Vertretungseintrag Marq: Drei Tage wach

Noch ein Vertretungseintrag, diesmal von mir, von Marq, der zurzeit als Betreuungslehrer mit auf Klassenfahrt ist.

Frau Freitag lernte ich bei einer ähnlich gelagerten Veranstaltung vor etlichen Jahren kennen. Daran dachte ich mit Freude zurück, als ich heute mit zwei Dutzend Gymnasiasten und ihrer Klassenlehrerin eine gefühlte halbe Ewigkeit quer durch die Republik in einem Bus gondelte. Dort schon fingen die üblichen Rangeleien an, wer neben wem sitzen darf, wessen Musik gespielt wird und welche nicht, welche Snacks und Magazine es gibt, wer mit wem auf ein Zimmer geht, usw. etc.

Nach dem „Einchecken“ in einer Unterkunft, die durchaus den Charme eines Hotels in Weitfortistan versprüht, gab es für die 14jähigen nur zwei Fragen, die von existentieller Bedeutung sind: „Gibt es in diesem Kaff auch ein McDonalds?“ und „Wo ist die nächste Tankstelle?„. Ich hätte eher Beschwerden über das nicht vorhandene WLAN-Netz erwartet, aber nein, mit ihren Smartphones sind die Schüler ja quasi daueronline, um minutiös ihr Leben in Facebook oder diversen anderen Web2.0-VZ’s abzubilden. Stattdessen setzten sich die Abenteurer in Dreiergrüppchen in Bewegung, um mit leeren Rucksäcken loszuziehen und mit gefüllten wiederzukommen. Müßig zu erraten, dass Flüssigkeiten gekauft wurden, die ob ihrer Menge und Brennbarkeit keine Flughafen-Sicherheitskontrolle passieren würden. Jedoch ließ die Ansage der Klassenlehrerin, dass es nachher einen Zimmerrundgang geben würde, versprengte Grüppchen in einen benachbarten Wald verschwinden, aus dem sie nach kurzer Zeit mit leeren Rucksäcken wiederkamen. Ich genehmigte mir einen Spaß und regte eine Nachtwanderung an, die auf allgemeine Begeisterung stießt – wohl um die Schätze wieder zu bergen.

Mein Part als Betreuender bestand nach dem Abendessen zunächst darin, die zum Haus gehörende Bundeskegelbahn vor ihrer völligen Demolierung zu bewahren. Wider Erwarten überlebte die Bahn und die Schüler waren so dankbar, dass es hier (wenn schon kein McDonalds) wenigstens „Bowling“ gibt. Nunja…

Nachdem ich mich um 22:30 Uhr in die dritte Etage zu einer Feldstudie in Sachen „Bettruhe“ begeben hatte, trafen die Klassenlehrerin und ich im Gemeinschaftsraum mit zwei weiteren Lehrern einer 10. Klasse, die diese Herberge für ihre „religiöse Freizeit“ ausgewählt haben, in einer geselligen Runde zusammen und teilten unsere Erlebnisse:

Laura schläft auf dem Flur, denn Anna hat Laura ausgesperrt, weil Laura sich angeblich an Annas Deo vergriffen hat.

Bei Lukas, Felix, Alexander und Jonas stellte ich Jetons im Wert von 10.000 Euro sicher und beendete eine Pokerrunde.

Lena und Katharina reden seit Stunden auf Jasmin ein, die sich tierisch in Frederik verknallt hat, der aber nix von Jasmin wissen will, schließlich hätte er Jasmin nicht einmal seit der Ankunft angeschaut.

Julian und Timo bewachen Frederik, der unter einer kalten Dusche stehen muss, um „auszunüchtern“, nachdem er aus was für Gründen auch immer seine Tankstelleneinkäufe lieber komplett ausgetrunken hatte, statt sie im Wald zu verstecken.

Sebastian versucht sich erneut in die Etage der Mädchen zu schleichen, zumindest behauptet Timo dies, der versucht ihn bei mir zu verpfeifen, weil er ebenfalls auf Caro scharf sei.

