätternder Farbe und vergilbter Plexiglasscheibe. Drinnen sitzt eine rauchende Grenzkontrolleurin mit dem Rücken zu uns und surft auf einem Röhrenmonitor auf einer Seite mit Dominas mit Latexklamotten und Peitsche. Das Ganze ist total surreal. Ein Geschäftsmann im Anzug aus unserem Bus, der aus einer Japan kam, bemerkt, dass dies „in anderen Zusammenhängen ja alles ganz spannend sein würde.“

Wir fahren weiter und kurven um diverse Schlaglöcher die ungemähten Wiesen entlang, auf der einige Bauern Tiere hüten. Ich kann kaum glauben, das Bulgarien EU-Mitglied ist, das einzige was irgendwie neuer aussieht waren die Autohäuser. Ein Bekannter der Busfahrer steigt in einem kleinen Ort hinzu. Es ist ein muskellöser Typ mit blauer Bomberjacke und abrasiertem Haaren. Witzigerweise war er kein Austauschbusfahrer, sondern für den Bordservice zuständig. Auf einem Tablett, das er versuchte mit einer Hand im schaukeligen Bus zu balancieren, servierte er abgepacktes Leitungswasser. Bei unserer Ausreise aus Bulgarien stolperte er die Treppe hinunter und stellte mehrere Päckchen bei den Grenzern auf den Tisch. Diese inspizierten diese und ließen uns schnell passieren. Die Insassen eines anderen Busses hingegen waren nicht so clever, die Grenzer zu bestechen und mussten bei strömenden Regen einzeln ihr Gepäck durchsuchen lassen. Als wir an ihnen vorbeizogen, erkannte ich, dass es der 150€-Bus war. Yeah, das habt ihr nun davon.

Fortsetzung folgt.

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