Kurzurlaub 2

Nun dann verlängert sich mein Urlaub halt. Mein Reiseveranstalter hatte ausrichten, wir könnten kostenfrei bleiben bis sich die Lage beruhigt und „unseren Urlaub genießen“. Bleibe ich halt ein, zwei Tage länger bis ich wieder fliegen kann, ist ja eigentlich ganz nett. Ich las meinen Krimi fertig und schaltete mein Handy ein, was ich eigentlich nur in Notfällen tun wollte. Mein Vater hatte mir schon diverse SMS geschrieben: „Der Luftraum ist gerade offen, ist geschlossen, ist morgen früh wieder kurz offen, du kannst eventuell doch fliegen, fahr einfach zum Flughafen-“ Naja.

Ich schaute mir den nächstgelegenen Ort an und ging ins Internetcafé, der Fernseher im meinem Hotelzimmer funktionierte ja nicht richtig. Bei den Bildern von den ganzen gestrandeten Passagieren wurde mir das ganze Ausmaß der Flugeinschränkungen bewusst-und natürlich auch, dass es am nächsten Tag wohl kaum einen Flug zurück geben würde. Zurück im Hotel berichtete Joachim von meuternden Hotelgästen in der Nähe, deren Veranstalter ihnen gekündigt hätten und die auf gepackten Koffern in der Hotellobby übernachten mussten. Ich gab einem Freund, der beim Radio arbeitet, ein Interview und wurde als einer von 5000 gestrandeten Touristen in die Sendung geschaltet: „Wie wollen sie denn nun nach Hause kommen?“

Am Tag drauf wurde mir langsam langweilig, der Krimi war durch und ich wollte ja auch zu Wochenbeginn wieder zu Haus sein. Die kasachische Kindergruppe mit 60 Personen die per Bus angereist war und die Gästezahl auf einen Schlag verzwanzigfacht hatte nervte irgendwie auch. Der Reiseveranstalter hatte mir Fax geschickt, auf welchem er mich rückwirkend kündigte und ich meinen Aufenthalt selber zahlen müsste: höhere Gewalt, Vulkan, bla bla. Nun war klar, dass ich mich aufmachen musste. Ein Blick auf die Karte offenbarte schnell, das ich ganz schön weit weg von der Heimat, also nichts mit Zug oder Bus. Also dachte ich so nah wie möglich ran an Europa nach Istanbul und buchte telefonisch einen Flug, denn es zum Glück noch gab.

Beim Ausschecken sollte ich die letzte Nacht bezahlen – und zwar absurde 60 €, wohl wissend das mich der ganze Weg zurück mehr kosten würde als die ganze Reise. Ich telefonierte mit meinem Veranstalter. Ich sagte ihm, dass eine rückwirkende Kündigung nicht möglich sei und mir zugesagt worden sei, ich könnte die Zeit genießen, bis wieder alles in Ordnung sei. Der Typ war schon sowas von abgegessen und rotzunfreundlich, das habe ich echt noch nicht erlebt. „Höhere Gewalt, da ist nunmal alles möglich, wissen sie eigentlich was uns das kostet, ich habs nicht nötig mich mit ihnen zu unterhalten.“ Da nichts zu holen war, brüllte ich „Arschloch“ in den Hörer und legte auf. Joachim, wohl wissend das ihm der selbe Streit bevorstand, versuchte mich zu überreden, einfach abzuhauen er würde die Rezeption ablenken und ich könnte einfach schnell zur Bushaltestelle laufen. Mich plagte ein schlechtes Gewissen gegenüber der echt netten Hotelleitung als erster Gast der Saison. Zum Glück erließ mir der Manager von sich aus die letzte Nacht und wünschte mir eine gute Heimreise. Für das Wetter könne ja niemand was.

Weil ich in Antalya in den falschen Bus gestiegen bin, um mir das Geld fürs Taxi zu sparen, dauert es ewig bis zum Flughafen. Dieser ist menschenleer. Noch eine SMS von Papa: Es gäbe Flüge von Antalya nach Wien! Einfach buchen! Ich hin zum Schalter. „Es gibt überhaupt keine Flüge nach Europa, weder von hier aus noch aus Istanbul. Wie kommen sie darauf, dass sie einfach einen Flug buchen können? Nur Gott weiß wann man wieder fliegen kann.“ Es gäbe aber wohl Busse in Istanbul.

Nach der Landung in Istanbul stellte sich heraus dass es dort gar keine Busse gab. Ich war am Billigairlineflughafen außerhalb der Stadt gelandet. Also auf zu Atatürk International Airport. Ein britisches Pärchen mit Ziel London will sich ein Taxi mit mir teilen, hat aber dann doch kein Geld, weil der Geldautomat am Flughafen ihre Karte nicht akzeptiert. Alleine fahre ich mit einem Bus in die Innenstadt und pfeife mir ein Burgermenü rein. Es ist kalt und regnet, ich habe immer noch meine Antalyashorts an. Ich überlege kurz, einfach in Istanbul zu bleiben bis sich alles wieder eingerenkt hat, entscheide mich aber wegen des schlechten Wetters dagegen und fahre mit einem anderen Bus zum Atatürk Airport.

Der Flughafen ist randvoll und tierisch laut. Tausende von Menschen sitzen auf ihrem Gepäck herum, einige auf Feldbetten, andere stehen in meterlangen Schlangen an irgendwelchen Schaltern an. Ich hole mir einen Kaffee und schaue mit Hunderten auf die Anzeigetafel „Cancelled, cancelled, cancelled.“ Es gibt angeblich einen Flug nach Süditalien. Auf jeden Fall wird das im Moment dort angezeigt. Mmmh, das geht ja eigentlich, denke ich mir. Aber eigentlich geht das nicht, das ist doch total weit weg.

Fortsetzung folgt.

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4 Gedanken zu “Kurzurlaub 2

  1. Das hat man nun davon – EINMAL Pauschal reicht meistens. Okay, das mit dem Vulkan war ja auch echt mist. Wer hätte denn ahnen können, das nach dem ersten Vulkanausbruch noch ein zweiter kommt, der ganz Europa lahm legt …

    Schönes Schlamassel 😉

  2. Schon lustig wie man im ersten Moment dem Gedanken erliegt, dass man – kaum näher dran – eigentlich schon zuhause ist. 🙂 Aber ich glaube, mir wär’s genauso gegangen.
    Jetzt machen Sie’s aber mal nicht mehr so spannend, ja?! Kommen Sie denn nu nach Hause oder müssen Sie dann in Süditalien auf das Vulkanende warten?

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