Erkenntnis des Tages: Zu meinen eigenen Schulzeiten war es weder besser noch schlechter. Morgen mehr – verspricht euch Marq

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Allgemein

23 Gedanken zu “Vertretungseintrag Marq: Drei Tage wach

  1. Das Vertreterkonzept gefällt mir 🙂

    … aber am Kommentare freischalten scheint es noch zu hapern

    Im großen und ganzen entspricht diese Schilderung exakt meinen Erlebnissen damals in der Schule.. nur SmartPhones hatten wir damals noch nicht. Mist, wie ham wir das nur überlebt?

    Einzig die letzte Studienfahrt meiner Schulkarriere verlief etwas anders, die Unterkunft hatte doch tatsächlich eine Bar, die bereits am ersten Abend zahllose Opfer auch unter den Lehrkörpern forderte – dieser Bar verdanke ich meine bis heute währende Vorliebe für Tokajer… (wer sagt denn, dass man auf Studienfahrten nix lernt? Das prägt fürs Leben!)

    Die Bar kombiniert mit der Lebensmittelvergiftung aus dem nahen McDonalds sorgte dann auch anderweitig noch für unvergessliche Erinnerungen.. Aber da geh ich glaub besser nicht ins Detail..

  2. Wie jetzt, 10.000 Euro? Echt-Euro oder Spiel-Euro?

    Sie hätten sich den Zimmerrundgang doch mit der Kollegin teilen können. Einer geht durch die Zimmer, der andere spielt Ostereiersuchen im Wald.^^

    • 10.000 € Jetons, also Spielgeld 🙂 Und ja, wir teilten, also ich bei den Herren und die Klassenlehrerin bei den Damen der Schöpfung.
      Marq

  3. Schön, oder! Es war früher so, es ist heute so… und es ist auch an allen Schulen so. Ob Gymnasium oder Hauptschule, wenn die erstmal Pubertät haben, dann haben die eben Pubertät mit Dosenbier und Liebeskummer.

  4. *grins* Hat man Pubertät oder ist man in der Pubertät? 😉
    Ok bei vielen könnte es einem wie ne Krankheit vorkommen.

    Aber stimmt schon war immer so und wird immer so bleiben.

    An die Vertretungsschreiber:
    Macht ihr super!

    LG Andy

  5. „religiöse Freizeit“? Klingt doch sehr nach Dionysien … wusste gar nicht, dass das noch populär ist 😉

    Nee, Spaß beiseite, bis auf die Smartphones ist das vor *langerlangerZeit* exakt genauso abgelaufen.

    Aber die Smartphones ergeben ja völlig neue Möglichkeiten:
    „Herr Marq, woher wussten Sie denn, wo wir die zweite Flasche versteckt haben?“
    „Tja, wenn ihr das auch bei Facebook postet …“

  6. Genau so war es bei all unsren Fahrten auch und so muss und soll es auch sein, sonst wuerde es doch keinen Spass machen.
    Schoen zu lesen das sich wenigstens das aus den guten alten Zeiten herueber gerettet hat.

  7. Hat da jemand sein Versprechen gebrochen, Herr Marq? 😉
    Mein ja nur, dass heute der 12.07. ist und der Artikel am 10.07. veröffentlicht wurde und mit einem Versprechen schloss…

  8. Also, ich bin gerade auf diesen Blog gestoßen, weil ich nach der Lektüre von Frau Freitags Buch ein bisschen recherchieren wollte. Das Pferd von hinten aufzäumen nennt man das wohl. 😉

    Und jetzt blicke ich gerade nicht so ganz durch: Vertretungseintrag? Kann mir jemand schnell einen Überblick geben? 😀

    Lg,
    JulKra

    • Marq: Na klar, Frau Freitag ist ein paar Tage im Urlaub und hat Kollegen und Freunde gebeten, sie in dieser Zeit auf dem Blog zu vertreten.

  9. Hach ja… ich weiß auch noch, dass wir ein absolutes Koffein Verbot bekamen. 5-7 Dosen *Energy-Drink Eurer Wahl* waren dann doch der Geduld zu viel 😉 Vor allem wenn man sich aus irgendwelchen Gründen in den Teppich einrollt und zur Dusche des anderen Geschlechts hüpft und diese dann anstellt oO

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